Der Umgang mit Geld prägt – ein Interview mit Christiane von Hardenberg

Schon früh bekommt man mit, wie wichtig und allgegenwärtig Geld im Alltagsleben ist. Doch das Verständnis für die eigenen Finanzen kommt viel später, manchmal zu spät. Mit einer Frau, die hier ihre eigenen Erfahrungen gemacht hat, haben wir im Interview gesprochen.

Autorin Christiane von Hardenberg berichtet uns über ihre Erfahrungen mit Geld, welche Rolle ihre Eltern bei der Prägung für den Umgang mit Geld spielten und was sie davon nun an ihre Kinder weitergibt. Außerdem verrät sie, welche Learnings Du aus ihren Fehlern mitnehmen kannst und wie Du am besten den Einstieg in Deine Finanzen findest.

finanz-heldinnen: Bevor Du Deine Finanzen selbst in die Hand genommen hast, hast Du Dich auf die Aussagen anderer verlassen. Wie kam es dazu, dass Du Dich nun selbst kümmerst und was ist Dein Learning daraus für unsere Leser:innen?

Christiane von Hardenberg: Das Ergebnis war einfach unbefriedigend. Das kann ich allerdings nicht allein auf die Berater:innen schieben, ich war selbst zu wenig involviert. Zwar war ich informiert, habe nachgefragt, wenn ich etwas nicht verstanden habe. Aber es ist doch ein Unterschied, ob man die Entscheidungen selbst trifft und die Verantwortung übernimmt oder nicht. Meine Lehre aus dieser Zeit ist daher, „Kaufe nur Dinge, die Du verstehst und die zu Dir passen, nicht, was andere Dir raten“. Eine Volkswagen-Aktie kann an sich ein gutes Investment sein, wenn man sich aber nicht für Autos interessiert und nicht versteht, womit VW sein Geld verdient, sollte man die Finger davon lassen.

Geld zu haben bedeutet für Dich Sicherheit, Unabhängigkeit und Freiheit. In welchen Lebensbereichen erfährst und genießt Du diese Freiheit bereits heute und inwiefern hat das Auswirkungen für Deine Zukunft?

Sicherheit heißt für mich, im Notfall einige Monate ohne Einnahmen über die Runden zu kommen. Für mich lag die Schwelle bei sechs, besser noch bei 12 Monaten. Wenn man noch unverheiratet ist und keine Kinder hat, reichen vermutlich drei Monate. Finanzielle Freiheit finde ich einen schwierigen Begriff, ich spreche lieber von finanzieller Unabhängigkeit. Auch ich kann mir nicht jeden Wunsch oder Luxus erfüllen, halte dies überdies auch nicht für erstrebenswert. Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet für mich, nicht auf ein bestimmtes Gehalt angewiesen zu sein, mir meine Projekte aussuchen zu können und vor allem Zeit für meine Familie zu haben.

Finanzwissen an Kinder zu vermitteln ist nicht einfach – wie handhabt Ihr das und welche Rolle spielen dabei einerseits die schulische Ausbildung und andererseits Freizeitaktivitäten und spielerisches Lernen mit bspw. Monopoly?

Schulisch läuft da bisher gar nichts, obwohl mein Ältester bereits in der 9. Klasse auf dem Gymnasium ist. Ich fürchte, da kommt auch nicht mehr viel. Umso wichtiger ist es, unseren Kindern einen guten Umgang mit Geld beizubringen. Selbstverständlich haben sie schon früh ein Sparbuch bekommen und haben mit kleinen Nebenjobs oder Verkäufen auf dem Flohmarkt ihr Taschengeld aufgebessert.

Geld verdienen und sparen ist sehr wichtig, sie sollten zudem schon früh die Börse kennenlernen. Daher haben wir den beiden Ältesten zum Geburtstag eine Aktie geschenkt, eine HelloFresh-Aktie, die damals rund 15 Euro kostete. Die Jungs kennen den Kochboxen-Lieferanten, wir bestellen die Boxen im Lockdown immer wieder selbst. So hatten sie bereits Bezug zu dem Unternehmen, haben angefangen, sich weiter dafür zu interessieren und sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Jetzt hätten sie am liebsten eine Apple-Aktie, aber darauf müssen sie schon selbst sparen.

Inwieweit hat Dich der Umgang mit Geld Deiner Eltern geprägt und was hast Du davon für Dich und die Erziehung Deiner Kinder übernommen?

Mein Vater hatte immer gesagt „vom Arbeiten allein wird keiner reich“. Das verdiente Geld sollte nicht auf dem Konto liegen, sondern für uns arbeiten. Das habe ich schon sehr früh übernommen und versuche, dies auch meinen Kindern weiterzugeben. Ich erzähle von meinen Immobilienprojekten, ebenso von meinen Aktieninvestitionen. Sie sollen mitbekommen, dass sich der Aufwand lohnt, Geld gut anzulegen.

Immobilien spielten bei Deinen Eltern schon eine große Rolle und auch Du nutzt heute diese Anlageform für Dich. Wie hast Du für Dich die passende Anlagestrategie und –objekte gefunden?

Als ich vor fast 20 Jahren anfing, in Immobilien zu investieren, gab es nicht viele Informationen. Das Thema war nicht sehr angesagt. Ich konnte zwar einige Bücher finden, habe aber vor allem mit Menschen gesprochen, die mehr Erfahrung hatten als ich. Zudem habe ich mir viele Objekte angesehen und mir eine Meinung gebildet. Heute ist es viel einfacher, sich in das Thema einzuarbeiten. Es gibt zahlreiche gute Bücher, Blogs und Online Tutorials. Ich wünschte, das hätte es damals schon alles gegeben.

Sich mit seinen Finanzen zu beschäftigen steht bei vielen auf der To-Do-Liste und doch fällt der Anfang schwer. Was ist Dein Tipp für alle Einsteiger:innen?

Ich empfehle, sich eine Woche lang jeden Abend einen Stunde Zeit für das Thema zu nehmen. Das sollte reichen, um erste finanzielle Ziele zu definieren, einen Online-Broker auszuwählen und einen Sparplan abzuschließen. Eine Woche ist wirklich überschaubar, Ausreden zählen nicht! Und natürlich mein Buch lesen! Es ist unterhaltsam geschrieben und soll den Einstieg in die eher trockene Finanzwelt erleichtern.

Vielen Dank für das Interview!

Über Christiane von Hardenberg

Christiane von Hardenberg ist promovierte Volkswirtin, Buchautorin, Unternehmertochter und Mutter von vier Söhnen. Nach Stationen bei der ZEIT und der Süddeutschen Zeitung arbeitete sie 10 Jahre lang als Wirtschaftsjournalistin für die Financial Times Deutschland. Aus der Not heraus wurde sie schon in jungen Jahren zur Finanzexpertin. Heute investiert sie mit großer Freude vom Berliner Küchentisch aus und hat sich damit über die Jahre ein kleines Vermögen aufgebaut.

 

Bild: © Asja Caspari

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