Die Steuererklärung lohnt fast immer

Zugegeben, es gibt viele Dinge mit denen Du Dir die Freizeit angenehmer vertreiben kannst als mit Deiner Steuererklärung: ein Wellness-Wochenende, ein Wochenend-Trip nach Wien, London oder Paris oder ein ausgiebiger Shopping-Tag. Das alles kostet aber Geld. Gut möglich, dass Deine Rückzahlung vom Finanzamt dafür mehr als ausreicht. Wer nämlich seine Steuererklärung abgibt, bekommt fast immer eine Rückzahlung. Zuletzt lag dieses bei durchschnittlich 974 Euro.

Warum überhaupt eine Steuererklärung machen?

Warum das so ist? Dein Arbeitgeber versteuert Dein Einkommen für Dich und führt die Steuern ab. Es gibt aber viele Ausgaben im Laufe des Jahres, die Deine Steuerlast senken können und die Du nachträglich noch angeben kannst. Und schon gibt es eine Erstattung. Geld, dass Du Dir auf keinen Fall durch die Lappen gehen lassen solltest. Nimm Dir also auf jeden Fall die Zeit und fülle die Formulare aus.

Apropos Zeit: Falls Du eine Steuererklärung abgeben musst, weil Du beispielsweise noch Nebeneinkünfte hast, die Du versteuern musst, dann hast Du jetzt ein bisschen mehr Zeit. Wenn Du Deine Erklärung ohne Hilfe eines Steuerberaters oder Lohnsteuerhilfevereins erledigst, musst Du sie am 31. Juli abgeben. Zwei Monate später als bisher. Allerdings gelten jetzt strengere Regeln, wenn Du trödelst und zu spät abgibst.

Was kann abgesetzt werden?

Doch was kannst Du überhaupt absetzen, also steuerlich geltend machen? Mehr als Du denkst, wahrscheinlich. Hier einige Beispiele, die fast jeden von uns betreffen:

  • Arbeitsmittel: Wenn Du Ausgaben rund um den Job oder Deine Ausbildung hattest, kannst Du diese als Werbungskosten geltend machen. Dies können Fahrtkosten sein, Ausgaben für eine Fortbildung, Fachbücher und natürlich auch Büromaterial. Jeder Arbeitnehmer kann übrigens einen Pauschalbetrag von 1.000 Euro geltend machen. Wenn Du höhere Ausgaben hast, kannst Du auch mehr absetzen, brauchst aber Quittungen. Auch sogenannte geringwertige Wirtschaftsgüter, die Du für Deinen Job brauchst, kannst Du absetzen. Das können ein Schreibtisch, Computer, Drucker, Telefon oder Datenträger sein. Die Kosten können nun bis zu einem Nettobetrag von 800 Euro (952 Euro brutto) pro Jahr komplett steuerlich abgesetzt werden und müssen nicht über mehrere Jahre verteilt abgeschrieben werden.

  • Haushaltsnahe Dienstleistungen: Beauftragst Du externe Dienstleister wie Haushaltshilfe, Gärtner, Au-pair, Altenpfleger oder Hausmeister, kannst Du auch das angeben. Du bekommst für Hilfskräfte in der Regel 20 Prozent erstattet. Auch für Handwerkerarbeiten können Steuerzahler 20 Prozent der Kosten, höchstens aber 1200 Euro jährlich, erstattet bekommen. Als haushaltsnahe Dienstleistung anerkannt wird alles, was mit Renovierung, Erhalt oder Modernisierung zu tun hat. Allerdings kannst Du nur Lohnkosten geltend machen und keine Materialkosten.

  • Vorsorgeaufwendungen: Auch die Altersvorsorge wird steuerlich gefördert. Ledige können für 2018 Vorsorgeaufwendungen in Höhe von bis zu 23.712 Euro geltend machen – Ehepaare das Doppelte. Diese Höchstbeiträge werden jährlich angehoben. Das Finanzamt berücksichtigt davon 86 Prozent. Dieser Prozentsatz steigt Jahr für Jahr übrigens um zwei Prozent.

  • Versicherungen: Kranken- und Pflegeversicherung können als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung und andere Versicherungen, die persönliche Lebensrisiken absichern, wie zum Beispiel Unfallversicherung oder Haftpflichtversicherung, sind nur in Grenzen absetzbar. Gib sie auf jeden Fall an, das Finanzamt rechnet für Dich.

  • Familie: Auch Unterhaltszahlungen sowie Kosten für die Betreuung des Nachwuchses gehören in die Steuererklärung. Für Kinder bis 14 Jahren können Eltern zum Beispiel zwei Drittel der Betreuungskosten bis maximal 4.000 Euro pro Jahr und Kind geltend machen – für die Kita, den Hort oder die Tagesmutter

Was bei der Steuererklärung hilft

Klingt alles kompliziert? Muss es nicht sein. Steuerprogramme für den heimischen Computer helfen Dir und führen Dich Schritt für Schritt durch die Erklärung. Es gibt sie schon für kleines Geld und Du kannst die Kosten dafür auch absetzen. Alternativ suchst Du Dir einen Steuerberater, was natürlich etwas kostspieliger ist. Die Experten holen dann aber auch das Maximale für Dich raus. Oder Du gehst zu einem Lohnsteuerhilfeverein – die günstigere Alternative. Hier musst Du dann Mitglied werden. Der Jahresbeitrag ist einkommensabhängig und liegt je nach Verein zwischen 50 und 400 Euro.

Keine Alternative sollte es sein, dass leidige Thema Steuerklärung links liegen zu lassen. Damit dürfte Dir Jahr für Jahr viel Geld entgehen.

Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin, Moderatorin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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