Portrait Christine Lagarde © European Central Bank 2020

Die Grande Dame der Finanzwelt

Christine Lagarde ist die erste Frau an der Spitze der EZB. Ihre bisherige Karriere ist beeindruckend – ein Skandal inklusive.

Sie wird als „eiserne Lady mit dem Silberhaar“, „Grand Dame der Finanzwelt“ oder „Madame Euro“ betitelt, manchmal auch als „Preußin in Chanel“. In der Corona-Krise muss sich Christine Lagarde als Retterin der Euro-Zone und damit einmal mehr als Krisen-Managerin beweisen. Denn mit Krisen kennt sie sich die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) bestens aus.

In ihrer Zeit als französische Finanzministerin und als Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) musste sie die Finanzkrise, später dann die Euro-Schuldenkrise meistern. Aber selbst die krisenerprobte Französin dürfte überrascht sein, mit welcher Wucht die Corona-Pandemie die Weltwirtschaft getroffen hat. Gerade mal ein halbes Jahr ist sie als EZB-Präsidentin im Amt, schon muss sie sich der wahrscheinlich größten Herausforderung ihrer Karriere stellen. Bisher schlägt sie sich ziemlich gut. Die EZB hat – wie andere Notenbanken auch – ein gigantisches Hilfspaket verabschiedet, kauft mehr Anleihen denn je, hält die Zinsen niedrig und stemmt sich gegen die Krise. Mit welchem Erfolg, das wird sich zeigen.

Die 64-Jährige wird dabei von renommierten Ökonomen beraten, von denen es bei der EZB nur so wimmelt. Sie selbst ist nämlich gelernte Juristin und hat zuvor nie in einer Notenbank gearbeitet. Deshalb gab es auch einige Bedenken vor dem Antritt der fachfremden Chefin.

Doch diese Bedenken sind erstmal verstummt. Fest steht: Lagarde bringt Glamour nach Frankfurt. Die „Bild-Zeitung“ berichtete gar von einen „Wow-Auftritt“ beim Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt im Römer.

Geschickter als ihr Vorgänger

Ob sie aber die Deutschen mit der EZB versöhnt? Es gab hierzulande in den vergangenen Jahren jede Menge Kritik an der Zinspolitik ihres Vorgängers Mario Draghi. Schließlich leiden die fleißigen deutschen Sparer überproportional unter der Nullzinspolitik. Dass die Zinsen aber angesichts der aktuellen Krise in absehbarer Zeit wieder steigen, ist ziemlich ausgeschlossen. Doch die schlanke Frau mit den schlohweißen Haaren geht geschickter als ihr Vorgänger vor und hat in Frankfurt schon reichlich Sympathien für sich eingeworben. Vielleicht versöhnen sich also die Bundesbürger durch Largarde mit der Geldpolitik der EZB. Schließlich wollen die Notenbanker – wie schon in der Finanz- und Schuldenkrise – die Wirtschaft stützen und die Folgen der aktuellen Krise abmildern.

In ihrer Karriere war die Juristin übrigens immer wieder die erste Frau in einem Amt, ob als Chefin einer internationalen Kanzlei, an der Spitze des IWF und nun als EZB-Präsidentin. Lagarde ist eine echte Macherin und sie setzt sich für Frauen ein. Auf dem hoch der Finanzkrise im Jahr 2008 witzelte die Französin: Die Welt sähe anders aus, wenn die Lehman Brothers Lehman Sisters gewesen wären. Bekanntlich ist die US-Investmentbank dank risikoreicher Geschäfte pleitegegangen und brachte das globale Desaster mit ins Rollen. Und privat? Aus einer früheren Ehe hat sie zwei Kinder, die Partnerschaft zerbrach allerdings. Schon lange lebt die 64-Jährige mit einem Unternehmer aus Marseille zusammen. Außerdem ist über sie bekannt, dass sie keinen Alkohol trinkt, Vegetarierin ist, schwimmt, taucht, Gartenarbeit und Yoga liebt. Das hält die erfolgreiche Krisenmanagerin fit.

Doch auch ihre Karriere ist nicht skandalfrei. Lagarde wäre beinahe über die Machenschaften des illustren französischen Geschäftsmanns Bernard Tapie gestolpert. Ihr wurde vorgeworfen, den Unternehmer als Ministerin begünstigt zu haben. Tatsächlich wurde Lagarde im Dezember 2016 durch ein französisches Gericht des fahrlässigen Umgangs mit öffentlichen Geldern schuldig gesprochen. Da hatte der IWF-Exekutivrat sie längst für eine zweite fünfjährige Amtszeit gewählt. Bei Bekanntwerden des Urteils – eine Strafe verhängte das Gericht übrigens nicht – konnte der Exekutivrat kaum anders, als seiner Chefin das Vertrauen auszusprechen. Ihrer Karriere hat das Urteil nicht wirklich geschadet.

Bildnachweis: © Dirk Claus / European Central Bank 2020

Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin und Börsenexpertin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.
Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.


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