Gold als sicherer Hafen

Über keine andere Anlageklasse wird so hitzig diskutiert wie über Gold. Für die einen ist es ein sicherer Hafen und Inflationsschutz, die anderen können dem gelben Edelmetall so gar nichts abgewinnen.

Wenn es an den Finanzmärkten besonders turbulent zugeht und schwere Stürme aufziehen, dann flüchten Anleger*innen in sichere Häfen. Vor allem Gold ist dann gefragt, aber auch Staatsanleihen wie Bundesbonds und US-Treasuries landen dann in den Depots. Privatanleger*innen schätzen aber vor allem Gold als Krisenwährung. Und es stimmt auch: Immer dann, wenn es an der Börse knallt, steigt der Preis für das gelbe Edelmetall. Das war in der Finanzkrise so und  im Corona-Crash ebenfalls.

Mit dem Ausbreiten des Corona-Virus und der damit einhergehenden Krise an den Finanzmärkten war Gold ab Februar 2020 als Krisenwährung extrem gefragt. Der Preis für eine Feinunze kletterte im März auf mehr als 1.700 Dollar. Das war der höchste Stand seit Dezember 2012. Wichtig: Gold wird in Dollar gehandelt. Du hast als europäische Anleger*in also ein Währungsrisiko. In der Krise war das übrigens sogar eine Chance, weil der Dollar so stark war. In Euro gerechnet erreichte der Goldpreis sogar ein Allzeithoch.

Es ist aber leider nicht so, dass das gelbe Edelmetall in Krisenzeiten unaufhaltsam und ohne Pause steigt. Manchmal wird es auch im sicheren Hafen ganz schön stürmisch. Sowohl im Corona-Crash als auch während der Finanzkrise gab der Preis zwischenzeitlich auch mal kräftig nach. Dieser zwischenzeitliche Ausverkauf von Gold in Krisenzeiten hat in der Regel vor allem einen Grund: Bei heftigen Einbrüchen an anderen Märkten verkaufen Investoren auch solche Investments, bei denen sie noch Gewinne realisieren können; damit werden Löcher gestopft, die sich in anderen Anlageklassen aufgetan haben. Doch das waren immer nur kurzfristige Rücksetzer, bevor die Rally weiter ging.

Eine Versicherung für schlechte Zeiten

In Zeiten, in denen es an den Aktienmärkten super läuft, die Wirtschaft brummt und weit und breit keine Krisen auszumachen sind, läuft es für Gold natürlich nicht so gut. Im Grunde ist Gold als eine Versicherung für schlechte Zeiten. Auch die weltweiten Notenbanken horten Unmengen von Gold. Sie wollen sich damit unabhängiger vom US-Dollar machen. Der Greenback mag zwar die Reservewährung der Welt sein. Gold aber ist der Wertspeicher der Zentralbanken und gilt im Falle eines totalen Zusammenbruchs des Systems als der ultimative Rettungsanker.

So weit, so gut. Es mag viel für Gold-Investments sprechen. Es spricht aber auch einiges dagegen. Es wird auch kaum eine Anlageklasse derart hitzig diskutiert. Zugespitzt formuliert: Man hasst Gold oder man liebt es. Dazwischen scheint es nichts zu geben, zumindest, wenn man in Internetforen oder in die Kommentare auf Social Media schaut. Die Argumente der Kritiker*innen, zu denen übrigens auch ich gehörte: Das Geld arbeitet nicht, wenn Du in Gold investierst. Ob Du damit Rendite einfährst, hängt einzig davon ab, ob der Preis für das gelbe Edelmetall steigt oder nicht – Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Zudem ist Gold eben eine hochemotionale Anlageklasse. Auch deshalb steigt der Goldpreis regelmäßig in Krisenzeiten, eben dann, wenn die Angst an den Märkten am größten ist. Gold ist eine Art Versicherung für diese Zeiten. Deshalb empfehlen Expert*innen auch eine kleine Beimischung – je nach Risikoneigung – von drei bis zehn Prozent.

Wie immer bei Deiner Geldanlage ist es eine sehr individuelle Entscheidung, ob Du auf Gold setzen möchtest und wie hoch der Anteil sein soll. Wenn Du Dich dafür entscheidest, gibt es verschiedene Möglichkeiten, zu investieren. Natürlich kannst Du Münzen und Barren kaufen. Oder Du setzt auf Xetra-Gold von der Deutschen Börse, kaufst einen Gold-ETC oder Terminkontrakte. Alternativ kannst Du  indirekt über Aktien von Goldminen-Unternehmen investieren.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gold gilt als klassischer sicherer Hafen.
  • In Krisenzeiten entwickelt sich der Goldpreis mit Blick auf die Vergangenheit besonders gut.
  • Gold wird in Dollar gehandelt. Es besteht also ein Währungsrisiko.
  • Wenn Du in Gold investierst, bekommst Du weder Zinsen noch Dividenden.
  • Der Goldpreise und damit Deine Rendite wird einzig von Angebot und Nachfrage bestimmt.
  • Die globalen Notenbanken horten Unmengen von Gold.
  • Du kannst auf verschiedenen Wegen in Gold investieren: physisch in Form von Münzen und Barren, aber auch via ETC, Terminkontrakten oder indirekt über Aktien von Goldminen-Unternehmen. In diesem Beitrag wird näher darauf eingegangen.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin und Börsenexpertin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.
Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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