Börsenerfolg ist ein Marathon, kein Sprint

Ein langer Atem zahlt sich an der Börse aus. Je länger Du anlegst, desto geringer ist das Risiko. Ein Plädoyer für langfristige Investments in Aktien von Jessica Schwarzer.

Machst Du Ausdauersport? Läufst Du vielleicht sogar Marathon? Dann weißt Du, dass es im Training, aber auch während des Wettkampfs immer wieder schwierige Phasen und sogar heftige Rückschläge geben kann. Bei Aktieninvestments ist es nicht anders. Der Weg ins Ziel ist lang und manchmal auch mühsam. Doch wie beim Sport lohnt sich die Anstrengung und ein langer Atem wird garantiert belohnt.

Börsenkurse schwanken, keine Frage. Heftigere Rückschläge – im Börsendeutsch Korrektur genannt – oder sogar schlimme Crashs sind leider nie ausgeschlossen. Korrekturen erlebst Du als Börsianerin recht häufig, die brutalen Abstürze zum Glück nicht so oft. Aber es gibt sie. Ich habe zwei davon miterlebt: Anfang des Jahrtausends platzte nach einer fulminanten Rally mit exorbitanten Kursgewinnen die Internetblase. Der Dax verlor zwischen 2001 und 2003 grauenvolle 75 Prozent.

Und dann die Finanzkrise 2008/2009! Wieder ging es 50 Prozent abwärts. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Die 30 größten, deutschen, börsennotierten Unternehmen haben drei Viertel beziehungsweise die Hälfte ihres Wertes verloren. Das ist mehr als ein Rücksetzer im Training, eher eine langwierige Sportverletzung – um im Bild zu bleiben.

Die Zeit heilt alle Wunden, auch an der Börse

Aber: So etwas heilt! Auch an der Börse. Zumindest wenn Du breit gestreut investiert hast und nicht nur in einige wenige Einzelaktien. Wenn Du Dir langfristige Index-Charts anschaust, dann sind Crashs oft kaum mehr als eine Delle. Den Dax gibt es seit gut 30 Jahren, da sind die Crashs im Chart zwar deutlich erkennbar, sehen aber nicht mehr so dramatisch aus. Noch eindrucksvoller ist der mehr als 100-jährige Chart des amerikanischen Dow Jones. Da sind die extremen Abstürze kaum noch zu erkennen. Die Börse ist eben ein Marathon und kein Sprint!

Und deshalb solltest Du sehr, sehr langfristig denken, wenn Du in Aktien investierst. Denn mit der Zeit schwindet das Risiko, die Gewinnchancen wachsen. Du musst also vor den Kursschwankungen, schwachen Börsenjahren wie 2018 mit einem Minus von gut 18 Prozent im Dax (andere Märkte waren kaum besser) und auch vor heftigen Crashs keine Angst haben. Glaubst Du nicht angesichts der Horror-Beispiele? Dann schau Dir unbedingt das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts (DAI) an.

Das wirklich beeindruckendste Beispiel dafür, wie wenig schlimme Abstürze die langfristige Performance von Aktien belastet, zeigt das optisch in einer Sprechblase hervorgehobene Beispiel: Wer 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, erzielte in diesem Zeitraum eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,8 Prozent. Nur noch mal kurz zur Erinnerung: In diesen Zeitraum fielen sowohl das Platzen der Internetblase als auch die Finanzkrise. Der Dax hat also einmal 75 und einmal 50 Prozent – sogar gegen Ende dieses Betrachtungszeitraums – nachgegeben. Heute notiert er längst viel höher als damals.

Das zeigt eindrucksvoll: Trotz Crashs und Korrekturen, trotz aller Schwankungen liefern Aktien eine sehr gute Rendite – langfristig wohlgemerkt. Kurzfristig kann es ziemlich schlecht laufen, auch das zeigt das Renditedreieck des DAI. Aktien sind ein Marathonlauf, definitiv. Manchmal funktioniert auch der Sprint. Verlassen kannst Du Dich darauf nicht. Aber ganz sicher: Der lange Atem zahlt sich an der Börse definitiv aus, genau wie beim Ausdauersport.

Das Wichtigste in Kürze

  • An der Börse solltest Du langfristig investieren. Zehn und mehr Jahre sind ein guter Anlagehorizont.
  • Aktienkurse schwanken mitunter heftig, stürzen auch mal ab. Aber mit der Zeit sinkt das Risiko.
  • Langfristig liefern Aktien extrem gute Renditen.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin, Moderatorin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.


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