Autoaktien: Eine spannende Wette auf die eMobilität

Kaum eine Branche macht einen derart tiefgreifenden Wandel durch, wie die Automobilbranche. Wie Du als Anleger*in auf die Mobilität der Zukunft setzen kannst.

Verrückt, oder? Die Automobilbranche ist immer noch eine der allergrößten in Deutschland, vor allem wenn man die Zulieferer mitrechnet. Die großen Autobauer verdienten in den vergangenen Jahren prächtig. An der Börse waren sie aber kaum noch gefragt. Ihre Aktienkurse dümpeln seit Jahren vor sich hin und die Corona-Krise hat sie besonders heftig getroffen. Viele Aktionär*innen haben mit den Papieren in den vergangenen Jahren ein dickes Minus gemacht. Warum das trotz guter Geschäftszahlen so ist? An der Börse wird die Zukunft gehandelt und die sah für die deutschen Autobauer lange nicht ganz so rosig aus, und das gleich aus mehreren Gründen.

Der Verbrennungsmotor ist zeitnah Geschichte, neue Antriebe sind gefragt. Oft heißt es, deutsche Autobauer verschlafen Zukunftstrends wie die eMobilität. Das stimmt aber nicht mehr, sie holen nämlich kräftig auf. Analyst*innen rechnen sogar damit, dass Volkswagen ab 2021 Marktführer bei eMobilität wird. Aber natürlich arbeiten alle Autohersteller weltweit an alternativen Antrieben. Doch der technologische Wandel ist nicht die einzige Herausforderung für die Branche.

In der Corona-Krise ist das eigene Auto wieder gefragt

Lange galt das Auto als das liebste Kind der Deutschen. Doch mit der Liebe zum eigenen fahrbaren Untersatz war es zuletzt nicht mehr besonders weit her – ein globaler Trend übrigens. Vor allem die jüngere Generation konnte dem eigenen Auto – ob als Statussymbol oder nicht – immer weniger abgewinnen. Seit Jahren lag der Fokus der 18- bis 35-Jährigen weniger auf dem Besitz des eigenen Autos, sondern vielmehr auf der Nutzung von Mobilität. Statt mit dem eigenen Auto zu fahren, stiegen die Jungen eher auf Bus, Bahn oder Shared-Mobility-Angebote um. Doch in der Corona-Krise scheint sich das geändert zu haben: Die Lust am eigenen Auto wächst wieder. Das zeigt eine Umfrage der Boston Consulting Group.

Die leidgeprüften Aktionär*innen hören das sicher gerne. Die Kurse der großen deutschen Autobauer Volkswagen, BMW, Porsche und Daimler haben sich in den vergangenen Jahren halbiert. Zwar flossen stattliche Dividenden, aber die konnten die Kursverluste nur abmildern, jedoch nicht wettmachen. Auch bei ausländischen Auto-Aktien sieht es nicht viel besser aus. Ausnahme: Tesla. Der gehypte Elektro-Pionier eilt an der Börse von Rekord zu Rekord. Und wie geht es weiter mit den Auto-Aktien? Das Urteil von Analyst*innen fällt gemischt aus. Kauf- und Verkaufsempfehlungen halten sich bei vielen Titeln fast die Waage. Natürlich müssen sich die Unternehmen erstmal von der Conora-Krise erholen. Die Bänder standen wochenlang still, die Autohäuser waren geschlossen und viele Kund*innen haben Investitionen verschoben. Analyst*innen rechnen ab 2021 mit einer deutlichen Erholung für die Branche. Auch der eBoom sollte sich positiv auf die Branche auswirken. Apropos eBoom. Von dem profitieren natürlich nicht nur die Autobauer und ihre Aktionär*innen. Batteriehersteller, Softwarekonzerne und auch die klassischen Zulieferer sind an der Börse ebenfalls ein Blick wert.

Für die Autoindustrie lieber Branchen-ETFs als Einzelaktien

Autoaktien könnten also eine spannende Beimischung im Depot sein. Wie immer gilt aber, dass der Anteil einzelner Positionen im Depot nicht zu hoch sein sollte. Das gilt meiner Meinung nach erst recht für Autoaktien. Es gibt aber auch Branchen-ETFs, mit denen Du Dir gleich mehrere Autobauer ins Depot holst und das Risiko streust. Schließlich wissen wir nicht, wer das Rennen um die (e-)Zukunft gewinnt. Und es gibt natürlich auch aktiv gemanagte Themenfonds, mit denen Du auf die Mobilität der Zukunft setzen kannst. Denn eMobilität ist definitiv ein Megathema.

Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin und Börsenexpertin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.
Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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