finanz-heldinnen Börsennews

Jede Woche passieren eine Reihe an Geschehnissen, die den Verlauf von Wertpapieren beeinflussen. Um Dir einen Einstieg zu diesen Themen und einen besseren Überblick zu geben, berichten wir wöchentlich, jeweils freitags, darüber. Kurz, knackig und verständlich, sodass Du ein paar Impulse erhältst.

Hast Du Themen, die Dich besonders interessieren? Dir läuft eine Nachricht über den Weg und Du hättest gerne eine Einordnung dazu? Dann schreib uns eine Mail an finanz-heldinnen@comdirect.de und wir versuchen es in die nächste Börsennews mit aufzunehmen.

KW 14 Eine weitere Woche der Rekorde

Die neue US-Regierung pumpt Rekordsummen in die Wirtschaft. Das kommt an der Börse gut an. Die Folge: Rekorde diesseits und jenseits des Atlantiks. Und die Inflationssorgen? Entwarnung kommt von den Notenbanken, allerdings nicht für Sparer:innen.

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Ein amerikanisches Kursfeuerwerk

US-Präsident Joe Biden zündet eine Kursrakete nach der anderen. Das Corona-Konjunkturpaket in Höhe von 1,9 Billionen Dollar ist gerade erst angelaufen, schon wird das Infrastrukturprogramm über 2,25 Billionen Dollar vorgestellt. In einigen Wochen will der Präsident noch ein weiteres Ausgabenpaket über möglicherweise eine Billion Dollar für Familien, Ausbildung und Gesundheit bekanntgeben. An den Finanzmärkten kommt das sehr gut an, die Wall Street feiert neue Rekorde. Bidens Programme könnten das US-Wachstum in ungeahnte Höhen schießen lassen. Die Prognosen liegen zwischen fünf und acht Prozent für dieses und für nächstes Jahr. Solche Wachstumszahlen kennen wir sonst nur aus China. Dass ein Teil der Programme mit Steuererhöhungen für Unternehmen finanziert werden soll, ist zwar ein Wermutstropfen, aber die Freude überwiegt. Denn die Mittel aus dem zweiten und wohl auch das dritte Paket werden nicht mit dem Salzstreuer verteilt, sondern fließen in wichtige und zukunftsweisende Projekte: Infrastruktur, Technologie, Gesundheit und Bildung. Sie könnten also auch sehr langfristige positive Effekte haben. Das kommt richtig gut an!

Dax-Rekorde – (k)ein Grund zu Freude

Auch der Dax hat sich von der guten Stimmung anstecken lassen und markiert ein Rekordhoch nach dem anderen. Er hat seit Jahresbeginn schon gut zehn Prozent zugelegt und notiert über 15.000 Punkte. Das ist natürlich grundsätzlich ein Grund zur Freude, aber sagt eigentlich wenig über den Zustand der deutschen Wirtschaft aus. Die repräsentiert nämlich der Nebenwerte-Index MDax sehr viel besser. Dieser notiert auch knapp unterhalb seines Allzeithochs, das er erst vor wenigen Wochen markiert hat. Im MDax sind 60 Unternehmen und die Branchenmischung ist viel besser. Der Dax hat nur 30 Indexmitglieder und ist extrem industrie- und damit exportlastig. Das ändert sich übrigens leider auch nicht nach der Dax-Reform im September. Die Risikostreuung wird mit 40 Unternehmen natürlich ein bisschen besser. Das ist eine gute Nachricht für ETF-Anleger:innen. Die Branchengewichtung ändert sich aber leider kaum. Expert:innen erwarten, dass die ohnehin stark im Index vertretenen Branchen Pharma und Chemie ihr Gewicht durch potenzielle Aufsteiger wie den Chemiehändler Brenntag, den Laborausrüster Sartorius, die Biotech-Firma Qiagen oder den Medizintechnik-Hersteller Siemens Healtineers sogar eher noch erhöhen werden. Genau wissen wir das natürlich erst im Sommer. Wenn Du auf deutsche Aktien setzen möchtst, dann investiere lieber in den MSCI Germany, der auch mittlere und kleine Werte enthält. Oder investiere in europäische Indizes. Risikostreuung ist extrem wichtig, und die liefert der Dax leider nicht ausreichend. Daran ändert auch die Reform nichts.

Inflation ja, aber nur kurzfristig

Es war in den vergangenen Wochen das Thema an den Finanzmärkten: die steigenden Inflationserwartungen. Jetzt haben sich die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Fed geäußert. Die EZB erwartet in den nächsten Monaten deutlich steigende Preise – allerdings nur für einen kurzen Zeitraum. Und auch die Fed geht nur von einem vorübergehenden Preisschub aus. Entwarnung also? Für die Börsen vielleicht, aber nicht für Sparer:innen. Beide Notenbanken haben nämlich betont, an ihrer extrem lockeren Geldpolitik festzuhalten. Das heißt übersetzt: Die Zinsen bleiben niedrig. Damit bleibt leider auch der Realzins negativ, also die Rendite, die uns Sparanlagen abzüglich der Inflation bringen. Die Inflation knabbert weiter am Ersparten, auch wenn sie nicht so stark und so nachhaltig steigt, wie befürchtet. Einen Teil Deines Geldes solltest Du deshalb anders anlegen, beispielsweise an der Börse.

KW 12 Steigende Zinsen, chaotische Zustände und ein neuer Hype

Warum steigende Anleiherenditen nicht immer gut sind, der türkische Finanzmarkt ins Chaos stürzt und an der Wall Street auf einmal „Mäntel“ in sind.

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Die Anleiherenditen steigen

Die Renditen von US-Unternehmensanleihen mit guter bis sehr guter Bonität – im Börsendeutsch „Investment Grade“ – sind seit Dezember um rund 0,5 Prozentpunkte auf 2,2 Prozent gestiegen. Klingt erstmal gut, weil wir wieder mehr Rendite mit Anleihen erzielen. Das gilt übrigens auch für langlaufende amerikanische Staatsanleihen. Doch der Renditeanstieg vor allem bei den Unternehmensanleihen hat es in sich, denn die Finanzierung für die Unternehmen wird dadurch teurer. Wenn das so weitergeht, könnte das gerade schwache Schuldner*innen vor Probleme stellen. In den Medien wird übrigens gerade oft von Zinsangst, von einem Zinsanstieg gesprochen. Das ist im Grunde aber nicht richtig. Es sind die Renditen, die steigen. Die Zinskupons bleiben unverändert, aber die Kurse der Anleihen fallen eben. Dadurch steigt dann die Rendite, die sich aus Kurs und Zinskupon zusammensetzt. Mit den Sparzinsen oder den Leitzinsen der Notenbanken hat das nichts zu tun, die sind weiter mini.

Schwellenland stürzt ins Chaos

Praktisch gleichzeitig sind die türkische Währung, die Börse in Istanbul und auch Staatsanleihen des Schwellenlandes massiv unter Druck geraten. Die türkischen Finanzmärkte stürzen ins Chaos. Zeitweise verlor die türkische Lira zum Dollar mehr als 15 Prozent an Wert. 8,47 Lira mussten in der Spitze für einen Dollar bezahlt werden – das war fast ein neuer Negativrekord für die türkische Währung. Der Euro kostete zeitweise fast zehn Lira, ebenfalls nahe am historischen Lira-Tiefstand aus dem November. Der Aktienmarkt stürzte um zehn Prozent ab, und Anleihen verzeichneten einen der größten Renditeanstiege (weil die Kurse einbrachen) in der Geschichte des Landes – alles Indizien für Kapitalflucht im großen Stil. Der Grund: Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat seinen Notenbankchef Naci Agbal gefeuert, weil der die Zinsen erhöht hatte, um die Inflation einzudämmen. Damit verlieren Investor*innenen endgültig den Glauben an eine unabhängige Geldpolitik und ziehen ihr Geld ab. Warum das eine Börsennews für Dich ist? Die Türkei ist ein wichtiges aufstrebendes Schwellenland, ein Emerging Market. Und die sind teilweise politisch deutlich instabiler, als wir es kennen. Deshalb gilt gerade für Schwellenländer, das Risiko bereit streuen, auch und vor allem über viele einzelne Länder. Denn zu den ganz normalen Kapitalmarktrisiken kommen hier oft politische dazu.

Ein neuer Hype

Börsenmäntel sind an der Wall Street groß in Mode. Doch was steckt eigentlich hinter den sogenannten Spacs? Die Abkürzung steht für Special Purpose Acquisition Companies. Im Grunde sind das leere Hüllen, Mäntel eben. Das typische Spac ist ein Unternehmen, das über einen Börsengang zwischen 50 Millionen und zwei Milliarden Dollar einsammelt, um später andere Unternehmen zu übernehmen. Aufgelegt wird das Vehikel von einem*einer Sponsor*in, der*die dann für die Auswahl des Übernahmeziels verantwortlich ist. Dafür hat die Zweckgesellschaft in der Regel zwischen zwölf und 24 Monaten Zeit. Spacs sind ein schneller und günstiger Weg an die Börse. Denn das Unternehmen, das in den Börsenmantel schlüpfen will, muss nur mit dem*der Sponsor*in in Verhandlungen treten und erspart sich so wochenlange Roadshows und zahlreiche Meetings.

In diesem Jahr haben die Spcas schon mehr Geld eingesammelt als im gesamten Jahr 2020. Insgesamt 264 Mantelgesellschaften gingen seit Anfang Januar in den USA an die Börse und sammelten 86 Milliarden Dollar ein, heißt es beim Branchendienst Spac Insider. Expert*innen warnen aber bereits vor einer Blase. Kein Wunder, das Ganze ist ziemlich riskant und das Geschäftsmodell verwundbar. Denn in vielen Fällen werden von den Mantelgesellschaften Start-ups gekauft, die vielleicht noch gar nicht reif für die Börse sind. Ich würde die Finger von den Spacs lassen.

KW 11 Rückenwind für die Börsen

Die US-Notenbank bleibt bei ihrer expansiven Geldpolitik. Volkswagen hat SAP als wertvollstes Dax-Unternehmen abgelöst. Und internationale Fondsmanager*innen sind weiter stark in Aktien investiert.

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Die US-Geldpolitik bleibt expansiv

Trotz rosiger Konjunkturaussichten hält die US-Notenbank an ihrem sehr niedrigen Leitzins fest. Die Währungshüter*innen um Fed-Chef Jerome Powell belassen ihn in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Das sei angesichts der Lage am Arbeitsmarkt und der niedrigen Inflation weiter angemessen. Die gute Nachricht: Die Währungshüter*innen rechnen für 2021 mit dem kräftigsten Aufschwung seit den 1970er Jahren, wenn das Hilfsprogramm von US-Präsident Joe Biden den Konsum ankurbelt und sich die Wirtschaft mit einer steigenden Impfquote aus dem Griff der Pandemie löst. Mehr billiges Geld trotz guter Konjunkturaussichten? An den Aktienmärkten kam das erstmal gut an, nach der Fed-Sitzung stiegen die Kurse.

Aber wie so oft hat die Medaille zwei Seiten: Expert*innen befürchten, dass die Geldschwemme der Fed die Inflation eben doch irgendwann anziehen lässt. Diese Sorge wiederum treibt die Renditen von zehnjährigen US-Staatsanleihen. Steigende Anleiherenditen bedeuten aber höhere Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen. Genau das will die Notenbank ja eigentlich verhindern. Ob das gelingt? Die Nervosität an der Börse bleibt erst einmal hoch, Kursrücksetzer inklusive. Das muss uns aber nicht verrückt machen, wenn wir langfristig investieren.

Internationale Fondsmanager*innen setzten stark auf Aktien

Über die hohen Anleiherenditen sind auch internationale Fondsmanager*innen besorgt. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Bank of America. Höhere Anleiherenditen sind ein Problem für Aktienmärkte, eben weil sie auch für Unternehmen die Zinskosten erhöhen. Darunter leiden Firmen aus der Technologiebranche mit ihrem großen Investitionsbedarf besonders. Fondsmanager*innen sind deshalb vorsichtiger geworden, nur noch acht Prozent gewichten Technologieaktien in ihren Portfolios über, setzen also verstärkt auf Tech. Im Februar waren es noch 32 Prozent. So deutlich sind Technologieaktien in der Gunst der Profis seit 15 Jahren nicht gefallen. Gleichzeitig schichten Investor*innen in zyklische, also von der Konjunktur abhängige Aktien um. Grundsätzlich bleiben die Expert*innen aber optimistisch. Denn 61 Prozent der Portfoliomanager*innen bei Fondsgesellschaften, Banken, Versicherern, Pensionskassen und Unternehmen sind stärker in Aktien investiert, als es ihre jeweiligen Häuser vorgeben. Aktien bleiben also erstmal ihre erste Wahl, auch wenn sich die Favoriten geändert haben.

VW ist jetzt wertvollstes Dax-Unternehmen

Die VW-Aktie hat in den vergangenen Tagen eine gigantische Rally hingelegt. Unter starken Kursschwankungen ging es mit Volkswagen im Dax fast 20 Prozent aufwärts. Damit ist VW jetzt der wertvollste Dax-Konzern und hat Software-Multi SAP abgelöst. Getrieben wurde der Anstieg der VW-Aktie von wachsendem Glauben der Investor*innen an die Strategie für Elektroautos, mit der VW Marktführer Tesla attackiert. An den Börsenwert von Tesla kommt VW aber noch lange nicht heran. Dem Dax hat die VW-Rally übrigens diese Woche neue Allzeithochs beschert.

Apropos Dax: Im Standardwerte-Barometer ist die Vorzugsaktie gelistet. Es gibt nämlich zwei VW-Aktien. Eine Vorzugsaktie ist eine Aktie, bei der Dir als Aktionär*in in der Regel kein Stimmrecht auf der Hauptversammlung eingeräumt wird. Dafür erhältst Du aber das Recht auf eine „bevorzugte“, also höhere Dividende. Ihr Gegenstück ist die Stammaktie, die mit einem Stimmrecht ausgestattet ist. Die VW-Stammaktien stiegen binnen einer Woche sogar um fast 40 Prozent. Die mächtigen Reddit-Trader*innen, die sich über die gleichnamige amerikanische Online-Plattform über Aktientipps austauschen, sollen mal wieder die Finger im Spiel haben und vor allem auf die VW-Stämme setzen.

KW 10 Aktien top, Gold flop

Die Rekordjagd an den Börsen geht weiter, ausnahmsweise läuft es in Europa sogar besser als an der Wall Street. Während Aktien gefragt sind, kann der Goldpreis von den Inflationsängsten an den Märkten nicht profitieren.

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Rekordjagd an den Aktienmärkten

Er steigt und steigt und steigt: Der Dax hat diese Woche gleich mehrere neue Allzeithochs erreicht. Auch an anderen Märkten läuft es richtig gut. Diesseits und jenseits des Atlantiks markieren die wichtigen Indizes neue Höchststände. Das alles passiert in der Hoffnung auf eine weitere wirtschaftliche Erholung. Mit steigenden Impfquoten dürften die Lockdowns rund um die Welt gelockert werden oder sogar enden, die Wirtschaft sollte wieder stärker wachsen, die Unternehmensgewinne steigen – das ist die Gleichung, die gerade an der Börse aufgemacht wird. Befeuert wird die Rally durch das 1,9 Billionen Dollar schwere Corona-Hilfspaket in den USA, das US-Präsident Joe Biden unterschrieben hat. Auch die Notenbanken beflügeln die Aktienmärkte. Ihre Geldpolitik sollte ultralocker bleiben. Die Europäische Zentralbank hat zudem angekündigt, das Tempo bei den Anleihekäufen zu erhöhen. Auch das soll der Wirtschaft helfen.

Obwohl viel für weitere steigende Aktienkurse spricht, bekommen manche Anleger*innen langsam Höhenangst. Aktien sind nicht mehr billig, vor allem gemessen an den aktuellen Unternehmensgewinnen. Wenn die aber wieder steigen, sinkt die Bewertung der Aktien. Abzulesen ist das am Kurs-Gewinn-Verhältnis. Natürlich kann es jederzeit Enttäuschungen und Rücksetzer geben. Wenn auch Du Höhenangst hast, kannst Du Deine Gewinne mit Stop-Loss-Orders absichern. Dann werden Deine Aktien, Fonds oder ETFs verkauft, wenn der Kurs eine von Dir festgelegte Marke unterschreitet. Aber willst Du das wirklich? Oder verfolgst Du eine langfristige Strategie? Dann solltest Du Rücksetzer lieber zu Nachkäufen nutzen oder sie einfach aussitzen.

Europa hängt die USA ab

Seit Jahren entwickeln sich die bekannten Indizes an der New Yorker Wall Street besser als ihre europäischen Pendants. Schon vor der Corona-Krise haben Expert*innen fast schon gebetsmühlenartig vom Nachholpotenzial europäischer Aktien gesprochen. Doch nichts ist passiert. Das hat einen einfachen Grund: Der Branchenmix, den Europa zu bieten hat, war in den vergangenen Jahren nicht gerade gefragt. Die jahrelange Rally wurde vor allem von den großen Technologiewerten angeführt und die kommen eben aus den USA. Pharma, Versicherung, Chemie, Banken, Öl und Industrie waren abgemeldet. Doch genau diese Sektoren dominierten die Indizes der Alten Welt. Mit dem Favoritenwechsel, der derzeit an der Börse läuft, holen sie nun wirklich auf. Investiert wird in Nachzügler, in die Verlierer der Corona-Krise. Bei den Technologieaktien nehmen Anleger*innen hingegen Gewinne mit. Und schon entwickeln sich Europas Börsen besser als die amerikanischen. Nicht jeder Markt läuft immer gleich gut, schon gar nicht jede Branche. Auch deshalb solltest Du weltweit investieren.

Goldige Enttäuschung

Eigentlich sollte der Goldpreis steigen, wenn die Inflationssorgen wie derzeit zunehmen. Gold gilt als sicherer Hafen, als Versicherung gegen Inflation. Doch der Goldpreis sinkt seit Jahresbeginn. Da die Renditen für super sichere Anleihen wie amerikanische und deutsche Staatsbonds zuletzt gestiegen sind, scheint Gold eher uninteressant. Ich persönlich bin sowieso kein großer Goldfan. Das gelbe Edelmetall bietet weder Zinsen noch Dividenden. Meine Rendite wird einzig durch Angebot und Nachfrage, also die Preisentwicklung, getrieben. Aber das ist Geschmackssache. Im vergangenen Jahr hat Gold seinem Ruf als sicherer Hafen alle Ehre gemacht. Nun geht es eben in die andere Richtung.

KW 09 Rekorde und ein Turbo-Aufstieg

Siemens Energy steigt im Rekordtempo in den Dax auf, die Börsen steigen weiter, aber die Rally läuft längst nicht mehr in allen Branchen gut.

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Turbo-Aufstieg in die erste Börsenliga

Das ging fix: Nur wenige Monate nach dem Börsendebüt steigt Siemens Energy in den Dax auf. Dafür fliegt der Kosmetikkonzern Beiersdorf raus. Das hat die Deutsche Börse bei der planmäßigen Überprüfung ihrer Indizes entschieden. So schnell steigen Börsenneulinge selten in die erste Börsenliga auf. Das Münchner Energietechnik-Unternehmen Siemens Energy war nämlich erst im vorigen Jahr von Siemens abgespalten worden. Da der Konzern an der Börse aber mittlerweile mehr wert ist als der Nivea-Hersteller, kam es zum Wechsel. Beiersdorf notiert nun im MDax der mittelgroßen Börsenwerte. Umgesetzt werden die jüngsten Änderungen übrigens am 22. März.

Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die einen Index nachbilden. Dort muss dann entsprechend umgeschichtet werden. Als Anleger*in musst Du Dich ums nichts kümmern, das tut der ETF-Emittent. Aber auch Manager*innen aktiver Fonds orientieren sich an Index-Zusammensetzungen. Überhaupt genießt ein Unternehmen in der ersten Börsenliga größere Aufmerksamkeit von Analyst*innen und Investor*innen. Bald genießen diese Aufmerksamkeit noch mehr Unternehmen. Bei der nächsten Dax-Überprüfung in sechs Monaten wird der Leitindex von bisher 30 auf 40 Werte erweitert.

Neue Rekorde

Es fühlte sich zwar nicht immer so an, aber der Februar war gar kein schlechter Aktienmonat – inklusive neuer Rekorde, aber auch inklusive neuer Sorgen. Das Zins- und Inflationsgespenst geht um. Es sind aber nicht die Sparzinsen, die steigen, sondern die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen. Auch Bundesanleihen robben sich an die Nulllinie heran, von unten allerdings. Steigende Zinsen machen Anleihen wieder interessanter und Aktien vielleicht uninteressanter, lautet die Befürchtung. Aber noch ist es nicht so weit. Und dann ist da noch die Inflation: Steigen die Preise? Und welche Branchen belastet das? Die Diskussion ist in vollem Gange. Gold, für viele eigentlich Inflationsschutz Nummer eins, hat davon nicht profitiert. Im Gegenteil. Fast sechs Prozent hat der Preis für das gelbe Edelmetall im Februar verloren. Trotz aller Sorgen lief es an den Aktienmärkten aber unterm Strich ziemlich gut. Ausnahmsweise liefen europäische Aktien sogar mal besser als amerikanische. Fast vier Prozent ging es aufwärts an Europas Börsen, die Wall Street schaffte gut drei Prozent. Und der japanische Nikkei 225 hat erstmals seit 30 Jahren die Marke von 30.000 Punkten zurückerobert. Auch wenn die Schwankungen zuletzt zugenommen haben, sind Aktien weiter gefragt. Und auch der März hat mit neuen Rekorden begonnen. Dann allerdings sorgte der Ausverkauf bei Tech-Aktien in den vergangenen Tagen für einige Aufregung und sinkende Kurse. Als langfristige/r Anleger*in kannst Du all das ignorieren, wenn Du aber einen kurz- bis mittelfristigen Anlagehorizont, dann ist das natürlich sehr spannend.

Neue Favoriten

Apropos spannend, apropos Tech-Aktien: Der Favoritenwechsel an der Börse läuft auf Hochtouren. Investoren nehmen nach dem monatelangen Hype um die Branche Gewinne mit. Das kündigte sich auch im Februar schon an. Trotz sensationeller Zahlen von Apple und Microsoft stiegen die Aktien der Tech-Stars kaum noch. Gefragt waren Aktien, die von der weiteren Erholung der Weltwirtschaft von der Corona-Krise besonders profitieren sollten oder die, die sehr viel Nachholbedarf haben. Ganz vorne mit einem Monatsgewinn von 16 Prozent waren die lange verschmähten Energie-Aktien, die direkt vom jüngsten Preisschub bei Öl und Gas profitieren. Von der Hoffnung auf weiter steigende Renditen an den Anleihemärkten profitierten die Finanzwerte, die immerhin zehn Prozent zulegten. Weniger gefragt waren Versorger, Basis-Konsumgüter oder Gesundheit. Wer auf breit streuende ETFs und global investierende Fonds setzt, spürt diesen Favoritenwechsel natürlich. Tech-Aktien sind in vielen Indizes extrem hoch gewichtet und auch Fondsmanager*innen kommen an den Superstars nicht vorbei. Wenn sie nun nicht mehr so gut laufen, belastet das. Aber keine Angst, Technologie ist und bleibt die Zukunftsbranche – getrieben von Megatrends wie Digitalisierung, Automatisierung, Robotik und Co.. Rücksetzer gehören an der Börse einfach dazu.

KW 08 Mehr Aktionäre*innen, weniger Dividenden

Es ist Zeit für Gewinnausschüttungen. Doch wie hoch fallen die Dividenden in Zeiten von Corona noch aus? Überhaupt: Wo stehen wir ziemlich genau ein Jahr nach dem Extrem-Crash? Das interessiert jetzt viel mehr Menschen, denn die Zahl der Aktionär*innen ist stark gestiegen.

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Schrumpfende Dividenden

Es ist wenig überraschend, dass die Gewinnausschüttungen nach dem Krisenjahr 2020 wohl nicht ganz so üppig ausfallen. Aber es kommt nicht so schlimm, wie mancher befürchtet hatte. Die DZ Bank beispielsweise prognostiziert, dass die deutschen Unternehmen in diesem Jahr rund 40 Milliarden Euro ausschütten werden – das wären drei Prozent weniger als 2020. Wenn man bedenkt, dass die Gewinne bei vielen Unternehmen im vergangenen Jahr zweistellig eingebrochen sind, ist das gar nicht so enttäuschend. Einige Unternehmen, wie beispielsweise SAP, erhöhen die Dividende sogar, andere kürzen sie aber auch. Bei Bayer ist es keine große Überraschung angesichts eines Verlusts von zehn Milliarden Euro, dass die Ausschüttung von 2,80 Euro auf zwei Euro schrumpft. Auch Infineon hat bereits den Rotstift angesetzt. In den kommenden Wochen werden noch einige solcher Meldungen kommen.

Wichtiger als die absolute Summe ist aber die Dividendenrendite, also das Verhältnis der Ausschüttung zum Aktienkurs. Die ist nach dem Krisenjahr 2020 zwar bei vielen Unternehmen geschrumpft, aber es kommen auch wieder bessere Jahre. Und im Schnitt werden die 30 Dax-Konzerne wohl immer noch auf drei Prozent Dividendenrendite kommen. Davon können Sparer nur träumen.

Ein Jahr nach dem Crash

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass die Aktienmärkte in Europa und den USA abstürzten. Es war der heftigste und schnellste Crash der jüngeren Börsengeschichte. Überraschend schwungvoll lief dann auch die Erholung: Viele Indizes haben zwölf Monate später neue Höchststände markiert und stehen auch nach den jüngsten Kursrücksetzern höher als vor der Krise. Es waren vor allem Technologie-Unternehmen, die die Rally anführten. Sie gelten als Krisengewinner. Mittlerweile läuft aber ein Favoritenwechsel an den Märkten. Investoren nehmen Gewinne bei den Tech-Giganten mit und setzen auf Aktien aus den Branchen, die besonders stark gelitten haben und noch immer Nachholpotenzial haben. Chancen sehen sie unter anderem bei Flughafenbetreibern, Airlines, Reise- und Freizeitkonzernen, aber auch Konsum. Diese Unternehmen dürften profitieren, wenn die weltweiten Lockdowns auslaufen und die Impfquoten steigen. Wie so oft nimmt die Börse auch diese Entwicklung vorweg.

Viele neue Aktionär*innen

Werden die Deutschen doch noch ein Volk von Aktionär*innen? Es sieht fast so aus: Die Zahl der Aktiensparer*innen ist im vergangenen Jahr um sensationelle 2,7 Millionen auf 12,4 Millionen gestiegen – mehr Aktionär*innen gab es zuletzt 2001. Nach der jüngsten Erhebung des Deutschen Aktieninstituts hat damit jede*r sechste Aktien, Aktienfonds oder Aktien-ETFs im Depot. Besonders die Gruppe der unter 30-Jährigen war an der Börse sehr aktiv. Fast 600.000 junge Erwachsene wagten sich auf das Börsenparkett. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von fast 70 Prozent und damit der mit Abstand stärkste Anstieg aller Altersgruppen. Auch das ist sehr erfreulich. Den vor allem die Jungen müssen in Zeiten von Null- und Niedrigzinsen etwas für ihren langfristigen Vermögensaufbau tun. Und Aktien sind ein wichtiger Baustein dabei, den langfristig bringen sie die besten Renditen. Wichtig ist aber, dass wir unser Risiko breit streuen. Das tun auf jeden Fall all jene, die auf Fonds und ETFs setzen.

KW 07 Spannende Deals und heiße Wetten

Warren Buffett hat seine jüngsten Deals veröffentlicht, immer wieder spannend, schließlich ist er einer der erfolgreichsten Investoren und reichsten Männer der Welt. An der Wall Street wird mit Pennystocks gezockt wie seit Jahren nicht mehr. Und die FDP hat eine Aktienrente vorgeschlagen.

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Die Deals des Warren Buffett

Weltweit hängen die Anleger*innen an den Lippen von Warren Buffett. Wenn einer der erfolgreichsten Investoren der Welt sich zum Börsengeschehen äußert, dann interessiert das natürlich alle. Noch spannender sind aber seine Aktienkäufe und -verkäufe. Genauer gesagt sind es die Deals seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Und die muss er regelmäßig bei der Börsenaufsicht SEC offenlegen. Jetzt war es wieder so weit. Drei neue Kandidaten gibt es in seinem 250 Milliarden Dollar schweren Portfolio: den Telekommunikations-Giganten Verizon, den Energiekonzern Chevron sowie den Versicherungsmakler und Risikoberater Marsh & McLennan. Und wie so oft wenn Buffetts Käufe publik werden, machen es ihm die Investoren nach und kaufen auch. Entsprechend steigen dann die Aktienkurse der besagten Unternehmen. So war es auch diese Woche wieder. Nun bin ich bekanntlich kein Fan von Einzelinvestment – zu arbeitsintensiv und zu riskant. Trotzdem ist es immer wieder spannend zu sehen, wie der Superinvestor investiert, welchen Branchen und Unternehmen er etwas zutraut. Buffett ist Value-Investor, hält nach unterbewerteten Unternehmen mit Substanz Ausschau. Er investiert extrem langfristig. Wir müssen übrigens gar nicht jeden Deal „nachmachen“, wir können auch in seine Investmentgesellschaft investieren, Berkshire Hathaway ist nämlich börsennotiert. Und da stimmt die Risikostreuung dann wieder, denn im Portfolio sind dutzende Aktien.

Aktien für die Rente

Eine gesetzliche Aktienrente? Ja, unbedingt! Endlich wird die Diskussion in Deutschland (mal wieder) geführt. Die FDP hat sie mit einem Vorschlag angestoßen. Die Liberalen wollen die gesetzliche Rente reformieren und dabei auch stärker auf Aktien setzen. Die Idee: Zwei Prozent des Bruttoeinkommens sollen in einen unabhängig verwalteten, vollständig aktienbasierten Fonds fließen. Ich finde das super, denn so können auch Menschen mit niedrigen Einkommen von den Renditevorteilen von Aktien profitieren und das Rentenniveau würde hoffentlich etwas steigen. Die Idee ist nicht neu: Schweden, die Niederlande, die USA oder Großbritannien setzen bereits seit Jahren auf Aktien in der Altersvorsorge. Im Land der fleißigen Sparer kommt so ein Vorschlag natürlich mal wieder nicht so gut an, fast schon reflexartig kam die Kritik. Es gibt aber auch Fans einer Rente auf Aktienbasis. Verbraucherschützer und das Deutsche Aktieninstituts sind grundsätzlich dafür und haben das schon öfter bekundet. Ich bin auch sehr dafür. Denn Aktien sind und bleiben langfristig und bei guter Risikostreuung die renditenstärkste Anlageklasse.

Das große Zocken an der Wall Street

Über manche Zahlen kann man nur staunen: Zwei Billionen Pennystocks wurden zuletzt täglich an der New Yorker Wall Street gehandelt. Wie ihr Name schon sagt, sind diese Aktien nur wenige Pennys, also Cents wert. Das hat natürlich einen Grund. Oft sind die Unternehmen fast pleite oder stecken zumindest in einer heftigen Krise. Trotzdem wird mit diesen im Grunde wertlosen Papieren gezockt wie verrückt. Die Glücksritter hoffen auf extrem hohe Gewinne. Steigt ein Pennystock nur um einen oder gar zehn Cent an dann sind das gleich hohe prozentuale Gewinne. Nicht umsonst heißen die Aktien auch „Get-Rich-Quick-Stocks“. Aber das ist wirklich nur Zockerei und keine seriöse Geldanlage. Zuletzt gab es übrigens Ende der 1990er-Jahre einen solchen Pennystocks-Rausch.

KW 06 Ein Woche großer Zahlen

Tesla investiert 1,5 Milliarden Dollar in den Bitcoin, eine neue Prognose sieht den Dax bei 15.000 Punkten und Europas Konzerne kommen besser durch die Krise als befürchtet.

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Tesla lässt Bitcoin abheben

Der Bitcoin hat diese Woche ein neues Allzeithoch markiert. Mit Tesla hat mal wieder ein großes Unternehmen angekündigt, in Bitcoin zu investieren und die Kryptowährung als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Das ließ den Kurs um fast 20 Prozent steigen. Ähnliches haben wir schon im vergangenen Jahr erlebt, damals sorgten PayPal und eine US-Investmentgesellschaft für Schlagzeilen. Auch das ließ den Kurs kräftig steigen, insgesamt ging es im vergangenen Jahr um 300 Prozent aufwärts.

Das klingt natürlich alles super. Für mich bleibt der Bitcoin aber ein Spekulationsobjekt. Ein Grund dafür: Zwei Prozent aller Wallets sollen mittlerweile 95 Prozent aller verfügbaren Bitcoins halten und die Verfügbarkeit sinkt. Experten kritisieren deshalb, dass die Kryptowährung als Zahlungsmittel nicht geeignet ist. Und überhaupt steckt einfach kein echter „Wert“ dahinter, reguliert ist der Bitcoin auch nicht. Mir ist das alles zu gefährlich, auch wenn das Thema natürlich sehr spannend ist. Falls Dich das Krypto-Fieber trotzdem gepackt hat, investiere bitte nur einen kleinen Teil Deines Vermögens. Oder besser noch: Schau Dir doch mal Blockchain-Aktien (es gibt auch einen ETF) an. Blockchain ist die Technologie hinter dem Bitcoin und solche Investments sind etwas weniger riskant, aber trotzdem noch sehr spannend.

Europas Konzerne überraschen positiv

Ein Drittel der europäischen Unternehmen haben inzwischen ihre Zahlen für das vierte Quartal vorgelegt, täglich kommen neue dazu. Die Zwischenbilanz fällt besser aus als erwartet: Die vorgelegten Ergebnisse liegen deutlich über den Erwartungen der Analysten, allerdings auch rund zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau. Blickt man auf das Gesamtjahr, dann sind die Gewinne 2020 wohl um knapp 30 Prozent eingebrochen. Die Krise hat deutliche Spuren in den Bilanzen hinterlassen, aber es hätte noch viel schlimmer kommen können. Vor allem die Finanzindustrie und die Technologieunternehmen kamen relativ gut durch die Krise, weniger gut schnitten die Energiekonzerne ab. Hart getroffen ist auch die Reise- und Tourismusbranche. Diese Woche legte auch unser Sorgenkind Tui Zahlen vor. Der Umsatz des Reiseriesens schrumpfte zwar noch stärker als befürchtet, aber der Konzern konnte den Kapitalabfluss stoppen. Außerdem blickt man wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Krise und eine weitere Erholung der Wirtschaft ist zum Glück weit verbreitet. Und das spiegelt sich auch an der Börse wieder, auch wenn die Corona-Infektionszahlen noch immer hoch sind. Die Zukunft zählt mehr als die Gegenwart und erst recht mehr als die Vergangenheit.

Dax 15.000?

Diese Zukunft beurteilen Experten deutlich rosiger als die Gegenwart. Eine neue Prognose der DZ Bank sieht den deutschen Aktienindex deshalb noch dieses Jahr auf 15.000 Punkte steigen – das wäre ein Plus von etwa sechs Prozent. Die Begründung: Die Erträge der Unternehmen haben sich in der Pandemie deutlich robuster gezeigt, als die Experten lange für möglich hielten. Vor allem umfangreiche Konjunkturprogramme der Politik haben geholfen und werden auch weiter helfen. Auch deutsche Konjunkturdaten sind in den vergangenen Monaten stärker ausgefallen als erwartet: Auftragseingänge, Industrieproduktion, Exporte haben eine sportliche, V-förmige Erholung gezeigt. Es sieht also gar nicht so trüb aus, wie der Lockdown vermuten lässt.  Natürlich immer vorausgesetzt, die Pandemie lässt sich endlich eindämmen.

KW 05 Es läuft an der Börse

Der Januar war nicht so toll, aber die (überschaubaren) Verluste sind bereits nach wenigen Handelstagen im Februar wettgemacht. Die Quartalszahlen überzeugen, die Stimmung ist gut und Auto1 legt einen sensationellen Börsengang aufs Parkett. Wer sich allerdings zum Zocken hat verleiten lassen, Stichwort Gamestop, schaut in die Röhre.

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Auf Rekordkurs

Die Crash-Propheten hatten in den vergangenen Tagen mal wieder Hochkonjunktur. Ein schlechter Jahresauftakt ist bekanntlich ein böses Omen fürs Gesamtjahr, warnten sie. Statistisch lässt sich das sogar nachweisen. Aber wie das mit Statistik so ist, ist dieser „Januar-Effekt“ eben nicht in jedem Jahr nachzuweisen. Und der Dax hat seinen Verlust aus dem ersten Monat des Jahres – magere 2,1 Prozent übrigens – in den ersten Februar-Tagen längst wettgemacht. Auch an der Wall Street läuft es nach den jüngsten Rücksetzern wieder rund. Dort beflügeln positive Firmenbilanzen und die Hoffnung auf Konjunkturhilfen die Kurse. Ist die Stimmung in New York gut, färbt das auf andere Märkte ab. S&P 500, Dow Jones und Nasdaq sind wieder auf Rekordkurs und auch den Dax trennen nur ein paar Punkte von seinem Allzeithoch.

Der Dreiklang aus Corona-Lage, Wirtschaftsdaten und Berichtssaison kann natürlich jederzeit zu weiteren Rücksetzern führen. Lass Dich von möglichen Schwankungen an der Börse aber bitte nicht verunsichern. Die Weltwirtschaft wird sich in den kommenden Monaten von der Corona-Krise erholen, angefeuert von der lockeren Fiskal- und Geldpolitik. Sobald die Pandemie halbwegs unter Kontrolle ist und die Lockdowns langsam gelockert werden, nimmt die Erholung sicher Fahrt auf. Die Börse hat davon zwar schon eines vorweggenommen, dürfte aber weiter profitieren. Wenn Du ganz mutig bist, nutzt Du Rücksetzer für Nachkäufe. Falls Dir das zu riskant erscheint, bleib Deiner Strategie treu. Aber werde bitte nicht nervös, wenn es an der Börse etwas ruckelt. Panik ist an der Börse nie ein guter Ratgeber.

Hochriskante Wetten

Privatanleger*innen gegen Hedgefonds, gigantische Gewinne und ebenso üppige Verluste – es klingt fast wie ein Hollywood-Thriller, was da in den vergangenen Tagen an der Wall Street los war. Das Objekt der Begierde: Gamestop, eine kriselnde Videospielkette. Um 1.600 Prozent schoss der Kurs zeitweise in die Höhe. Fundamentale, also wirtschaftliche Gründe gab es dafür nicht. Trotzdem hob die Aktie ab – sehr zur Freude der Privatanleger*innen, die sich im Netz zu dieser Wette verabredet hatten; und zum Ärger der Hedgefonds, die auf fallende Kurse gesetzt hatten. Doch der Spaß der Privatanleger*innen ist erstmal vorbei, die Gamestop-Aktie ist abgestürzt. Wer sich von der wilden Zockerei hat anstecken lassen, sitzt nun auf dicken Verlusten. Rendite hat nur gemacht, wer früh ein- und rechtzeitig wieder ausgestiegen ist. Aber Timing ist an der Börse verdammt schwierig. Und wer mit Aktien wirtschaftlich angeschlagener Firmen spekuliert, sollte jederzeit mit einem Verlust rechnen.

Erfolgreicher Börsengang

Ein weiteres Indiz dafür, wie gut das Klima an den Märkten derzeit ist: der Börsengang von Auto1. Sagt Dir erstmal nichts? Der Berliner Online-Gebrauchtwagenhändler steckt hinter wirkaufendeinauto.de. Der Börsenneuling ist am Donnerstag richtig durchgestartet. Der erste Kurs lautete auf 55 Euro – ein Plus von etwa 45 Prozent zum Ausgabepreis von 38 Euro. Auto1 ist das erste Unternehmen, dass in diesem Jahr auf das Frankfurter Parkett geht. Dass das so gut lief, freut nicht nur die Firmengründer. Börsengänge sagen auch einiges über das aktuelle Börsenumfeld aus. Und Investoren sind aktuell ziemlich risikobereit und steigen ein.
Apropos Risiko: Einzelaktien sind natürlich ein riskanteres Investment als Fonds oder ETFs, mit denen Du das Risiko über viele Einzeltitel streust. Börsengänge machen oft Schlagzeilen, vor allem wenn sie mit dicken Gewinnen verbunden sind. Das ist aber kein Selbstläufer, nicht immer geht die Wette auf. Mitunter notieren die Neulinge auch recht schnell unter ihrem Ausgabeaufschlag, dann machen die Investoren der ersten Stunden Verluste. Wir sollten uns sehr genau überlegen, ob wir bei einem Börsengang dabei sein wollen.

Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin, Moderatorin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.