„Der Crash als Ausgangsbasis für künftige Gewinne“

Der größte Fehler im Crash ist es, das Depot komplett aufzulösen, ist Beate Sander überzeugt. Lieber sollte man auf die Zukunft setzen und einsteigen.

Beate Sander alias „die Börsen-Oma“ kennt sich aus mit Krisen: Den Grundstein für ihr Vermögen legte sie in der Finanzkrise. Sie kaufte beherzt Aktien, als alle anderen Angst hatten. Damit wurde sie zur Millionärin. Auch jetzt sah sie den Crash als Chance. Und das, obwohl die 82-jährige Bestsellerautorin und Anlagestrategin im Corona-Crash zwischenzeitlich viel Geld verloren hatte. Sie hält sich streng an ihre Hoch-Tief-Mut-Strategie, die sie vor Jahren erfunden hat.

Jessica Schwarzer: Was würden Sie Ihrem 20- oder 30-Jährigen Ich mit Blick auf Ihre Geldanlage raten?

Beate Sander: Nichts, denn ich hätte damals kaum etwas anders oder besser machen können. Als Flüchtling hatte ich kaum Geld und musste zudem meine Eltern unterstützen.

Haben Sie damals gar nicht angelegt?

Dies war nicht möglich: Kein Kindergeld, kein BaFög für studierende Kinder, kein Baukostenzuschuss, kein Euro Erbschaft. Ähnliche Situation bei meinem Mann, der Halbwaise war. Wir haben jahrelang für ein Reihenhaus gespart. Eine bestmögliche Bildung meiner Kinder war oberste Priorität.

Wann haben Sie die Börse für sich entdeckt?

Die habe ich schon frühzeitig entdeckt, denn ich habe Wirtschafts- und Schulbücher geschrieben. Wenn Sie wissen wollen, wann ich meine erste Aktie kaufte: Das war die Deutschen Telekom bei ihrem Börsengang im November 1996 umgerechnet für knapp 15 Euro pro Aktie. Für mich war die T-Aktie übrigens immer eine gute Aktie. Es gab jahrelang hohe Dividenden, noch dazu steuerfrei. Wer allerdings bei 60 oder 90 € einstieg, dem war nicht zu helfen. Das war pure Gier.

Apropos Gier, damals gab es eine rasante Rally an der Börse, vor allem an der deutschen Technologiebörse „Neuer Markt“. Haben Sie auch gezockt?

Nein, ich habe niemals gezockt. Das kam überhaupt nicht infrage. Ich habe immer eine langfristige Strategie verfolgt. Am „Neuen Markt“ gab es übrigens nicht nur Zockeraktien, sondern auch seriöse, innovative Unternehmen mit Alleinstellungsmerkmalen und überzeugendem Geschäftsmodell. Dies war die Voraussetzung, um zu überleben. Mit diesen Pionieren und Vorreitern war richtig viel Geld zu verdienen. Wer allerdings bei den Schrotthaufen zugriff, von denen es jede Menge gab, konnte viel Geld verlieren.

Welche Strategie verfolgen Sie?

Ich setze meine Hoch-Tief-Mut-Strategie um, die ich vor Jahren entwickelt und ständig verfeinert habe. Dabei lege ich sehr langfristig an. So wie es auch Warren Buffett macht. Und genau wie er kaufe ich nur das, was ich für immer behalten will. Wenn ich mich irre, dann verkaufe ich. Ich streue das Risiko breit und habe etwa 120 Titel und zwölf ETFs im Depot.

Wie funktioniert die Hoch-Tief-Mut-Strategie genau?

Grundsätzlich kaufe ich niedrig bewertete, defensive, konjunkturunabhängige Qualitätsaktien mit hoher Dividende. Ähnlich wie es auch Buffett macht. Im Gegensatz zu ihm setze ich aber auch auf Technologiewerte. Er kauft nur, was er versteht. Ich sage mir, was ich nicht verstehe, kann ich lernen. KI mit Robotik oder das Internet der Dinge finde ich ebenso spannend wie Software, Biotech, Medtech, Hochtechnologie.

Wie gehen Sie mit Fehlinvestitionen um?

Ich handle da ganz situativ. Bei Bilanzbetrug oder wenn ein Biotech-Unternehmen mit nur einem Produkt in der klinischen Phase 3 scheitert, dann werfe ich die Aktie aus dem Depot. Ansonsten schaue ich auf die Charts, lese Unternehmensnachrichten, studiere die Bilanz. In Zeiten der Corona-Krise und unmittelbar danach werden wir eine Menge trauriger Bilanzen zu sehen bekommen. Viele Unternehmen haben riesige Probleme, durch Massenpanik und zu lange anhaltende harte Einschränkungen, die mitunter willkürlich erscheinen, angeheizt. Aber es gibt auch Profiteure der Krise, wie Amazon und Netflix und der Großteil des Gesundheitswesens mit Pharma, Biotech und Medtech.

Wie haben Sie Ihren ersten Crash erlebt?

Das war der Dotcom-Crash Anfang des Jahrtausends. Klar, mein Depot ging runter. Aber ich hatte damals schon meine Hoch-Tief-Mut-Strategie entwickelt. Mir war klar, dass der Kursrutsch vorübergehen würde. Der größte Fehler im Crash ist es, das Depot komplett aufzulösen. Lieber sollte man auf die Zukunft setzen und einsteigen. Ein Crash ist für mich eine Herausforderung, aber auch die Ausgangsbasis für künftige Gewinne. Zu meiner ersten Million wäre ich ohne den Crash 2008 nicht gekommen. Damals bin ich auch mutig eingestiegen. Im Dezember 2019 stieg der Depotwert sogar bis auf zwei Millionen Euro.

Wie schlimm hat die Corona-Krise Ihr Depot getroffen?

Von über zwei Millionen ist es auf 1,58 Millionen abgestürzt. Aber ich war überzeugt, dass sich meine Qualitätsaktien wieder aufrappeln. Einen Monat später war es schon soweit. Heute, am 22. April, sind es bereits 2,2 Millionen.

Wie haben Sie reagiert?

Ich habe schrittweise gekauft und vor allem abgestürzte, dividendenstarke Qualitätsaktien eingesammelt. Amazon kaufte ich nach, ebenso Gesundheitsaktien wie Johnson & Johnson, Medtronic, Stryker, Fresenius, Intuitive Surgical, Thermo Fisher und UnitedHealth. Auch bei Luxusaktien wie LVMH, Hèrmes und Kering griff ich zu. Auch Ölaktien habe ich nach dem massiven Preisverfall ergänzt. Das finanziere ich übrigens über Teilverkäufe.

Gerade im Crash ist es wichtig, Aktien zu besitzen, die noch nahe ihres Allzeithochs notieren. Da nehme ich Gewinne mit und kaufe andere Titel, die um 50 oder 75 Prozent eingebrochen sind, günstig nach. Das tat ich übrigens auch im Dezember 2018, als die Technologieaktien erheblich verloren hatten. Damals verkaufte ich von meinen Immobilienaktien, die nahe ihrer Hochs notierten, einen Teil, um mit dem Erlös die abgestürzten Internetaktien einzusammeln.

Viele Deutsche trauen sich nicht an das Thema Börse, auch weil sie zu wenig darüber wissen. Sie sind ehemalige Lehrerin, was muss mit Blick auf die finanzielle Bildung passieren?

Ich bin immer noch Lehrerin mit wöchentlichem Unterricht bei vier Börsenseminaren an der Volkshochschule Ulm. Bezüglich Bildung müsste viel passieren. Zunächst wäre es notwendig, dass wirklich an allen Schulen ‚Wirtschaft und Recht‘ unterrichtet wird. Das sollte unbedingt ein Pflichtfach sein. Wirtschaftliche Grundbildung gehört in die Schulen. Denn wenn die Menschen es dort nicht lernen, lernen sie es oftmals nie mehr. Finanzielle Bildung zu organisieren, ist Sache der Politik.

Sie selber setzen sich immer noch dafür ein…

Ich gebe Kurse an der Volkshochschule. In meinen Börsenkursen sitzen oft Ärzte und Unternehmer, andere gutverdienende Leute, aber auch Studenten. Finanzbildung ist extrem wichtig: richtiges Sparen, Vermögensaufbau, Altersvorsorge. Aber auch diejenigen, die eher wenig verdienen, aber dennoch verhältnismäßig viel konsumieren, könnten etwas sparen und investieren. Wer Trinkwasser statt teurem Sprudel trinkt, hat schnell 25 Euro pro Monat gespart, die er in einen ETF-Sparplan investieren kann. Das ist ein erster Schritt und guter Start an der Börse!

Vielen Dank für das Interview!

Beate Sander

Beate Sander

Buchautorin und Anlagestrategin

Beate Sander ist Buchautorin und Anlagestrategin. Ihr Aktien- und Börsenführerschein steht seit 2001 immer wieder auf den Bestsellerlisten. Die 82-Jährige investiert strikt nach der Hoch-Tief-Mut-Strategie, die sie erfunden und zur Millionärin gemacht hat. Die ehemalige Realschullehrerin arbeitet noch immer als Volkshochschul- und Uni-Dozentin und gibt Börsenseminare. Aktuell schreibt Sie an dem neuen, hochaktuellen Buch mit dem Titel „Die richtige Geldanlage in Krisen und im Crash“, das Ende Mai oder Anfang Juni beim FinanzBuch Verlag erscheint.

Copyright ist (c) Nina Wellstein Porträt

Annette Siragusano

Annette Siragusano

Leiterin Unternehmenskommunikation bei comdirect & Vorstand Stiftung Rechnen

Annette Siragusano leitet die Unternehmenskommunikation der comdirect bank AG. Als Digital Mind liebt sie Innovationen, Zukunftsthemen und spannende Formate wie zum Beispiel das Finanzbarcamp. Zuvor war sie unter anderem Leiterin Marketing sowie Leiterin Interne und Pressekommunikation der PlanetHome AG, einem Unternehmen der Unicredit Gruppe. Als Mutter ist ihr das Thema frühe Finanzbildung besonders wichtig. Mit ihren Kolleginnen hat sie die finanz-heldinnen gegründet, da sie der Überzeugung ist, dass Geldanlage kein Hexenwerk ist und es wichtig ist in Sachen Finanzen den „inneren Schweinehund“ zu überwinden. Und das eher heute als morgen.

Gewinne 1 von 3 Büchern von Beate Sander

Wir verlosen drei Mal das Buch „Der Aktien- und Börsen-Führerschein“ von Beate Sander.

So nimmst Du an der Verlosung teil:

  • Folge uns bei Instagram @finanzheldinnen
  • Like den Post und schreibe uns im Kommentar darunter, warum Du die Lizenz zum Geldanlegen brauchst

Wir freuen uns auf Deinen Kommentar und drücken Dir die Daumen! Teilnehmen kannst Du bis zum 14.06.2020 um 23:59 Uhr. Am 15.06.2020 geben wir die Gewinner*innen bekannt.

Teilnahme- und Datenschutzbedingungen Gewinnspiel „Interview mit Beate Sander“

§ 1 Allgemeines
Eine Teilnahme am Gewinnspiel des Instagram-Profils „finanz-heldinnen“ ist nur unter Einbeziehung dieser Teilnahmebedingungen möglich. Das Gewinnspiel wird nicht von Instagram unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Instagram. Veranstalter ist die Initiative finanz-heldinnen der comdirect bank AG.

§ 2 Teilnahmevoraussetzungen
Teilnahmeberechtigt sind uneingeschränkt alle geschäftsfähigen, natürlichen Personen und Minderjährige ab 14 Jahren mit Einwilligung ihrer gesetzlichen Vertreter. Die Teilnahme ist nicht an den Kauf von Waren oder Produkten geknüpft. Pro Person ist nur eine Teilnahme möglich. Mitarbeiter der comdirect bank AG sowie deren Angehörige dürfen nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

§ 3 Das Gewinnspiel
Die Teilnehmer*innen müssen dem Instagram-Profil „finanzheldinnen“ folgen. Ferner müssen sie im Zeitraum vom 09.06.2020 bis 14.06.2020 23:59 Uhr den Beitrag mit dem Gewinnspiel kommentieren. Im Kommentar soll dargestellt werden, warum eine Lizenz zum Geldanlegen benötigt wird.

§ 4 Gewinn
Es werden drei Bücher „Der Aktien- und Börsen-Führerschein“ von Beate Sander verlost. Die Gewinner*innen werden im Anschluss an die Verlosung mit Zufallsprinzip per Instagram Direktnachricht benachrichtigt. Wir bitten die Gewinner*innen, sich bis zum 16.06.2020 23:59 Uhr unter Angabe ihres Namens und ihrer Adresse bei uns zurückzumelden. Erfolgt dies nicht, verfällt der Gewinn oder es erfolgt eine neue Ziehung. Die Gewinner*innen erhalten ihren Gewinn im Anschluss per Post, sofern sie sich in der Frist gemeldet und ihre Adresse mitgeteilt haben.

§ 5 Datenschutz
Die persönlichen Daten der Teilnehmer*innen verbleiben bei der comdirect bank AG und werden nicht an Dritte weitergegeben. Die Daten werden nur für das Gewinnspiel verwendet und gem. Artikel 6 Abs. 1 lit f) DSGVO verarbeitet. Die Teilnahme über Gewinnspiel-Services sowie die Teilnahme über automatisierte Gewinnspiel-Roboter ist nicht gestattet. Die Gewinner*innen gestatten der comdirect bank AG ihren Namen in abgekürzter Form (Vorname, Anfangsbuchstabe Nachname) zu veröffentlichen. Die Teilnehmer*innen haben laut DSGVO die Rechte der Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung der Verarbeitung und Widerspruch gegen die Verarbeitung.

§ 6 Ausschluss von der Teilnahme
Der Veranstalter ist berechtigt, Teilnehmer*innen aus wichtigem Grund jederzeit von der weiteren Teilnahme an dem Spiel auszuschließen. Ein wichtiger Grund liegt insbesondere vor, wenn ein*e Teilnehmer*in bei der Teilnahme falsche Angaben zur Person gemacht hat, wenn er/sie das Spiel oder den ordnungsgemäßen Spielablauf zu manipulieren, zu stören oder zu beeinflussen versucht oder wenn er/sie Mitarbeiter*innen des Veranstalters bedroht oder belästigt. Liegen die Voraussetzungen für einen Ausschluss vor, können Gewinne auch noch nachträglich aberkannt und zurückgefordert werden.

§ 7 Vorzeitige Beendigung des Spiels durch den Veranstalter
Der Veranstalter behält sich vor, das Spiel vor Ablauf des geplanten Spielzeitraums vorzeitig zu beenden. Von dieser Möglichkeit wird er insbesondere dann Gebrauch machen, wenn eine ordnungsgemäße Durchführung des Spiels aus technischen Gründen (z.B. Manipulationen oder Fehler der Hard- oder Software) oder rechtlichen Gründen nicht mehr gewährleistet ist.

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