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So suchst Du Deinen Handelsplatz aus

Wenn Du Aktien, Fonds oder ETFs kaufen willst, musst Du viele Entscheidungen treffen. Dazu gehört letztlich auch die Entscheidung für einen Handelsplatz. Wir erklären Dir die Unterschiede.

Wer die Wahl hat, hat die Qual – das gilt nicht nur für die unzähligen Aktien, Fonds oder ETFs, in die Du investieren könntest. Selbst wenn Du Dich für ein Investment entschieden hast, stehst Du wieder vor der Wahl: Welchen Handelsplatz sollst Du auswählen? Frankfurt, Düsseldorf oder Stuttgart? Oder besser Xetra? Oder sogar den außerbörslichen Direkthandel?

Es gibt immer mehrere Handelsplätze, über die Du Deine Wertpapiere kaufen und verkaufen kannst. Dein Onlinebroker liefert Dir eine Auswahl. Das vollautomatische Handelssystem Xetra der Deutschen Börse sowie die fünf Regionalbörsen Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, München, Berlin/Bremen und Hamburg/Hannover sind Standard. Hinzu kommt der Direkthandel über Wertpapierhäuser und Banken. Die bekanntesten sind Lang & Schwarz und Tradegate.

Der mit Abstand größte Handelsplatz ist Xetra. 90 Prozent des gesamten Aktienhandels an allen Börsen werden darüber wochentäglich zwischen 9 und 17.30 Uhr abgewickelt. Die hohen Umsätze sind der größte Vorteil des Systems. Praktisch alle Papiere sind handelbar und die Preise sind auch bei selten gehandelten Aktien weniger anfällig für größere Ausschläge in die eine oder andere Richtung. So kommt es zu fairen Preisen. Auf Xetra werden mehr als 3.000 Wertpapiere gehandelt, darunter mehr als 1.100 deutsche und auch ausländische Aktien sowie mehr als 1.700 ETFs und ETPs. Vor allem institutionelle Investor:innen nutzen Xetra. Wenn Du hier handelst, zahlst Du zusätzlich zu Deiner Ordergebühr noch ein Transaktionsentgelt. Dieses Entgelt liegt bei 0,08 Basispunkten, also 0,0008 Prozent – maximal jedoch vier Euro.

Neben Xetra gibt es die sogenannten Regionalbörsen. Die Börse Frankfurt ist der bekannteste Handelsplatz. Die Bilder vom Parkett siehst Du oft im Fernsehen oder anderen Medien. Die Börse Stuttgart wirbt vor allem um Privatanleger:innen und hat einen Schwerpunkt beim Handel mit Zertifikaten und ETFs. Während die anderen Präsenzbörsen schon um 20 Uhr schließen, ist Stuttgart bis 22 Uhr geöffnet. Die Börsen Hamburg und Hannover gelten als führend beim Fondshandel. Berlin setzt auf Auslandsaktien.

Der Börsenhandel hat den Vorteil, dass nur dort der Handel reguliert ist und sich alle Kurse stets nach Angebot und Nachfrage bilden. Dieser Service kostet allerdings. Zusätzlich zu den Ordergebühren zahlst Du auch an den Regionalbörsen Transaktions- und Handelsentgelt beziehungsweise Maklercourtage. In der Regel sind das 0,4 Promille beziehungsweise 0,8 Promille je nach Wertpapierart. Dein Onlinebroker zeigt Dir diese Kosten an, bevor Du Deine Order bestätigen musst. Vergleichen lohnt.

Der Preis ist ein wichtiges Kriterium, die Liquidität ein weiteres. Liegen viele Kauf- und Verkaufsaufträge mit einem hohen Volumen vor, ist die Differenz von An- und Verkaufskurs, der sogenannte Spread in der Regel kleiner. Du bekommst also bessere Preise. Bei Dax-Aktien ist das nicht unbedingt von Thema, aber bei kleineren, weniger populären Nebenwerten schon. Die Liquidität hängt eng mit der Geschwindigkeit zusammen, mit der Dein Auftrag ausgeführt wird – und damit mit der Preisverlässlichkeit. Die Kurse laufen Dir nicht weg.

Eine oft, aber nicht immer günstigere Alternative ist der Direkthandel, der anders als der Börsenhandel nicht so streng überwacht wird. Anstatt auf einem neutralen Marktplatz zu handeln, kaufst Du Deine Aktien direkt bei einer Bank oder einem Wertpapierhandelshaus. Diese stellen An- und Verkaufspreise, ein bisschen wie in einer Wechselstube. Sie verdienen an der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen und dieser Spread ist oft größer als an der Börse. Die Börsengebühr und meistens auch die Courtage entfallen dafür allerdings. Im Direkthandel gehst Du vor allem außerhalb der Börsenöffnungszeiten von Xetra das Risiko ein, zu überhöhten Preisen zu kaufen oder zu Niedrigstpreisen zu verkaufen. Denn es fehlt der Vergleichsmaßstab der größten Inlands-Referenzbörse. Auch wenn es an der Börse hektisch zugeht, solltest Du genau darauf achten, zu welchem Preis eine Aktie im Direkthandel bepreist wird.

Pauschal lässt sich nicht beantworten, welcher Handelsplatz der beste ist. Vergleiche auf jeden Fall die Kurse in der Übersicht Deines Brokers. Weichen diese kaum voneinander ab, kannst Du den günstigeren Direkthandel wählen und Börsengebühren sparen. Und achte auf die Liquidität, denn es werden Dir auch die Stückzahlen angezeigt, die gerade gehandelt werden. Je höher das Volumen, desto besser. Die Kosten sind ein wichtiger Faktor für Deinen Anlageerfolg, es lohnt sich also immer zu vergleichen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Aktien, ETFs und andere Wertpapiere kannst Du an Börsen oder direkt bei Banken und Wertpapierhäusern kaufen und verkaufen.
  • Der Direkthandel ist oft kostengünstiger.
  • Achte darauf, dass das aktuelle Ordervolumen im Vergleich nicht zu gering ist. So verhinderst Du große Spreads (und schlechtere Börsenkurse).
  • Der Börsenhandel ist streng reguliert, der Direkthandel etwas weniger.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anleger:innen und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.
Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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