4 in Mathe

Eine 4 in Mathe ist kein Grund…

… sich nicht um seine Finanzen zu kümmern

Obwohl ich schlecht in Mathe war, hatte ich nie Hemmungen mich mit Finanzfragen und wirtschaftlichen Zusammenhängen zu beschäftigen. Selbst wenn es dann letzten Endes nicht für einen Studienabschluss in VWL gereicht hat, war ich mir sicher, dass es eigentlich auf etwas ganz Anderes ankommt.

Für meine Mutter war es immer eine gute Nachricht, wenn ich zu Schulzeiten eine 5 in Mathe nach Hause brachte. Es war nämlich immerhin keine 6 und wer weiß, vielleicht war beim nächsten Mal schon eine 4 drin. Richtig verwirrend wurde es erst zu Abi-Zeiten, als ich dann mit einer 1 ankam und dann erklären musste, dass der eine Punkt leider nichts mit den klassischen Schulnoten zu tun hatte. Um es kurz zu machen: Mathe und ich – das war nie eine Liebesbeziehung. Das hat mich aber später nicht davon abgehalten, VWL zu studieren (zugegebenermaßen ohne großen Erfolg, aber dazu gleich noch mehr) oder aber erfolgreich ein Unternehmen zu gründen. Dabei ist es mir nie zum Verhängnis geworden, dass Stochastik oder Differenzialgeometrie für mich bis heute ein Buch mit 7 Siegeln geblieben ist. Sagen wir es einfach mal wie es ist: Der Schulunterricht bereitet uns in diesem Bereich nicht unbedingt auf das Leben vor. Darum sollten uns Schulnoten auch nicht davon abhalten, das mit unserem Leben zu machen, was wir wollen. Ich bin insofern der beste Beweis dafür, dass es sich lohnt, Mut zu haben. Und so viel sei schon mal verraten: Nichts was mir bislang in meinem beruflichen Leben an mathematischen Aufgaben begegnet ist, konnte ich nicht bewältigen.

Angst ist immer ein schlechter Ratgeber

Überflüssig zu erwähnen, dass ich nicht viel von Theorien halte, die Begabung für bestimmte Schulfächer aus der Biologie ableiten – wer was gut kann, hängt meiner Überzeugung nach sehr stark von der Sozialisierung ab. Wenn ich von meinen Eltern immer wieder gesagt bekommen hätte, dass ich etwas nicht kann oder noch schlimmer: gar nicht können muss, aus welchem Grund auch immer, prägt das sehr viel mehr als das biologisches Geschlecht. Ich denke, dass Angst in diesem Zusammenhang mit das Schlimmste ist, was wir unseren Kindern in Bezug auf Schulfächern mitgeben können. Denn wenn man etwas vor Mathe nicht haben muss, dann ist das Angst. Gleichzeitig bin ich jedoch auch das beste Beispiel dafür, dass das nicht automatisch heißt, dass man ohne Angst dann gut in Mathe ist. Aber wir sollten uns als Gesellschaft dennoch dringend mit der Frage beschäftigen, was uns motiviert und wie wir es schaffen, Leidenschaft und Begeisterung für bestimmte Fächer zu fördern.

Auch wenn Mathe nie zu meiner Königsdisziplin wurde, hat mich das nie abgehalten, mich allen Herausforderungen zu stellen, die in dieser Hinsicht noch auf mich zukamen. Und zu meiner Verteidigung muss ich sagen: Als ich Abitur gemacht habe, gab es Math42 noch nicht – wer weiß, welches Mathegenie ich vielleicht doch noch geworden wäre. Was mich die Einstellung meiner Mutter aber gelehrt und mich immer begleitet und geprägt hat: Erfolg kann auch sein, sich von seinen Misserfolgen nicht entmutigen zu lassen. Weitermachen lautet die Devise!

Was ohne Mathe alles geht… und was nicht

Als ich dann 20 Jahr alt war, verschlug es mich erst einmal in die Politik und ich kandierte für den Landtag in Karlsruhe. Da ich gelernt hatte, mir keine Gedanken über Erfolg oder Misserfolg zu machen, versuchte ich es einfach. Ich war politisch engagiert, hatte endlich einen Raum zum Diskutieren gefunden und meine Eltern konnten feststellten, dass der eine Punkt im Mathe-Abi vielleicht doch nicht so kriegsentscheidend war. So holte ich bei der Landtagswahl über 8 Prozent. Das reichte zwar nicht für den Einzug in den Landtag, aber für mich war das ein Riesenerfolg. Mich packte die Lust auf mehr und so kandidierte ich direkt für den Landesvorstand in Baden-Württemberg, schaffte es aber knapp nicht rein. Das war für mich die viel größere Niederlage. Bei der Kandidatur hatte ich keine Erwartungen, aber bei der Wahl zum Landesvorstand, wollte ich es unbedingt schaffen. Als ich nach der Landtagswahl gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, für die Bundestagswahl anzutreten, lehnte ich ab. Zum einen wollte ich nicht noch einmal knapp „scheitern“, zum anderen gab es da noch mein studentisches Gewissen, das mir jeden Morgen im Spiegel zurief: So ein Studienabschluss ist eine gute Sache! Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich diese Entscheidung ein wenig bereue. Denn worauf es eigentlich ankommt, hatte ich in diesem Moment nicht bedacht: Weitermachen!

Anstatt dessen wäre ich beinahe in der technischen VWL gelandet. Ich! Zum Glück hat mir mein Verstand noch rechtzeitig die Note meines Mathe-Abiturs wieder vor Augen geführt – zur Erinnerung: ein Punkt. Wie gut, dass mein Vater mich oft genug daran erinnert hatte, dass mir dieser eine Punkt irgendwann doch noch zum Verhängnis werden würde. Also ergriff ich nur ein „normales“ VWL-Studium. Aber auch das war von Beginn an, sagen wir mal, besonderen Herausforderungen ausgesetzt. Aber ich kehrte doch langsam zu meiner Form zurück. Ich war der festen Überzeugung: das kann ich. Es kam jedoch, wie es kommen musste: ich fiel zwei Mal durch ein und dieselbe Prüfung und konnte darin den freundlichen aber bestimmten Hinweis erkennen: VWL und ich – auch wir waren nichts füreinander.

Und die Moral von der Geschicht`? Mathe kann man, oder man kann es nicht. Nein, natürlich nicht. Die Antwort, die sich leider nicht reimt, lautet schlicht und ergreifend, dass es nichts gibt, wovor man in dieser Hinsicht Angst haben muss. Das Entscheidende ist, sich nicht einschüchtern zu lassen, immer weiterzumachen und auch dem Unmöglichen mal eine Chance zu geben.

Tijen Onaran

Tijen Onaran

Tijen Onaran ist Unternehmerin, Moderatorin und Speakerin. Mit ihrer Initiative Global Digital Women engagiert sie sich für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche. Im Dezember 2018 hat sie gemeinsam mit der ehemaligen stellv. Chefredakteurin der myself FemaleOneZero gegründet – eine internationale Content-Plattform. Zudem publiziert Tijen Onaran regelmäßig als Mitglied des Handelsblatt Expertenrates. Sie wurde in das Faculty Board für „Digital Leadership“ der Management School St. Gallen berufen. Sie wurde vom Magazin Capital zu Deutschlands Top 40 unter 40 gewählt sowie von XING zum Top Publisher 2018 ausgerufen.

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