Greenbonds: Endlich grüne Bundesanleihen

Die erste grüne Bundesanleihe ist da. Anfang September brachte die Bundesregierung einen Greenbond auf den Markt – mit großem Erfolg.

Die Nachfrage nach Deutschlands erstem Greenbond war riesig: Stolze 6,5 Milliarden Euro sammelte Deutschland ein. Dabei liefert das zehnjährige Papier defacto eine negative Rendite. Für den Greenbond gilt damit das Gleiche wie für andere Bundesanleihen: Investor*innen zahlen drauf, wenn sie Deutschland Geld leihen; für die grüne Variante sogar noch ein ganz kleines bisschen, nämlich 0,01 Prozentpunkte mehr. Das zeigt, dass Investor*innen bereit sind eine Prämie zu zahlen für das Versprechen, grüne Staatsausgaben zu finanzieren.

Warum Investor*innen trotz negativer Rendite zugriffen? Institutionelle Adressen wie Pensionskassen oder Versicherungen müssen das Geld ihrer Kund*innen super sicher anlegen. Und „super sicher“ bedeutet aktuell eben leider Null- und Negativrenditen. Auch Zentralbanken und Hedgefonds griffen übrigens zu. Der Großteil der Nachfrage kam aus Europa.

Nachzügler in Europa

Apropos Europa: Deutschland gehört zu den Nachzüglern beim Thema Greenbonds. Frankreich, Belgien, Irland, die Niederlande oder Polen haben längst grüne Zinspapiere herausgegeben. Doch auch hierzulande gab es schon quasi-staatliche grüne Anleihen. Die staatseigene Förderbank KfW gibt sie seit einigen Jahren heraus. Mit dem Geld, das die KfW so einsammelt, finanziert sie beispielsweise Kredite für erneuerbare Energie und emissionsarme Neubauten. Bisher ist die Staatsbank der mit Abstand größte Emittent – so heißen die Herausgeber – von grünen Anleihen in Deutschland. Nun kommt der Bund dazu.

Greenbonds passen in die Zeit, denn sie sind nachhaltig. Und Nachhaltigkeit ist bei Anleger*innen sehr gefragt, und das nicht nur bei Aktieninvestments, sondern eben auch bei Anleihen. Das Geld, das Emittenten über grüne Bonds einnehmen, wird für nachhaltige Projekte verwendet. Die Bundesregierung hat bereits festgelegt, was sie mit dem Geld finanzieren wird. Sie hat fünf Schwerpunktressorts definiert, denen die Einnahmen zugeordnet werden: Verkehr, internationale Entwicklungszusammenarbeit, Forschung und Entwicklung, Energie und Industrie sowie Land- und Forstwirtschaft.

Ladestationen für E-Autos sollen ebenso gefördert werden wie Industriestrom aus Wasserstoff oder Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern. Investor*innen erstattet die Bundesregierung regelmäßig Bericht darüber, wie viel die Ausgaben zu den Klimazielen Deutschlands beigetragen haben.

Nicht nur Länder und Staatsbanken bringen immer mehr Greenbonds auf dem Markt sondern auch Unternehmen. Doch nicht alles, was im Boom auf den Markt kommt, ist wirklich öko. Deshalb sollten Anleger*innen genau hinschauen, was mit dem Geld passieren soll, bevor sie investieren. Grüne Bundesanleihen sollten aber über jeden Zweifel erhaben sein.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Im September ist die erste grüne Bundesanleihe auf den Markt gekommen.
  • Wie bei „normalen“ Bundesanleihen ist die Rendite negativ.
  • Greenbonds finanzieren umweltschonende Projekte.
  • Auch Unternehmen emittieren grüne Anleihen. Aber nicht alles, was im Boom auf den Markt kommt, ist echt öko.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin und Börsenexpertin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.
Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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