Derivate – Anlageinstrumente mit zwei Gesichtern

Derivate versprechen mitunter hohe Gewinnchancen, allerdings nicht ohne einen entsprechenden Preis. Wir erklären Dir, was hinter den Anlageinstrumenten steckt und unter welchen Bedingungen sie sich für Privatanleger*innen eignen.

Hexenwerk und Zauberei – an den Finanzmärkten ist die Sicht auf Derivate zwiegespalten. Während diese Finanzinstrumente einerseits eingesetzt werden, um Risiken punktgenau zu steuern, können sie auch Finanzkrisen auslösen oder zumindest verschlimmern, wie z.B. die sogenannten Kreditderivate während der Subprime-Krise im Jahr 2008.

Was steckt dahinter?

Aber was sind Derivate genau? Und wie funktionieren sie? Der Begriff stammt vom lateinischen derivare und bedeutet „ableiten“. Derivate leiten sich also von anderen Finanzinstrumenten ab, etwa von Aktien, Zinsen, Währungen oder Krediten und stellen ein Recht dar. Es gibt viele Spielarten, worauf genau ein Anrecht besteht und wie es ausgestaltet ist. In der Regel gibt es zwei Parteien: eine*n Käufer*in und eine*n Verkäufer*in des Derivats. Sie einigen sich über die Modalitäten, wann ein Instrument, zu welchem Preis, in welcher Art und Weise übertragen wird. Der Zeitpunkt liegt immer in der Zukunft, daher spricht man bei Derivaten auch häufig von Termingeschäften.

Futures und Optionen

Termingeschäfte lassen sich wiederum grob in zwei Kategorien unterteilen, die sich darin unterscheiden, ob ein Geschäft zum Fälligkeitszeitpunkt ausgeführt werden muss (unbedingte Termingeschäfte) oder ausgeführt werden kann (bedingte Termingeschäfte).

Zu den unbedingten Derivaten zählen bspw. sogenannte Futures. Hier sind Käufer*in und Verkäufer*in des Derivats berechtigt und verpflichtet, den sogenannten Basiswert an einem bestimmten Datum, zu einem bestimmten Preis auszutauschen.

Optionen zählen hingegen zu den bedingten Termingeschäften. Hier fallen Recht und Pflicht auseinander. Der/die Käufer*in der Option hat das Recht die Option auszuüben, während der/die Verkäufer*in sich dieser Entscheidung beugen muss; daher wird er/sie auch als Stillhalter*in bezeichnet. Im Gegenzug erhält er/sie zu Anfang die Optionsprämie, d.h. den Preis für das Recht, dass der/die Käufer*in bezahlen muss. In dieser Hinsicht funktionieren Optionen ähnlich einer Versicherung: Man bezahlt eine Prämie zu Anfang und erhält eine Zahlung bzw. einen Ausgleich, wenn ein bestimmtes Ereignis eingetreten ist.

Vorsicht vor der Hebelwirkung

Die Hebelwirkung sorgt dafür, dass Du nicht nur 1:1 an der Entwicklung Deines Basiswerts partizipierst, sondern überproportional hoch. Wenn der Basiswert um 10 % steigt und Du ein Produkt mit einem Hebel von 2 hast, erzielst Du doppelt so hohen Gewinn. Das funktioniert allerdings auch in die andere Richtung – und kann dazu führen, dass Du mehr Geld verlierst, als Du ursprünglich eingesetzt hast. Daher gehören Hebelprodukte zu den Derivaten mit dem höchsten Risiko.

Spekulation und Absicherung

Während sich Derivate also einerseits zur Spekulation mit hohem Hebel eignen, stellen sie insbesondere für institutionelle Investoren eine effektive Möglichkeit zur Risikoabsicherung dar. So können zum Beispiel Fondsmanager*innen Teile eines Portfolios absichern, ohne die Wertpapiere verkaufen zu müssen. Zum Beispiel kann eine Verkaufsoption auf einen Marktbreiten Index erworben werden. Fällt der Markt, werden die Verluste im Portfolio mittels des Termingeschäfts kompensiert.

Derivate sind komplexe und hochriskante Anlageinstrumente – im schlechtesten Fall bedeuten sie für Anleger*innen den Totalverlust. Besonders schmerzhaft wird der Verlust bei gehebelten Derivaten. Sie werden auf Kredit gekauft und im Verlustfall besteht für den Anleger, bzw. die Anlegerin eine sogenannte Nachschusspflicht, d.h. es fallen im Nachhinein zusätzliche Kosten an.

Derivate eignen sich daher nur für Anleger*innen, die die Funktionsweise des Produkts genau verstanden haben und das Risiko dennoch bewusst eingehen möchten.


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