Über finanzielle Ängste, fehlende Notgroschen und Anlagechancen

In fast jeder Partnerschaft wird irgendwann über Geld gestritten. Als Beziehungs-Investoren coachen Marielle und Mike junge Paare in finanziellen Fragen. Die Corona-Krise ist für viele eine besondere Herausforderung.

Sie reden oft und viel über Geld, miteinander und mit anderen. Die Beziehungs-Investoren Marielle und Mike helfen anderen, finanziell einen besseren Überblick zu bekommen, besser anzulegen und besser mit Krisensituationen klarzukommen. Und die Corona-Krise ist eine solche Situation, die viele Paare auch finanziell vor eine Herausforderung stellt. Aber sie birgt auch Chancen. Marielle und Mike haben im Crash Aktien nachgekauft und sich dann über die Erholung an der Börse gefreut. Anderen empfehlen sie, sich genau in solchen Krisenzeiten verstärkt um ihre Finanzen zu kümmern.

Jessica: Wie geht es Euch als Paar und Familie in der Corona-Krise?

Marielle: Uns geht es eigentlich gut. Anderen geht es mit Sicherheit schlechter. Aber auch für uns ist die Corona-Krise eine große Herausforderung…

Mike: …für mich aber nicht ganz so sehr wie für Dich.

Marielle: Weil Du noch zu Arbeit gehst.

Unser aller Alltag hat sich in Zeiten von Corona stark verändert…

Marielle: Oh ja. Das Heftigste ist, dass es keine Trennung mehr zwischen Job und Freizeit gibt. Ich merke das bei mir selber: Morgen greife ich sofort zum Handy, arbeite quasi direkt los, gleichzeitig mache ich das Frühstück für unseren Sohn und spreche mit Mike über den Tag. Früher war das entzerrter. Wenn Mike heimkommt, übernimmt er unseren Sohn und ich arbeite noch weiter.

Mike: Unser Tagesablauf hat sich sehr deutlich verändert. Ich stelle mit meinem Team die aktuelle Notbetreuung in der Schule, gehe weiter zur Arbeit, komme aber früher heim. Normalerweise fahre ich unseren Baby-Investor zur Betreuung und hole ihn ab, er ist dann nachmittags herrlich ausgepowert. Das ist jetzt alles anders.

Bei Euch läuft es aber trotzdem gut, andere Familien habe größere Probleme…

Mike: Mit Schulkindern ist das eine riesige Herausforderung – Arbeiten im Home Office und nebenbei die Kinder unterrichten. Wie gut das funktioniert, hängt auch stark von Schulen und Lehrern ab. Manche arbeiten digital mit ihren Schülern, manche geben nur ein Fünf-Wochen-Paket mit, andere schicken täglich Aufgaben. Das ist sehr unterschiedlich. Digitalisierung ist dabei ein großes Thema, und das fällt uns gerade auf die Füße.

Oft kommen dann auch noch finanzielle Sorgen dazu.

Marielle: Die Menschen sind sowieso in einer Belastungssituation. Wenn dann potenzielle Geldsorgen, Kurzarbeit oder die Angst vor dem Jobverlust dazu kommen, wird es sehr schwierig.

Mike: Gerade wenn man noch in der Probezeit ist oder kurz vor dem Jobwechsel steht, ist es nicht so einfach, die aktuelle Situation zu verarbeiten.

Viele haben noch immer keinen Notgroschen. Oder ändert sich das jetzt?

Marielle: Ich hoffe es, aber ich habe ehrlich gesagt meine Zweifel. Dabei ist der Notgroschen super wichtig. Wenn man den hat, kann man viel entspannter sein. Kurzarbeit ist dann keine Katastrophe, ein anstehender Jobwechsel kein Risiko. Aber das ist eine Mind-Set-Frage. Die Krise ist nur ein kurzfristiger Effekt.

Vielleicht ist jetzt, wo wir alle Zuhause hocken, die Zeit für „Geldgespräche“, die Ihr immer predigt?

Marielle: Es ist immer Zeit, gemeinsam in der Beziehung über Geld zu sprechen. In Krisenzeiten über Geld zu sprechen hilft auch Ängste abzubauen.

Mike: Auch wir sprechen gerade deutlich mehr über Geld als sonst.

Worauf müssen Paare und Familien achten, wenn sie gemeinsam Vermögen aufbauen?

Marielle: Es fängt dabei an, einen Überblick zu bekommen. Was ist da, was kommt rein, was geht jeden Monat raus? Diese Bestandsaufnahme wiederholt man am besten regelmäßig. Erst wird der Notgroschen aufgebaut, dann beginnt der Vermögensaufbau. In Geldgesprächen klärt man, ob man sich für einen gemeinsamen Weg, bei dem sich beide gut fühlen, oder separate Wege entscheidet.

Wie macht Ihr es?

Mike: Wir haben ein gemeinsames Depot und jeder hat zusätzlich ein eigenes. Wir sprechen regelmäßig über unsere Anlageideen. Sind wir beide von einer Aktie überzeugt, kaufen wir sie gemeinsam. Wenn wir uns nicht einig sind, kaufen wir getrennt. Marielle fängt beispielsweise gerade mit Krypo-Währungen an, ich teste Peer-to-Peer-Kredite. Unsere langfristigen ETF-Sparpläne als Teil der Altersvorsorge laufen auch in unseren getrennten Depots. Falls wir uns doch mal trennen, gibt es keinen Ärger.

Wie habt Ihr den Corona-Crash an der Börse erlebt und wie habt Ihr reagiert?

Mike: Wir investieren nach einer ausgewogenen Strategie, die Käufe und Verkäufe in unserem Beziehungs-Investoren-Depot machen wir in unserem Mitgliederbereich auch öffentlich. Wir standen im Crash mit unserer Performance zwischen Dax und MSCI World, sind aber vier Wochen später wieder im Plus gewesen mit dem Depot.

Marielle: Die Verluste waren natürlich schmerzhaft, jeder, der etwas anderes sagt, lügt…

Mike: Ohne zu lügen, hatte ich keine Schmerzen dabei. Wir haben ein klares Ziel und eine klare Strategie. Da geht es auch so. Wir haben im Crash fast wöchentlich nachgekauft und so zu günstigen Kursen investiert.

Marielle: Wir haben eine Liste mit 25 Aktien, die wir kaufen oder aufstocken wollen. An die haben wir uns gehalten. Eine gute, langfristige Strategie, an die man sich halten kann, hilft im Crash.

Vielen Dank für das Interview!

Marielle und Mike Schäfer

Marielle und Mike Schäfer

Gründeten den Blog Beziehungs-Investoren

Marielle und Mike sind die „Beziehungs-Investoren“. Seit 2016 gibt es ihren Blog. Dort schreiben sie über Geld und Liebe in allen Facetten und bieten Paaren vielfältige Unterstützung bei ihren Finanzen in der Beziehung. Privat sind sie seit 2010 ein Paar und seit 2017 verheiratet. Nach der Geburt ihres Baby-Investors, wie sie ihr Söhnchen in ihren Vorträgen und Seminaren nennen, im Jahr 2018 geht es immer öfter auch um das Thema „Investieren für Kinder“. Beide arbeiten während ihrer Elternzeit in Teilzeit, Mike als Projektleiter für eine Schulkindbetreuung und Marielle als Personalentwicklerin bei einer Unternehmensberatung.

Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin und Börsenexpertin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.
Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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