Roboter, bitte übernehmen

Robo-Advisor sind der letzte Schrei bei der Geldanlage und ziemlich „in“. Aber wie funktionieren die digitalen Vermögensverwalter? Welche gibt es? Und ab welcher Summe kann ich anlegen?

Ein Roboter, der sich um Deine Finanzen kümmert? Das klingt erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig. Aber in Zeiten intelligenter Algorithmen ist das längst normal. Robo-Advisor nennen sich die digitalen Helfer, die unseren Vermögensaufbau digitalisieren. Die Auswahl ist ziemlich groß, die Nachfrage wächst stetig. Wir erklären Dir, was die Robos können, wie sie funktionieren und wie Du sie einsetzen kannst.

Der Begriff Robo-Advisor setzt sich aus den englischen Wörtern Robot (Roboter) und Advisor (Berater) zusammen, aber Roboter-Berater klingt natürlich längst nicht so sexy. Diese digitalen Berater nutzen einen systematischen, größtenteils automatisierten Prozess und bieten uns damit Zugang zu einer professionellen Vermögensverwaltung. Oft erstellt ein Algorithmus das Portfolio, überwacht es und passt es gegebenenfalls auch an eine neue Marktlage an. Entwickelt wurden die Anlagemodelle aber natürlich von Menschen und diese überprüfen ihre Algorithmen ständig.

Professionelle Vermögensverwaltung zum kleinen Preis

Wie auch in der Industrie senkt die Automatisierung der Prozesse die Kosten – und damit die Gebühren, die Du zahlen musst. Die Dienstleistung der Robos bekommst Du in der Regel schon für weniger als ein Prozent Deiner Anlagesumme. Die jährlichen Kosten sind also überschaubar. Normalerweise bieten Vermögensverwalter ihre Dienste nur Kund*innen an, die sehr große Summen investieren können. Je nach Haus sind das Hunderttausende Euro. Bei den digitalen Angeboten bist Du schon mit deutlich geringeren Summen dabei. Oft reichen ein paar Tausend Euro, manchmal sogar weniger.

30 Robos gibt es laut dem Magazin „extraETF“ bereits in Deutschland – Tendenz steigend. Dass ausgerechnet dieses Magazin sich die Robos genauer angeschaut und getestet hat (den Test findest Du hier), hat einen Grund: Die digitalen Vermögensverwalter investieren nämlich überwiegend in börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETFs). Diese sind kostengünstig und sehr transparent. Gütesiegel, die sich auch die Robo-Advisor gerne umhängen.

Für jede Risikoneigung ein passendes Portfolio

Bekanntester und größter Robo ist Scalable Capital. 23 Risikostrategien und damit Depots bieten die Experten an. Welches Portfolio zu Dir passt, wird wie bei allen anderen Robos auch mit einem Online-Fragebogen ermittelt. Ab 10.000 Euro kannst Du bei Scalable investieren. Auch bei Solidvest von DJE Capital, der Vermögensverwaltung des bekannten Fondsmanager Jens Ehrhardt, musst Du mindestens 10.000 Euro anlegen. Klingt viel? Bei Liqid ist die Mindestanlagesumme sogar noch viel höher. Die digitale Vermögensverwaltung des Family Offices HQ Trust – HQ steht für Harald Quandt und damit die steinreiche Quandt-Familie, die bei HQ Trust ihr Milliardenvermögen verwaltet – kannst Du ab 100.000 Euro bekommen. Auf den Robo der Privatbank Hauck & Aufhäuser darfst Du ab 50.000 Euro setzen.

Bei vielen Robos kannst Du aber auch Depots mit einigen wenigen tausend Euro eröffnen, beispielsweise bei cominvest. Der Robo von comdirect, zu der die finanz-heldinnen gehören, bietet die digitale Vermögensverwaltung schon ab einer Anlagesumme von 3.000 Euro an. Hast Du diese Summe angelegt, kannst Du zusätzlich einen Sparplan mit Raten ab 100 Euro abschließen. Es gibt fünf Risikoprofile, denen jeweils ein Musterportfolio zugeordnet ist. cominvest setzt wie viele andere Robos auch vor allem auf ETFs, aber auch aktive Fonds können eingesetzt werden.

Robos reagieren auf Börsenturbulenzen

Außerdem bietet der Robo von comdirect ein dynamisches Portfoliomanagement. Das Problem kennen wir schließlich alle: Wann ist der richtige Zeitpunkt, das Portfolio umzuschichten und in unsicheren Börsenphasen stärker in Liquidität zu investieren, um den Kapitalerhalt zu sichern? Diese schwierige Entscheidung übernimmt cominvest und überwacht dabei börsentäglich die festgelegten Volatilitäten – Börsendeutsch für Schwankungen – je nach Anlagestrategie. Wird aufgrund starker Schwankungen an den Märkten eine zuvor definierte Risikogrenze gerissen, passt der Robo gegebenenfalls die Anlagestruktur an. Ähnliche Investmentregeln haben auch andere Anbieter, manche überprüfen das Depot aber auch nur in zuvor festgelegten Intervallen und führen dann ein Rebalancing durch – passen die Portfoliostruktur also an die festgelegten Gewichtungen einzelner Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen an.

Wenn Dich das Thema interessiert, dann schau Dir auf jeden Fall Tests im Internet an – die gibt es nicht nur von „extraETF“ – und informiere Dich gut. Der (Zeit-)Aufwand lohnt sich, denn danach übernimmt der Roboter für Dich und Du hast eigentlich keine Arbeit mehr mit Deinem Vermögensaufbau. Wichtig aber: Setze bitte nicht Dein ganzes Geld auf einen Robo, sondern streue Dein Investment auch hier. Du kaufst ja auch nicht nur einen Investmentfonds oder ETF. Die Robos sind noch recht neu und noch nicht wirklich krisenerprobt. Was aber nicht heißt, dass sie nicht ziemlich überzeugend sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Robo-Advisor sind digitale Vermögensverwalter.
  • Robos nutzen einen systematischen, größtenteils automatisierten Prozess und bieten uns damit Zugang zu einer professionellen Vermögensverwaltung.
  • Je nach Anlagetyp und Risikoprofil stehen mehrere Musterdepots zur Verfügung.
  • Anlagetyp und Risikoprofil werden mit einem Online-Fragebogen ermittelt.
  • Die Robos haben unterschiedliche Mindestanlagesummen, oft geht es mit wenigen Tausend Euro los, mitunter sind es aber auch 100.000 Euro.
  • Vergleiche unbedingt die unterschiedlichen Robos, ihre Strategien und die – in der Regel günstigen – Gebühren.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin und Börsenexpertin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.
Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.


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