Gut entscheiden

Gut entscheiden

In einer Welt voller Möglichkeiten wird es immer schwerer, gute Entscheidungen zu treffen. Sabine Schoon erklärt in diesem Beitrag, wie gute Entscheidungen gelingen können.

Unser Leben ist vollgestopft mit Optionen, die wir tagtäglich gegeneinander abwägen und daraus Entscheidungen ableiten. Es  beginnt schon bei der morgendlichen Wahl des Büro-Outfits und der Überlegung, ob uns am Mittag in der Kantine der Sinn nach Steak oder Salat steht. Bei größeren Anschaffungen wie einem neuen Auto oder bei der Urlaubsplanung recherchieren wir penibel nach allen Informationen, die wir bekommen können, ganz egal ob sie relevant sind oder nicht. Wir besprechen uns mit dem Partner und der Familie, holen Ratschläge von Freunden ein, lesen Bewertungen und Erfahrungsberichte im Internet. Und dann sind da noch die großen, lebensbestimmenden Entscheidungen, welcher Partner zu mir passt, wann der richtige Zeitpunkt für die Familienplanung ist oder welcher Job mich auf meinem Karrierepfad voranbringen wird.  Wir drehen und wenden diese Optionen in alle erdenklichen Richtungen und klopfen sie auf ihren Nutzwert ab. Wir spielen die unterschiedlichsten Szenarien durch und fragen uns, wie wir uns mit unserer Entscheidung fühlen werden – ob sie richtig gewesen sein wird. Bloß keinen Fehler machen ist häufig die Devise.

Trügerische Freiheit

Nie konnte der Mensch so viel entscheiden wie heute. Was nach der großen Freiheit aussieht, macht aber selten glücklich. Im Gegenteil. Nicht ohne Grund sprechen Psychologen häufig von einer „Tyrannei der Wahl“. Zu komplex seien die Einflüsse auf den Entscheidungsprozess. Jahrhundertelang, seit die griechischen Denker der Antike den Begriff der Vernunft definiert hatten, gingen wir der Idee auf den Leim, der Mensch würde rational entscheiden. In den Wirtschaftswissenschaften wird der Homo oeconomicus noch immer als idealtypischer Entscheider beschrieben. Mit der Realität hat diese Modellvorstellung aus dem 19. Jahrhundert aber wenig zu tun, denn neben all der angestrebten Rationalität kann sich der Mensch nicht seiner Gefühle entledigen. 

Der Einfluss unserer Emotionen kann gewaltig sein. Oder hast Du Dich noch nie dabei ertappt, dass Du ein Produkt bei einem Verkäufer oder einer Verkäuferin erstanden hast, der beziehungsweise die Dir sympathisch war, obwohl Du es woanders günstiger bekommen hättest? Keine Sorge, das ist völlig normal. Unbewusst lassen wir uns leiten von Vorurteilen, Ängsten, Assoziationen, Erfahrungen und Vorlieben. Sich deshalb blind auf die eigene Intuition zu verlassen ist allerdings auch keine kluge Idee. Emotionale Entscheidungen können zwar gut ausgehen, sich aber ebenso wahrscheinlich als falsch erweisen. Vielmehr sollten wir versuchen, Bauch und Kopf zusammenzubringen.

Wann Frauen klüger entscheiden

Frauen könnten – anders als Männer – keine Entscheidungen fällen, ist ein beliebtes Vorurteil. Die US-amerikanische Kognitionspsychologin Therese Huston hat kürzlich mit „How Women Decide“ dem typisch weiblichen Entscheidungsverhalten ein ganzes Buch gewidmet und räumt darin mit bekannten Stereotypen auf. Gerade in Stresssituationen, in denen Frauen gerne eine überbordende Emotionalität nachgesagt wird, würden sie einen kühlen Kopf bewahren und sogar bessere Entscheidungen treffen als Männer. Während er unter Druck eher das Risiko suche und damit häufig scheitere, gehe sie auf Nummer sicher, wäge alle Optionen gründlich ab und hole sich, wenn nötig, zusätzliche Meinungen ein. Schuld daran, so Huston, sei das Stresshormon Cortisol, das im weiblichen Körper in viel geringerem Maße freigesetzt werde. Steigt der Cortisolspiegel im Blut, können gelernte Lösungsstrategien schlechter abgerufen werden.

Wir wählen, was wir kennen

Hormone locken uns oft auf die falsche Fährte. Studien haben beispielsweise gezeigt, dass sich der Mensch, weil sein Gehirn ihn für das Wiedererkennen von Bekanntem belohnt, eher für die Option entscheidet, die ihm vertrauter ist, auch wenn diese rational betrachtet schlechter abschneidet. Bei Finanzentscheidungen führt das häufig zum sogenannten Home Bias. Dadurch wählen Anleger oft das Sparbuch statt der Aktie oder investieren lieber in bekannte Unternehmen auf dem Heimatmarkt als in fremde Firmen auf einem anderen Kontinent.

Dieses Phänomen ist keine Frage des Geschlechts, sondern vielmehr eine des Wissens und trifft deshalb besonders häufig Frauen. Umfragen zeigen immer wieder, dass Frauen über Finanzthemen schlechter informiert sind als Männer. Die gute Nachricht: Das fehlende Wissen lässt sich leicht nachholen. Du musst nur damit anfangen! „Jeder lange Marsch beginnt mit dem ersten Schritt“, wusste schon der chinesische Philosoph Laotse. Auch die Finanzwelt lässt sich behutsam Schritt für Schritt erkunden. Einen ganz einfachen Einstieg in die Wertpapieranlage ermöglichen zum Beispiel Fondssparpläne oder das  Bonus-Sparen. Also, mache den ersten Schritt!

Sabine Schoon

Sabine Schoon

Sabine Schoon ist aktuell Leiterin des Bereichs Corporate Strategy & Consulting der comdirect bank AG, eine der führenden Online Banken für moderne Anleger in Deutschland. Seit 2016 verantwortet sie unter anderem die Entwicklung verschiedener Strategiethemen, den Aufbau des Digitalen Assetmanagements sowie Initiativen für den leichten und einfachen Einstieg in die Wertpapieranlage. Zuvor entwickelte sie bei der Commerzbank digitale Lösungen im Corporate Geschäft und war als Projektleiterin für die Weiterentwicklung zuständig. Sabine Schoon ist gelernte Bankkauffrau und absolvierte ihr Studium an der Frankfurt School of Finance & Management mit Stationen in Australien und New York. Die Initiative finanz-heldinnen ist für sie eine Herzensangelegenheit. Denn gemeinsam mit Kolleginnen der comdirect möchte sie zeigen, dass Finanzen nicht nur Männersache sind.

Mehr interessante Artikel im Magazin:

finanz-heldinnen Infoline

Auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit kommen viele Fragen auf. Dabei ist jede Frage anders und wir möchten jeder Frau auch eine individuelle Antwort geben. Dafür haben wir die finanz-heldinnen Infoline eingerichtet.

Hier könnt Ihr alle Fragen stellen, die Euch rund um das Thema Geldanlage beschäftigen. Einfach, persönlich und von Frau zu Frau.

Ihr erreicht uns montags bis freitags von 9.00 bis 20.00 Uhr unter der Telefonnummer:

+49 (0) 4106 – 708 2549

Wir freuen uns über Euren Anruf!