Kunst als Geldanlage

Wie können Privatanleger einen Einstieg in den Kunstmarkt schaffen? Die selbständige Kunstberaterin Dr. Ida Neumann gibt Einblicke in ihre Arbeit, die Möglichkeiten von Kunst als Geldanlage und wie sich auch mit kleineren Summen auf dem Kunstmarkt Renditen erzielen lassen.

finanz-heldinnen: Kannst Du uns erklären, was eine Kunstberaterin macht? Wen berätst Du?

Dr. Ida Neumann: Das klassische Art Consulting ist ein Beraterberuf, der sich um das Thema Kunst dreht. Kunstberater zeigen ihren Kunden auf, wie sich Kunstsammlungen aufbauen lassen, um sich einerseits an der Kunst zu erfreuen und anderseits um damit Geld anzulegen und zu verdienen. Ein Kunstwerk ist – ähnlich wie Aktien oder Oldtimer – auch eine Anlageklasse. Ich berate Banken, Investoren, Privatleute oder ganze Unternehmen, die sich zum Thema „Kunst und Geld“ informieren wollen. Auch publiziere ich Artikel, die zum Beispiel erklären, wieviel Rendite im Bereich Kunstinvestment möglich ist oder wie ein Kunstfonds funktioniert. Praktisch gesehen, entwerfe ich Konzepte für Interessenten und gehe mit ihnen dann auch zu Messen und Galerien, um Objekte auszuwählen, die dann Teil der Sammlung oder des Portfolios werden sollen.

Was hat Dich dazu bewegt, in dieser Nische – so kann man sagen – selbständig zu werden?

Ich habe mich im März 2018 mit I date art. selbständig gemacht, nachdem ich eine Zeit lang international bei einer Privatbank im Bereich Art Lending gearbeitet. Ich hatte schon in der Universität ein Faible für Kunstwerte und Kunstwerke. Während meine Kommilitonen Werke analysiert haben, habe ich am Samstag den Kunstmarktteil im Handelsblatt gelesen und mir Auktionsergebnisse angesehen. Ich fand den Bereich „Kunst und Geld“ immer schon spannend. Die Selbständigkeit ist das Resultat aus vielen Ideen, die sich in der Bank nicht umsetzen ließen. Während dieser Zeit habe ich gemerkt, dass es nur wenige Experten gibt, die die Schnittstelle zwischen Kunstbranche und Finanzwelt bedienen können. Und genau dort habe ich I date art. angesiedelt.

Du hast in diesem Jahr ein Buch veröffentlicht, in dem Du beschreibst, wie sich mithilfe von Kunstinvestments ein Vermögen aufbauen lässt. Worauf kommt es denn an, wenn ich in Kunstwerke investieren möchte?

Wichtig ist es, nicht kopflos zu investieren und vorab einen Einblick in den Markt zu bekommen. Die Kunstbranche ist trotz aller Avantgarde sehr traditionell und intransparent angelegt, gerade im hochpreisigen Segment. Es gilt, die ein oder andere Hürde zu meistern. Das Kunstinvestment ist kein Kurzstreckensprint und niemand sollte seine Rente verspekulieren. Investieren sollte nur, wer das Geld auch wirklich „übrig hat“, risikoaffin ist und Zeit aufbringen kann. In den meisten Fällen ist es wichtig, die Kunstwerke nach dem Kauf viele Jahre lang zu halten, bevor sie wieder veräußert werden. Kunstverkauf unter Zeitdruck geht häufig mit einem monetären Verlust einher. Anders ist das beim „Art Flipping“: Das schnelle Kaufen und gewinnbringende Wiederverkaufen von Kunstwerken. Beliebt in der Finanzwelt, verpönt in der Kunstbranche. Das ist dann allerdings Profiniveau und für Einsteiger im Prinzip nicht realisierbar, da hier tiefgehendes Markt-Know-How notwendig ist. In jedem Fall rate ich allen Laien, ein erstes Gespräch mit einem auf den Finanzmarkt spezialisierten Kunstexperten zu führen. Durch ein solides Vorgespräch können die ersten Fehlentscheidungen vermieden werden.

Warum wird Kunst kaum als Wertanlage wahrgenommen, obwohl Investitionen in teuren Schmuck oder auch Wein zumindest einen gewissen Bekanntheitsgrad haben?

Kunst wird vielfach nicht als Anlageklasse wahrgenommen, da Materialwert und Marktwert für viele Menschen nicht in Übereinstimmung gebracht werden können. Das mündet in der allseits bekannten Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“. Für viele Menschen ist Kunst etwas, dass sie im Museum betrachten können. Sie sehen das Schöne und das Hehre in den Objekten. Aber Kunst ist eben auch eine Ware, die man handeln kann.

Ist es denn überhaupt realistisch, dass ich als Privatanleger*in in Kunst investiere und dann noch Rendite mache? Da geht es ja meist um riesige Summen, die nur Superreiche aufwenden können.

Generell lassen sich nicht nur im High-End-Kunstmarkt attraktive Renditen erzielen. Auch für Einsteiger ist der Kunstmarkt interessant. Im Bereich der Grafiken bis 10.000 € lassen sich ebenso gute bis sehr gute Gewinne erzielen. In meinem Buch benenne ich konkrete Beispiele von befreundeten Sammlern, die mit Arbeiten von Elmgreen&Dragset, Günther Uecker oder Keith Haring Gewinne erzielt haben. Den beeindruckendsten Preissprung weist dabei ein Druck von Keith Haring aus dem Jahr 1989 auf. Das Blatt wurde vom Sammler im Juni 1996 für 4.000 DM ersteigert. Bis zum Verkauf gut 20 Jahre später verblieb der Druck beim Eigentümer und wurde nicht zwischengehandelt. Im Juni 2017 kam die Grafik mit einem Schätzpreis von 3.000 Euro auf ein Verkaufsergebnis von 25.000 €. Der Wert des Kunstwerks hat sich im Laufe der Jahre verzwölfeinhalbfacht. Oder anders gesagt, die Brutto-Wertsteigerung lag bei 1250 Prozent.

Wie schaffe ich denn mit kleinen Summen den Einstieg in den Kunstmarkt?

Ich empfehle jedem Einsteiger, sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen und für sich zu klären, welche Art von Kunst gefällt. Außerdem muss ich mir die Frage stellen, wie risikofreudig bin ich und wie hoch ist mein Budget. Das entscheidet darüber, ob am Ende eine kleine Picasso Grafik für 5.000 Euro oder die großformatige Leinwand eines jungen Künstlers für 3.000 Euro oder 20.000 Euro im Warenkorb landet. Auktionskataloge können helfen, einen Überblick über den Markt zu bekommen. Diese gibt es vielfach auch online. Der Third-Floor-Katalog des Berliner Auktionshauses Villa Grisebach eignet sich hervorragend, um ein Gespür für verfügbare Kunst auf Einsteigerniveau zu bekommen. Und praktischerweise muss man niemanden nach dem Preis fragen. Der steht nämlich, anders als auf den meisten Kunstmessen, gleich neben dem Werk.

Wie kann ich als Einsteiger*in bewerten, wann ein Bild wertvoll ist und eine Investition lohnend ist? Welche Faktoren spielen da eine Rolle?

Das Bewerten von Kunst ist zugegeben sehr komplex. Neben dem Künstler und dem Erhaltungszustand eines Werkes spielen auch das Motiv und die künstlerische Handschrift (also der Wiedererkennungswert einer Arbeit) eine große Rolle. In welcher Werkphase ist die Arbeit entstanden? Handelt es sich um ein Unikat, eine Edition, ein Gemälde, eine Neoninstallation oder eine Grafik? Von welchen Galerien wird der Künstler gehandelt? Wer einen ersten Schritt in Richtung Wertbestimmung gehen will, kann auf Online Plattformen wie artbnk.com oder artnet.com nachschauen, was das fragliche Kunstwerk wert sein kann. Erstere bieten an, den konkreten Wert eines Kunstwerks zu ermitteln. Letztere geben einen Überblick über die vergangenen Auktionsergebnisse eines Künstlers.

Vielen Dank für das Interview!

Über Dr. Ida Neumann:

Dr. Franziska Ida Neumann, geboren 1985 in Bergen auf Rügen, ist Kunsthistorikerin aus Leidenschaft. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich der Zeitgenössischen Kunst und Klassischen Moderne sowie in der Kombination von Kunst & Geld. Sie studierte Kunstgeschichte, Germanistik, Betriebswirtschaft und Jura unter anderem an der Sorbonne sowie an der Ecole du Louvre in Paris. Nach beruflichen Stationen im In- und Ausland arbeite Frau Dr. Neumann bis Januar 2018 im Bereich Art Lending einer Privatbank mit Galeristen, Kunstsammlern und Künstlern zusammen. Seit März 2018 führt sie das Art Consulting Unternehmen I date art. und berät vermögende Privatkunden und Investoren zum Thema Kunst als Assetklasse. Frau Dr. Neumann gibt ihr Wissen über den Kunstmarkt als Gastdozentin an Studenten des Caspar-David-Friedrich-Instituts der Universität Greifswald sowie in Banken und bei privaten Bildungsträgern weiter.

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