Denk über Finanzen nach!

Denk über Geld nach!

Wir müssen uns um unsere Finanzen kümmern, daran führt kein Weg vorbei. Aber vorher sollten wir in uns gehen, uns ein paar Gedanken machen. Unbedingt sogar

Die persönliche Finanzplanung ist für die meisten von uns nur ein notwendiges Übel. Altersvorsorge macht eben einfach keinen Spaß. Der schnelle, gefühlte „Gewinn“ bei der Schnäppchenjagd im Internet oder im Schlussverkauf unserer Lieblingsboutique fühlt eben besser an als der langfristige Anlageerfolg. Psychologen erklären das damit, dass unser Gehirn auf schnelle Belohnungen programmiert ist. Über die reduzierte Designerhandtasche oder den neuen Fernseher während irgendeiner Rabattaktion, ja sogar über eine günstige Tankfüllung können wir uns sofort freuen, über den langfristigen Anlageerfolg erst in zehn oder 20 Jahren. Wer will schon so lange warten? Doch der langfristige Anlageerfolg steht auch für die finanzielle Sicherheit im Alter. Später helfen uns die reduzierte Designerhandtasche oder der dicke Rabatt beim Fernseher schließlich wenig.

Und deshalb müssen wir uns um unsere Finanzen kümmern. Nimm Dir Zeit dafür. Es kann doch nicht sein, dass wir uns länger mit dem Kauf eines neuen Autos oder einer neuen IT-Bag beschäftigen als mit unserer Altersvorsorge. Oder das jeder Dritte regelmäßig im Internet auf Schnäppchenjagd geht und fast genauso viele regelmäßig die Tankstellenpreise vergleichen, aber nicht mal jeder Zehnte das bei der Geldanlage für nötig hält. Das nämlich zeigen diverse Umfragen immer wieder. Ein schockierendes Ergebnis. Zumal die selben Umfragen zeigen, dass uns sehr bewusst ist, dass die gesetzliche Rente im Alter nicht ausreichen wird. Für viele ist die private Altersvorsorge sogar das oberste Sparziel. Und auch vor dem wohlverdienten Ruhestand ist finanzielle Unabhängigkeit – die definiert natürlich jede von uns anders – ein erstrebenswertes Ziel.

Um es zu erreichen, müssen wir uns mit unseren Finanzen beschäftigen. Mir fällt das sehr leicht. Ich mache es sogar richtig gerne. Mich hat Geld schon immer fasziniert. Wahrscheinlich könnte man mich als gierig bezeichnen. Schon als Kind habe ich gespart wie verrückt, bin sofort zur Sparkasse geradelt, wenn ich zehn, 20 oder 30 Mark zusammen hatte und habe das Geld auf mein Sparbuch eingezahlt. Am 2. Januar war ich wahrscheinlich immer die erste, die sich ihre Zinsen hat gutschreiben lassen. Denn die gab es ja damals in den 1980er-Jahren noch. Irgendwann kamen Sparbriefe dazu, sogar ein Fonds. Da war ich ein Teenager.

Ein paar Jahre später hat mich das Börsenfieber gepackt, und zwar richtig. Meine erste Aktie war die Deutsche Telekom. Jawohl, diese eine Volksaktie, an der sich so viele die Finger verbrannt haben. Meine Mutter hatte die Idee, die Papiere beim Börsengang zu zeichnen. Wir haben aber relativ schnell wieder verkauft – mit einem Gewinnen von etwa 15 Prozent. Die Super-Rally, aber auch den extrem heftigen Absturz haben wir nicht miterlebt. Aber: Meine Gier war geweckt. Was folgte, kennen viele, die um die Jahrtausendwende an der Börse aktiv waren: das große Zocken! Dicke Gewinne inklusive, aber eben auch viel Lehrgeld, das ich zahlen musste. Ich bin der Börse auch nach dem großen Crash 2002/2003 treu geblieben, habe Fonds- und später ETF-Sparpläne für mich entdeckt, wurde von der Zockerin zu Langfristanlegerin.

Mein steiniger Weg zur Investorin mit Strategie

Aber, und damit sind wir wieder bei unserem Thema: Ich hatte keine Strategie, viele Jahre lang nicht. Ich habe nicht richtig über Geld nachgedacht. Ich war immer stark in Aktien investiert, habe unter dem Strich auch gute Renditen erzielt. Aber ich hatte keinen konkreten Fahrplan. Langfristig denken, solide investieren, mit einer hohen Aktienquote, breit streuen über viele Einzeltitel, Branche, Länder und Kontinente – das wurden nach und nach meine Anlageregeln, immerhin so viel hatte ich gelernt und verstanden. Dass alles gehört natürlich zu einer vernünftigen Strategie, es sind quasi die Grundlagen. Aber viel weiter habe ich nicht gedacht.

Meine Anlageziele? Auf jeden Fall Vermögensaufbau, auch Altersvorsorge. Aber wie groß sollte dieses Vermögen werden? So viel wie möglich, wäre wahrscheinlich meine Antwort gewesen. Wie groß kann und muss es werden? Wie hoch muss die Rendite eigentlich sein, um mein Ziel zu erreichen? Darüber habe ich mir früher keine Gedanken gemacht. Heute weiß ich sehr genau, welche Renditen ich mit meiner Strategie – denn ich habe jetzt eine – voraussichtlich erzielen werde und wie schnell mein Vermögen wächst.

Mein Anlagehorizont? Wenigstens der war halbwegs klar: langfristig, 20 oder mehr Jahre. Damit sind Aktien eine sehr gute Wahl. Und auch über meine Risikotoleranz war ich mir relativ bewusst: hoch. Ich kann einiges aushalten. Ich weiß, dass ich Turbulenzen, magere Jahre und sogar Crashs ertragen kann. Immerhin habe ich die Abstürze zu Beginn des Jahrtausends und in Folge der Finanzkrise 2008/2009 miterlebt. Der Dax hat damals 75 beziehungsweise 50 Prozent verloren. Das war nicht schön, das hat auch mir weh getan. Aber ich weiß, dass Aktien langfristig die erfolgreichste Risikoklasse überhaupt sind. Statistiken zeigen, dass das Verlustrisiko mit der Anlagedauer sinkt, irgendwann verschwindet es sogar ganz. Das beruhigt. Vielleicht war ich aber früher auch einfach nur stur und die Einsicht kam später.

Bei mir ist ziemlich viel ziemlich gut gelaufen. Aber es war lange Zeit mehr Zufall oder Bauchgefühl oder was auch immer. Mit einer Strategie, mit einem Plan hatte das wenig zu tun. Ich habe, wenn ich ehrlich bin, wild und wahllos investiert, mein Depot war ein ziemliches Kuddelmuddel. Wahrscheinlich habe ich viele Jahre verloren, in denen ich viel erfolgreicher hätte anlegen können. Das solltest Du besser machen.

Und jetzt bist Du dran!

Deine Aufgabe: Denk über Geld nach! Stell Dir die folgenden Fragen, schreib die Antworten vielleicht sogar auf. Und sei dabei ganz ehrlich zu Dir selbst. Wenn Du Dich selbst belügst, wird Dich das nicht ans Ziel führen.

  • Wie wichtig ist Dir Geld? Welche Summe würde für Dich finanzielle Freiheit bedeuten?
  • Welche Anlageziele hast Du? Soll das Geld für eine länge Auszeit in ein paar Jahren reichen? Für ein neues Auto? Den Hauskauf? Oder für einen sorgenfreien Ruhestand?
  • Welchen Anlagehorizont hast Du? Fünf, zehn, 15, 20 Jahre oder noch länger? Der Anlagehorizont ist natürlich eng mit Deinen Zielen verbunden
  • Wie hoch ist Deine Risikotoleranz? Kannst Du noch gut schlafen, wenn der Depotauszug ein Minus von zehn, 20 oder 30 Prozent ausweist?

Wenn Du Dir darüber im Klaren bist, könnte es eigentlich losgehen. Eigentlich! Doch eines müssen wir unbedingt berücksichtigen: unsere Lebenssituation.

Bist Du vielleicht alleinerziehende Mutter und musst für Euren Lebensunterhalt sorgen? Du hast wahrscheinlich nicht viel Spielraum, kannst nur kleine Summen zurücklegen. Dann solltest Du diese eher sicher anlegen, auch wenn Du das Risiko eigentlich nicht scheust. Du bist alleinstehend, hast einen sehr gut bezahlten Job, der noch dazu sehr sicher ist, und auf dem Tagesgeldkonto türmen sich die Tausender? Dann kannst Du viel mehr investieren und vor allem auch riskieren. Aber Du darfst nicht mehr riskieren, als Du auch ertragen kannst. Du bist verheiratet, Dein Mann ist quasi Deine Altersvorsorge? Ihr solltet über Geld reden, die wenigsten Ehen halten für immer. Und dann?

Auch ich habe meine Lebenssituation früher nicht bewusst berücksichtigt. Zweitweise war ich selbstständig – und trotzdem steckte ein Großteil meines Vermögens in Aktien. Mein Notgroschen war eigentlich zu gering. Zum Glück musste ich keine Durststrecke überbrücken. Das wäre schiefgegangen. Heute bin ich wieder selbstständig, nach zehn Jahren als Handelsblatt-Redakteurin mit einem guten und natürlich regelmäßigen Gehalt. Das Tagesgeldkonto ist heute besser gefüllt als damals. Dort liegen heute mehr als die drei Nettogehälter, die ich als Angestellte für „Notfälle“ oder teure Urlaube geparkt hatte. Auch wenn mir das fast weh tut angesichts der eigentlich nicht mehr vorhandenen Zinsen. Aber es hilft ja nichts. Sollte es mal einen schlechten Monat geben oder gar mehrere, brauche ich das Geld. Meine Lebenssituation ist als Freiberuflerin eben eine andere als noch vor ein paar Monaten.

Meine letzte Aufgabe deshalb für Dich: Analysiere Deine Lebenssituation und mach einen Kassensturz. Und dann legen wir gemeinsam los. Ich freue mich sehr, jetzt Teil der finanz-heldinnen zu sein und gemeinsam mit Dir über Geld nachzudenken!

Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin, Moderatorin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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