Ein Superjahr für Anleger*innen

Der Blick auf den Depotauszug zeigt: 2019 war ein sensationelles Jahr. All jene, die der Börse nach dem schlechten Jahr 2018 treu blieben, wurden mit satten Kursgewinnen belohnt. Ein ganz persönlicher Jahresrückblick.

2018 ist gefühlt alles gefallen, 2019 alles gestiegen. Das ist Börse: ein ständiges Auf und Ab. Psychologisch ist das manchmal gar nicht so einfach. Auch meine Laune steigt und fällt mit den Aktienkursen und das, obwohl ich sehr langfristig investiere und mich zwischenzeitliche Kursrücksetzer eigentlich nicht weiter beunruhigen sollten. Aber die eigenen Emotionen kann eben niemand abschalten, auch die erfahrensten Börsianer*innen nicht. Und so kam es, dass meine Laune zum Jahreswechsel 2018/2019 nicht besonders gut war.

Kein Wunder: Eines der schlechtesten Börsenjahre der jüngsten Vergangenheit lag hinter uns. Allein der Dax schloss mit einem Minus von fast 20 Prozent, andere Märkte waren kaum besser. In meinem Aktiendepot hatte das natürlich Spuren hinterlassen. Umso überraschter und vor allem glücklicher war ich, als die Börsen mit deutlichem Rückenwind in das Jahr 2019 starteten. Der Jahresauftakt an den Märkten lief so gut wie lange nicht mehr. Also: Aufatmen! Zurücklehnen! Genießen!

Aber die Freude währte nur kurz: Auf den fulminanten Jahresauftakt folgten einige mühsame Monate. Es gab einfach zu viele Stolpersteine für die globalen Börsen, zu viele Unsicherheitsfaktoren: Der Handelsstreit und der Kampf um die Technologieführerschaft zwischen den USA und China, die schwindenden Unternehmensgewinne, das ständige Gerangel um den Brexit und die schwächelnde Weltkonjunktur verdarben Börsianern und damit auch mir immer wieder die Laune und lasteten auf den Kursen. Der Sommer an der Börse war wirklich nichts für schwache Nerven. Die Gewinne aus den ersten Monaten des Jahres schmolzen dahin wie das Eis in der Sonne.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China war das bestimmende Thema an der Börse und in der Wirtschaft. Zuspitzung, Entspannung, Zuspitzung, Entspannung, und so weiter – Unternehmen und Börsianer wollen aber (Planungs-)Sicherheit. Doch die fehlte völlig. Immer neue Drohungen, Strafzölle inklusive, angekündigte und wieder abgesagte Treffen. Das Säbelrasseln zwischen den beiden Großmächten hat auch bereits Spuren in den Unternehmensbilanzen hinterlassen. Die Gewinne gehen zurück, die Ausblicke sind etwas mau. Folglich ruckelt auch die Weltkonjunktur. Das Wachstum hat deutlich nachgelassen. Der Blick auf mein Depot machte mir immer weniger Spaß, aber so ist das eben manchmal.

Zum Glück hat sich die Stimmung an den Märkten aber im Herbst wieder deutlich aufgehellt. Am Ende wurde alles gut und die Märkte setzten sogar zu einer Jahresendrally an – mal wieder getrieben von der Geldpolitik der Notenbanken. Die Währungshüter in den USA und Europa steuern nämlich wieder gegen. Die amerikanische Fed, die ja bereits die Zinswende hin zu wieder steigenden Zinsen eingeleitet hatte, hat eine Vollbremsung gemacht. Und nun sinken die Zinsen in den USA wieder. Das billige Geld soll die Unternehmen bei ihrer Finanzierung entlasten und sie zu Investitionen animieren. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Kurs korrigiert und ihr Anleihekaufprogramm wieder aufgenommen.

Rekorde an der Wall Street, satte Gewinne beim Dax, Anleihen und Gold

Das zeigt Wirkung. Seit einigen Wochen steigen die Aktienkurse wieder, und zwar kräftig. Das ist natürlich auch der Entspannung im Handelsstreit geschuldet. An der Wall Street in New York, immerhin der größte Finanzmarkt der Welt, markieren die Börsenbarometer sogar schon wieder Rekordstände. Der Dax hinkt noch etwas hinterher.  Insgesamt war 2019 ein wirklich tolles Aktienjahr – allen Kursschwankungen und Rücksetzern zum Trotz. Die Verluste aus dem vergangenen Jahr sind längst mehr als wettgemacht.

Auch andere Anlageklassen liefen ziemlich gut: An den Anleihemärkten gibt es zwar kaum noch Zinsen, aber die Kurse sind gestiegen. Denn fallenden Zinsen bedeuten steigende Anleihekurse. Privatanleger*innen haben das oft gar nicht auf dem Schirm und schauen nur auf die Zinskupons. Und wie immer in unsicheren Zeiten, hat natürlich auch der Goldpreis zugelegt. 2019 konnte man bei der Geldanlage also wirklich nicht viel falsch machen, wenn man sein Risiko breit gestreut hat.

Und 2020? Ich bin verhalten optimistisch. Aber das bin ich eigentlich immer. Zumal ich sowieso überzeugt bin, dass Aktien immer in mein und Dein Depot gehören. Egal, ob es an der Börse gerade gut oder nicht so gut läuft. Denn Aktien sind ein langfristiges Investment und genau so solltest Du auf die Börse schauen. Nicht Jahre, sondern Jahrzehnte solltest Du anlegen. Dann geht die Rechnung auch auf!

Das Wichtigste in Kürze

  • 2019 war ein gutes Jahr für Anleger*innen – die großen Indizes an der Wall Street, aber auch Dax und Euro Stoxx 50 legten kräftig zu.
  • Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten ließen auch den Goldpreis kräftig klettern.
  • Zinsen gibt es zwar weiterhin nicht, aber an den Rentenmärkten stiegen die Kurse der Anleger
  • Während man 2018 mit fast nichts Geld verdienen konnte, verdiente man 2019 mit fast allem.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin, Moderatorin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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