Seniorenstudium - Bachelor mit 60

Bachelor mit 60

Der berufliche Ruhestand ist schon in Sicht, aber für zu viel Ruhe fühlst Du Dich noch zu jung? Dann geht es Dir wie vielen Seniorinnen, die mit Freude noch einmal die Schulbank drücken, um geistig fit zu bleiben. Finde jetzt das passende Studium, denn für Bildung bist Du nie zu alt.

Lebenslanges Lernen wird hierzulande offensichtlich ernstgenommen. Zumindest deutet die amtliche Statistik darauf hin: Knapp die Hälfte der Gasthörer an deutschen Hochschulen ist 65 und älter. Das war vor zehn Jahren schon so und ist auch nicht weiter verwunderlich, denn wann sonst als in der Rente hat man genügend freie Zeit, sich zum Vergnügen in den Hörsaal zu setzen? Erstaunlich ist allerdings, dass den Vorlesungen heute doppelt so viele Über-80-Jährige lauschen als noch im Jahr 2008. Die Lieblingsfächer der wissbegierigen Senioren: Geschichte, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften.

Warum nochmal die Schulbank drücken?

Lernen im Alter – geht das überhaupt? Ja, es geht! Neurowissenschaftler konnten nachweisen, dass das menschliche Gehirn bis ins hohe Alter wächst und sich regeneriert ähnlich wie bei jungen Menschen. Dafür sollte eine Gruppe von Versuchspersonen zwischen 50 und 67 Jahren das Jonglieren lernen. Bereits nach wenigen Wochen zeigten sich Veränderungen in Gehirnregionen, die für das Lernen verantwortlich sind. Es bildeten sich neue Nervenzellen und die Versuchsteilnehmer konnten räumliche Bewegungen besser wahrnehmen als zuvor. Selbst wenn das Training wieder eingestellt wurde, blieb der positive Effekt teilweise erhalten. „Gerade für ältere Menschen ist es daher wichtig, neue Herausforderungen zu meistern und Neues zu lernen“, erklärt Arne May, einer der Autoren der Studie.

Sich mit 50Plus an Neues zu wagen ist also nicht nur möglich, es ist auch sinnvoll. Zum einen natürlich, um geistig fit zu bleiben. Wer sein Gehirn regelmäßig fordert, kann möglicherweise eine Demenzerkrankung aufhalten. Zum anderen nutzen viele das späte Studium, um unter Leute zu kommen und Kontakte zu knüpfen – zu Gleichgesinnten ebenso wie zur jüngeren Generation. Für manche Seniorin ist es auch die Gelegenheit, verpasste Chancen nachzuholen, weil sie sich vor 30 oder 40 Jahren eher um den Haushalt und die Kinder kümmern musste statt um ihre eigene Ausbildung.

Welches Studium passt zu Dir?

Ein geeignetes Studienprogramm zu finden ist schon eine Wissenschaft für sich. Denn die Bildungsangebote sind bundesweit so vielfältig und ihre Unterschiede so groß wie die Anzahl der Hochschulen. Der einfachste Weg und an nahezu jeder Uni und Fachhochschule möglich ist ein Gaststudium. Als Gasthörer nehmen Senioren an ausgewählten Vorlesungen und Seminaren teil, dürfen allerdings keine Prüfungen ablegen. Vorteile: Du brauchst kein Abitur und kannst ohne Leistungsdruck in die für Dich interessanten wissenschaftlichen Fachgebiete hineinschnuppern. Nachteil: Du erwirbst keinen akademischen Titel.

Mit Abitur oder Berufserfahrung plus vergleichbarem Schulabschluss wie Techniker oder Meister kannst Du auch ein reguläres Bachelor- oder Master-Studium aufnehmen. Anwesenheiten sowie die Teilnahme an Prüfungen sind verpflichtend und der Arbeitsaufwand für ein Vollzeitstudium entspricht in etwa einer 40-Stunden-Woche. Je nach Studienfach kann es zudem schwierig sein, überhaupt einen Platz zu bekommen. Tipp: In exotischeren Fächern ist Dir ein Platz so gut wie sicher und die meist sehr kleinen Gruppen ermöglichen einen intensiven Austausch mit Dozenten und Kommilitonen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Master in Byzantinistik, Keltologie oder traditioneller chinesischer Medizin?

Online-Kurse und Fernstudium

Wenn Du lieber von zu Hause arbeitest, kommt für Dich eventuell auch ein Fernstudium infrage. Für die Zugangsvoraussetzungen und den Abschluss gelten dieselben Regelungen wie für ein Präsenzstudium.

Dank dem Internet kennt Bildung keine Grenzen mehr. Sogenannte Moocs (Massive Open Online Courses) sind Online-Kurse von Universitäten weltweit, darunter auch Elite-Unis wie Oxford, Harvard oder Yale. Die Kurse sind in der Regel kostenlos. Lediglich für einen Leistungsnachweis in Form eines Zertifikats, verlangen die Hochschulen meist eine Gebühr. Vorteil: Du kannst jederzeit starten und die Kurse in Deinem eigenen Tempo durchlaufen. Nachteil: Du arbeitest für Dich allein und kannst Dich allenfalls per Chat zu den Kursinhalten austauschen.

Finanzierung

Eine Gasthörererlaubnis an einer staatlichen Universität kostet pro Semester um die 50 Euro. Nimmst Du ein ordentliches Studium auf, wird in der Regel ein Semesterbeitrag erhoben, der je nach Hochschule zwischen 100 und 300 Euro beträgt. Noch einmal teurer kann es werden, wenn Du bereits einen akademischen Abschluss in der Tasche hast. Manche Bundesländer erheben nämlich Studiengebühren für ein Zweitstudium, die bei rund 500 Euro liegen.

Die Kosten solltest Du aus eigener Kraft stemmen können, denn staatliche Unterstützung wie Bafög kann beispielsweise nur bis zum 35. Geburtstag beantragt werden. Die Altersgrenze für einen günstigen Studienkredit der KfW liegt bei 45.

Insgesamt sind die Kosten für ein Studium überschaubar, insbesondere, wenn Du bedenkst, was Du im Gegenzug dafür bekommst: Wissen, Erfahrung, Kontakte und vielleicht auch die Erfüllung eines lang gehegten Traums.

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