Förderungen mitnehmen

Förderungen mitnehmen

Der Staat aber auch Dein Arbeitgeber unterstützen Dich beim langfristigen Vermögensaufbau. Lass Dir diese Förderungen bei der Altersvorsorge nicht entgehen!

Kennst Du das auch: Einmal im Jahr flattert die „Renteninformation“ ins Haus und schon ist es aus mit der guten Laune. Nicht nur, weil der Brief im schlimmsten Beamtendeutsch verfasst ist. Nein, es sind vor allem die Zahlen, die uns mächtig die Laune verderben. Das, was wir bereits an „Rentenanwartschaft“ erreicht haben, treibt uns die Tränen in die Augen. Und die Prognose macht es auch nicht viel besser. Den Brief einfach nur schnell abzuheften und zu vergessen, ist leider keine Lösung. Wir müssen gegensteuern. 

Leider tun das die wenigsten. Viele von uns schieben das Thema private Altersvorsorge vor sich her. Vor allem bei Frauen im Alter zwischen 35 und 55 Jahren hat sich das private Sparen für die Rente noch nicht durchgesetzt. Das hat eine Studie des Vermögensverwalters Amundi ergeben. Fast die Hälfte beschäftigt sich gar nicht damit. Und das, obwohl sich die Mehrheit der befragten Frauen bewusst ist, wie wichtig eine private Vorsorge ist. Aus dieser Einsicht ziehen aber leider die wenigsten Konsequenzen. Mach es bitte besser und kümmere Dich um eine Zusatzversorgung – die zweite Schicht der Altersvorsorge. Dazu zählen staatlich geförderte Produkte wie die betriebliche Altersvorsorge über eine Direktversicherung oder Pensionskasse, vermögenswirksame Leistungen und die Riester-Rente.

Vermögenswirksame Leistungen

Frag auf jeden Fall bei Deinem Arbeitgeber nach, ob Du vermögenswirksame Leistungen bekommst. Dieses Geschenk vom Chef solltest Du Dir auf keinen Fall entgehen lassen. Die vermögenswirksamen Leistungen (VL) sind freiwillige Leistungen des Arbeitgebers, die aber für viele Berufe im Tarifvertrag garantiert werden. Dein Arbeitgeber schießt monatlich bis zu 40 Euro zu Deinem langfristigen Vermögensaufbau dazu. Das kleine Extra vom Chef kannst Du in eine Vielzahl von neuen oder bereits bestehenden Verträgen einzahlen: von der laufenden Baufinanzierung über einen Bausparvertrag oder Banksparplan bis zu einem Aktienfonds-Sparplan. Zusätzlich zum Arbeitgeber beteiligt sich auch der Staat an der Vermögensbildung. Wer bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreitet, erhält im ersten Schritt die Arbeitnehmersparzulage. Meine erste Wahl wäre ein Aktienfonds-Sparplan. Denn Aktien sind langfristig die renditestärkste Anlageklasse überhaupt und damit ein toller Baustein für die Altersvorsorge. (Weitere Informationen zu vermögenswirksamen Leistungen findest Du hier.)

Betriebliche Altersvorsorge

Als Arbeitnehmerin hast Du heute außerdem grundsätzlich einen Anspruch auf eine betriebliche Altersversorgung. Das bedeutet: Dein Arbeitgeber muss – wenn Du das willst und keine tarifvertraglichen Regelungen dem entgegenstehen – einen bestimmten Betrag von Deinem Bruttolohn als Beitrag für eine betriebliche Altersversorgung verwenden. Dieses Verfahren wird als Entgeltumwandlung bezeichnet. Es gibt viele Varianten, viele Angebote, die aber je nach Unternehmen variieren. Frag also unbedingt bei Deinem Chef oder der Personalabteilung nach, welche Form angeboten wird. Die betriebliche Altersversorgung organisiert und führt in jedem Fall Dein Arbeitgeber durch. Er entscheidet, welche Anlageform er anbieten will, kümmert sich um die Beitragszahlungen und ist der Vertragspartner für den ausgewählten Anbieter beziehungsweise Finanzdienstleister. Einen gesetzlichen Anspruch auf eine vom Arbeitgeber finanzierte Betriebsrente gibt es nicht. Allerdings kann in tarifvertraglichen Regelungen festgelegt sein, dass der Arbeitgeber die Betriebsrente teilweise oder auch vollständig finanziert. Entsprechende Regelungen kann es auch auf betrieblicher Ebene geben oder sie können zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzelvertraglich geregelt werden.

Eine betriebliche Altersversorgung kann als Direktversicherung, über eine Pensionskasse, über einen Pensionsfonds, als Direkt- beziehungsweise Pensionszusage oder über eine Unterstützungskasse durchgeführt und aufgebaut werden. Die Direktversicherung ist eine Lebens- oder Rentenversicherung, die Dein Arbeitgeber als Versicherungsnehmer zu Deinen Gunsten abschließt. Die Beiträge zur Direktversicherung kann Dein Arbeitgeber in vollem Umfang allein tragen, sie können aber auch zwischen ihm und Dir aufgeteilt oder im Rahmen einer Entgeltumwandlung vollständig von Dir gezahlt werden

Riester – Checke Deine Möglichkeiten

Eine Option für die geförderte Altersvorsorge ist auch die Riester-Rente. Allerdings lohnt sie die eigentlich nur für Familien und Sparer, die gut verdienen. Attraktiv bei der Riester-Rente ist nämlich vor allem die staatliche Förderung. Diese besteht aus Zulagen und Steuervorteilen. Wer die volle Förderung erhalten möchte, muss jährlich einen Mindestbeitrag in die Riester-Rente einzahlen. Dieser sogenannte Mindesteigenbeitrag liegt seit 2008 bei vier Prozent des Vorjahres-Bruttoeinkommens, höchstens aber 2.100 Euro. Verbraucher können in ihren Vertrag aber so viel einzahlen wie sie möchten. Allerdings wird die Riester-Rente nur bis zu dem Maximalbeitrag von jährlich 2.100 Euro gefördert. Wird in den Vertrag weniger eingezahlt als der Mindesteigenbetrag, so erhält der Sparer die Riester-Förderung auch nur anteilig. Wenn Du genug einzahlst, beträgt die jährliche Grundzulage seit 2018 pro Person 175 Euro, die Kinderzulage 185 Euro für bis Ende 2007 geborene Kinder und 300 Euro für ab 2008 geborene Kinder. Junge Sparer bis 25 Jahre erhalten zusätzlich einmalig den Berufseinsteiger-Bonus von 200 Euro. Die Höhe Deines Steuervorteils hängt von Ihrem Einkommensteuersatz ab, er wird mit den Zulagen verrechnet. Das erledigt das Finanzamt im Rahmen der Steuererklärung. Bei mehreren Kindern ist die Zulage oft höher als der Steuervorteil. So profitieren kinderreiche Familien von den Zulagen und alleinveranlagte Gutverdiener vor allem vom Steuervorteil. Für sie ist eine Riester-Rente besonders sinnvoll. 

Die Riester-Rente ist eine ziemlich sichere Sache: Ihre Einzahlungen und die erhaltenen Zulagen sind gesetzlich garantiert, hinzu kommen mögliche Kapitalerträge. Die Auszahlungsphase beginnt normalerweise mit dem Renteneintritt, frühestens aber mit 60 Jahren. Deine lebenslange Rentenzahlung musst Du mit Deinem dann geltenden Steuersatz versteuern. Verschiedene Vertragsformen stehen zur Auswahl: Bank-Sparpläne, Rentenversicherungen, Wohn-Riester und Fonds-Sparpläne. Welcher Riester-Vertrag am besten passt, hängt davon ab, wie lange Du noch bis zur Rente hast, ob Du eine Immobilie kaufen oder bauen willst und welche Anlageform Du bevorzugst. Meine Empfehlung auch hier: Fonds-Sparpläne mit möglichst hoher Aktienquote. Kritisiert werden bei der Riester-Rente oft die hohen Kosten, Du musst also unbedingt vergleichen, bevor Du einen Vertrag abschließt.

Damit es später auch noch reicht

Staatliche Rente plus Zusatzversorgung, ob das reicht? Viele bedenken nicht, dass wir rund 80 Prozent unseres letzten Nettoeinkommens brauchen, um im Ruhestand den bisherigen Lebensstandard beizubehalten. Viele Deutsche, auch die Männer übrigens, bleiben davon weit entfernt. Unsere Rentenlücke ist immens. Selbst wenn wir bei einem durchschnittlichen Verdienst 45 Jahre ohne Unterbrechung in die staatliche Rentenversicherung einbezahlt haben, entspricht der Rentenzahlbetrag oder die Standardrente vor Steuern, also das Verhältnis der „verfügbaren“ Standardrente zum „verfügbaren“ Durchschnittslohn, gerade mal 48 Prozent des Durchschnittseinkommens. Von den rund 80 Prozent, die wir eigentlich bräuchten, sind wir damit meilenweit entfernt. Und die Rentenlücke der Frauen ist in der Regel eben sehr viel größer. Diese Lücke lässt sich mit der Zusatzversorgung sicher nicht ganz schließen. 

Und deshalb ist dritte Schicht der Altersvorsorge auch so wichtig: die Kapitalanlage. Um sie kümmern wir uns im nächsten Teil des Specials.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Lass Dir die staatliche Förderung nicht entgehen
  • Überprüfe, ob Du vermögenswirksame Leistungen bekommst
  • Kläre, welche Form der betrieblichen Altersvorsorge Dein Arbeitgeber anbietet
  • Schau Dir auch die Riester-Rente mit Ihren üppigen Zulagen an
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin, Moderatorin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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