Ein Marktplatz für Unternehmen

An der Börse werden Aktien, Anleihen, Devisen und Rohstoffe gehandelt. Sie ist ein moderner und ziemlich virtueller Marktplatz. Trotzdem ist das Parkett in Frankfurt mehr als nur Fernsehkulisse.

Die Zeiten, dass Makler*innen mit Order-Zetteln wedelnd über das Parkett der Frankfurter Börse rannten und sich gegenseitig lautstark mit ihren Angeboten überboten, sind lange vorbei. Heute läuft ein Großteil des Handels digital, und Server machen eben keinen Krach. Die Funktion der Börse ist aber dieselbe geblieben, auch wenn es den amüsanten Trubel kaum noch gibt.

Die Börse ist ein Marktplatz für Unternehmensbeteiligungen. Denn nichts anderes sind Aktien. Kaufst Du eine Aktie, beteiligst Du Dich an einem Unternehmen, wirst also quasi Unternehmer*in. Und diese Beteiligungen werden an der Börse gehandelt. Das gleiche gilt übrigens für Anleihen, also sogenannte Schuldverschreibungen, Devisen wie Euro oder Dollar, Rohstoffe und Anlageprodukte wie Fonds, ETFs und Zertifikate. Immer gilt: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Genau wie auf den zahlreichen Wochenmärkten dieser Republik.

Apropos zahlreich: Es gibt mehrere Börsen. Der bekannteste Handelsplatz ist – auch dank der täglichen Fernsehberichterstattung – die Börse Frankfurt. Sie gehört zur Deutschen Börse, die übrigens auch den Dax berechnet. Weitere Regionalbörsen gibt es in Stuttgart, Düsseldorf, München, Hamburg-Hannover und Berlin. Wettbewerb belebt schließlich das Geschäft. Die Preise für einzelne Papiere sind aber sehr, sehr ähnlich, variieren nur um Cent-Beträge. Aber bei den Gebühren solltest Du genauer hinschauen.

Anders als beim Wochenmarkt, gibt es an der Börse kaum noch Handel von Angesicht zu Angesicht. Verkäufer*innen und Käufer*innen begegnen sich auf dem Börsenparkett nicht persönlich. Als Anleger*in kannst Du nicht einfach zur Börse gehen und dort Aktien kaufen – das passiert über Deine Depotbank oder Deinen Broker. Deine Order wird dann digital an Deine Wunschbörse weitergeleitet und die Händler und Handelssysteme führen sie aus. Die Handelsgeschäfte werden heute nahezu ausschließlich elektronisch getätigt. Aktien und andere Wertpapiere gibt es auch kaum noch in physischer Form. Du bekommst also keine Urkunde mehr, sondern die Papiere werden virtuell in Deinem Depot verbucht.

Mehr als eine Kulisse für die Fernsehberichterstattung

Dieser moderne, virtuelle Marktplatz hat den Vorteil, dass er viele Marktteilnehmer*innen von der ganzen Welt auf einmal zusammenbringt und ein hohes Handelsaufkommen – Profis nennen das Liquidität – ermöglicht. Außerdem sorgt ein von der Börse organisierter Marktplatz dafür, dass die Preise für die gehandelten Produkte, in diesem Fall Wertpapiere, fair und transparent sind und es zwischen Käufer*innen und Verkäufer*innen nicht zu Missverständnissen kommt. Der Handel ist reguliert, Börsenaufsicht und Co. überwachen, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Ein paar Händler*innen sind immer noch auf dem Parkett im großen Saal der Frankfurter Börse. Oft heißt es, dass das Parkett nur noch Kulisse für die tägliche Fernsehberichterstattung ist. Ganz so ist es aber nicht. Auch hier wird noch immer jeden Tag gehandelt. Genauso wie an den anderen regionalen Börsen. Mehr als 90 Prozent des gesamten Aktienhandels in Deutschland gehen allerdings heute über den elektronischen Handelsplatz Xetra der Deutschen Börse. Über Xetra kannst Du börsentäglich von 9 bis 17.30 Uhr die meisten deutschen und wichtige internationale Aktien sowie ETFs und Fonds kaufen oder verkaufen. Auf dem Parkett wird bis 20 Uhr gehandelt. Und mitunter wird es dort auch noch mal kurz laut – immer dann, wenn der Dax besonders heftige Kurssprünge macht oder eben wie im Corona-Crash abschmiert.

Das wichtigste in Kürze:

  • Die Börse ist ein Marktplatz für Aktien, Anleihen und Rohstoffe, aber auch für Anlagevehikel wie Fonds, ETFs oder Zertifikate.
  • Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.
  • Der größte Teil des Handels läuft heute elektronisch.
  • Es gibt mehrere Börsen in verschiedenen Städten. Die Kurse für einzelne Aktien oder Anleihen unterscheiden sich aber nur minimal.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin und Börsenexpertin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.
Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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