„Ich habe gemerkt, dass ich nicht viel brauche, um glücklich zu sein.“

Als Frugalistin möchte Valentina im Alter von 35 Jahren frei sein und setzt dafür auf eine hohe Sparquote, Investitionen und Minimalismus. Um ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen, hat sie den Blog MinimalFrugal ins Leben gerufen.

Valentina Dupant, 22, ist Frugalistin aus Österreich und betreibt den Blog MinimalFrugal. Mit den finanz-heldinnen spricht sie über ihr Dasein als Frugalistin, ihre angestrebte finanzielle Freiheit und mit welchen Tipps sie ihre Sparziele verfolgt.

finanz-heldinnen: Valentina, was bedeutet Frugalismus für Dich?

Valentina: Für mich bedeutet Frugalismus bewusst zu konsumieren und seine Ausgaben zu optimieren mit dem Ziel, finanzielle Freiheit zu erreichen. Unter finanzieller Freiheit verstehe ich, dass all meine Ausgaben durch meine passiven Einkünfte gedeckt werden. Dadurch kann ich frei über meine Zeit verfügen, ohne auf ein aktives Einkommen angewiesen zu sein. Also: mehr Zeit für Familie, Wandern, eigene Projekte, Hobbies, Reisen, ehrenamtliches Engagement und alles, was das Herz begehrt.

Das heißt aber auf keinen Fall, dass ich zwanghaft auf irgendwas verzichte oder mit 35 Jahren aufhören möchte zu arbeiten. Dank des Minimalismus habe ich mein Konsumverhalten und meinen Besitz hinterfragt und gemerkt, dass ich nicht viel brauche, um glücklich zu sein. Außerdem möchte ich immer die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, wie viel, wann, wo, was und mit wem ich arbeite.

Früher hast Du Shopping-Hauls auf YouTube gemacht, heute sprichst und schreibst Du über Frugalismus. Wie und wann kam dieser Sinneswandel?

Das war ein ziemlich langer Prozess, es geschah also nicht von heute auf morgen. Früher war Shoppen mein Hobby, vor allem in den Sommerferien habe ich viel Zeit damit verbracht. Nach und nach habe ich gemerkt, dass mich der pumpvolle Kleiderschrank, der aus allen Nähten geplatzt ist, nicht zufriedener macht. Vor allem habe ich viel konsumiert, weil das eben so üblich war und gedacht habe, dass ich mir dadurch Glück kaufen kann. Leider hielt das großartige Gefühl nach dem Shoppen nur kurz an.

Kurz vor meinem Schulabschluss hatte ich dann das Ziel, auf ein Auto zu sparen. Ich wollte mir nach der Matura (Abitur in Österreich) einen Fiat 500 kaufen. Zum Glück habe ich das nicht gemacht! Das wäre auch unnötig gewesen, da die öffentlichen Verkehrsmittel in meiner Stadt super sind. Mir hat das Sparen aber viel Spaß gemacht und mir gefiel das Gefühl, Geld zu besitzen. Deshalb habe ich einen Teil des Geldes, was ich mir neben dem Studium dazuverdient habe, zur Seite gelegt, allerdings ohne konkretes Sparziel. Vor ungefähr anderthalb Jahren bin ich dann zum ersten Mal auf das Konzept Frugalismus gestoßen, über ein Interview mit Oliver Noelting. Seither bin ich Feuer und Flamme für dieses Thema.

Was möchtest Du tun, sobald Du 35 Jahre alt bist und finanzielle Freiheit erreicht haben solltest?

Bis dahin sind es noch knapp zwölf Jahre, in denen sich viel tun kann. Ich glaube, mein Leben wird sich aber nicht von heute auf morgen ändern. Denn ich merke, dass finanzielle Freiheit für mich ein Prozess ist und finde es super wichtig, dass man bereits an der Tätigkeit, die man aktuell ausübt, Freude hat. Schon jetzt gehe ich viel wandern, lese und genieße meine Zeit. Genau das möchte ich dann auch machen – ohne finanziellen Druck. Ich habe super viele verschiedene Interessen und möchte gerne weiterhin meine eigenen Projekte umsetzen, reisen gehen und vieles mehr. Falls ich mal eine Familie haben möchte, will ich mir dafür viel Zeit nehmen können. Finanzielle Freiheit heißt für mich auf keinen Fall, dass ich ab dann nur noch faul auf der Couch herumliegen will. Es geht um die Freiheit, jeden Tag aufs Neue entscheiden zu können, wie man seinen Tag gestalten möchte. Finanzielle Freiheit heißt für mich auch, mehr Wahlfreiheit zu haben.

Warum hast Du Dich für ein Medizinstudium entschieden? Gerade hierbei ist die Regelstudienzeit ja ziemlich lang, sodass die Zeit im Beruf bis Du 35 Jahre alt bist kurz ist – und damit auch die Möglichkeit mehr Geld zu verdienen als im Studium.

Ganz klar: Interesse! Die Entscheidung fürs Medizinstudium habe ich vor über fünf Jahren getroffen und zwar aus Interesse und Leidenschaft. Mich fasziniert der menschliche Körper und vor allem unser Gehirn und unsere Psyche. Unser Organismus ist ein wahres Wunderwerk und ich wollte mehr darüber erfahren. Damals hatte ich auch noch keinen blassen Schimmer von Frugalismus oder Ähnlichem. Ich denke es ist sehr wichtig, sich mit Dingen zu beschäftigen, die einem Freude bereiten und einen interessieren. Geld sparen und zur Seite legen ist für mich ein Zusatz. Sechs Jahre studieren haben mich nicht abgeschreckt, da ich gerne lerne und bisher ist die Zeit auch sehr schnell vergangen. Allerdings würde ich neben dem Studium mehr arbeiten, als ich es getan habe, denn dadurch kann man sehr viel dazulernen und Praxiserfahrungen sammeln.

Welche Rolle spielt Deiner Meinung nach der Wohnort beim Frugalismus? Das Leben in Großstädten ist ja deutlich teurer als bspw. auf dem Dorf bzw. Land.

Ich denke, dass es zum Beispiel in München schon schwieriger ist, eine hohe Sparquote zu haben als irgendwo auf dem Land. Allerdings kommen in der „Pampa“ dann oft noch Kosten für das Auto dazu, die sich in der Stadt dank ÖPNV möglicherweise erübrigen. Die Stadt, in der ich lebe, ist ein relativ teures Pflaster. Dankbarerweise habe ich in den ersten vier Jahren meines Studiums daheim wohnen können, was mir einiges an Geld gespart hat. Auch nach dem Studium habe ich vor, hier wohnen zu bleiben, denn die Berge bieten mir so viel Lebensqualität. Das ist mir wichtiger, als noch ein paar Euros mehr sparen zu können.

Wie reagiert Dein Umfeld auf Deine Lebenseinstellung?

So viel merkt man davon im Alltag glaube ich gar nicht. Für Erlebnisse gebe ich immer noch gerne Geld aus, nur kaufe ich mir nicht mehr ständig neue Klamotten oder andere Dinge. In meinem privaten Umfeld investiert tatsächlich niemand Geld, deshalb spreche ich nicht viel darüber. Und auch wenn mein Freund ein bisschen anders tickt, was das Konsumverhalten angeht, so ist das für unsere Beziehung kein Problem, da wir sehr ähnliche Hobbies haben und gegenseitiges Verständnis zeigen. Grundsätzlich merke ich aber, dass Interesse an dem Thema da ist und sich immer mehr Menschen mit ihrem Konsumverhalten beschäftigen möchten.

Wie machst Du es mit Freund*innen im Alltag, wenn diese z.B. in ein Restaurant, Museum oder Kino gehen?

Wir gehen mal etwas Essen, dafür gebe ich auch gerne Geld aus. Allerdings muss ich sagen, dass wir nicht in sonderlich teure, schicke Restaurants gehen – das liegt wohl am klassischen Studentendasein. Das haben wir früher auch nicht gemacht. Manchmal essen wir bei einem von uns Zuhause und kochen gemeinsam, was sogar gemütlicher ist. Ansonsten sind unsere Hobbies wandern oder spazieren gehen, das macht uns mehr Freude als ein Kinobesuch und ist so gut wie kostenlos. Dabei kann man sich super austauschen, während man im Kino nur stumm nebeneinandersitzt. Gerade weil ich das Privileg habe, in so einer landschaftlich schönen Gegend wohnen zu dürfen, möchte ich das auf jeden Fall auch nutzen. Museen besuchen wir nicht oft, allerdings könnte man dort auch von Studentenrabatten profitieren.

Zum Abschluss: Was ist Dein ultimativer Spartipp?

Ich denke der nachhaltigste Spartipp ist, seinen Konsum zu hinterfragen und seine Ziele zu visualisieren. Es bringt meiner Meinung nach nämlich nicht so viel, sich zum Sparen zu zwingen. Spaß am Sparen ist wichtig! Außerdem: Fixkosten reduzieren, denn dadurch spart man dann jeden Monat automatisiert Geld, ohne darüber nachzudenken.

Mir haben die 173-Regel und die 300€ Regel die Augen geöffnet.

173 Regel: Monatliche Ausgaben mit der Zahl 173 multiplizieren und du erhältst die Summe, die du nach 10 Jahren hättest, wenn du das Geld investiert statt ausgegeben und 7% Rendite pro Jahr erzielt hättest.

300€ Regel: jedes Mal, wenn du 300€ ausgibst, entgeht dir 1€ an passivem Einkommen lebenslänglich. Umgekehrt: jedes Mal, wenn du 300€ investierst, erhältst du 1€ passives Einkommen pro Monat dein Leben lang.

Natürlich ist es nicht sicher, dass man diese Renditen auch wirklich erzielen wird, aber dennoch empfinde ich diese Regeln als super motivierend.

Ansonsten die Klassiker: Dinge ausleihen oder gebraucht kaufen, mehr selbst kochen, immer eine Trinkflasche dabeihaben, mehr Leitungswasser trinken, mit dem Rauchen aufhören und Fleischkonsum reduzieren. Damit tut man nicht nur seinem Geldbeutel, sondern auch seiner Gesundheit was Gutes!

Vielen Dank für das Interview!

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