Home-Office mit Familie – wie Ihr den Spagat als Familie schafft

Familie und den eigenen Job unter einen Hut zu bekommen, war auch bereits vor der Pandemie für viele eine Herausforderung. Viel Erfahrung und eine klare Vorstellung davon, wie das Ganze bewerkstelligt werden kann, hat Nina Groninger. Im Gespräch gibt die Beraterin Anregungen, wie der Alltag durch Teamwork zwischen Müttern, Vätern und Arbeitgebern bewerkstelligt werden kann.

Viele Jahre war Nina HR Business Partner in Unternehmen, wo sie das Management und Führungskräfte in Personalfragen beraten und geschult hat. In 2020 hat sie sich als Beraterin zum Thema Familienfreundlichkeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf selbstständig gemacht. Sie ist selbst zweifache Mutter und möchte Familien und Unternehmen gezielt zu einem besseren Miteinander bewegen.

finanz-heldinnen: Du hast seit über zehn Jahren als Angestellte im Personalbereich gearbeitet. Wie kam es zur Entscheidung, Dich mit dem Thema Familienfreundlichkeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf selbstständig zu machen?

Nina Groninger: Dieses Thema ist durch meine eigene Situation entstanden. Ich bin Mutter zweier Kinder und habe dadurch gemerkt, wie wichtig es ist, dass man Beruf und Familie gut vereinbaren kann. Ich bin auf der anderen Seite langjährige Beraterin von Führungskräften und merke, dass die zwei Welten nicht immer so gut zusammenpassen, wie sie eigentlich sollten und wie es möglich wäre.

Man kann das alles sehr gut organisieren, sowohl als Unternehmen, als auch als Familie. Das fehlt heutzutage noch an vielen Stellen. Genau hier setze ich mit meinem Angebot an.

Wo siehst Du die größten Baustellen bei Familien?

Bei Familien ist es ganz klar die Organisation des Alltages. Vielen Familien ist gar nicht bewusst, wie man durch gute Planung seinen Alltag besser hinbekommt und dadurch am Ende des Tages viel entspannter durch den Tag geht.

Wenn man seinen Arbeitsalltag und auch seinen privaten Alltag gut miteinander plant, wird das alles deutlich besser.

Das ist natürlich ein großes Kommunikationsthema, gerade in Partnerschaften. Egal in welcher Konstellation, egal wer wie viel arbeitet, fehlt es dann an der organisatorischen Kommunikation: Es wird sich nur mit dem Workload, den jede:r einzelne hat, auseinandergesetzt, nicht mit den Aufgaben an sich. Zum Beispiel die Frage, ob der Partner oder die Partnerin die Kinder einen Nachmittag abholen kann. Denn so etwas ist alles immer möglich, es wird nur selten darüber gesprochen, wenn man sich so im Alltag verliert.

Was können Unternehmen dazu beitragen, den Spagat zwischen Job und Familie besser zu bewerkstelligen?

Bei Unternehmen ist es vor allem die Wahrnehmung des Punktes, wie wichtig es für Mütter und Väter ist, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wahrgenommen wird. Das Thema Work Life Balance ist seit Jahren riesig und das ist nicht umsonst so.

Ich glaube, dass gerade Väter sich oft nicht trauen zu fragen, ob sie vielleicht vier Stunden weniger in der Woche arbeiten könnten, um nachmittags einmal ihre Kinder abzuholen. Dass viele Mütter gar nicht wissen, was sie alles mit ihren Vorgesetzten besprechen könnten, weil sie immer das Gefühl haben, nicht gehört zu werden. Da kann man als Unternehmen auch einfach mal einsteuern, was es schon gibt und was man anbieten möchte. Nicht immer ist es mit Teilzeittätigkeit für alle getan.

Oft fehlt es auch, die Sicht des Unternehmens für Familien darzustellen. Das ist etwas, was viele Unternehmen noch besser machen können.

Während der Pandemie und im Lockdown sind die Herausforderung noch größer geworden.
Was sind Deine fünf Tipps zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Alle stehen vor extremen Herausforderungen. Das Thema Home-Office / Mobiles Arbeiten macht mit uns allen etwas. Familien sind besonders stark betroffen. Als Mutter oder Vater zu Hause zu arbeiten bedeutet, zu arbeiten und sich gleichzeitig um die Kinder zu kümmern, egal ob Home-Schooling oder Betreuung kleinerer Kinder. Es wird gearbeitet, sich um die Kinder gekümmert und dann geht man wahrscheinlich irgendwann ins Bett.

Tipp 1: Eine klare Kommunikationslinie bei der Arbeit finden

Mache deutlich, wann Du gut zu erreichen bist und zu welchen Zeiten auch mal gar nicht. So kannst Du arbeiten, ohne dass das Telefon klingelt oder auch eine halbe Stunde investieren, um Deinem Kind bei der Schule zu helfen. Wenn Du das klar kommunizierst, weiß jede:r, wann Du erreichbar bist. So können sich die Partner:innen auch abwechseln.

Tipp 2: Ablenkungen vermeiden

Es ist schon viel, wenn Du Dich parallel um Deine Kinder und um Deine Arbeit kümmern musst. Wenn Du dann auch noch tagsüber Dinge im Haushalt erledigst, ist das eindeutig zu viel. Deswegen solltest Du versuchen, so etwas auf den Abend oder das Wochenende zu verlegen, damit Du problemloser durch den Arbeitstag kommst.

Tipp 3: Einen festen Platz zum Arbeiten suchen

Nutze als Arbeitsplatz einen Ort, wo Du Dich am besten fühlst und wo Du am produktivsten bist. Das muss nicht immer nur der Schreibtisch sein. Wenn Du merkst, dass Du an einem bestimmten Ort besonders gut arbeiten kannst, solltest Du diesen Ort nutzen und gut gestalten.

Tipp 4: Nicht mehr arbeiten als sonst

Viele Menschen neigen dazu im Home-Office mehr zu arbeiten. Die Zeit für An- und Abfahrt oder gemeinsames Mittagessen mit Kolleg:innen entfallen und wird als Arbeitszeit genutzt. So kommen schnell mehr Stunden Arbeit als sonst zusammen.
Daher solltest Du ganz bewusst Deine Zeiten einhalten und auch entsprechend Pausen einlegen.

Tipp 5: Empfehlung für Unternehmen: Flexibilität bei der Arbeitszeit im Home-Office

Unternehmen vergessen häufig, wie wichtig das Familienleben für Familien ist, wie viel Arbeit es macht, Kinder großzuziehen und wie viel Einfluss das auch auf die Arbeit hat. Mitarbeiterbindung ist ein sehr wichtiges Thema. Sie gelingt besser, wenn Unternehmen und Führungskräfte auf die Bedürfnisse von Familienvätern und Müttern eingehen und ihnen die Chance geben, ihr Leben flexibler zu gestalten.

Sie könnten ihren Mitarbeiter:innen beispielsweise Arbeitsfenster anbieten: Ein festes, in dem die Erreichbarkeit gewährleistet sein muss und ein flexibles, in dem sie ihre Zeit flexibel gestalten können.

So könnten sich Eltern zu Hause Zeit für die Unterstützung ihrer Kinder im Home-Schooling nehmen und einen Teil ihrer Arbeitszeit in den Abend verlagern.

Vielen Dank für das Interview!

Über Nina Groninger

Nach einem Jurastudium begann Nina Groninger ihre berufliche Laufbahn in der Personalabteilung einer Mediaagentur. Danach beriet sie viele Jahre Management und Führungskräfte rund um alle Personalthemen wie Gewinnung, Entwicklung und Bindung von Mitarbeiter:innen. Seit 2016 ist sie selbst Mutter und hat persönlich viel Erfahrung damit gemacht, die Anforderungen ihres Arbeitgebers, ihre Familie und ihre eigenen Ansprüche miteinander in Einklang zu bringen. Mit ihrer beruflichen Erfahrung und als engagierte Mutter kann Nina sowohl Unternehmensinteressen als auch familiäre Belange verstehen, vertreten und mit ihrer Beratung zur Verbesserung beitragen.

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