Aktien für die Rente, endlich!

Portrait of a cheerful senior businesswoman using smart phone at home office, close-up.

Die Ampel-Regierung will die Altersvorsorge reformieren und in allen Säulen der Altersvorsorge mehr Aktien zuzulassen. Eine wichtige Entscheidung.

Die Aktienrente kommt – ein bisschen zumindest. Expert:innen fordern den Einstieg in die kapitalgedeckte, gesetzliche Rente schon lange. Nun erhört die Politik sie endlich. Denn die künftige Regierung hat genau das nun in den Koalitionsvertrag geschrieben. Geplant ist der Einstieg in die „teilweise Kapitaldeckung der gesetzlichen Rentenversicherung“, wie es im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP heißt. Hinter dieser sperrigen Formulierung stecken Aktien. Viel mehr weiß man noch nicht, denn die Pläne sind noch wenig konkret. Auch scheint es nicht der ganz große Wurf zu werden, aber es ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

Die FDP regt eine Aktienrente nach schwedischem Vorbild schon länger an. Das nordeuropäische Land führte bereits in den 1990er-Jahren den sogenannten AP7-Fonds ein. Als neues Element in der Altersvorsorge Schwedens investiert der Fonds seither vollständig in Aktien, und das größtenteils über global investierende Indexfonds. Rückt für eine:n Staatsbürger:in das Rentenalter näher, werden die eigenen Anteile am Fonds sukzessive in Investments mit geringerem Risiko umgeschichtet. Die Beiträge für den AP7-Fonds zahlen die Schwed:innen dabei nicht zusätzlich zu den bisherigen Rentenbeiträgen. Stattdessen sank der Beitrag für das gesetzliche Umlagesystem des Landes seit Einführung des Fonds um jene 2,5 Prozent, die in den AP7 fließen, auf 16 Prozent. Ein Modell, das übrigens auch die deutschen Verbraucherzentralen begeistert. Auch ihr Vorschlag einer „Extrarente“ orientiert sich am schwedischen Weg.

Leider wird es aber wohl erstmal nichts mit der Aktienrente schwedischer Art. Im Koalitionsvertrag heißt es nämlich, dass die Deutsche Rentenversicherung im kommenden Jahr eine Finanzspritze von zehn Milliarden Euro aus Bundesmitteln bekommen soll, die sie am Kapitalmarkt investieren soll. „Diese teilweise Kapitaldeckung soll als dauerhafter Fonds von einer unabhängigen öffentlich-rechtlichen Stelle professionell verwaltet werden und global anlegen.“ Auch in der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge sollen übrigens chancenreichere Titel, also auch Aktien genutzt werden können. „Die betriebliche Altersversorgung wollen wir stärken, unter anderem durch die Erlaubnis von Anlagemöglichkeiten mit höheren Renditen“, heißt es im Vertrag.

Mehr Aktien für die Altersvorsorge also, auch wenn man sich mehr wünschen würde. Es ist aber immerhin ein Anfang! Den eines ist klar: Das bisherige Modell funktioniert nicht mehr. Apropos: Noch etwas wurde beschlossen: Die Leistungen aus der gesetzlichen Rente sollen nicht unter 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes fallen, der Beitragssatz nicht über 20 Prozent des Gehalts steigen. Hier haben ganz klar die Sozialdemokrat:innen ein Versprechen aus ihrem Wahlprogramm durchgesetzt. Mal sehen, wie lange sie es halten können. Denn die Koalitionspartner erkennen an, dass der Druck auf das bestehende System durch die hohe Zahl der in Rente gehenden Babyboomer:innen zunimmt.Ohne Aktien, die langfristig bei breiter Risikostreuung Renditen von durchschnittlich sechs bis acht Prozent pro Jahr bringen, geht es in Zeiten von Null- und Niedrigzinsen nicht mehr. Schade, dass die Ampel-Parteien nicht mehr Mut hatten. Aber vielleicht kommt der ja noch!

Das Wichtigste in Kürze:

  • Fonds und ETFs sind Sondervermögen und streng vom eigentlichen Vermögen der Kapitalanlagegesellschaft getrennt.
  • Zertifikate sind Schuldverschreibungen und landen damit in der Insolvenzmasse, sollte der Emittent pleite gehen.
  • Geht eine Bank in der Europäischen Union (EU) pleite, sind Einlagen wie Guthaben auf dem Girokonto, Tages- und Festgeld bis zu 100.000 Euro pro Kund:in und Bank gesetzlich abgesichert.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anleger:innen und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.