„Die Arbeit am Label ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess“

2018 hat Aylin König ihr eigenes Modelabel gegründet und arbeitet mittlerweile mit Partnern wie dem KaDeWe oder Breuninger zusammen. Im Interview mit den finanz-heldinnen spricht Aylin über den Werdegang des Labels, Probleme mit Zulieferern sowie die Rolle von Nachhaltigkeit und warum sie glaubt, dass Fast Fashion nicht mehr zeitgemäß ist.

finanz-heldinnen: 2018 hast Du Dir Deinen Traum vom eigenen Label erfüllt. Warum hattest Du den Wunsch, eine eigene Modelinie an den Start zu bringen?

Aylin König: Der entscheidende Faktor für die Gründung des Labels war und ist meine Leidenschaft für Mode. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt Kleidungsstücke zu beurteilen und diese gedanklich nach meinen eigenen Vorstellungen verändern zu wollen. Am Ende einer langen Vorbereitungs- und Produktionsphase die eigenen Produkte in den Händen zu halten, ist noch immer ein tolles Gefühl und meine tägliche Motivation und Inspiration.

Bist Du bewusst mit Deinem eigenen Namen rausgegangen?

Vor dem Start der Label-Gründung haben sich mein Mann Tobias und ich uns viele Gedanken zum Namen gemacht. Um ehrlich zu sein, waren wir uns relativ schnell einig meinen Influencer-Namen auch in das Label einfließen zu lassen. Es gibt viele erfolgreiche Beispiele aus der Modeindustrie, bei denen das Label den gleichen Namen, wie die Gründerin trägt (Isabel Marant, Anine Bing etc.). Da ich als Influencerin vor allem im Modebereich tätig bin, halte ich das gleichnamige Label für einen sinnvollen Schritt, um mehr Nahbarkeit und Glaubwürdigkeit nach außen zu transportieren.

Ich bin als Unternehmerin, Designerin und Model tätig, diese Aufgabenbereiche versuche ich vor allem über Instagram mit meinen Follower*innen zu teilen und dadurch das Label und die Produkte für die Kunden*innen erlebbar zu machen. Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass der Name einen positiven Effekt auf das Label und dessen bisherige Entwicklung hat, obwohl die Intention ganz klar darin liegt als eigenständiges Premium-Label wahrgenommen zu werden.

Nun ist das Label schon fast aus den Kinderschuhen raus und Du bietest neben Kleidung auch Deko an. Welche Entwicklungsschritte hat das Label hinter sich und was hast Du noch vor?

Die Arbeit am Label ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Aus Homeoffice und improvisiertem Lagerraum in Eigenregie ist ein sechsköpfiges Team mit eigenem Büro und stationärer Pop-Up Fläche geworden (aktuell laufen Gespräche für eine dauerhafte Laden-/Verkaufsfläche in der Hamburger Innenstadt). Zudem haben wir mit Breuninger, der KaDeWe Group und Anita Hass tolle Wholesale-Partner dazugewinnen können. Mit weiteren Anbietern sind wir bereits im Gespräch.

Wir haben eine Einkäuferin und Designerin als Vollzeitkräfte im Team, wir produzieren unsere Textilien in Italien, unsere Interieur-Produkte kommen aus Portugal. Bei uns stehen Qualität und Nachhaltigkeit an oberster Stelle, alle im Team teilen die gleiche Leidenschaft und packen dort an, wo es nötig ist. Als Start-Up sind unsere Hierarchien flach, alle Prozesse laufen in-house, daher macht die tägliche Arbeit und Entwicklung super viel Spaß.

Gab es auch Rückschläge für Dich und Dein Team?

Wir haben das Label Ende 2018 gegründet und mussten im darauffolgenden Jahr schon einige Rückschläge einstecken. Insbesondere von unseren damaligen Produzenten wurden wir sehr enttäuscht und in unserer Entwicklung stark ausgebremst. Den Turnaround haben wir im Herbst 2019 geschafft, als wir unsere Einkäuferin Nisa ins Team geholt haben. Neben meiner Leidenschaft für Mode(trends) hat Nisa vor allem durch ihr technisches Know-how und ihre Expertise das Label auf ein neues Niveau heben können und unterstützt uns bis heute tatkräftig in der Kollektions- und Label-Entwicklung.

Was war das größte Learning im Gründungsprozess?

Auch wenn es ein bisschen abgedroschen klingen mag, ist das größte Learning das Durchhaltevermögen gewesen. Eine Unternehmensgründung ist bei entsprechender Vorbereitung relativ schnell realisierbar, aber anschließend das Unternehmen nach den eigenen Vorstellungen aufzubauen und zu formen, ist ein langer und anstrengender Prozess. Es gibt immer wieder Rückschläge und negative Gedanken, ob personell oder finanziell, die es zu überwinden gilt. Es gab Momente, in denen ich selbst alles hinschmeißen wollte. Aber nicht zuletzt durch mein Team und unglaublich loyale Kund*innen habe ich diese Zweifel überwinden können und bin für den Status Quo des Labels nun umso dankbarer.

Du hast mittlerweile ein ganzes Team aufgebaut und unterschiedliche Standbeine. Warum gehst Du diese Entwicklung?

Als Influencerin ist es mir sehr wichtig selbst Entscheidungen zu treffen und die eigene Kontrolle zu haben. Ein Modelabel hingegen ist in der täglichen Arbeit deutlich umfangreicher und kleinteiliger. Da ich mit meinem Know-how und meiner Arbeitskraft einfach nicht alle Unternehmensbereiche abdecken kann, finde ich es wahnsinnig wichtig, gezielt Expertise ins Team zu holen, um auf allen Ebenen (Produktentwicklung, Einkauf, Design, CRM, Buchhaltung etc.) professionell handeln zu können. Ich kann lediglich für unsere Entwicklung sprechen und diese ist nur deshalb möglich, weil ich ein unglaublich tolles und kompetentes Team an meiner Seite habe, das den gleichen Fashion-Spirit teilt wie ich.

In einem Podcast hast Du verraten, dass die Entwicklung und Herstellung von Modestücken recht kostspielig sind. Hast Du Dir externe Investor*innen an Bord geholt oder bist Du hier mit Deiner eigenen Power durchgestartet?

Ein Unternehmen zu gründen und aufzubauen, bedeutet tatsächlich erstmal zu investieren. Mein Mann und ich waren glücklicherweise in der Situation, dass wir die notwendigen Investitionen aus eigener Tasche tätigen konnten. Wir haben zunächst aus dem Homeoffice gearbeitet und die Produkte über unseren eigenen Online-Shop vertrieben. Die Investitionen waren in unserem Fall überschaubar, nichtsdestotrotz nutzen wir bis heute einen Großteil der Einnahmen für die Weiterentwicklung des Labels, um den Kern unserer Arbeit, die Produktqualität, immer weiter zu verbessern.

Bei Deinen Kleidungsstücken verarbeitest Du sehr hochwertige Materialien und produzierst auch in der EU. Diese Punkte spiegeln sich auch im Preis wider. Glaubst Du, fast fashion hat ausgesorgt?

Ich kann nur sagen, dass der Einsatz hochwertiger Materialien mit entsprechenden Kosten bzw. Ausgaben verbunden ist. Wir merken am Kaufverhalten und dem Feedback unserer Kunden*innen, dass Qualität und Nachhaltigkeit immer wichtiger werden und entsprechende Mehrkosten auch gerechtfertigt sind. Der Trend zeigt meiner Meinung nach, dass Fast Fashion nicht mehr zeitgemäß ist und am Ende der Wertschöpfungskette viele Beteiligte zu kurz kommen und unter dem Konsum solcher Waren leiden. Es ist ein tolles Gefühl, die Leute an den Entscheidungsprozessen teilhaben zu lassen und für diese Transparenz überwiegend positives Feedback zu erhalten.

Unser Fokus liegt auf natürlichen Materialien und hoher Qualität. Wann immer es uns möglich ist, entscheiden wir uns für nachhaltige Optionen, zum Beispiel durch den Einsatz von Materialien, wie recycletes Kaschmir, recycelte Baumwolle, Lyocell und Eco Vero Viscose. Unser Ziel ist es zeitlose und geschmackvolle Designs zu kreieren, die für eine lange Zeit und zu jedem Anlass getragen werden können.

Hast Du ein Lebensmotto?

Leben und leben lassen.

Vielen Dank für das Gespräch! 

Über Aylin König

„Seit meiner Hochzeit 2018 ist mein offizieller Name Aylin Freund. Den Namen Aylin König habe ich als Marken- und Künstlernamen eintragen und schützen lassen, da ich hiermit sowohl als Influencerin, als auch mit dem Label tätig bin.

Ich bin 30 Jahre und seit 2013 wohnhaft in Hamburg. Zuvor habe ich ein BWL-Studium in Köln absolviert. Meine große Leidenschaft ist Fashion: ich liebe es in Online-Shops zu stöbern, in Modezeitschriften zu blättern oder mir über Social Media Inspiration zu holen. Glücklicherweise hat mein Mann Tobias sehr viel Verständnis hierfür und hat zum Aufbau von Blog und Label maßgeblich beigetragen.

In unserer freien Zeit verbringen wir viel Zeit mit unserer Französischen Bulldogge Summer und treffen gerne Freunde. Nach dem Ende der Corona-Zeit freuen wir uns wieder sehr auf das Reisen und einen hoffentlich unbeschwerten Sommer.“

Zum Modelabel by Aylin König

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