Mit Baukindergeld günstiger ins Eigenheim

Noch bis Ende 2020 läuft die Förderinitiative der Bundesregierung, mit der sie vielen Familien den Umzug in die eigenen vier Wände ermöglichen möchte. Hier erfährst Du, wie Du von der staatlichen Förderung profitierst.

Anfang Juni 2019 konnten Nicole und Timo mit ihren beiden Töchtern endlich ins Eigenheim einziehen. Über ein Jahr haben sie zuvor daran gearbeitet, das kleine Häuschen direkt neben Timos Elternhaus zu sanieren und bezugsfertig einzurichten. Eigentlich hätte alles viel schneller über die Bühne gehen sollen, denn kaufen wollte das Paar schon 2017. Dass sich die Vertragsunterzeichnung über den Jahreswechsel verzögert hat, stellte sich im Nachhinein allerdings als großes Glück heraus. Jetzt bekommen sie 24.000 Euro geschenkt.

Wer bekommt Baukindergeld?

Seit September 2018 fördert der Staat, rückwirkend bis zum 1. Januar 2018, den Kauf und den Bau von Wohnimmobilien mit dem sogenannten Baukindergeld. Für jedes minderjährige Kind, das mit im Haushalt lebt und dort auch einen Anspruch auf Kindergeld hat, gibt es 1.200 Euro pro Jahr über einen Zeitraum von zehn Jahren. Nicoles große Tochter aus einer früheren Beziehung ist gerade 16 geworden. Obwohl sie schon in zwei Jahren volljährig sein wird, behält die Familie den Anspruch über die vollen zehn Jahre. Ausschlaggebend ist nämlich das Alter bei Antragstellung. Wie in vielen Patchworkfamilien, lebt auch Nicoles Tochter im Wechselmodell abwechselnd bei Mutter und Vater. Sollte Nicoles Ex-Partner ebenfalls mit dem Gedanken spielen ein Haus zu kaufen, müssen sie sich einigen, wer die Förderung beantragt, denn pro Kind gibt es das Geld nur einmal.

Tipp: Bist Du schwanger und möchtest in den kommenden Monaten ein Haus kaufen, kann es sich lohnen, den Umzug etwas hinauszuzögern. Denn Baukindergeld gibt es nur, wenn das Kind zum Zeitpunkt des Antrags bereits geboren wurde. Gleichzeitig gilt, dass der Antrag erst nach dem Einzug gestellt werden kann – spätestens allerdings sechs Monate nach dem Datum, das aus der amtlichen Meldebescheinigung hervorgeht.

Welche Bedingungen gelten?

Damit der Antrag akzeptiert wird, müssen drei weitere Bedingen erfüllt sein. Erstens das Einkommenslimit. Das zu versteuernde jährliche Haushaltseinkommen darf nicht höher als 90.000 Euro plus 15.000 Euro pro Kind sein. Es zählt der Durchschnitt aus den beiden Jahren vor der Antragstellung. Nicole und Timo sind 2019 umgezogen. Folglich hätten sie zusammen in den Jahren 2017 und 2018 (nach Abzug sämtlicher Kosten, z. B. Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Vorsorgeaufwendungen, etc.) durchschnittlich 120.000 Euro pro Jahr verdienen dürfen.

Zweitens muss es sich bei der Immobilie um das erste gemeinsame Eigenheim handeln. Keiner der beiden Ehepartner darf zuvor schon einmal ein Haus oder eine Wohnung besessen haben. Ausnahme: Falls ein berufsbedingter Umzug ansteht und Du am neuen Wohnort wieder ein Eigenheim beziehst, erhältst Du weiterhin Baukindergeld. Andernfalls endet der Bezug, sobald die Immobilie verkauft oder vermietet wird.

Last but not least müssen die Antragsteller über die zehn Jahre, in denen das Baukindergeld gezahlt wird, ohne Unterbrechung in der Immobilie wohnen. Allerdings genügt es, wenn mindestens 50 Prozent selbst bewohnt werden. Wer etwa ein Mehrfamilienhaus erwirbt, kann eine Wohneinheit selbst nutzen und die übrigen vermieten.

Wo kann ich Baukindergeld beantragen?

Der Antrag muss spätestens sechs Monate nach dem Einzug bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gestellt werden. Besser Du lässt Dir nicht bis zum letzten Tag Zeit, denn die Mittel werden nach dem Windhundprinzip verteilt: Wer zuerst beantragt, wird zuerst bedient. Mehr als ein Drittel der insgesamt 10 Milliarden Euro sind bereits ausgeschöpft (Stand November 2019). Zudem endet die Förderinitiative Ende 2020. Ob der Bund anschließend weitere Mittel bereitstellen wird, ist noch unklar.

Sämtliche Informationen rund um den Antrag und die Förderbedingungen findest Du auf den Webseiten der KfW. Anträge werden online im Zuschussportal gestellt.

Wie verwende ich das Baukindergeld sinnvoll?

Die Auszahlung des Baukindergeldes ist zwar an einige Bedingungen geknüpft, wie Du das Geld letzten Endes einsetzt, liegt ganz bei Dir. In Deine Baufinanzierung  kannst Du die Förderung beispielsweise als Sondertilgung einbringen. Manche Darlehensverträge erlauben von Beginn an jährliche Sondertilgungen. Ganz unabhängig von der individuellen Vertragsgestaltung besteht nach zehn Jahren per Gesetz immer die Möglichkeit, Sondertilgungen einzubringen, ohne dass dafür eine Vorfälligkeitsentschädigung geleistet werden muss. Vorteil: Sondertilgungen mindern die Restschuld und verbessern die Konditionen für eine Anschlussfinanzierung.

Ob der Plan der Bundesregierung, die Mietquote spürbar zu senken, aufgeht, wird sich zeigen. Für Familien ist das Baukindergeld jedenfalls eine willkommene Finanzspritze auf dem angespannten Immobilienmarkt.



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