Moderatorin der Podcast Folge 76 ist Tijen Onaran.

„Frauen fehlen nicht Ideen oder Kreativität – ihnen fehlt das Kapital!“

Tijen Onaran ist erfolgreiche Gründerin, Speakerin und Investorin. Im Interview mit den finanz-heldinnen spricht sie über ihre eigenen Investments in junge Start-Ups und warum Gründerinnen oft an der Finanzierung scheitern.

Wie kam es zu der Entscheidung, selbst in Start-ups zu investieren?

Meine Mission ist es, die Wirtschaft diverser und digitaler zu machen. Aus diesem Grund habe ich bereits 2017 mein Unternehmen Global Digital Women (GDW) gegründet, mit dem wir Konzerne und Mittelständler in allen Fragen rund um Diversity beraten, Veranstaltungen konzipieren und umsetzen und Frauen aus der Digitalbranche vernetzen. Mit GDW bringen wir also vor allem mehr Diversität in Unternehmen. Jetzt möchte ich einen Schritt weitergehen und mehr Vielfalt in die Startup-Welt bringen – und damit in die Unternehmen von morgen. Und weil ein wesentlicher Faktor für den Erfolg von Startups die Finanzierung ist, bin ich dabei einen Venture-Capital-Fonds aufzulegen.

Du willst Dich mit Deinem Fonds an von Frauen gegründeten Start-ups beteiligen. Sind Investments in Start-ups von Frauen attraktiver?

Der Erfolg eines Startups hängt nicht vom Geschlecht der Gründerin oder des Gründers ab. Trotzdem gehen nur zehn Prozent des Investitionskapitals in Deutschland an Startups, die von Frauen gegründet wurden. Es sind allerdings auch nur sieben Prozent der Business Angels Frauen – und das ist das Problem. Männer investieren in Männer. Ich möchte deshalb bewusst in Startups von Frauen investieren. Was aber stimmt: Häufig sind Startups von Gründerinnen nachhaltiger orientiert. Das ist langfristig als Investment natürlich attraktiv.

Du hast bereits selbst in den Bio-Babynahrungshersteller Pumpkin Organics investiert. Warum dieses Start-up?

Ich sehe bei Pumpkin Organics sehr großes Potential. Gründerin Jaclyn Schnau setzt nicht nur auf die Trends Nachhaltigkeit und Bio-Zutaten, sondern auch auf wissenschaftliche Erkenntnisse bei der Produktentwicklung. Die Kombination ist sehr erfolgreich: Sie hat das Unternehmen vor vier Jahren gegründet und die Produkte können bereits in großen Drogerieketten gekauft werden. Dazu kommt, dass Jaclyn nicht nur Investment in finanzieller Form gesucht hat. Mir ist wichtig, die Unternehmen auch mit meiner Kommunikations- und Branding-Expertise zu unterstützen.

Der Frauenanteil bei den Start-up Gründungen liegt bei 16 Prozent. Warum glaubst Du, ist dieser Anteil so gering?

Es liegt auf jeden Fall nicht daran, dass Frauen weniger Ideen hätten oder weniger kreativ wären. Sie haben es deutlich schwerer, an Kapital zu kommen. Weltweit gehen nur zwei Prozent des gesamten VC-Volumens an Frauen – also umgekehrt gehen 98 Prozent an Männer! Dadurch können Frauen ihre Ideen im Zweifel nicht umsetzen oder wachsen mit ihren Startups deutlich langsamer. Dazu fehlen auch hier Vorbilder. Jede*r kennt erfolgreiche Gründer. Täglich liest man über Elon Musk in der Zeitung. Aber wo sind die erfolgreichen Gründerinnen in den Medien? Häufig ist die Berichterstattung über Gründerinnen auch recht stereotyp: dann geht es um Fragen der Vereinbarkeit, Quoten oder die Risikoaffinität von Frauen. Ich möchte ein Mal die Schlagzeile bei einem Gründer lesen: „Junger Gründer erzählt: so klappt es mit Familie und Beruf!“

Wie kann man mehr Frauen für die Gründer- und Investorenszene begeistern?

Wenn wir Gründerinnen und Investorinnen sichtbarer machen, ist das ein erster wichtiger Schritt. Und dann ist es wie in allen Bereichen der Wirtschaft: Gibt es mehr Frauen, mehr Diversität, wird es gelebte Normalität! Wir müssen in der Startup-Branche wie in Konzernen oder bei Mittelständlern einen Kulturwandel anstoßen, damit wir Gleichstellung erreichen. Auch die Venture-Capital-Branche muss sich überlegen: ist die Art der Besetzung in den Teams und auf Führungsebene noch zeitgemäß? Denn als Gründerin möchte ich ebenfalls ein diverses Netzwerk an Investor*innen und Kapitalgeber*innen haben. Auch das wird mein Startup besser und zukunftsfähiger machen.

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