Für wen sich „Riestern“ wirklich lohnt

Die Riester-Rente soll Dich dabei unterstützen, privat für das Alter vorzusorgen – mit staatlicher Unterstützung.

Riestern, das hört sich wenig „sexy“ an. Und es stimmt auch. Dahinter steht ein komplexes Produkt, das nicht gerade spannend ist. Trotzdem solltest Du es Dir anschauen – vor allem wegen der teils üppigen staatlichen Zuschüsse. Riestern kannst Du eigentlich nur, wenn Du angestellt oder verbeamtet bist. Wenn Du nicht erwerbstätig bist, aber Dein Ehemann riestern „darf“, dann kannst Du „mitriestern“.

Es sind vor allem die staatlichen Zuschüsse, die die Riester-Rente interessant machen. Wenn Du genug einzahlst und die volle Förderung durch Zulagen erhalten möchtest, musst Du aktuell jährlich mindestens 4 Prozent des Vorjahresbruttoeinkommens sparen. Dann bekommst Du die jährliche Grundzulage von 175 Euro. Hast Du Kinder, gibt es für jedes bis Ende 2007 geborene Kind 185 Euro pro Jahr und für jedes jüngere Kind sogar 300 Euro. Da kann ganz schön was zusammenkommen.

Außerdem gibt es einen Steuervorteil, der von der Höhe Deines persönlichen Einkommenssteuersatzes abhängt. Du kannst pro Jahr maximal 2.100 Euro von der Steuer absetzen, inklusive Deiner Zulagen. Wenn Du mehrere Kinder hast, ist die Zulage oft höher als der Steuervorteil. Hast Du keine Kinder, ist es in der Regel andersherum. Deshalb profitieren Familien mit vielen Kindern eher von den Zulagen, während Gutverdiener eher vom Steuervorteil profitieren.

Die Riester-Rente wird als lebenslange Rente gezahlt. In der Regel geht es mit Renteneintritt los, frühestens aber mit 60 Jahren. Du musst die Rente mit Deinem dann geltenden Steuersatz versteuern. Experten sprechen von nachgelagerter Besteuerung. Im Endeffekt sparst Du damit aber so gut wie immer Steuern, da Du im Alter einen niedrigeren Steuersatz haben solltest als im Berufsleben.

Die Riester-Rente ist nicht unumstritten. Die Verträge sind teuer, die Renditen – auch weil das eingezahlte Kapital und die Zulagen garantiert sind – eher mau. Auch lohnt sich Riester-Rente mit den regelmäßigen Zahlungen oft nur, wenn Du ein hohes Alter erreichst. Du kannst alternativ zu Rentenzahlung zu Beginn der Auszahlphase bis zu 30 Prozent des Kapitals auf einmal entnehmen. Das kann Sinn machen, hat allerdings auch den Nachteil, dass Du die Entnahme in dem Jahr versteuern musst. Da Dein zu versteuerndes Einkommen damit gegebenenfalls kräftig ansteigt, erhöht sich Dein Steuersatz.

Du hast die Wahl zwischen verschiedenen Riester-Varianten:

Wenn Du eher risikoscheu bist, dann ist die klassische Riester-Rentenversicherung eine gute Wahl für Dich. Ihr Vorteil: Du weißt schon bei Abschluss, wie hoch die Rente im Alter mindestens ausfällt. Der Nachteil: Die Rendite ist mini. Die garantierte Verzinsung der Versicherung orientiert sich am Garantiezins für Lebensversicherungen und der liegt seit Anfang 2017 bei mageren 0,9 Prozent im Jahr. Natürlich bist Du zusätzlich an den Überschüssen beteiligt, die die Versicherung erwirtschaftet. Aber diese Erträge schrumpfen seit Jahren – dank der niedrigen Zinsen. Ein weiterer Nachteil: Die Kosten von klassischen Riester-Rentenversicherungen sind im Vergleich relativ hoch. Vergleiche also unbedingt die Angebote verschiedener Anbieter. Die beste Rendite verspricht ein Riester-Fondssparplan. Denn damit setzt Du, zumindest teilweise, auf die langfristig renditestärkste Anlageform überhaupt: die Aktie.

Möchtest Du in absehbarer Zeit eine Immobilie anschaffen, ist der Wohn-Riester interessant für Dich, der im Grunde eine Immobilienfinanzierung ist. Die Zulagen und der Steuervorteil reduzieren dann Jahr für Jahr Deine Kreditsumme. Die Immobilie muss allerdings selbstgenutzt sein. Die nachgelagerte Besteuerung passiert übrigens über ein fiktives (Renten-) Konto. Steht der Wohnungskauf erst in einigen Jahren an, dann informiere Dich über einen Riester-Bausparvertrag.

Den Banksparplan kannst Du in Zeiten von Nullzinsen getrost vergessen. Er wird auch kaum noch angeboten. Entscheidest Du Dich trotzdem dafür, machen die Rendite allein die Zulagen oder der Steuervorteil aus.

Weitere Informationen findest Du beim „Bund der Versicherten“ und bei den Verbraucherzentralen.

Die Riester-Rente ist nicht unumstritten, kann aber ein sinnvoller Baustein Deiner Altersvorsorge sein – eben, weil sie staatlich gefördert wird. Schau Dir aber auf jeden Fall auch andere Variante des langfristigen Vermögensaufbaus an.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Riester-Rente ist eine private Altersvorsorge mit staatlicher Förderung. Diese besteht aus einer staatlichen Zulage von 175 Euro pro Sparer und bis zu 300 Euro pro Kind. Hinzu kommt oft eine Steuererstattung.
  • Riestern können Arbeitnehmer und Beamte.
  • Es gibt verschiedene Formen der Riester-Rente: Banksparpläne, Rentenversicherungen, Wohn-Riester und Fondssparpläne.
  • Die Riester-Rente lohnt sich für Familien und Sparer, die sehr gut verdienen.

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