Investieren wie große Industriefamilien

Studien zeigen es immer wieder: Familienunternehmen sind an der Börse besonders erfolgreich. Eigentlich wenig überraschend.

Stell Dir vor, Deine Familie hätte ein eigenes Unternehmen. Nicht nur eine kleine Firma, sondern einen richtig großen Konzern mit Hunderten oder Tausenden Angestellten. Das Unternehmen ist seit Generationen in Familienbesitz, doch einen Teil der Anteile habt Ihr irgendwann an die Börse gebracht. Wahrscheinlich laufen diese Aktien ziemlich gut. Das tun nämlich die meisten Anteilsscheine von Familienunternehmen. Deshalb sind sie auf jeden Fall einen Blick wert. Auch wenn Du nicht aus einer reichen Industriefamilie stammst, solltest Du darüber nachdenken, in Familienunternehmen zu investieren.

Es gibt viele Argumente, die für diese Unternehmen sprechen: Gründer und ihre Familien legen Wert auf langfristige Erfolge und halten mit einem überproportionalen Engagement an ihren Visionen fest. Der schnelle Gewinn interessiert sie weniger. Familienunternehmer denken langfristig. Sie wirtschaften nachhaltiger und dadurch auch besser. Und das führt ganz nebenbei zu einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung an der Börse. Langfristig hängen die Aktien der Familienunternehmen den breiten Markt ab. Das hat unter anderem eine Studie der Großbank Credit Suisse ergeben.

Für ihre Studie haben die Ökonomen immerhin mehr als 1000 Unternehmen aus Europa, Asien und den Vereinigten Staaten analysiert – und das über zehn Jahre lang. Ihre Bilanz: Familienfirmen erzielten ein höheres Umsatzwachstum bei einer niedrigeren Verschuldung und verdienten auch mehr. Die Unternehmen wurden gemessen an einer Kontrollgruppe aus 7000 nicht-familiengeführten Firmen.

Vorsichtiger, aber erfolgreicher

Weitere spannende Erkenntnisse: Familienunternehmen seien vorsichtiger und könnten sich vom kurzfristigen Denken an der Börse mit dem ständigen Blick auf die nächsten Quartalszahlen ein Stück weit lösen. Sie hängen weniger stark von Fremdfinanzierung ab, da Gründer und Inhaber eher eine hohe Verschuldung scheuen. Sie investieren mehr in Forschung und Entwicklung. Beeindruckend: Familienunternehmen schnitten in jeder Region und jeder Branche besser ab als vergleichbare andere Firmen, unabhängig von der Größe.

Doch was sind Familienunternehmen eigentlich? Eine allgemein gültige Definition gibt es leider nicht. Die Experten der Credit Suisse definieren familiengeführte Unternehmen als Firmen, bei denen die Gründer oder deren Nachkommen eine direkte Beteiligung von mindestens 20 Prozent halten oder mindestens 20 Prozent der Stimmrechte auf sich vereinen. Für andere Investoren reicht es, wenn ein Familienmitglied mit mindestens fünf Prozent der Stimmrechte im Vorstand oder Aufsichtsrat sitzt. Im Dax zählen beispielsweise BMW und Henkel zu den Familienunternehmen.

Auch eine aktuelle Studie der Technischen Universität München im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen zeigt, dass die Unternehmen, in denen die Gründerfamilie noch maßgeblichen Einfluss hat, deutlich profitabler sind als Nicht-Familienunternehmen.

Es lohnt sich also, an der Börse nach Familienunternehmen Ausschau zu halten und sein Geld den Gründern und ihren Nachkommen anzuvertrauen. Wenn Du Dich für eine Aktie interessierst dann schau doch künftig nach, wer die größten Einzelinvestoren sind. Findest Du im Geschäftsbericht oder auf der Webseite die Namen der Gründerfamilien, ist das ein weiteres Argument für die Aktie.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Familienunternehmen entwickeln sich an der Börse besser als Aktien von Unternehmen, an denen die Gründer und ihre Familien nicht mehr beteiligt sind.
  • Gründer und ihre Nachkommen denken langfristig, sie legen wenig Wert auf schnelle Gewinne.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin und Börsenexpertin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.
Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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