Weniger Gender, mehr Sport

Die Entwicklung der geschlechterspezifischen Sportberichterstattung

Gleichberechtigung ist auch im Sport ein wichtiges Thema. Lange wurden Geschlechterrollen nicht nur geprägt, sondern auch bewusst aufrechterhalten. Gerade in der Sportberichterstattung zeigt sich eine starke Verzerrung: Der Anteil an Berichten über Sportlerinnen in der tagesaktuellen Presseberichterstattung liegt bei rund 12 bis 15 Prozent. Doch ist auch hier ist langsam ein Gegentrend zu erkennen.

In diesem Artikel zeigen wir vier positive Entwicklungen in der Sportberichterstattung für Frauen. Als Quellen dienten unter anderem die Studien „Key themes in the research on media covergage of women’s sport“ (2010) und „The sexualization of sport“ (2011). Die genauen Quellenangaben findest Du am Ende des Beitrags.

Weniger „Verniedlichung“, mehr Leistung

Sportlerinnen wurden lange Zeit nicht als das ernst genommen, was sie waren: Frauen, die Höchstleistungen erbringen. Oft wurden Sportlerinnen als „süße“, „niedliche Mädchen“ dargestellt. Das zeigte sich auch deutlich im Vergleich zur Berichterstattung bei Männern: was bei diesen „rekordverdächtig“ war, galt bei Frauen allenfalls als „süß.“ Die Darstellung der Nachrangigkeit von weiblichem Sport ist Deutschland mittlerweile nur noch selten vorzufinden.

Sportlicher Erfolg und Leistung im Fokus

Berichte über männliche Sportler beziehen sich fast ausschließlich auf die von ihnen erbrachte Leistung. Anders bei Frauen: hier flossen auch außersportliche Themen und Aussagen über das Aussehen ein. Dies nennt sich „Entsportlichung der Frau“, bei der die eigentliche Leistung in der Berichterstattung in den Hintergrund rückt. Neue Studien zeigen jedoch, dass dieses Phänomen in dem Kontext nicht bestätigt werden kann. So werden mittlerweile sportlicher Erfolg und Leistung sowohl bei Männern als auch bei Frauen in 85 Prozent der Sportberichte thematisiert. Das ist gut, 100 Prozent wären besser.

Wenn nur das Aussehen eine Rolle spielt

Noch in den 1980er-Jahren wurden Sportlerinnen in den Medien vor allem auf ihre Körpermerkmale reduziert und als „schön“ oder „hübsch“ bezeichnet, wohingegen Männer vor allem im Kontext ihrer sportlichen Tätigkeit als „stark“ und „muskulös“ beschrieben wurden. Langzeituntersuchungen zeigen, dass die sexistische Berichterstattung über Sportlerinnen seltener und auch weniger explizit geworden ist, jedoch die Sexualität und das Geschlecht von Sportlerinnen hin und wieder subtil in Berichte und Artikel einfließt.

Sex sells – not!

Auch bei Bildern und Fotos von Sportlerinnen in den Medien stand lange Zeit das Aussehen im Mittelpunkt: Hierbei wurden vor allem Körperteile in einen sexuellen Kontext gezogen und in den Mittelpunkt gestellt. Das geht glücklicherweise zurück wie Studien zeigen. Nicht nur die geschlechtsbezogenen Unterschiede fallen weg, auch die sexualisierte Darstellung von beiden Geschlechtern findet anteilig gesehen nur noch in niedrigen einstelligen Prozent-Werten statt.

Sportliche Gleichberechtigung rückt näher, bleibt aber fern

Obwohl diese vier positiven Entwicklungen vorliegen, ist die Sportberichterstattung in den Medien rein quantitativ immer noch männerdominiert. Frauen kommt oftmals nur bei besonderen Anlässen, wie beispielsweise bei den olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften, eine erhöhte Aufmerksamkeit seitens der Medien zu. Dies liegt daran, dass Journalist*innen und Fernseh-Teams ohnehin vor Ort sind und die Wettkämpfe der Frauen ohne großen Aufwand für die Berichterstattung nutzen können.

Und auch wenn die Sexualisierung von Frauen noch nicht aus der Welt geschafft ist, wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir auf einem guten Weg sind.

Daher hier nochmal die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:

  • Weniger „Verniedlichung“, mehr Leistung : Sportlerinnen und ihre Leistungen werden weniger verniedlicht.
  • Der Erfolg und die sportliche Leistung stehen mehr im Fokus als das Geschlecht oder das Aussehen
  • Wenn nur das Aussehen eine Rolle spielt: Sportlerinnen werden nur noch selten auf ihr Aussehen reduziert
  • Sex sells – not! Die sexualisierte Darstellung von Sportler*innen ist kaum noch vorzufinden

Quellen:
– G. Sobiech & S. Günter (2017): Sport & Gender – (inter)nationale sportsoziologische Geschlechterforschung Theoretische Ansätze, Praktiken und Perspektiven. Wiesbaden: Springer Gabler.
– T. Bruce, J. Hovden & P. Markula (2010): Key themes in the research on media covergage of women’s sport. In Sportswomen at the Olympics – A global content analysis of newspaper coverage, S. 1–18. Rotterdam: Sense.
– K. Biscomb & G. Griggs (2013): ‚A splendid effort!‘ Print media reporting of England’s women’s performance in the 2009 Cricket World Cup. International Review for the Sociology of Sport 48 (1): S. 99–111.
– P. L. Wanneberg (2011): The sexualization of sport: A gender analysis of Swedish elite sport from 1967 to the present day. European Journal of Women’s Studies 18 (3): S. 265–278.
– A. Godoy-Pressland & G. Griggs (2014): London 2012: The women’s gphotographs and sexual differenceames? Examining the photographic evidence. In The Impact of the 2012 Olympic and Paralympic Games: Diminishing contrasts, increasing varieties, S. 56–71. London: Palgrave Macmillan.


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