finanz-heldinnen Börsennews

Jede Woche passieren auf eine Reihe an Geschehnissen, die den Verlauf von Wertpapieren beeinflussen. Um Dir einen Einstieg zu diesen Themen und einen besseren Überblick zu geben, berichten wir wöchentlich, jeweils freitags, darüber. Kurz, knackig und verständlich, sodass Du ein paar Impulse erhältst.

Hast Du Themen, die Dich besonders interessieren? Dir läuft eine Nachricht über den Weg und Du hättest gerne eine Einordnung dazu? Dann schreib uns eine Mail an finanz-heldinnen@comdirect.de und wir versuchen es in die nächste Börsennews mit aufzunehmen.

KW 31 Die Abrechnung

Die meisten Zahlen für das zweite Quartal sind schlecht, aber nicht so schlecht wie erwartet. Die mit Spannung erwarteten Zahlen der großen Technologiekonzerne allerdings sind ziemlich gut. Die erfolgsverwöhnten Gesundheitsaktien geraten jedoch unter Druck.

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Grauenvolle Quartalszahlen

Es ist keine Überraschung, dass die Unternehmenszahlen für das zweite Quartal extrem schlecht ausfallen. Wie hätte es nach dem weltweiten Lockdown der Wirtschaft auch anders sein können? In Europa nimmt die Berichtssaison erst langsam Fahrt auf, in den USA haben bereits sehr viele Unternehmen ihre Bücher geöffnet. Der befürchtete Rekordeinbruch blieb bisher zum Glück aus; auf beiden Seiten des Atlantiks haben die Unternehmen die Erwartungen der Analysten sogar mehrheitlich übertroffen. Das liegt allerdings auch daran, dass die Experten wenig bis nichts erwartet hatten. In Europa liegen die Gewinne etwa 20 Prozent, in den USA sogar zwei Drittel unter dem Vorjahr – Stand jetzt. Unternehmen mit konjunkturunabhängigeren Geschäftsmodellen haben bisher nur geringe Gewinnrückgänge berichtet. Wer stark von der Konjunktur abhängt, musste größere Einbrüche verkraften. Die Börse hatte das bisher relativ gelassen gesehen, eben weil die Erwartungen noch schlechter waren. Für einen Schock sorgten am Donnerstag allerdings Wirtschaftsdaten aus den USA, von einem „historischen Konjunkturabsturz“ war zu lesen, dazu die Angst vor der zweiten Welle der Corona-Pandemie. Da nahmen Börsianer*innen erstmal Gewinne mit. Ob das der Beginn einer neuen Korrektur ist oder nur eine zwischenzeitliche Verunsicherung? Wir werden sehen. Es gibt aber Hoffnung auf wieder steigende Kurse…

Die Stunde der Tech-Giganten

Und diese Hoffnung schüren die großen Technologie-Unternehmen an der Nasdaq. Mit Spannung haben Börsianer*innen auf ihre Zahlen gewartet. Die Tech-Giganten gelten als Gewinner der Corona-Krise. Können sie liefern? Wie haben sie im zweiten Quartal abgeschlossen? Am Donnerstagabend nach Börsenschluss in den USA kamen die Schlagzeilen im Minutentakt – und sie waren richtig gut. „Amazon pulverisiert Erwartungen mit massivem Umsatzplus – Aktie zischt ab“ war nach satten 40 Prozent Wachstum und dem höchsten Quartalsgewinn der 26-jährigen Geschichte zu lesen. „Apple-Aktie schießt nach Zahlen auf Rekord“, heiß es. Auch der iPhone-Konzern konnte die Analystenschätzungen mühelos übertreffen. Genauso wie Facebook. Und der Umsatz der Google-Mutter Alphabet schwindet zwar erstmals, doch die Zahlen lagen trotzdem über den Erwartungen. Nachbörslich legten die Aktien der Tech-Giganten kräftig zu. Das freute viele Börsianer*innen. Denn Amazon, Apple, Facebook und Alphabet gehören zu den größten börsennotierten Unternehmen überhaupt und haben einen extrem hohen Anteil in den amerikanischen Indizes wie S&P 500 und Nasdaq.

Gesundheitsaktien unter Druck

Eine andere, sehr erfolgsverwöhnte Branche gerät unter Druck. Dabei gelten Gesundheitsaktien als absolut konjunkturunabhängig. Auch in der Corona-Krise schlugen sich die Aktien der Pharma- und Biotech-Unternehmen viel besser als andere Branchen. Wie schon in anderen Börsencrash verloren Gesundheitsakten weniger und erholten sich schneller als andere. Doch seit ein paar Tagen läuft es nicht mehr so gut. Mal wieder ist es US-Präsident Donald Trump, der für Kursrücksetzer sorgt. Er hat verschiedene Dekrete zur Senkung der US-Medikamentenpreise unterzeichnet. Für Verbraucher eigentlich gute Nachrichten, für Aktionäre eher eine schlechte. Die Kurse gaben nicht nur in den USA nach, auch europäische Aktien gerieten unter Druck, ist der US-Markt doch auch für hiesige Unternehmen ein extrem wichtiger Markt. Trotz dieses Gegenwindes bleiben Gesundheitsaktien aber eine wichtige Assetklasse, die Du Dir anschauen könntest. Es leben immer mehr Menschen auf der Welt, die immer älter werden. Die privaten und öffentlichen Gesundheitsausgaben werden weiter steigen. Trotz der Dekrete Trumps bleibt die Branche interessant.

KW 30 Viele Zahlen

Die Berichtssaison läuft auf Hochtouren: Unternehmen in den USA und in Europa legen ihre Zahlen für das zweite Quartal vor. Wie tief sind die Spuren, die die Corona-Krise hinterlassen hat? Wie stark schrumpfen die Dividenden? Und wer folgt eigentlich auf Wirecard im Dax?

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Schrumpfende Dividenden

Schlechte Nachrichten für Aktionär*innen: Europäische Unternehmen kürzen ihre Dividenden. Überraschend ist das nicht. Denn in der Rezession, die die Corona-Pandemie nebst Lockdown ausgelöst hat, verdienen sie auch deutlich weniger. Eine Dividendenstudie der DZ Bank zeigt: Die Ausschüttungen schrumpfen um rund rund 25 Prozent. Die Dax-Unternehmen kommen aber immer noch auf eine Dividendenrendite von durchschnittlich 3,1 Prozent, die Konzerne im Euro Stoxx 50 sogar auf 3,4 Prozent. Für Aktionär*innen ist es dennoch ärgerlich, wenn weniger Geld auf dem Konto landet. Wenn sich die Wirtschaft und die Bilanzen erholen, steigen aber auch sicher die Gewinnausschüttungen wieder. Langfristig sind und bleiben Dividenden ein wichtiger Erfolgsfaktor für Deine Geldanlage – ab und zu schwanken die Ausschüttungsquoten aber. Die meisten Unternehmen versuchen zwar, ihre Dividenden stabil zu halten, aber das geht eben nicht immer. Den Großteil der Kürzungen und Streichungen haben wir aber wohl hinter uns, glauben die Expert*innen der DZ Bank. Immerhin.

Einbrechende Gewinne

Wie stark hat die Krise die europäischen Unternehmen wirklich getroffen? Antworten auf diese Frage gibt es derzeit täglich. Bis Ende August legen noch fast 500 börsennotierte Unternehmen ihre Quartalszahlen vor. Analyst*innen rechnen damit, dass die Gewinne um fast 60 Prozent unter den Werten vom Vorjahr liegen. Das ist ein massiver Gewinneinbruch. Weil aber die Erwartungen so negativ sind, könnte es die eine oder andere positive Überraschung geben. Möglich ist aber auch, dass die Krise einzelne Unternehmen noch schlimmer trifft als gedacht. Wir werden in den kommenden Wochen wohl einige Ausschläge an den Kurstafeln sehen. Viel spannender als die Zahlen für das zweite Quartal sind aber die Ausblicke. Läuft es wieder besser? Und wenn ja, wie gut? Es bleibt abzuwarten.

Niedrige Erwartungen an der Wall Street

An der Wall Street beginnt die Berichtssaison immer etwas früher als in Europa. Dort haben wir in den vergangenen Wochen schon jede Menge Quartalszahlen gesehen. Auf den ersten Blick erfreulich: 80 Prozent der Zahlen liegen über den Erwartungen. Allerdings waren die so niedrig, dass Überraschungen quasi vorprogrammiert waren. Entsprechend verhalten war die Kursreaktion bei vielen Aktien. Denn die Krise hat die Unternehmen nichtsdestotrotz gravierend getroffen. Einige Bespiele: Die Fluglinie United Airlines meldet ein Quartalsminus von umgerechnet 2,3 Milliarden Euro, der Umsatz brach um fast 90 Prozent ein. Coca-Cola leidet unter der Schließung von Restaurants, Theatern und Sportstätten – Umsatz und Gewinne brechen um etwa ein Drittel ein. Selbst die Technologie-Konzerne spüren die Krise mittlerweile: Microsoft legte zwar einen Rekordumsatz vor, der Gewinn schrumpfte aber um 15 Prozent. Damit kommt der Konzern im Vergleich dennoch gut durch die Krise. Gute Nachrichten kamen von Tesla: Der E-Auto-Pionier hat den vierten Quartalsgewinn in Folge vorgelegt und steht mittlerweile vor dem Einzug in den S&P 500. Spannend wird es kommende Woche, dann legt unter anderem Amazon seine Zahlen vor.

Potenzieller Dax-Aufsteiger

Wer folgt wohl auf Wirecard im Dax? Der Pleitekonzern fliegt bald aus der ersten Börsenliga. Heißer Anwärter für die Neubesetzung ist Delivery Hero. Beim Lieferdienst lief es zuletzt ziemlich gut: In der Corona-Krise wurde mehr Essen bestellt. Allerdings verdient das Unternehmen noch immer kein Geld. Auch wenn die Umsätze kräftig steigen, erwarten Analyst*innen keinen operativen Gewinn vor 2022. Die Aktie ist also vor allem eine Wette auf die Zukunft. In Deutschland können wir den Service von Delivery Hero übrigens gar nicht nutzen: Vor zwei Jahren hat das Unternehmen sein Deutschlandgeschäft für gut eine Milliarde Euro verkauft. Ein Dax-Konzern ohne Deutschlandgeschäft – irgendwie komisch, oder?

KW 29 Harte Zahlen und optimistische Ausblicke

In den USA legen erste Unternehmen ihre Zahlen für das zweite Quartal vor. Erwartet wird nicht viel Gutes. Die Notenbanken schauen derweil verhalten optimistisch nach vorne. Und der weltgrößte Vermögensverwalter macht Druck beim Thema Nachhaltigkeit.

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Eine Quartalszahlen-Saison des Schreckens?

Nun geht sie also los, die Quartalsberichterstattung. Wie immer sind die USA uns ein paar Wochen voraus. Vorgelegt werden die Zahlen für die Monate April bis Juni, geprägt vom weltweiten Corona-Lockdown. Entsprechend schlecht dürften die Ergebnisse der Unternehmen sein. Wie immer machen die großen Finanzhäuser den Anfang. Die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley haben positiv überrascht. Selbst die optimistischsten Analysten haben nicht damit gerechnet, dass sie so gut durch die Krise gekommen sind. Normale Geschäftsbanken hingegen leiden und haben mehr als 30 Millionen Dollar zurückgestellt, um sich gegen ausfallende Kredite von Unternehmen und Privatleuten zu wappnen. Dabei musste die Großbank Wells Fargo einen Verlust vorlegen. Citi und JP Morgan konnten nur deshalb die Erwartungen übertreffen, weil ihr Investmentbanking und der Handel mit Wertpapieren so gut gelaufen ist. Die Zahlen haben gezeigt: Die Rettungs- und Konjunkturpakete der US-Notenbank und der Regierung haben vor allem den Investmentbanken geholfen. In der Realwirtschaft sind sie noch nicht angekommen. Während die „Main Street“ Existenzängste plagt, werden an der „Wall Street“ Rekorde gefeiert.

Die Ergebnisse der Finanzhäuser gelten als Barometer für die gesamte Wirtschaft. So richtig Fahrt nimmt die Quartalszahlen-Saison übrigens erst kommende Woche auf. Da die Börse mit schlechten Ergebnissen rechnet, müssen schlechte Zahlen nicht unbedingt die Stimmung trüben. Viel spannender sind ja sowieso immer die Ausblicke.

Die Notenbanken sind verhalten optimistisch

Apropos Ausblicke: Die Notenbanken schauen nach vorne. Diese Woche gab es den Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed. Das „Beige Book“ untersucht, wie stark die Corona-Krise die amerikanische Wirtschaft getroffen hat. Dass die Arbeitslosigkeit massiv gestiegen und der Konsum stark gefallen ist, wissen wir bereits. Hoffnung macht der Ausblick: Viele Firmen erwarten, dass das Schlimmste hinter ihnen liegt. Der Wirtschaftseinbruch habe möglicherweise im vergangenen Monat seinen Tiefpunkt erreicht, so die Fed. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) ist überzeugt, dass die Konjunktur ihren Tiefpunkt überwunden hat, auch wenn der Ausblick weiter mit einer sehr hohen Unsicherheit behaftet sei. Ob das bisherige Maßnahmenpaket angepasst werden muss, ließ die EZB erst einmal offen. Die Notenbanker*innen um Christine Lagarde signalisierten aber, im Notfall geldpolitisch noch mal nachzulegen. Beruhigungspillen für die Wirtschaft und die Börse.

Blackrock pocht auf Nachhaltigkeit

Der größte Vermögensverwalter der Welt macht Druck beim Thema Nachhaltigkeit und hat Unternehmen angemahnt, die nicht genügend Fortschritte beim Klimaschutz machen. In einigen Fällen wurde sogar einzelnen Mitgliedern des Aufsichtsrates oder gleich dem ganzen Gremium die Zustimmung verweigert. Der Druck, stärker auf Nachhaltigkeit zu setzen, wächst. Blackrock ist allerdings nicht die einzige Adresse, die aktiv darauf drängt, die ESG-Kriterien einzuhalten. ESG steht für Umwelt (Environment), Soziales (Social) und gute Unternehmensführung (Good Governance). Auch deutsche Adressen wie beispielsweise Union Investment und die DWS kämpfen für mehr Umweltschutz und Co. Allerdings verfügt der Vermögensverwalter Blackrock, als einer der größten Aktionäre bei börsennotierten Unternehmen etwa bei Daimler und Siemens, über erheblichen Einfluss.

KW 28 Gewinner und Verlierer an den Finanzmärkten

Der Blick auf die Börse sieht zunächst gut aus: Der Dax hat sich erholt. Schauen wir aber auf die Einzelwerte, gibt es klare Gewinner und Verlierer. Einer dieser Gewinner an den Märkten ist aktuell Gold. Zu den Verlierern zählen die Superreichen, die in der Corona-Krise viel Geld verloren haben.

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Gewinner und Verlierer

Wenn wir auf den Dax und viele andere Indizes schauen, dann ist die Welt nach dem Corona-Crash schon fast wieder in Ordnung. Seit Jahresbeginn hat Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer „nur“ knapp sechs Prozent verloren. Das sah im März noch ganz anders aus. Auch von seinem Allzeithoch aus dem Februar ist der Dax nur noch gut neun Prozent entfernt. Wenn wir uns allerdings Einzelwerte anschauen, dann gibt ganz klare Gewinner und Verlierer: Wenig überraschend hält der Skandalkonzern Wirecard mit einem Minus von mehr als 97 Prozent die rote Laterne. Auch die Aktionäre von MTU (minus 43 Prozent) sowie von Heidelberger Cement und Continental (minus 27 Prozent) gehören zu den größten Verlierern. Am stärksten zugelegt haben seit Jahresbeginn die Aktien der Deutschen Bank (plus 25 Prozent) sowie von der Deutschen Börse und RWE (jeweils etwa plus 20 Prozent). Die Aktie von SAP hat in dieser Woche sogar ein Allzeithoch markiert. Seit Anfang Januar hat sie gut acht Prozent zugelegt. Diese Zahlen zeigen, wie schwierig die Einzeltitel-Auswahl ist. Für die Entwicklung der einzelnen Aktien gibt es natürlich gute Gründe: Wirecard ist pleite, MTU, Heidelberger und Continental sind hart von der Krise getroffen, die Börse wiederum profitiert vom regen Aktienhandel und RWE ist eben ein Versorger mit halbwegs krisensicherem Geschäft. Schaust Du Dir an, wie sich all diese Aktien aber auf Sicht von drei oder zehn Jahren entwickelt haben, sieht die Welt ganz anders aus. Kurzfristig kann es an der Börse super laufen, langfristig kann eine Aktie aber trotzdem ein Rohrkrepierer bleiben. Deshalb mein Appell: Investiere auf jeden Fall immer breit gestreut, am besten mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) und Investmentfonds. Dann fallen einzelne Nieten nicht so sehr ins Gewicht.

Gold ist weiter gefragt

Der Preis für das gelbe Edelmetall steigt und steigt. Erstmals seit Jahren kostet Gold wieder mehr als 1.800 US-Dollar pro Feinunze. Getrieben wird der Goldpreis von der hohen Nachfrage all jener Investor*innen, die einen sicheren Hafen für ihr Geld suchen. Gold gilt als Krisenwährung und soll vor Inflation schützen, die viele angesichts der Geldflut der Notenbanken befürchten. Und es ist eine Art Versicherung gegen den kompletten Zusammenbruch unseres Geldsystems. Ich finde diese extreme Flucht in sichere Häfen ziemlich überzogen. Was mich immer schon gestört hat: Gold bringt keine laufenden Erträge, also keine Dividenden oder Zinsen. Und Gold ist eine ziemlich emotionale Anlageklasse. Sind Unsicherheit oder gar Angst und Panik an den Aktienmärkten groß, steigt der Preis für das Edelmetall. Als Beimischung von fünf oder maximal zehn Prozent mag Gold Sinn machen, um das Depot gegen solche stürmischen Kursbewegungen abzusichern. Aber lass Dich bitte nicht vom Goldrausch anstecken und investiere nicht zu viel in Gold.

Das Vermögen der Superreichen

Die „Wealth Management Reports“ der großen Unternehmensberatungen sind immer wieder eine herrliche Lektüre. Sie verraten uns nämlich, wie die Superreichen anlegen und ob sie ihr Vermögen weiter vergrößert haben. Aktuell sieht es nicht so gut aus. Der Börsencrash hat sie wohl ziemlich hart getroffen, wie Capgemini schätzt. Kein Wunder, die Reichen investieren nämlich stark in Aktien. Mit einem Anteil von 30 Prozent sind sie die gewichtigste Anlageklasse in den Depots der Superreichen, zeigt eine Capgemini-Umfrage aus dem Februar. Und im Februar und März gingen durch den Ausverkauf an den Märkten laut Weltbörsenverband WFE mehr als 18 Billionen US-Dollar verloren. Zum Glück haben sich die Märkte erholt. Spannend finde ich, dass 40 Prozent der Superreichen und ebenso viele jüngere Millionär*innen unter 40 Jahren vor allem bei Aktien auf das Thema Nachhaltigkeit schauen. Was lernen wir daraus? Aktien gehören in jedes Depot, die Wohlhabendsten der Welt machen es uns vor. Und: Aktien können stark schwanken, aber bisher folgte auf jeden Crash die Erholung.

KW 27 Zeit für eine Zwischenbilanz

Das erste Börsen-Halbjahr liegt hinter uns und es war ziemlich turbulent. Wie wird das zweite? Und welchen Ärger hat Facebook gerade?

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Rückblick auf ein turbulentes Halbjahr

Der heftigste Absturz und die schnellste Erholung: Das war wirklich ein Halbjahr der Extreme an der Börse. Gute Renditen, zweistellige sogar, konntest Du nur mit Gold und an der Nasdaq einfahren, mit den meisten anderen Anlageklassen hast Du Geld verloren. Wenn ich allerdings an den brutalen Crash im Februar und März zurückdenke, dann sind die Verluste wirklich überschaubar. In China sind die Aktienkurse im ersten Halbjahr sogar moderat gestiegen. Ausgerechnet in China, wo die Corona-Pandemie bekanntlich ihren Ursprung hat. Andererseits überrascht das aber nicht: Das Reich der Mitte rutschte früher in die Krise und kommt auch früher wieder heraus. Auf den ersten Blick komisch ist die Reaktion der Aktienmärkte in den USA. Dort steigen die Infektionszahlen noch immer extrem stark, trotzdem läuft es an der Börse wieder rund. Das liegt daran, dass die breiten Indizes dort von Technologie- und Pharmaaktien dominiert werden – beide Branchen gelten als Gewinner der Krise. Viele Tech-Aktien notierten nahe Allzeithoch. Apropos: Eine Aktie die zum Höhenflug ansetzte war Tesla. Der Elektroauto-Pionier ist an der Börse jetzt mehr wert als der bisherige Spitzenreiter Toyota, und mehr als BMW, Daimler und Volkswagen. Noch so ein Extrem! Insgesamt fällt die Bilanz für das erste Halbjahr zwar mau aus, aber es hätte viel schlimmer kommen können. Wenn Du Dir die Charts anschaust, wirst Du sehen: Ruhe zu bewahren und sich nicht von der Panik anstecken zu lassen, das zahlt sich an der Börse aus.

Ausblick mit viel Hoffnung

Und wie geht es weiter? Du darfst verhalten optimistisch sein! Die Weltwirtschaft kommt langsam wieder in Schwung und sollte die Rezession bald hinter sich lassen. Die Konjunkturdaten haben sich bereits verbessert, die Prognosen sagen eine mehr oder weniger schwungvolle Erholung voraus. Das heißt aber nicht, dass auch die Börsenkurse stark steigen. Viel haben sie nämlich schon vorweggenommen. Deshalb haben sich S&P 500, Dax und Co. auch so gut erholt. Ein bisschen Luft nach oben dürften die Aktienmärkte aber noch haben, glauben Expert*innen. Es kommt natürlich darauf an, ob die Prognosen stimmen, sich die Wirtschaft wirklich weiter erholt, ob die Konjunkturprogramme in Europa und den USA zünden und die Corona-Infektionszahlen weiter fallen. In den USA nimmt außerdem der Wahlkampf langsam Fahrt auf. Im November will US-Präsident Donald Trump wiedergewählt werden. Langweilig werden die kommenden (Börsen-)Monate sicher nicht, im Gegenteil. Es wird sicher einige Schwankungen geben, aber insgesamt sollte es moderat aufwärts gehen. Auch wenn die weitere Erholung mit dem einen oder anderen Fragezeichen versehen ist, solltest Du investiert bleiben. Ich bin bekanntlich ein großer Fan von ETF-Sparplänen. Für mich ein perfektes Instrument, um regelmäßig zu investieren und vor allem in schwächeren Börsenphasen Schnäppchen einzusammeln.

Protest gegen Hass und Hetze

Facebook hat mächtigen Ärger: Aus Protest gegen Hass und Hetze auf der Social-Media-Plattform stornieren Anzeigenkund*innen aus aller Welt ihre Aufträge. Auch deutsche Konzerne wie Henkel und Volkswagen haben sich dem Boykott angeschlossen. Kritisiert wird unter anderem, dass Facebook rechtsradikale Webseiten als seriöse Nachrichtenquellen kennzeichnet. Der Kund*innenprotest schreckt wiederum die Investor*innen des sozialen Netzwerks auf. Der Aktienkurs von Facebook brach zeitweise um zehn Prozent ein – Gründer und Großaktionär Mark Zuckerberg verlor in wenigen Tagen sieben Milliarden Dollar. Aber die Aktie hat sich schnell wieder erholt. Auch weil Facebook gegensteuert und einen Maßnahmenkatalog gegen Hass und Hetze verabschiedet hat. Ob das die Werbekund*innen und Investor*innen beruhigt? Wir werden sehen. Der zwischenzeitliche und recht heftige Einbruch der Facebook-Aktie zeigt auf jeden Fall mal wieder, wie emotional die Börse reagieren kann und dass Überreaktionen schnell korrigiert werden.

KW 26 Die Woche der großen Schlagzeilen

Diese Woche war viel los: Die Lufthansa ist endlich gerettet, Bayer zahlt Milliarden an die Glyphosat-Kläger und Wirecard ist insolvent. Ach ja, und Gold ist auf Rekordkurs.

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Gefragte Krisenwährung

Anleger*innen sind im Goldrausch und das treibt den Preis für das Edelmetall auf den höchsten Stand seit 2012. Eine Feinunze (31,1 Gramm) kostete zwischenzeitlich fast 1800 Dollar. Das Rekordhoch von 1921 Dollar aus dem Jahr 2011 ist allerdings noch ein gutes Stück entfernt. Doch warum ist die Krisenwährung immer noch so gefragt? Ganz einfach: Die Ungewissheit über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ist noch immer hoch, das Verhältnis zwischen den USA und China angespannt und die Weltwirtschaft angeschlagen. Angesichts solcher Unsicherheiten mischen Investor*innen gerne „sichere Häfen“ bei. Gleichzeitig gibt es aber die Hoffnung, dass es schon bald mit der Wirtschaft wieder aufwärts geht. Deshalb sind auch Aktien weiter gefragt. Der Dax hält sich wacker über 12.000 Punkten, der amerikanische S&P 500 hat die 3000er-Marke zurückerobert und der US-Technologieindex notiert sogar nahe seines Allzeithochs. Die Formel ist ganz einfach: Setzt Du auf Aktien, profitierst Du von der wirtschaftlichen Erholung. Mischst Du Gold bei, hast Du eine Art „Versicherung“ für den Fall der Fälle.

Befreiungsschlag für Bayer

Nie zuvor hat ein Unternehmen so viel bezahlt, um einen Rechtsstreit beizulegen: Mehr als zehn Milliarden Dollar kostet den Pharmakonzern Bayer die Einigung mit den Glyphosat-Klägern in den USA. Das ist viel Geld, trotzdem kommt der Deal an der Börse gut an. Denn zwischenzeitlich hatten Analyst*innen und Investor*innen mit einer deutlich höheren Summe gerechnet. Zwei Jahre lang ging es bei Bayer gefühlt um nichts anderes als Prozesse, Glyphosat, Krebsgefahr und Schadensersatzklagen. Der Ärger war eine Nebenwirkung der Monsanto-Übernahme vor zwei Jahren. Nun ist das Thema endlich ausgestanden und Bayer kann sich wieder auf sein Tagesgeschäft konzentrieren. Anleger*innen freut besonders, dass die Unsicherheit nun nicht mehr auf dem Kurs lastet. Die Aktie hatte in den vergangenen zwei Jahren mächtig Federn lassen. Zu groß war die Angst vor der amerikanischen Justiz, die bekanntlich bei Schadenersatz eher klotzt als kleckert.

Die Lufthansa ist gerettet – endlich

Mitarbeiter*innen, Passagiere und Aktionär*innen der Lufthansa können aufatmen: Die Kranich-Airline ist nun doch gerettet. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten die Aktionär*innen am Donnerstag dem staatlichen Rettungsplan zu. In den vergangenen Tagen gab es einige Zweifel, ob das wirklich klappt. Großaktionär Heinz Hermann Thiele hatte den Rettungsplan massiv kritisiert und zwischenzeitlich sogar mit einem Veto verhindern wollen. Zum Glück hat er sich doch noch umentschieden und die drohende Insolvenz ist vom Tisch. Nun steht die Lufthansa vor einem harten Sanierungsprozess, und der wird dauern. Die Aktie taumelt immer noch um die zehn Euro und hat sich von ihrem massiven Absturz im Corona-Crash noch lange nicht erholt. Die Luftfahrt bleibt ebenso wie die Reisebranche bis auf weiteres eine Krisenbranche.

Unwürdiges Wirecard-Drama im Dax

Es ist ein echter Wirtschaftskrimi, der sich gerade um den Dax-Konzern Wirecard abspielt. Vorläufiger Höhepunkt oder eher Tiefpunkt: Der Zahlungsabwickler hat am Donnerstag Insolvenz angemeldet. Aktionär*innen stehen vor einem Trümmerhaufen. Noch vor einer Woche notierte die Aktie bei gut 100 Euro, schmierte dann bis auf unter drei Euro ab. Es gibt viele offene Fragen und jede Menge Vorwürfe. Warum haben die Wirtschaftsprüfer*innen von EY nicht gemerkt, dass so viel heiße Luft in der Bilanz war? Warum hat die Finanzaufsicht Bafin so spät reagiert? Wo sind die verschwundenen 1,9 Milliarden oder gab es sie wirklich nicht? Der Wirecard-Skandal ist heftig und verheerend für die deutsche Aktienkultur. Viele Privatanleger*innen haben viel Geld verloren. Was Du daraus lernen kannst: wie wichtig Risikostreuung ist, dass einzelne Werte niemals einen großen Anteil am Depot haben sollten, dass Fonds und ETFs langweiliger, aber auch nervenschonender sind.

KW 25 Viel los im Dax

Die Deutsche Wohnen steigt in den Dax auf, die Lufthansa muss absteigen. Gleichzeitig wackelt das Rettungspaket für die Airline. Und dann ist da noch Wirecard, der Skandalkonzern im Dax.

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Stühlerücken im Dax

Die Deutsche Wohnen ist in den Dax aufgestiegen. Verlassen muss die erste Börsenliga die Lufthansa – und das nach mehr als 30 Jahren. Am Montag notiert die Kranich-Airline nun im MDax. Der Grund für dieses Stühlerücken ist die schlechte Kursentwicklung der Lufthansa-Aktie. Die Corona-Krise hat den Konzern hart getroffen und in der Folge stürzte der Aktienkurs massiv ab. Damit wurde der Wert der frei handelbaren Aktien – Expert*innen sprechen von der „Free-Float-Marktkapitalisierung“ – zu gering. Ende Mai lag die Lufthansa bei diesem wichtigen Kriterium nur noch auf Platz 52 der an der Frankfurter Wertpapierbörse gelisteten Unternehmen. Im Dax sind aber die 30 größten, börsengehandelten deutschen Unternehmen gelistet. Und so kam es, dass die Lufthansa bei der vierteljährlichen Überprüfung des Dax aus dem Index flog. Die Deutsche Wohnung hingegen ist ziemlich gut durch die Corona-Krise gekommen. Immobilienaktien sind an der Börse gefragt, die Aktie des Berliner Wohnimmobilien-Konzerns notiert sogar nahe am Allzeithoch. Und was bedeutet dieses Stühlerücken für die Unternehmen und für Anleger? Dax-Aktien genießen größere Aufmerksamkeit bei professionellen und auch privaten Anleger*innen, bei Analyst*innen und in den Medien. Viele Fondsmanager*innen orientieren sich an den großen Indizes, kaufen eher Standardwerte aus Dax und Co. als Nebenwerte aus den unteren Börsenligen. Da kommt dann einiges in Bewegung. Falls Du übrigens einen Dax- oder MDax-ETF im Depot hast, werden auch in diesen ETFs die Aktien nun ausgetauscht. Das passiert ganz automatisch.

Eine mühsame Rettung

Der Abstieg aus der ersten Börsenliga ist nicht die einzige schlechte Nachricht für die Lufthansa und ihre Aktionär*innen. Die Rettung durch den Staat – eigentlich mehr oder weniger beschlossene Sache – wackelt wieder. Der Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele fordert Änderungen am Hilfspaket. Die Politik lehnt das ab, der Vorstand ist aufgeschreckt. Thiele kritisiert unter anderem, dass die Regierung in ihrer Rolle als Anteilseignerin den Abbau von Stellen und damit die Sanierung erschweren könnte. Gerade erst hat Thiele seine Beteiligung an der Airline von zehn auf 15 Prozent aufgestockt. Damit könnte er das Hilfspaket in Höhe von neun Milliarden Euro womöglich blockieren, wenn die Aktionär*innen auf der Hauptversammlung am 25. Juni darüber abstimmen. Es bleibt spannend. Solltest Du Lufthansa-Aktionärin sein, brauchst Du verdammt starke Nerven.

Ein gigantischer Kurssturz

Hoffentlich hast Du keine Wirecard-Aktien im Depot. Sonst war der Donnerstag wohl einer der bittersten Tage Deiner Karriere als Aktionär*in. Um unglaubliche 62 Prozent stürzte die Aktie des Zahlungsdienstleisters ab. Der Grund: Schon wieder hat Wirecard die Vorlage der Jahresbilanz 2019 verschoben, zum vierten Mal übrigens. Die Wirtschafter*innen von Ernst & Young haben dem Konzern nämlich kein Testat für die Bilanz ausgestellt. Das ist aber Pflicht. Allerdings ist bei Buchungen in Höhe von stolzen 1,9 Milliarden Euro unklar, ob das Geld überhaupt existiert. Ein Skandal! Von einem schwerwiegendem Täuschungsverdacht ist die Rede. So schwerwiegend, dass er auch Aufsicht und Justiz auf den Plan ruft. Die Finanzaufsicht Bafin und die Münchener Staatsanwaltschaft wollen den Fall nun prüfen. Der Krimi geht also weiter, neue Kursturbulenzen nicht ausgeschlossen. Übrigens schloss nur einmal in der Geschichte des Dax eine Aktie mit höheren Verlusten. Die Hypo Real Estate hält diesen unrühmlichen Rekord aus dem September 2009 mit einem Tagesverlust von 73,9 Prozent. Der Fall Wirecard zeigt wieder einmal, wie wichtig Risikostreuung ist und wie riskant Investments in Einzelaktien sein können. Besser fährst Du mit Fonds und ETFs, Einzeltitel sollten nur Beimischung im Depot sein.

Wachsender Optimismus

Zum Schluss noch eine positive Nachricht: Professionelle Investor*innen werden langsam wieder optimistischer. Immerhin 37 Prozent der globalen Fondsmanager*innen glauben, dass wir uns derzeit in einem Bullenmarkt befinden, wie eine weltweite Umfrage zeigt. Im Mai waren es nur 25 Prozent. Der Bulle ist bekanntlich das Symbol für steigende Kurse. Der wachsende Optimismus sollte der Börse gut tun. Denn er führt zu einem stärkeren Engagement der Fondsmanager*innen am Markt.
Sie kaufen also wieder mehr Aktien. Und das stützt die Kurse.

KW 24 Aus der Traum?

Vor ein paar Tagen noch feierte die US-Technologiebörse Nasdaq Rekorde, jetzt ist die Angst an den Märkten zurück. Die Kurse fallen wieder, und zwar heftig. Gefragt sind sichere Häfen wie Bundesanleihen.

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Die Party ist vorbei – erstmal

Auf die rauschende Party folgt der Kater: Die steigenden Corona-Infektionszahlen in den USA und die warnenden Worte von Jerome Powell, Chef der US-Notenbank, waren zu viel für die Märkte. Die Wall Street ist zurück im Krisenmodus und reißt den Dax – und alle anderen Börsen weltweit – mit in die Tiefe. Die Party ist vorbei – erstmal. Dabei ist eigentlich nichts passiert. Der Fed-Chef warnt seit Wochen davor, dass sich die Wirtschaft nur schleppend erholen dürfte. Börsianer*innen waren scheinbar anderer Meinung und erwarteten lange Zeit eine schnelle Erholung. Doch nun hat ihnen der sehr düstere Wirtschaftsausblick von Powell doch noch die Laune verdorben. Wie lange die Katerstimmung anhält? Das weiß leider niemand. Dass es aber nach der rasanten Börsenparty der vergangenen Wochen noch mal Rücksetzer geben würde, war zu erwarten. Die Kurse sind einfach zu schnell und zu stark gestiegen. Solange die Wirtschaftskrise anhält, wird es immer wieder Phasen der Unsicherheit geben – fallende Aktienkurse inklusive. Davon werden sich die Börsen aber auch wieder erholen. Jeder Kater geht vorbei.

Der unglaubliche Nasdaq-Rekord

Eine Party wurde diese Woche auch am Times Square gefeiert. Dort sitzt nämlich die Technologiebörse Nasdaq. Und die hat doch glatt mitten in der Krise ihr Allzeithoch geknackt. Verkehrte Welt? Nein, Technologie-Unternehmen sind Krisengewinner. Natürlich steckt die US-Wirtschaft in einer schweren Krise, aber die Unternehmen der Nasdaq – und der Wall Street übrigens auch – spiegeln die US-Wirtschaft nicht wirklich wider. Oder wie es so schön heißt: Es gibt die Wall Street und es gibt die „Main Street“. Während Restaurants und Geschäfte pleitegehen, läuft es bei vielen Tech-Konzernen wie Amazon, Netflix oder der Google-Mutter Alphabet eben rund. Und so kommt es, dass die Nasdaq mitten in der Krise Rekorde feiert. Leider folgte auch auf diese Party die Katerstimmung. Der Absturz der Wall Street riss die Nasdaq mit. Mal sehen, wann wir den nächsten Rekord sehen.

30 Jahre Laufzeit, kaum Rendite

Deutschland hat eine milliardenschwere 30-jährige Anleihe platziert, die Rendite liegt bei 0,18 Prozent – immerhin im Plus. Noch vor einem Monat war die gesamte Zinskurve Deutschlands einschließlich der Bundesanleihen mit 30-jähriger Laufzeit negativ. Mit deutschen Staatspapieren war kein Geld mehr zu verdienen. Doch die Zinsen sind zuletzt wieder leicht gestiegen. Grund ist die Corona-Krise, in der die Neuverschuldung des Staates massiv steigt. Nun ist eine Rendite von 0,18 Prozent immer noch ganz schön mickrig. Wahrscheinlich fragst Du Dich, wer so was kauft. Es sind vor allem institutionelle Investor*innen wie Pensionskassen oder Versicherer. Sie dürfen nur in supersichere Anlagen investieren und Bundesanleihen gehören dazu. Auch wenn die Renditen extrem niedrig sind.

KW 23 Eine Woche der Superlative

Die Erholungsrally an den Börsen erstaunt angesichts schwacher Wirtschaftsdaten. Die Bundesregierung will mit „Wumms“ aus der Corona-Krise kommen und Europäische Zentralbank verdoppelt ihr Notkauf-Programm für Anleihen.

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Eine sensationelle Erholungsrally

Da reiben sich selbst erfahrene Börsianer*innen die Augen! Innerhalb von nur zehn Wochen ist der Dax um 50 Prozent gestiegen – eine Erholungsrally der Superlative. Auch die Börsenbarometer an der New Yorker Wall Street notieren im Vergleich zu ihren Tiefs von Ende März rund 40 Prozent höher. Es klingt völlig verrückt, schließlich stecken wir in der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Noch nicht einmal der sich zwischenzeitlich wieder zuspitzende Handelsstreit zwischen den USA und China konnte die Erholung bremsen. Es ist weiterhin vor allem die Hoffnung auf eine rasche Erholung der Weltwirtschaft von der Corona-Krise, die die Kurse immer weiter steigen lassen. Aber Vorsicht! Immer mehr Expert*innen warnen vor der nächsten Korrektur. Denn diese Erholungsrally ist wirklich außergewöhnlich stark. Gut möglich, dass Investor*innen noch einmal Gewinne mitnehmen und es eine kleine Korrektur gibt, bevor es weiter aufwärts geht. Langfristig sollten sich die Börsen aber weiter vom Crash erholen, auch aufgrund der gigantischen Rettungs- und Konjunkturprogramme, die weltweit aufgelegt werden. Korrekturen dürften Dir dann eher Kaufgelegenheiten bieten.

Ein gigantisches Rettungspaket

Mit „Wumms“ will die Bundesregierung aus der Corona-Krise kommen. So zumindest formuliert es Wirtschaftsminister Olaf Scholz. Und in der Tat: Das 130 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket ist größer als je zuvor – ein Konjunkturpaket der Superlative. Eine große Überraschung war die Senkung der Mehrwertsteuer zur Ankurbelung des Konsums. Die Mehrwertsteuer wird befristet gesenkt. Vom 1. Juli bis 31. Dezember beträgt der reguläre Satz statt 19 nur noch 16 Prozent, der ermäßigte Satz beispielsweise für Lebensmittel statt sieben nur noch fünf Prozent.
Und davon profitieren schließlich alle Branchen, auch die Autobauer. Denn die erwartete Autoprämie für Verbrenner gab es nicht, was die Aktien der großen Autobauer an der Börse etwas unter Druck setze. Was es aber gibt, ist eine Kaufprämie für Elektroautos. Familien mit niedrigem und mittleren Einkommen bekommen einen Kinderbonus. Für Unternehmen wird die Mittelstandslücke bei den Überbrückungshilfen geschlossen, großzügigere Abschreibungen und Verlustrückträge sorgen für dringend benötigte Liquidität. Expert*innen loben das Paket, es sei gut ausgewogen, alle haben etwas davon. Wohl auch die Börse! Denn das Paket sollte die deutsche Wirtschaft wieder ankurbeln. Wahrscheinlich profitieren erstmal die Konsumtitel, möglicherweise die Autobauer, aber sicher auch die Tourismusbranche. Gute Chancen also, dass die Erholung wirklich schnell geht.

Ein gewaltiges Anleihekauf-Programm

Auch die Europäische Zentralbank lässt sich nicht lumpen und legt bei ihrem Anleihekauf-Programm noch mal nach. Sie stockte das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) nicht nur um 600 Milliarden Euro auf, sondern verlängerte auch gleich dessen Laufzeit bis mindestens Juni 2021. Damit ist das Krisenprogramm nun stolze 1,35 Billionen Euro schwer, damit wurde das „PEEP“ fast verdoppelt – der nächste Superlativ. Dass die EZB ihr Programm aufstocken würde, galt im Vorfeld als so gut wie sicher, doch die Höhe überraschte positiv. Mit ihren Anleihekäufen wollen die Währungshüter*innen die Wirtschaft stabilisieren. Sie sollen Vertrauen schaffen. Außerdem wirken sie auf die Zinsen. Sinkende Renditen für Staats- und Unternehmensanleihen verringern die Finanzierungskosten für die Wirtschaft. Und das hilft dann auch dem Aktienmarkt. Insgesamt also gute Nachrichten von der EZB.

KW 22 Gute Nachrichten und jede Menge Optimismus

Das milliardenschwere Wiederaufbauprogramm der EU-Kommission kommt an der Börse gut an, vor allem Autoaktien geben Gas. Die Lufthansa muss doch noch auf ihre Rettung warten, doch die Aktie hebt trotzdem ab.

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Gute Stimmung an der Börse

Das Milliardenpaket der Europäischen Union (EU) sorgt bei Anleger*innen für Optimismus. Die EU-Kommission will für die wirtschaftliche Erholung Europas 750 Milliarden Euro mobilisieren. Davon sollen 500 Milliarden Euro als nicht rückzahlbare Zuwendungen und 250 Milliarden Euro als Kredite fließen. Das Wiederaufbauprogramm mit dem Titel „Reparieren und Vorbereiten für die nächste Generation“ lässt die Börsenkurse kräftig steigen. Die Wirtschaft hat dieses Geld auch bitter nötig. Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet infolge der Corona-Pandemie mit einem drastischen Konjunktureinbruch. Wie drastisch, das sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde jetzt während einer Online-Diskussion mit Jugendlichen: Die Wirtschaft der Eurozone dürfte in diesem Jahr um acht bis zwölf Prozent schrumpfen. Frühere Prognosen waren von einem weniger heftigen Einbruch ausgegangen, doch daraus wird nichts. Trotz schwacher Wirtschaftsdaten und düsterer Prognosen steigen aber die Börsenkurse. Anleger*innen setzen auf die Zukunft und die wirtschaftliche Erholung. Die aktuelle Krise nebst Rezession haben sie bereits abgearbeitet. Das mag sich komisch anfühlen, aber an der Börse wird die Zukunft gehandelt. Angst macht ihnen zum Wochenausklang allerdings der wieder aufflammende Handelsstreit zwischen den USA und China, die Wochenbilanz kann das aber wohl nicht ruinieren.

Autoaktien sind gefragt

An der Börse wird die Zukunft gehandelt – so lässt sich auch die Kursrally bei den Autoaktien erklären. Wochenlang standen die Bänder still und waren die Autohäuser geschlossen. Nur langsam rollt das Geschäft langsam wieder an, das Jahr 2020 wird wohl düster für die Branche. Trotzdem gehörten deutsche Autobauer*innen und ihre Zulieferer*innen in dieser Woche zu den größten Gewinner*innen. Auch sie würden natürlich vom EU-Paket profitieren. Außerdem wird erwartet, dass es eine Autokaufprämie gibt, um Verbraucher*innen zu „locken“. Diese Prämie ist zwar umstritten, trotzdem wird sie wohl kommen, glauben Expert*innen. Das würde natürlich die Geschäfte kräftig ankurbeln.

Die Inflation schrumpft

Die Inflation in Deutschland schrumpft in der Corona-Krise immer weiter. Die Jahresteuerungsrate lag im Mai bei nur noch 0,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt verkündete. Im April waren die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat noch um 0,9 Prozent und im März um 1,4 Prozent gestiegen. Ein wichtiger Grund für den Rückgang ist der Verfall des Ölpreises. Und natürlich macht sich auch der wirtschaftliche Einbruch bemerkbar. Die Europäische Zentralbank (EZB) peilt übrigens für den gesamten Euro-Raum eine Inflation von unter, aber nahe zwei Prozent an, die sie als ideal für die Konjunktur ansieht. Dieses Ziel verfehlt sie aber schon seit Jahren.

Warum Dich die Inflation auch als Anleger*in interessieren sollte? Ganz einfach: Die Teuerungsrate zeigt an, dass unser Geld an Kaufkraft verliert und zwar Monat für Monat, Jahr für Jahr. Das mag kurzfristig kaum spürbar sein, aber langfristig sehr wohl. Ein Beispiel: Als ich ein Kind war, kostete eine Kugel Eis noch 30 Pfennig (also etwa 15 Cent). Noch Fragen? Alles wird also teurer. Vor allem für unsere Altersvorsorge ist das ein wichtiger Aspekt. Eine Million mag heute viel Geld sein, ist aber in 20 oder 30 Jahren sicher weniger „wert“. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Rendite, die Du mit Deiner Geldanlage erzielst, immer oberhalb der Inflationsrate liegt – denn sonst ist der Realzins, also Rendite minus Inflationsrate, negativ und Du verlierst Geld. Mit Spareinlagen kannst Du das natürlich nicht schaffen, es gibt so gut wie keine Zinsen mehr. Aber mit Aktien kannst Du langfristig (!) Renditen von sechs bis acht Prozent einfahren. Deshalb solltest Du einen Teil Deines Ersparten an der Börse investieren – breit gestreut über ETFs und Fonds, mit langem Anlagehorizont. So schlägst Du der Inflation ein Schnippchen.

Lufthansa-Rettung verzögert sich

Eigentlich war die Lufthansa letzte Woche schon gerettet. Das Hilfspaket der Bundesregierung mit einer Kombination aus Krediten, stillen Einlagen und einer direkten staatlichen Beteiligung steht. Nun verzögert sich das Ganze doch wieder. Grund sind Auflagen der Europäischen Union, die der Aufsichtsrat der Lufthansa nicht akzeptieren will. Die Verhandlungen laufen also weiter.

KW 21 Dax-Aktien im Fokus

Die Lufthansa ist wohl endlich gerettet, die höchsten Volkswagen-Manager*innen haben einen viel diskutierten Deal mit der Justiz geschlossen und die Deutsche Bank hat einen ziemlich prominenten neuen Aufsichtsrat – die Schlagzeilen habe diese Woche die großen Dax-Unternehmen bestimmt.

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Von der Politik in die Wirtschaft

Ein ehemaliger Wirtschaftsminister und noch dazu SPD-Politiker im Aufsichtsrat der Deutschen Bank? Diese Personalie musste für einige Schlagzeilen sorgen. Als die Berufung des ehemaligen SPD-Chefs Sigmar Gabriel im Januar bekannt wurde, hatte es viel Kritik gegeben – wie so oft, wenn frühere Spitzenpolitiker*innen in die Wirtschaft wechseln. Die Bank steckt in einem tiefgreifenden Konzernumbau, Stellenstreichungen inklusive. Und das mit einem Sozialdemokraten an exponierter Stelle? Warum nicht? Diese Woche haben die Aktionär*innen Gabriel nun in den Aufsichtsrat von Deutschlands größter Bank gewählt. Aber was macht ein Aufsichtsrat überhaupt? Seine Hauptaufgabe ist es, den Vorstand zu überwachen. Dazu kann er beispielsweise Geschäftsführungsmaßnahmen von seiner Zustimmung abhängig machen. Außerdem gehört die Prüfung von Konzern- und Jahresabschluss zu seinen Pflichten. Es wird sicher spannend, wie Gabriel sich in seinem neuen Job schlägt.

Ein umstrittener Deal mit der Justiz

Sie hätten sich freigekauft, war wenig wohlwollend zu lesen. Die Aufarbeitung des Skandals würde juristisch nicht sauber behandelt, hieß es. Sie, das sind Herbert Diess und Hans Dieter Pötsch, der Vorstandsvorsitzende und der Aufsichtsratschef von Volkswagen. Und gemeint ist der Diesel-Skandal, der wohl größte industrielle Betrug in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nun gab es also einen Deal für die VW-Spitze: Neun Millionen zahlt der Konzern und hat damit ein Problem weniger. Denn so wurde das Verfahren gegen die beiden mächtigsten Männer im Unternehmen eingestellt. Niemand hätte sagen können, wie ein Prozess ausgegangen wäre. Die beiden Spitzenmanager sind damit nicht vorbestraft. Man kann von solchen Deals halten, was man will. Aber sie sind juristisch möglich. Ganz ad acta legen kann VW den Skandal übrigens noch nicht. Es läuft noch das Kapitalmarktverfahren vor dem Landgericht in Braunschweig. Dort versuchen VW-Aktionär*innen, Schadensersatz in Milliardenhöhe einzuklagen.

Eine Rettung mit Beigeschmack

Die gute Nachricht der Woche: Die Lufthansa ist wahrscheinlich gerettet. Der deutsche Staat soll sich mit neun Milliarden Euro an der Fluggesellschaft beteiligen, die durch die Folgen der Corona-Krise in Schieflage geraten ist. Zunächst soll mit einem Kredit der staatseigenen KfW-Bank über drei Milliarden Euro die Liquidität der Lufthansa gesichert werden. Hinzu kommt eine stille Einlage und eine direkte Beteiligung von 20 Prozent sowie eine Wandelanleihe im Wert von fünf Prozent plus einer Aktie. Über diese Konstruktion soll der Staat in die Lage versetzt werden, eine Sperrminorität aufzubauen, falls der Lufthansa eine feindliche Übernahme droht. Vor allem über die Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) wurde heftig gestritten. Die SPD hatte ursprünglich auf diese Variante gepocht, womit der Bund etwa strategische Entscheidungen hätte blockieren können. Eine Horrorvorstellung für den Lufthansa-Vorstand und für die Aktionär*innen. Zum Glück hat sich die CDU durchgesetzt, die „maximale Staatsferne“ gefordert hatte. Der Ausgang der Verhandlungen war lange ungewiss, sogar eine Insolvenz der Fluglinie war im Gespräch. Nun müssen noch Aufsichtsrat und Hauptversammlung das Paket abnicken. An der Börse wurde der Deal auf jeden Fall gefeiert, auch wenn der Staat als Aktionär bei Anleger*innen selten gut ankommt. Politiker*innen gelten nicht unbedingt als gute Manager*innen.

Apropos Dax…

Auch wenn viel los war bei den Dax-Konzernen: Der Index der 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen scheint sich gefangen zu haben. Die Schwankungen sind zwar noch immer etwas höher als üblich, aber bisher blieb ein befürchteter zweiter Absturz aus. Erholt hat sich der Dax vom Corona-Crash aber noch nicht. Er notiert noch immer knapp 20 Prozent unter seinem Allzeithoch von Mitte Februar. Im Crash war der Abstand aber sogar doppelt so groß. Seit Jahresbeginn hat der Dax mehr als 15 Prozent verloren, auf Sicht von zwölf Monaten sind es weniger als zehn Prozent.
Mein persönlicher Blick auf die Dinge: Aktien schwanken, Crash gehören zur Börse dazu, aber wenn Du Dir die langfristigeren Charts anschaust, dann ist das alles halb so wild.

KW 20 Unter Druck: Immobilien, der Euro und Wirecard

Die Corona-Krise belastet den Immobilienmarkt. Der Euro wird immer schwächer. Und dann ist da noch das Drama um Wirecard.

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Sinkende Preise am Immobilienmarkt

Corona trifft auch den Immobilienmarkt. Wohnimmobilien gelten in der Krise eigentlich als stabiles Investment, aber Expert*innen rechnen jetzt trotzdem mit sinkenden Preisen. Der Grund: Kurzarbeit, steigende Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Sorgen verunsichern private Kaufinteressenten. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln glaubt zwar, dass der Wohnimmobilienmarkt verhältnismäßig gut durch die Krise kommt, hält aber trotzdem Preisrückgänge von bis zu zwölf Prozent für möglich. Die Immobilienexpert*innen vom Forschungsinstitut Empirica rechnen sogar mit einem Minus von zehn bis 25 Prozent. Je stärker und länger die Rezession, desto heftiger wird es den Markt treffen.

Das ist natürlich unschön für diejenigen, die ein Haus oder eine Wohnung verkaufen möchten, aber ziemlich gut für alle, die Eigentum suchen. Zumal die Kosten für die Baufinanzierung angesichts der Null- und Niedrigzinsphase extrem günstig sind. Selbst wenn Du nur Mieten und nicht Kaufen willst, lockt das ein oder andere Schnäppchen. Das Geld sitzt in Krisenzeiten nicht mehr so locker. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Wenn die Krise überwunden ist und die Wirtschaft wieder auf Touren kommt, werden aber wohl auch die Preise und Mieten am Immobilienmarkt wieder anziehen. Falls Du also sowie etwas „Neues“ suchst, könnte jetzt ein guter Zeitpunkt sein.

Der Euro unter Druck

Die europäische Gemeinschaftswährung wird immer schwächer. Eigentlich kann uns das relativ egal sein, solange wir im Euro-Raum arbeiten und leben sowie kein Geld in eine andere Währung umtauschen wollen. Ob der Euro stark oder schwach ist, interessiert uns oft nur dann, wenn wir in den Urlaub außerhalb des Währungsraumes fahren. Wenn Du aber, wie wir finanz-heldinnen es immer wieder empfehlen, breit gestreut und sehr international anlegst, dann sollte Dich beispielsweise der Euro-Dollar-Kurs sehr wohl interessieren. Wenn Du nämlich mit einem ETF auf den MSCI World setzt, dann notiert dieser ETF in der Regel in US-Dollar. In diesem Fall hast Du übrigens jüngst von unserem butterweichen Euro profitiert. Manchmal läuft es aber auch gegen uns. Währungsrisiko nennen Expert*innen das. Aber in jedem Risiko steckt natürlich auch eine Chance. Du musst wie immer bei der Geldanlage wissen, was Du tust. Und warum ist der Dollar so stark? Er gilt als sichere Anlage und profitiert daher in Krisen oft. Im Gegenzug kommt der Euro unter Druck. Aber keine Angst, wir reden hier von wenigen Prozentpunkten. Andere Schwankungen gibt es bei exotischen Währungen etwa aus den Schwellenländern. Da solltest Du vorsichtig sein.

Die Kurskapriolen bei Wirecard

Was ist los bei Wirecard? Die Aktie des Zahlungsdienstleisters hat zwar zuletzt auch einige wenige gute Tage mit kräftigen Kursgewinnen erlebt, aber eigentlich stürzt sie fast täglich weiter ab. Im Grunde finden Wirecard-Aktionär*innen ihr Papier nur (manchmal) an der Spitze oder (meistens) auf dem letzten Platz der Dax-Aktien. Aber warum? Da ist dieses leidige Thema mit den alten Bilanzen. Gibt es Ungereimtheiten oder nicht? Ein reichlich verspäteter Bericht eines Wirtschaftsprüfers gab nicht wirklich Absolution, hat aber auch keinen Betrug attestiert. Die Fragezeichen bleiben. Und deshalb spekulieren einige sehr einflussreiche Investor*innen auf den Aktienkurs bei Wirecard und setzen die Aktie mächtig unter Druck. Wie sie das machen? Sie verkaufen die Aktie „leer“. Leerverkäufer*innen spekulieren auf fallende Kurse, indem sie Aktien eines Unternehmens beispielsweise bei Investmentfonds leihen und dann an der Börse verkaufen. Um diese Aktien nach Ablauf der Frist wieder zurückzugeben, müssen sie sie vorher wieder kaufen – natürlich möglichst zu einem niedrigeren Kurs. Die Differenz ist ihr Gewinn. Gut zehn Prozent der frei handelbaren Wirecard-Aktien – ein extrem hoher Wert – sind laut „Bundesanzeiger“ mittlerweile in den Händen der Leerverkäufer*innen. Sie prügeln die Kurse immer weiter runter. Wenn die Aktie aber wieder steigt, dann könnte auch das rasant gehen. Dann müssen die Leerverkäufer*innen ihre Positionen nämlich schließen, denn steigende Kurs sind Gift für ihre Wetten. Die extremen Ausschläge dürften also munter weiter gehen. Leerverkäufe sind übrigens völlig legal, obwohl sie häufig kritisiert werden.

KW 19 Durchwachsene Stimmung

US-Präsident Donald Trump droht China wieder mit Strafzöllen und verschreckt die Märkte. Die EZB stemmt sich mit gigantischen Summen gegen den Wirtschaftsabschwung. Und der vermeintliche Krisengewinner Amazon schockiert mit einer Gewinnwarnung.

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Droht ein neuer Handelsstreit?

Donald Trump kann es einfach nicht lassen: Der US-Präsident poltert mal wieder in Richtung China. Er klagt China an, den Ausbruch des Corona-Virus verheimlicht zu haben und die Verpflichtungen aus dem im Januar vereinbarten Handelsabkommen nicht einzuhalten. Keine vier Monate hat der Frieden im Zollstreit gedauert. Die neuen Drohungen kommen zur Unzeit und verschrecken die Märkte. Nicht wenige glauben, dass der Präsident damit von seinen innenpolitischen Problemen ablenken will. Schließlich sind im November Wahlen. Die Pandemie ist noch lange nicht unter Kontrolle, die US-Wirtschaft stürzt in die Rezession, die Arbeitslosigkeit schnellt in die Höhe. Apropos: Seit den 1960er-Jahren ist kein Präsident wiedergewählt worden, wenn zwölf Monate vor der Wahl die Arbeitslosigkeit zugenommen hat. Zusätzlich sind Trumps Umfragewerte schwach; die Zustimmung der Amerikaner für eine härtere Gangart gegenüber China hingegen ist mit 66 Prozent groß. Dieses außenpolitische Manöver könnte also vor allem Wahlkampf sein, in Zeiten der Corona-Krise sind Zollerhöhungen und Technik-Boykotte allerdings Gift für die Wirtschaft. Und deshalb ist die Unsicherheit an den Märkten auch wieder größer. Es bleibt aber die Hoffnung, dass es bei Drohungen bleibt. Trotzdem dürften die Aktienkurse wieder etwas stärker schwanken. Wenn Du sehr langfristig anlegst, könntest Du an schwachen Tagen über Zukäufe nachdenken. Ich bleibe auf jeden Fall optimistisch, dass die Börsen sich bis Ende des Jahres weiter erholen.

Die EZB als (umstrittener) Retter in der Krise

Die Europäische Zentralbank spielt in der Corona-Krise genau wie andere große Zentralbanken eine entscheidende Rolle. Die Zinsen bleiben bei null, um mit billigen Geld die Wirtschaft zu stützen. Außerdem gibt es ein neues Anleihekauf-Programm, das „Pandemic Emergency Purchase Programme“ (PEPP) in Höhe von 750 Milliarden Euro. Ähnlich agieren die amerikanische Fed und andere Notenbanken. Die Notprogramme haben die Märkte auch in den vergangenen Wochen beruhigt. So weit, so gut. Doch diese Woche gab es ein Urteil aus Karlsruhe, das es in sich hatte. Verhandelt wurde vor dem Bundesverfassungsgericht zwar nicht über das PEPP, sondern über das „Public Sector Purchase Programme“ (PSPP), das bereits seit 2015 läuft. Trotzdem hat es das Urteil in sich. Zwar seien die Anleihekäufe kein Verstoß gegen das Verbot der monetären Staatsfinanzierung, so die Richter. Im Grundsatz hat das Gericht der EZB damit den Erwerb von Staatsanleihen gestattet. Bemängelt wurde aber, dass die EZB die „Verhältnismäßigkeit“ nicht geprüft hat. Das muss sie nun binnen drei Monaten nachholen. Klingt arg technisch, aber: Verhältnismäßigkeit ein zentraler Begriff des deutschen Rechts. Alles staatliche Handeln muss diesem Gebot folgen. Darf sich Deutschland vielleicht bald nicht mehr an den Anleihekäufen beteiligen? Kippt das neue Anleihekauf-Programm vielleicht gleich mit? Endet sogar die gemeinsame Geldpolitik? Auftrag der EZB ist schließlich die Steuerung der Geldmenge im Euro-Raum. Sie soll die Preisstabilität sichern, aber auch die Wirtschaftspolitik der Euro-Länder unterstützen. Ihr wichtigstes Instrument sind dabei die Leitzinsen, und seit der Finanzkrise die Anleihekäufe. Und nun? Die Märkte werden das Geschehen misstrauisch beäugen

Krisengewinner Amazon schockiert mit Gewinnwarnung

Das hat wirklich überrascht: Amazon hat eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Dabei gilt der Online-Händler doch als absoluter Gewinner der Krise. Die Umsätze steigen schließlich wie verrückt. Kein Wunder. Die Corona-Krise beschert Amazon einen regen Kundenzustrom. Das führt aber auch zu höheren Ausgaben. Mindestens vier Milliarden Dollar muss der Konzern nach eigenen Angaben in die Logistik und in die Sicherheit der Mitarbeiter investieren. Und deshalb könnte der Online-Händler im laufenden Quartal in die roten Zahlen rutschen. An der Börse sorgte das für einen kleinen Absturz, mittlerweile hat sich die Aktie aber erholt und nimmt wieder Kurs auf ihr Allzeithoch.

Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin, Moderatorin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.