Wie der Chef bei der Altersvorsorge hilft

Sich nur auf die gesetzliche Altersvorsorge zu verlassen, ist zu wenig. Es sollte auch privat vorgesorgt werden. Wie der Chef beim langfristigen Vermögensaufbau unterstützt, verrät Jessica Schwarzer im Beitrag.

Wenn Du angestellt bist, dann hast Du Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge (kurz bAV). Leider ist das Thema ziemlich kompliziert. Es gibt diverse Möglichkeiten, wie eine solche bAV aussehen könnte. Man hat aber – in diesem Fall leider – nicht die Qual der Wahl, denn das Unternehmen entscheidet, welche Variante es seinen Mitarbeitern anbietet. Informationen dazu gibt es in der Personalabteilung oder beim Chef selbst.

Pflicht ist die bAV für Dich nicht

Nicht immer macht eine bAV Sinn, nicht immer rechnet sich die Offerte des Arbeitgebers. Denn Die Renditen der bAV-Produkte sind häufig mau, die Policen unflexibel. Eine private Altersvorsorge kann manchmal mehr Sinn machen. Oft rechnet sich die bAV aber eben doch. Rechne also unbedingt nach und lass Dich vom Anbieter beraten. Denn Du musst dieses Angebot nicht annehmen. Pflicht ist die betriebliche Altersvorsorge für Dich nicht. Wohl aber für Deinen Chef: Dein Arbeitgeber muss einen bestimmten Betrag von Deinem Bruttolohn als Beitrag für eine betriebliche Altersversorgung verwenden, sofern keine tarifvertraglichen Regelungen dem entgegenstehen. Dieses Verfahren wird etwas sperrig als Entgeltumwandlung bezeichnet.

Bei einer (Brutto-)Entgeltumwandlung muss sich der Arbeitgeber in der Regel mit mindestens 15 Prozent des umgewandelten Gehalts beteiligen. Dies gilt bei allen neu abgeschlossenen Vereinbarungen zur Entgeltumwandlung ab 2019. Ab 2022 gilt dies auch für alle bereits bestehenden Vereinbarungen zur Entgeltumwandlung. Hast Du Dich für eine solche Entgeltumwandlung entschieden, musst Du zunächst mit Deinem Arbeitgeber vereinbaren, welchen Betrag des Bruttolohns er für die betriebliche Altersversorgung umwandeln soll. Einen Anspruch auf Entgeltumwandlung hast Du in Höhe von 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West) in der gesetzlichen Rentenversicherung. Diese liegt im Jahr 2019 bei 80.400 Euro. Davon 4 Prozent sind 3.216 Euro.

Die Beiträge zur bAV werden dabei ganz oder teilweise vom Arbeitgeber übernommen. Einen gesetzlichen Anspruch auf eine vom Arbeitgeber finanzierte Betriebsrente gibt es jedoch nicht. Allerdings kann in tarifvertraglichen Regelungen festgelegt sein, dass der Arbeitgeber die Betriebsrente teilweise oder auch vollständig finanziert. Entsprechende Regelungen kann es auch auf betrieblicher Ebene geben oder sie können zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzelvertraglich gestaltet werden.

Verschiedene Varianten

Eine betriebliche Altersversorgung kann als Direktversicherung, über eine Pensionskasse, über einen Pensionsfonds, als Direkt- beziehungsweise Pensionszusage oder über eine Unterstützungskasse aufgebaut werden. Diesen „Durchführungsweg“ wählt grundsätzlich der Arbeitgeber aus. Die Direktversicherung ist eine Lebens- oder Rentenversicherung, die Dein Arbeitgeber als Versicherungsnehmer zu Deinem Gunsten abschließt. Pensionskassen sind Versorgungseinrichtungen, die von einem oder mehreren Unternehmen gebildet werden. Sie sind spezielle Lebensversicherungen.

Die Beiträge zahlen die Arbeitgeber. Als Arbeitnehmerin hast Du allerdings die Möglichkeit, Dich in Form der Entgeltumwandlung daran zu beteiligen. Pensionsfonds sind rechtlich selbstständige Versorgungseinrichtungen, die den Arbeitnehmern einen Rechtsanspruch auf die zugesagten Leistungen einräumen. Pensionsfonds sind freier in der Wahl ihrer Geldanlagen als Direktversicherungen und Pensionskassen. Damit sind einerseits zwar höhere Renditen möglich, doch andererseits besteht auch ein größeres Risiko von Verlusten.

Bei einer Direkt- oder Pensionszusage verpflichtet sich der Arbeitgeber, Dir im Pensionsalter eine Betriebsrente aus dem Betriebsvermögen zu zahlen. Hierfür bildet der Arbeitgeber Pensionsrückstellungen. Oftmals schließt der Arbeitgeber auch eine Rückversicherung ab. Für den Fall der Insolvenz des Arbeitgebers sind Deine Ansprüche aus einer Direktzusage beim Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) geschützt. Und dann gibt es noch die Unterstützungskasse. Das ist eine Versorgungseinrichtung, die von einem oder mehreren Unternehmen gebildet wird.

Je mehr der Arbeitgeber dazugibt, desto mehr lohnt sich betriebliche Altersvorsorge. Finanziert Dein Arbeitgeber die Extrarente, mach auf jeden Fall mit. In allen anderen Fällen musst Du ein bisschen rechnen. Dabei helfen Dir aber sicher die Personalabteilung und der jeweilige Anbieter. Übrigens: Betriebsrenten müssen später versteuert werden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Dein Chef muss eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) anbieten, entscheidet aber, welche das ist.
  • Bietet er nichts an, bestehe auf Dein Recht auf Entgeltumwandlung. Seit 2019 müssen Arbeitgeber 15 Prozent zuschießen.
  • Finanziert Dein Chef die bAV, mach auf jeden Fall mit. Falls nicht, prüfe das Angebot genau, nicht immer rechnet sich die bAV.
  • Rechnest Du damit, künftig häufiger den Job zu wechseln, überlege genau, ob Du überhaupt über den Chef für das Alter vorsorgen willst. Nicht alle Verträge lassen sich zum neuen Arbeitgeber mitnehmen.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin, Moderatorin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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