Aktien bleiben 2020 erste Wahl

Zinsen wird es auch im neuen Jahr nicht geben, im Gegenteil. Und deshalb müssen Aktien ein Teil Deiner Finanzplanung sein. Auch wenn die Gewinne wahrscheinlich nicht mehr so üppig ausfallen werden wie 2019. Aber Du solltest sowieso langfristiger denken.

Manchmal hätte ich sehr gerne eine Kristallkugel. Dann wüsste ich, ob die Aktienkurse 2020 steigen oder fallen werden, und vor allem wie stark. Ich wüsste, welche Branchen und welche Einzeltitel besonders gut abschneiden werden. Aber leider gibt es keine Kristallkugeln; oder zumindest keine, die gut „funktionieren“. Vorhersagen für die Finanzmärkte und für unsere Geldanlage sind deshalb auch nicht ganz so einfach, aber trotzdem möglich! Schließlich gibt es jede Menge Daten, Fakten, Prognosen. Und so komme auch ich zu meinem persönlichen Ausblick auf das Anlagejahr 2020.

Ein Hinweis vorweg: Ich bin eine langfristig denkende Anlegerin. Ich investiere für Jahre, sogar Jahrzehnte. Eigentlich sollten mich also kurzfristige Zeiträume (wie ein Jahr) gar nicht interessieren. Aber natürlich lese auch ich all die Ausblicke der Experten, wälze Zahlen und Fakten und komme zu meinem eigenen, wenn auch kurzfristigen Ausblick. Das ist einfach spannend, das interessiert uns als Anleger*innen. Wenn Du in Aktien investierst, dann denke aber bitte langfristiger. Auch wenn Du vielleicht kurzfristige Chancen nutzen möchtest, solltest Du in Aktien grundsätzlich immer für viele Jahre investieren. Ich predige immer, dass Geld, das wir in den kommenden Jahren brauchen, nicht an die Börse gehört.

Aber zurück zu meinem Blick auf das kommende Jahr. Die schlechte Nachricht zuerst: Die Krisen und Probleme, die uns 2019 beschäftigt haben, bleiben uns erhalten. Auch wenn es zuletzt nach Entspannung aussah, gibt es noch kein Handelsabkommen zwischen den USA und China. US-Präsident Donald Trump wird weiter gegen andere Nationen wettern und auf „America First“ pochen. Schließlich ist Wahlkampf. Auch der Brexit wird uns in Europa wohl weiter beschäftigen. Und dann ist da noch die Konjunktur: Die Sorgen um die Weltwirtschaft lassen zwar nach, aber das Wachstums ist bei weitem nicht mehr so hoch, wie noch vor ein paar Jahren. Für Sparer*innen noch entscheidender: die Geldpolitik der Notenbanken. Nein, auch 2020 wird es keine Zinsen geben. Im Gegenteil, fleißigen Sparern*innen drohen Strafzinsen. Diese führen nämlich immer mehr Banken, Sparkassen und Volksbanken ein. Autsch!

Die guten Nachrichten überwiegen

Nun aber die guten Nachrichten: Ich glaube, dass 2020 ein gutes Jahr wird. Vorausgesetzt, Du investierst einen Teil Deines Vermögens oder besser Deines Ersparten an der Börse. Das Jahr 2019 war ein fabelhaftes Aktienjahr mit Gewinnen von mehr als 20 Prozent. Die Party wird nicht ganz so rauschend weitergehen, aber ich glaube, dass die Börsenkurse noch ein wenig weiter steigen werden. Gut möglich, dass die Schwankungen wieder zunehmen – den schlechten Nachrichten sei Dank. Aber grundsätzlich spricht einiges für Aktien und für steigende Kurse.

Die Wirtschaft erholt sich scheinbar, das signalisieren viele Frühindikatoren für die Konjunktur. Damit sollten sich auch die Gewinne der Unternehmen stabilisieren oder sogar wieder verbessern. Das Störfeuer aus dem Weißen Haus sollte auch abnehmen, schließlich will Trump im November wieder gewählt werden. Und das heißt, dass er keinen Crash an der Wall Street – immerhin der größte Finanzmarkt der Welt –gebrauchen kann. Er will sich nämlich an der Entwicklung der Aktienmärkte messen lassen. Und deshalb kann er sich einen Einbruch der Wirtschaft im Wahlkampf nun wirklich nicht leisten. Das spricht für Aktien. Und in Zeiten von Null- und Minuszinsen, sind Aktien sowieso alternativlos. Die Dividendenrenditen von Aktien sind übrigens auch oft höher als die Renditen von Anleihen, und das Kurspotenzial bei Aktien ist sowieso höher als das bei Anleihen.

Aktien sind nicht mehr günstig, aber auch nicht zu teuer

Immer wieder heißt es allerdings, Aktien seien nach der jahrelangen Rally zu teuer. Das finde ich nicht. Ja, im Dax zum Beispiel ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis mittlerweile auf mehr als 14 gestiegen. Im S&P 500 werden die Aktien sogar mit dem 17,5-Fachen ihrer, für die kommenden zwölf Monate erwarteten, Gewinne bewertet. Im historischen Vergleich sind das aber keine extremen Werte. Zumal die Bewertungen angesichts der extrem niedrigen Zinsen höher sein dürfen als üblich, wie Expertinnen und Experten immer wieder betonen.

Ich bin überzeugt, dass Aktien noch immer ein wenig Luft nach oben haben. Die Vorzeichen für 2020 sind gar nicht so schlecht, auch wenn es natürlich immer böse Überraschungen geben kann. Grundsätzlich sollten Aktien sowieso in keinem langfristig aufgestellten Depot fehlen. Investiere aber bitte breit gestreut, also über viele Einzelaktien – am besten via Fonds und ETFs –, Branchen, Länder und Kontinente. Und natürlich langfristig. Wenn Du diese einfachen Regeln der Geldanlage (und Aktieninvestments) befolgst, kann ich Dir auch ohne Kristallkugel vorhersagen, dass Du langfristig (!) verdammt erfolgreich sein wirst!

Das Wichtigste in Kürze

  • Auch 2020 wird es keine Zinsen geben.
  • Vielen Sparer*innen drohen Strafzinsen.
  • Aktien sind und bleiben in Zeiten von Null- und Minuszinsen alternativlos.
  • Ein Teil Deines Ersparten solltest Du an der Börse investieren.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin, Moderatorin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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