So investierst Du an der Börse in Bitcoin & Co.

Längst kannst Du auch an der Börse in Kryptowährungen investieren. Jessica Schwarzer erklärt in ihrem Beitrag, wie das funktioniert und welche Chancen und Risiken es gibt.

 Kaum ein Thema dominiert so sehr die Schlagzeilen der Finanz- und Wirtschaftsberichterstattung wie der Bitcoin und andere Kryptowährungen. Mal ist es Twitter, mal PayPal oder auch Amazon, und allen voran natürlich Tesla mit seinem Gründer Elon Musk, die die Aufmerksamkeit auf die Digitalwährungen lenken – heftige Kursschwankungen in die eine oder andere Richtung inklusive. Auch institutionelle Anleger wie die Vermögensverwalter BlackRock und Fidelity sowie die Investmentbank Goldman Sachs haben das Thema erkannt. Bitcoin & Co. sind längst als Anlageklasse anerkannt.

Und es wird auch immer einfacher für Dich, in diese Anlageklasse zu investieren. Der Handel und die Verwahrung über Krypto-Börsen war früher oft kompliziert. Die Frage, welche die richtige und auch eine seriöse Handelsplattform ist, war nicht immer einfach zu beantworten. Brauchtest Du früher einen digitalen Geldbeutel, genannt Wallet, um Deine Bestände zu verwahren, geht es jetzt ganz einfach. Du kannst nun auch über die Börse in Digitalwährungen investieren. Dann landen die Kryptos einfach in Deinem Depot und Du brauchst keine Wallet. Das entsprechende Anlagevehikel ist ein ETP oder ein ETN.

Was sind ETPs, ETFs, ETCs und ETNs?

Diesen Buchstaben-Salat müssen wir kurz sortieren: ETP steht für Exchange Traded Products. Es sind passiv gemanagte, an der Börse handelbare Wertpapiere, mit denen Du auf die Kursentwicklung von Aktien, Anleihen, Rohstoffen oder Währungen setzen kannst. ETP ist dabei der Oberbegriff, unter ihn fallen dann ETFs, ETCs und ETNs.

  • Du kennst sicher ETFs, also börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds). ETFs bilden einen Aktienindex (oder einen Anleihenindex), eine Branche oder ein Thema ab. Sie bieten einen einfachen und breit gestreuten Zugang zu einem bestimmten Markt. Wichtig: Sie sind als Sondervermögen vor der Insolvenz der Kapitalanlagegesellschaft, die sie herausgibt, geschützt.
  • Die Abkürzung ETC steht für Exchange Traded Commodities. Sie bieten Dir die Möglichkeit in einzelne Rohstoffe oder Edelmetalle zu investieren und sind (anders als ETFs) Schuldverschreibungen, weshalb kein Schutz vor der Insolvenz des Emittenten besteht.
  • Und dann gibt es noch ETNs. Mit diesen Exchange Traded Notes kannst Du in Währungen investieren, auch in Kryptos. ETNs sind ebenso Schuldverschreibungen. Anbieter wie beispielsweise 21Shares, WisdomTree oder VanEck bieten ETNs auf verschiedenste Krytpo-Währungen an.

Auch wenn der Börsenhandel geregelt ist und diese Produkte bestimmte Kriterien erfüllen müssen, bleibt es aber dabei, dass Bitcoin und Co. ein hoch spekulatives Investment sind. Kaum eine Anlageklasse zeigt, wie das Verhältnis von Chance und Risiko bei der Geldanlage funktioniert. Je höher die Chance, desto höher das Risiko. Bei Kryptowährungen stehen mitunter extrem hohe Kursgewinne ebenso extrem hohe Kurseinbrüche gegenüber. Nur ein Beispiel: Kostete eine Bitcoin Mitte April 2021 65.000 US-Dollar, ging es binnen sechs Wochen um mehr als 50 Prozent abwärts. Mittlerweile notiert er wieder bei etwa 40.000 Dollar (Stand: 30. Juli 2021). Das musst Du ertragen können. Wer diese Schwankungen – im Börsendeutsch Volatilität – nicht aushalten kann, sollte die Finger von dieser Anlageklasse lassen oder nur einen sehr, sehr geringen Betrag investieren.

Schwankungsintensiv trotz Risikostreuung

Auch die Risikostreuung hilft nur bedingt. Es gibt nämlich auch ETPs, die auf Krypo-Körbe setzen. Mit dem 21 Shares Krypto Basket Index (WKN: A2TT3D) setzt Du beispielsweise auf die fünf größten Digitalwährungen, wobei der Anteil des Bitcoin auf 50 Prozent begrenzt. Denn der Bitcoin dominiert den Markt extrem. Das zeigt auch das 21 Shares Bitwise Select 10 ETP (A2107P), das nach Marktkapitalisierung gewichtet ist. Da alle Bitcoins zusammen so viel mehr wert sind als alle Ethereum oder Stellar, hat die bekannteste Kryptowährung einen Anteil von fast 80 Prozent am Index. Ethereum kommt schon nur noch auf gut 15 Prozent. Die anderen acht Digitalwährungen im Index haben entsprechend einen deutlich geringeren Anteil. Auch diese ETPs schwanken stark, denn der Bitcoin zieht immer den ganzen Markt mit. Die Kosten für die ETPs sind mit jeweils 2,5 Prozent pro Jahr recht hoch. Bei einigen Onlinebrokern wie beispielsweise comdirect kannst Du sogar Sparpläne auf diese ETNs abschließen.

Ganz wichtig aber: Bitcoin, Ethereum & Co. sind sehr schwankungsintensiv und sollten nur eine spekulative Beimischung oder Portfolio-Ergänzung sein. Du gehst ein relativ hohes Risiko, wenn Du in einzelne Kryptowährungen auch in einen Korb aus mehreren investierst. Die Chancen können aber auch hoch sein.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum & Co. sind sehr spekulativ. Hohen Chancen stehen hohe Risiken gegenüber.
  • Mit ETNs kannst Du über die Börse in Digitalwährungen investieren. Du brauchst keine Wallet, musst nicht über spezielle Krypto-Börsen handeln.
  • Risikostreuung über einen ETN auf mehrere Kryptos gelingt nur begrenzt, da der Bitcoin alle andere Digitalwährungen dominiert.
  • Kryptos sollten immer nur eine Beimischung im Depot sein.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anleger:innen und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.
Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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