Sabbatical finanzieren

Auszeit finanzieren

Immer mehr Berufstätige träumen von einer beruflichen Auszeit. Wer sich aber für mehrere Monate zurückziehen will, sollte sich gut vorbereiten und im Vorfeld einige Fragen klären.

Die Zusage zum Studium hatte sie noch vor der letzten Abiturprüfung in der Tasche, nach der Uni ging es direkt ins Trainee-Programm. Seit drei Jahren arbeitet Nicole als Projektmanagerin in einer Kommunikationsagentur. Eine Sprosse nach der anderen erklomm sie auf der Karriereleiter. In ihrem Job blüht die 32-Jährige auf. Sie mag es, die Fäden in der Hand zu halten und Aufgaben zu koordinieren. Wann sie was arbeitet, bestimmt sie selbst. Dass Job und Leben dadurch fast eins geworden sind, störte Nicole nicht weiter. Für sie war es einfach praktisch, immer und von überall aus arbeiten zu können. Irgendwann, genau weiß das die junge Frau gar nicht mehr, kam sie ins Grübeln über sich und ihre weiteren Lebenspläne. Sie spürte, dass ihr das Gleichgewicht von Arbeit und Freizeit abhandengekommen war – Nicole braucht eine Auszeit.

Damit geht es ihr wie beinahe jedem zweiten Deutschen, der sich laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Fittkau & Maaß nach einer beruflichen Auszeit sehnt. Gut die Hälfte der Befragten möchte ihren Arbeitsplatz für drei bis sechs Monate verlassen, ein Drittel sogar für ein ganzes Jahr. Die Gründe dafür sind vielfältig: Reisen, zu sich selbst finden und neue Perspektiven gewinnen führen die Wunschliste an. Beinahe bedenklich wirkt, dass sich jeder zweite vor einem Burn-out fürchtet oder schon mittendrin steckt und deshalb eine Pause sucht.

Den Chef überzeugen

Besonders einfach haben es Beamtinnen und Beamte, Angestellte im öffentlichen Dienst sowie Lehrerinnen und Lehrer. Sie haben einen rechtlichen beziehungsweise tariflichen Anspruch, die Arbeitszeit über einen bestimmten Zeitraum zu verringern, sofern keine betrieblichen Gründe dagegensprechen. Die konkreten Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland. Eine Lehrerin in Nordrhein-Westfalen kann beispielsweise über drei Jahre ihre Arbeitszeit auf zwei Drittel reduzieren. In dieser Phase arbeitet sie zwar weiterhin in Vollzeit, feiert die angesparte Zeit aber anschließend in einem Sabbatjahr ab.

Für Angestellte in der freien Wirtschaft gibt es dagegen keine verbindlichen Regelungen. Hier gilt es, den Chef von den Plänen zu überzeugen. In kleineren Unternehmen ist der Wunsch nach einer Auszeit in der Regel schwieriger durchsetzbar, da der Arbeitgeber den Ausfall nur schwer kompensieren kann. Je nach Wirtschaftslage kann dies aber auch ein Überzeugungsargument sein. Bei schlechter Auftragslage etwa spart das Unternehmen mit der Freistellung auf Zeit Kosten, ohne aber die Mitarbeiterin dauerhaft zu verlieren.

Die persönliche Weiterentwicklung, körperliche und geistige Erholung oder auch eine neue Sprache, die man zweifelsohne bei einem längeren Auslandsaufenthalt erlernt und im Unternehmen einbringen kann, können den Arbeitgeber überzeugen. In jedem Fall sollten Angestellte ihre Pläne frühzeitig äußern, denn solch ein Sabbatical will gut geplant sein.

Finanzierung

Ein Sabbatjahr bedeutet immer finanzielle Einbußen und meist auch höhere Ausgaben, etwa wenn eine längere Reise geplant ist. Die Frage ist, wie diese kompensiert werden können. Die konkreten Summen sind höchst unterschiedlich. So kommen spartanische Aussteiger teilweise mit 300 Euro pro Monat aus, während andere mehr als ihr bisheriges Monatsgehalt benötigen. Am besten vorher einen Kassensturz machen und etwaige Finanzpolster wie eine fällige Lebensversicherung oder ein größeres Geldgeschenk einplanen. Je nach Vorlaufzeit kann der Rest auf dem Tagesgeldkonto oder besser per Wertpapiersparplan angespart werden.

Vorsicht, wer für die Auszeit unbezahlten Urlaub beantragt oder gar den Job kündigt, muss spätestens nach vier Wochen selbst für seine Sozialversicherung aufkommen! Der Vorteil: Kein oder nur geringes Einkommen bedeutet im Umkehrschluss auch keine Einkommensteuer. Steuerpflichtige Einnahmen innerhalb des Grundfreibetrags von derzeit 9.000 Euro pro Jahr sind steuerfrei.

Eine andere, besser planbare Möglichkeit ist, ein sogenanntes Zeitwertkonto einzurichten, auf das im Vorfeld Teile des Gehalts ein- und während des Sabbaticals ausgezahlt werden. Je nach individueller Vereinbarung mit dem Arbeitgeber können auf dieses Konto Teile des laufenden Arbeitsentgelts fließen, ebenso wie Mehrarbeitsvergütungen, Einmalzahlungen, freiwillige zusätzliche Leistungen des Arbeitgebers oder Überstunden und nicht in Anspruch genommene Urlaubstage.

Für die Besteuerung gilt das sogenannte Zuflussprinzip, das heißt, die Einkommensteuer wird erst bei Auszahlung des Guthabens fällig. Ebenso werden auch dann erst die Beiträge zur Sozialversicherung erhoben. Nicole hat ausgerechnet, dass sie für ihren sechsmonatigen Neuseeland-Trip etwa 10.000 Euro benötigt. Dafür zahlt sie ein Jahr lang 30 Prozent ihres Gehalts auf ein Zeitwertkonto ein. Den Rest will sie sich unterwegs mit Gelegenheitsjobs dazuverdienen.

Sabbatical finanzieren
Quelle: https://www.wimdu.de/blog/groesste-deutsche-sabbatical-studie/

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