Budgetieren – Kontrolle oder Verzicht?

Wer ans Budgetieren denkt, denkt auch oft an Verzicht. Viele Menschen verbinden damit Einschränkungen und einen Verzicht auf die Dinge, für die sie gerne Geld ausgeben, um sich mal etwas zu gönnen. Doch Budgetieren muss nicht unbedingt heißen, dass ich mir manche Dinge nicht mehr leisten kann. Vielmehr steckt dahinter ein bewussterer Umgang mit meinen vorhandenen Ressourcen: Gönnen ohne schlechtes Gewissen, könnte man auch sagen.

Doch wie geht man dabei am besten vor und welche Möglichkeiten gibt es?

Kenne Deine Ausgaben

Zunächst einmal gilt es, sich einen Überblick zu verschaffen: Was habe ich und was passiert mit meinem Geld? Der erste Schritt besteht also darin, herauszufinden, wie viel Geld Du wofür ausgibst. Verschaff Dir einen Überblick über alle Ausgaben – also über jeden Kaffee, jeden Lebensmittelkauf und sogar jedes Trinkgeld. Insbesondere am Anfang ist es wichtig, dass Du genau weißt wohin dein Geld monatlich verschwindet.

Oft sind es gerade die kleinen Ausgaben, die ein Loch ins Haushaltsgeld fressen, denn über diese verliert man am schnellsten den Überblick. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit denen Du deine Ausgaben tracken kannst. Dazu gehören das klassische Haushaltsbuch, eine Excel-Tabelle, mit der Du automatisch Ausgaben zusammenrechnen kannst oder eine App, die du überall dabeihast und mit der Du jederzeit jede Ausgabe ergänzen kannst.

Um eine passende App zu finden, kannst Du einfach in deinem App-Store nach „Haushaltsbuch“ suchen. Lade Dir dort ein paar kostenlose Apps herunter und teste einfach, mit welcher Du Dich am wohlsten fühlst. Denn ab jetzt ist es wichtig, dass Du die App auch täglich – und sogar mehrmals am Tag – nutzt. Der große Vorteil von Apps ist, dass Du direkt alles nach Kategorien angezeigt bekommst: Wieviel Geld gibst Du monatlich in der Drogerie aus? Wie viel für Kleidung?

Mein Tipp: Du musst das Haushaltsbuch nicht Dein Leben lang führen – oder gar Jahre. Auch wenn viele das gerne tun und Du so natürlich immer die Kontrolle und den Überblick hast. Oft reichen aber schon drei bis sechs Monat, um Dein Ausgabenverhalten analysieren und verbessern zu können. Ein guter Nebeneffekt vom regelmäßigen Tracken Deiner Ausgaben ist, dass Du automatisch umsichtiger bei Deinen Ausgaben wirst.

Die Marie-Kondo-Methode für Deine Finanzen

Frei nach dem Motto „Nur, was Dich glücklich macht, darf bleiben“, geht es im nächsten Schritt darum, alle unnötigen Ausgaben zu streichen. Schau Dir also an, welche unnötigen Ausgaben in Deinem Haushaltsplaner vorhanden sind, die Du nicht wirklich brauchst. Wie hoch sind Deine Ausgaben für neue Kleidung? Braucht es den regelmäßigen Coffee-to-go? Mithilfe des Trackings kannst Du nun sehen, was unnötig ist und Dein Ausgabenverhalten entsprechend ändern. In den meisten Fällen kommen hier nach ein paar Monaten einige Überraschungen zutage.

Denn natürlich tut der tägliche Kaffee- oder Kuchenkauf beim Konditor nicht weh – die drei oder fünf Euro spüren wir nicht. Im Monat können so aber schnell 100 Euro zusammenkommen. Oder auch 1.200 Euro im Jahr. Eine schöne Summe, die man besser hätte sparen und investieren können. Es gibt noch einen weiteren Trick, mit dem Du sehr schnell, sehr viel Geld sparen kannst: Ausmisten! Und zwar alte Verträge und Mitgliedschaften.

Logge Dich dazu am besten direkt in Deinem Online-Banking ein und überprüfe alle Abbuchungen der letzten 12 Monate: Wer bucht regelmäßig Geld von Deinem Konto ab? Welche Versicherungen gibt es, die Du vielleicht nicht mehr brauchst? Hast Du vielleicht eine unnötige Wertversicherung abgeschlossen? Wertversicherungen sind beispielsweise Handyversicherungen. Oft kosten sie nur wenige Euro im Monat, sind in den meisten Fällen jedoch total unnötig. Denn herbei wird immer nur der gegenwärtige Wert erstattet und Du musst beweisen, dass Dein Handy ohne Dein eigenes Verschulden oder eine fehlerhafte Bedienung kaputt gegangen ist.

Wenn Du so eine Versicherung noch für deine Spül- und Waschmaschine, Deinen Fernseher und Deinen Fön abgeschlossen hast, können auch hier schnell 20 bis 30 Euro im Monat zusammenkommen, die besser in Deinem Notgroschen aufbewahrt sind. Geht dann wirklich mal eines Deiner Geräte kaputt, kannst Du das Geld direkt hieraus beziehen. Ein weiterer Klassiker bei Deinen Verträgen, können Streaming-Dienste sein. In den letzten Jahren ist es absoluter Trend geworden, Dinge zu mieten, statt zu kaufen. Wozu ein Album kaufen, wenn ich bei Spotify streamen kann? Dazu kommt noch Amazon Prime, Netflix, Disney+, YouTube Premium, Apple TV, Headspace, Blinkist, Kindle Unlimited und so weiter.

Verschaff Dir also einen Überblick über all Deine Mitgliedschaften und setz dann den Rotstift an! Die meisten Abos können monatlich gekündigt werden. Kündige also immer das, was Du gerade nicht nutzt. Was zunächst nach viel Arbeit klingt, kann am Ende einen schönen Stundenlohn ergeben: Zwei Stunden Recherche und Verträge kündigen und dabei vielleicht 200 oder 300 Euro sparen? Klingt doch nach einem guten Deal!

Passt Dein Lifestyle zu Deinem Kontostand?

Wenn Du all diese Tipps angewandt hast, hast Du schon viele kleinere oder größere Geldfresser gefunden und im besten Fall eliminieren können. Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, muss sich auch ehrlich die Frage stellen: Passt mein Lebensstil zu meinem Kontostand? Laut Faustformel sollen beispielsweise nicht mehr als 50 Prozent der monatlichen Nettoeinnahmen für lebensnotwendige Ausgaben wie Miete, Lebensmittel oder Mobilität gezahlt werden. Mit einem durchschnittlichen Einkommen ist dies heutzutage in deutschen Großstädten sehr schwer zu halten.

Das Problem ist jedoch: Wenn Du beispielsweise 70 Prozent deines Nettoeinkommens für diesen Bereich ausgibst, bleibt Dir kaum etwas für Deine Altersvorsorge. Denn schließlich möchtest Du ja auch mal in den Urlaub fahren oder Dir mal etwas gönnen – total verständlich! Damit Du für deine Altersvorsorge sparen und dabei trotzdem gut leben kannst, musst Du vielleicht Deinen Lebensstil auch mal kritisch betrachten: Braucht es in der Großstadt wirklich ein Auto? Ist die Größe Deiner Wohnung auch angemessen für die Größe deines Gehaltszettels?

Was zunächst nach krassen Veränderungen klingt, kann Dir vielleicht sogar ein besseres und sorgenfreieres Leben ermöglichen. Und irgendwann muss man sich auch fragen: Kann ich mir diesen Lebensstil auch mit meinem zukünftigen Renteneinkommen leisten?

#howiusedmymoney

Wie Du siehst, gibt es viele Stellschrauben, an denen Du drehen kannst, um Deine Finanzen in den Griff zu bekommen. Egal, ob es die kleinen Ausgaben sind, oder große Veränderungen: Es gibt immer etwas, das Du heute verändern kannst, um auch später gut zu leben und Themen wie Altersarmut von Deiner Sorgenliste zu streichen! Fang am besten noch heute damit an.

Margarethe Honisch

Finanzbloggerin auf Fortunalista

Margarethe ist Finanzbloggerin und zeigt auf ihrem Blog Fortunalista, dass Finanzplanung weder langweilig noch kompliziert ist. Sie möchte Frauen dazu motivieren ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Mit ihrem Blog, den sie 2017 gegründet hat, möchte die hauptberufliche Online-Redakteurin zeigen, dass jede Frau – auch ohne Bankenlehre oder BWL-Studium – erfolgreich investieren und für ihr Alter vorsorgen kann. Mittlerweile tritt Margarethe auch als Speakerin auf, moderiert Events und hat zuletzt das Buch „Easy Money“ im Piper Verlag veröffentlicht.

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