finanz-heldinnen Börsennews

Jede Woche passieren auf eine Reihe an Geschehnissen, die den Verlauf von Wertpapieren beeinflussen. Um Dir einen Einstieg zu diesen Themen und einen besseren Überblick zu geben, berichten wir wöchentlich, jeweils freitags, darüber. Kurz, knackig und verständlich, sodass Du ein paar Impulse erhältst.

Hast Du Themen, die Dich besonders interessieren? Dir läuft eine Nachricht über den Weg und Du hättest gerne eine Einordnung dazu? Dann schreib uns eine Mail an finanz-heldinnen@comdirect.de und wir versuchen es in die nächste Börsennews mit aufzunehmen.

KW 22 Gute Nachrichten und jede Menge Optimismus

Das milliardenschwere Wiederaufbauprogramm der EU-Kommission kommt an der Börse gut an, vor allem Autoaktien geben Gas. Die Lufthansa muss doch noch auf ihre Rettung warten, doch die Aktie hebt trotzdem ab.

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Gute Stimmung an der Börse

Das Milliardenpaket der Europäischen Union (EU) sorgt bei Anleger*innen für Optimismus. Die EU-Kommission will für die wirtschaftliche Erholung Europas 750 Milliarden Euro mobilisieren. Davon sollen 500 Milliarden Euro als nicht rückzahlbare Zuwendungen und 250 Milliarden Euro als Kredite fließen. Das Wiederaufbauprogramm mit dem Titel „Reparieren und Vorbereiten für die nächste Generation“ lässt die Börsenkurse kräftig steigen. Die Wirtschaft hat dieses Geld auch bitter nötig. Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet infolge der Corona-Pandemie mit einem drastischen Konjunktureinbruch. Wie drastisch, das sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde jetzt während einer Online-Diskussion mit Jugendlichen: Die Wirtschaft der Eurozone dürfte in diesem Jahr um acht bis zwölf Prozent schrumpfen. Frühere Prognosen waren von einem weniger heftigen Einbruch ausgegangen, doch daraus wird nichts. Trotz schwacher Wirtschaftsdaten und düsterer Prognosen steigen aber die Börsenkurse. Anleger*innen setzen auf die Zukunft und die wirtschaftliche Erholung. Die aktuelle Krise nebst Rezession haben sie bereits abgearbeitet. Das mag sich komisch anfühlen, aber an der Börse wird die Zukunft gehandelt. Angst macht ihnen zum Wochenausklang allerdings der wieder aufflammende Handelsstreit zwischen den USA und China, die Wochenbilanz kann das aber wohl nicht ruinieren.

Autoaktien sind gefragt

An der Börse wird die Zukunft gehandelt – so lässt sich auch die Kursrally bei den Autoaktien erklären. Wochenlang standen die Bänder still und waren die Autohäuser geschlossen. Nur langsam rollt das Geschäft langsam wieder an, das Jahr 2020 wird wohl düster für die Branche. Trotzdem gehörten deutsche Autobauer*innen und ihre Zulieferer*innen in dieser Woche zu den größten Gewinner*innen. Auch sie würden natürlich vom EU-Paket profitieren. Außerdem wird erwartet, dass es eine Autokaufprämie gibt, um Verbraucher*innen zu „locken“. Diese Prämie ist zwar umstritten, trotzdem wird sie wohl kommen, glauben Expert*innen. Das würde natürlich die Geschäfte kräftig ankurbeln.

Die Inflation schrumpft

Die Inflation in Deutschland schrumpft in der Corona-Krise immer weiter. Die Jahresteuerungsrate lag im Mai bei nur noch 0,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt verkündete. Im April waren die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat noch um 0,9 Prozent und im März um 1,4 Prozent gestiegen. Ein wichtiger Grund für den Rückgang ist der Verfall des Ölpreises. Und natürlich macht sich auch der wirtschaftliche Einbruch bemerkbar. Die Europäische Zentralbank (EZB) peilt übrigens für den gesamten Euro-Raum eine Inflation von unter, aber nahe zwei Prozent an, die sie als ideal für die Konjunktur ansieht. Dieses Ziel verfehlt sie aber schon seit Jahren.

Warum Dich die Inflation auch als Anleger*in interessieren sollte? Ganz einfach: Die Teuerungsrate zeigt an, dass unser Geld an Kaufkraft verliert und zwar Monat für Monat, Jahr für Jahr. Das mag kurzfristig kaum spürbar sein, aber langfristig sehr wohl. Ein Beispiel: Als ich ein Kind war, kostete eine Kugel Eis noch 30 Pfennig (also etwa 15 Cent). Noch Fragen? Alles wird also teurer. Vor allem für unsere Altersvorsorge ist das ein wichtiger Aspekt. Eine Million mag heute viel Geld sein, ist aber in 20 oder 30 Jahren sicher weniger „wert“. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Rendite, die Du mit Deiner Geldanlage erzielst, immer oberhalb der Inflationsrate liegt – denn sonst ist der Realzins, also Rendite minus Inflationsrate, negativ und Du verlierst Geld. Mit Spareinlagen kannst Du das natürlich nicht schaffen, es gibt so gut wie keine Zinsen mehr. Aber mit Aktien kannst Du langfristig (!) Renditen von sechs bis acht Prozent einfahren. Deshalb solltest Du einen Teil Deines Ersparten an der Börse investieren – breit gestreut über ETFs und Fonds, mit langem Anlagehorizont. So schlägst Du der Inflation ein Schnippchen.

Lufthansa-Rettung verzögert sich

Eigentlich war die Lufthansa letzte Woche schon gerettet. Das Hilfspaket der Bundesregierung mit einer Kombination aus Krediten, stillen Einlagen und einer direkten staatlichen Beteiligung steht. Nun verzögert sich das Ganze doch wieder. Grund sind Auflagen der Europäischen Union, die der Aufsichtsrat der Lufthansa nicht akzeptieren will. Die Verhandlungen laufen also weiter.

KW 21 Dax-Aktien im Fokus

Die Lufthansa ist wohl endlich gerettet, die höchsten Volkswagen-Manager*innen haben einen viel diskutierten Deal mit der Justiz geschlossen und die Deutsche Bank hat einen ziemlich prominenten neuen Aufsichtsrat – die Schlagzeilen habe diese Woche die großen Dax-Unternehmen bestimmt.

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Von der Politik in die Wirtschaft

Ein ehemaliger Wirtschaftsminister und noch dazu SPD-Politiker im Aufsichtsrat der Deutschen Bank? Diese Personalie musste für einige Schlagzeilen sorgen. Als die Berufung des ehemaligen SPD-Chefs Sigmar Gabriel im Januar bekannt wurde, hatte es viel Kritik gegeben – wie so oft, wenn frühere Spitzenpolitiker*innen in die Wirtschaft wechseln. Die Bank steckt in einem tiefgreifenden Konzernumbau, Stellenstreichungen inklusive. Und das mit einem Sozialdemokraten an exponierter Stelle? Warum nicht? Diese Woche haben die Aktionär*innen Gabriel nun in den Aufsichtsrat von Deutschlands größter Bank gewählt. Aber was macht ein Aufsichtsrat überhaupt? Seine Hauptaufgabe ist es, den Vorstand zu überwachen. Dazu kann er beispielsweise Geschäftsführungsmaßnahmen von seiner Zustimmung abhängig machen. Außerdem gehört die Prüfung von Konzern- und Jahresabschluss zu seinen Pflichten. Es wird sicher spannend, wie Gabriel sich in seinem neuen Job schlägt.

Ein umstrittener Deal mit der Justiz

Sie hätten sich freigekauft, war wenig wohlwollend zu lesen. Die Aufarbeitung des Skandals würde juristisch nicht sauber behandelt, hieß es. Sie, das sind Herbert Diess und Hans Dieter Pötsch, der Vorstandsvorsitzende und der Aufsichtsratschef von Volkswagen. Und gemeint ist der Diesel-Skandal, der wohl größte industrielle Betrug in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nun gab es also einen Deal für die VW-Spitze: Neun Millionen zahlt der Konzern und hat damit ein Problem weniger. Denn so wurde das Verfahren gegen die beiden mächtigsten Männer im Unternehmen eingestellt. Niemand hätte sagen können, wie ein Prozess ausgegangen wäre. Die beiden Spitzenmanager sind damit nicht vorbestraft. Man kann von solchen Deals halten, was man will. Aber sie sind juristisch möglich. Ganz ad acta legen kann VW den Skandal übrigens noch nicht. Es läuft noch das Kapitalmarktverfahren vor dem Landgericht in Braunschweig. Dort versuchen VW-Aktionär*innen, Schadensersatz in Milliardenhöhe einzuklagen.

Eine Rettung mit Beigeschmack

Die gute Nachricht der Woche: Die Lufthansa ist wahrscheinlich gerettet. Der deutsche Staat soll sich mit neun Milliarden Euro an der Fluggesellschaft beteiligen, die durch die Folgen der Corona-Krise in Schieflage geraten ist. Zunächst soll mit einem Kredit der staatseigenen KfW-Bank über drei Milliarden Euro die Liquidität der Lufthansa gesichert werden. Hinzu kommt eine stille Einlage und eine direkte Beteiligung von 20 Prozent sowie eine Wandelanleihe im Wert von fünf Prozent plus einer Aktie. Über diese Konstruktion soll der Staat in die Lage versetzt werden, eine Sperrminorität aufzubauen, falls der Lufthansa eine feindliche Übernahme droht. Vor allem über die Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) wurde heftig gestritten. Die SPD hatte ursprünglich auf diese Variante gepocht, womit der Bund etwa strategische Entscheidungen hätte blockieren können. Eine Horrorvorstellung für den Lufthansa-Vorstand und für die Aktionär*innen. Zum Glück hat sich die CDU durchgesetzt, die „maximale Staatsferne“ gefordert hatte. Der Ausgang der Verhandlungen war lange ungewiss, sogar eine Insolvenz der Fluglinie war im Gespräch. Nun müssen noch Aufsichtsrat und Hauptversammlung das Paket abnicken. An der Börse wurde der Deal auf jeden Fall gefeiert, auch wenn der Staat als Aktionär bei Anleger*innen selten gut ankommt. Politiker*innen gelten nicht unbedingt als gute Manager*innen.

Apropos Dax…

Auch wenn viel los war bei den Dax-Konzernen: Der Index der 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen scheint sich gefangen zu haben. Die Schwankungen sind zwar noch immer etwas höher als üblich, aber bisher blieb ein befürchteter zweiter Absturz aus. Erholt hat sich der Dax vom Corona-Crash aber noch nicht. Er notiert noch immer knapp 20 Prozent unter seinem Allzeithoch von Mitte Februar. Im Crash war der Abstand aber sogar doppelt so groß. Seit Jahresbeginn hat der Dax mehr als 15 Prozent verloren, auf Sicht von zwölf Monaten sind es weniger als zehn Prozent.
Mein persönlicher Blick auf die Dinge: Aktien schwanken, Crash gehören zur Börse dazu, aber wenn Du Dir die langfristigeren Charts anschaust, dann ist das alles halb so wild.

KW 20 Unter Druck: Immobilien, der Euro und Wirecard

Die Corona-Krise belastet den Immobilienmarkt. Der Euro wird immer schwächer. Und dann ist da noch das Drama um Wirecard.

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Sinkende Preise am Immobilienmarkt

Corona trifft auch den Immobilienmarkt. Wohnimmobilien gelten in der Krise eigentlich als stabiles Investment, aber Expert*innen rechnen jetzt trotzdem mit sinkenden Preisen. Der Grund: Kurzarbeit, steigende Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Sorgen verunsichern private Kaufinteressenten. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln glaubt zwar, dass der Wohnimmobilienmarkt verhältnismäßig gut durch die Krise kommt, hält aber trotzdem Preisrückgänge von bis zu zwölf Prozent für möglich. Die Immobilienexpert*innen vom Forschungsinstitut Empirica rechnen sogar mit einem Minus von zehn bis 25 Prozent. Je stärker und länger die Rezession, desto heftiger wird es den Markt treffen.

Das ist natürlich unschön für diejenigen, die ein Haus oder eine Wohnung verkaufen möchten, aber ziemlich gut für alle, die Eigentum suchen. Zumal die Kosten für die Baufinanzierung angesichts der Null- und Niedrigzinsphase extrem günstig sind. Selbst wenn Du nur Mieten und nicht Kaufen willst, lockt das ein oder andere Schnäppchen. Das Geld sitzt in Krisenzeiten nicht mehr so locker. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Wenn die Krise überwunden ist und die Wirtschaft wieder auf Touren kommt, werden aber wohl auch die Preise und Mieten am Immobilienmarkt wieder anziehen. Falls Du also sowie etwas „Neues“ suchst, könnte jetzt ein guter Zeitpunkt sein.

Der Euro unter Druck

Die europäische Gemeinschaftswährung wird immer schwächer. Eigentlich kann uns das relativ egal sein, solange wir im Euro-Raum arbeiten und leben sowie kein Geld in eine andere Währung umtauschen wollen. Ob der Euro stark oder schwach ist, interessiert uns oft nur dann, wenn wir in den Urlaub außerhalb des Währungsraumes fahren. Wenn Du aber, wie wir finanz-heldinnen es immer wieder empfehlen, breit gestreut und sehr international anlegst, dann sollte Dich beispielsweise der Euro-Dollar-Kurs sehr wohl interessieren. Wenn Du nämlich mit einem ETF auf den MSCI World setzt, dann notiert dieser ETF in der Regel in US-Dollar. In diesem Fall hast Du übrigens jüngst von unserem butterweichen Euro profitiert. Manchmal läuft es aber auch gegen uns. Währungsrisiko nennen Expert*innen das. Aber in jedem Risiko steckt natürlich auch eine Chance. Du musst wie immer bei der Geldanlage wissen, was Du tust. Und warum ist der Dollar so stark? Er gilt als sichere Anlage und profitiert daher in Krisen oft. Im Gegenzug kommt der Euro unter Druck. Aber keine Angst, wir reden hier von wenigen Prozentpunkten. Andere Schwankungen gibt es bei exotischen Währungen etwa aus den Schwellenländern. Da solltest Du vorsichtig sein.

Die Kurskapriolen bei Wirecard

Was ist los bei Wirecard? Die Aktie des Zahlungsdienstleisters hat zwar zuletzt auch einige wenige gute Tage mit kräftigen Kursgewinnen erlebt, aber eigentlich stürzt sie fast täglich weiter ab. Im Grunde finden Wirecard-Aktionär*innen ihr Papier nur (manchmal) an der Spitze oder (meistens) auf dem letzten Platz der Dax-Aktien. Aber warum? Da ist dieses leidige Thema mit den alten Bilanzen. Gibt es Ungereimtheiten oder nicht? Ein reichlich verspäteter Bericht eines Wirtschaftsprüfers gab nicht wirklich Absolution, hat aber auch keinen Betrug attestiert. Die Fragezeichen bleiben. Und deshalb spekulieren einige sehr einflussreiche Investor*innen auf den Aktienkurs bei Wirecard und setzen die Aktie mächtig unter Druck. Wie sie das machen? Sie verkaufen die Aktie „leer“. Leerverkäufer*innen spekulieren auf fallende Kurse, indem sie Aktien eines Unternehmens beispielsweise bei Investmentfonds leihen und dann an der Börse verkaufen. Um diese Aktien nach Ablauf der Frist wieder zurückzugeben, müssen sie sie vorher wieder kaufen – natürlich möglichst zu einem niedrigeren Kurs. Die Differenz ist ihr Gewinn. Gut zehn Prozent der frei handelbaren Wirecard-Aktien – ein extrem hoher Wert – sind laut „Bundesanzeiger“ mittlerweile in den Händen der Leerverkäufer*innen. Sie prügeln die Kurse immer weiter runter. Wenn die Aktie aber wieder steigt, dann könnte auch das rasant gehen. Dann müssen die Leerverkäufer*innen ihre Positionen nämlich schließen, denn steigende Kurs sind Gift für ihre Wetten. Die extremen Ausschläge dürften also munter weiter gehen. Leerverkäufe sind übrigens völlig legal, obwohl sie häufig kritisiert werden.

KW 19 Durchwachsene Stimmung

US-Präsident Donald Trump droht China wieder mit Strafzöllen und verschreckt die Märkte. Die EZB stemmt sich mit gigantischen Summen gegen den Wirtschaftsabschwung. Und der vermeintliche Krisengewinner Amazon schockiert mit einer Gewinnwarnung.

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Droht ein neuer Handelsstreit?

Donald Trump kann es einfach nicht lassen: Der US-Präsident poltert mal wieder in Richtung China. Er klagt China an, den Ausbruch des Corona-Virus verheimlicht zu haben und die Verpflichtungen aus dem im Januar vereinbarten Handelsabkommen nicht einzuhalten. Keine vier Monate hat der Frieden im Zollstreit gedauert. Die neuen Drohungen kommen zur Unzeit und verschrecken die Märkte. Nicht wenige glauben, dass der Präsident damit von seinen innenpolitischen Problemen ablenken will. Schließlich sind im November Wahlen. Die Pandemie ist noch lange nicht unter Kontrolle, die US-Wirtschaft stürzt in die Rezession, die Arbeitslosigkeit schnellt in die Höhe. Apropos: Seit den 1960er-Jahren ist kein Präsident wiedergewählt worden, wenn zwölf Monate vor der Wahl die Arbeitslosigkeit zugenommen hat. Zusätzlich sind Trumps Umfragewerte schwach; die Zustimmung der Amerikaner für eine härtere Gangart gegenüber China hingegen ist mit 66 Prozent groß. Dieses außenpolitische Manöver könnte also vor allem Wahlkampf sein, in Zeiten der Corona-Krise sind Zollerhöhungen und Technik-Boykotte allerdings Gift für die Wirtschaft. Und deshalb ist die Unsicherheit an den Märkten auch wieder größer. Es bleibt aber die Hoffnung, dass es bei Drohungen bleibt. Trotzdem dürften die Aktienkurse wieder etwas stärker schwanken. Wenn Du sehr langfristig anlegst, könntest Du an schwachen Tagen über Zukäufe nachdenken. Ich bleibe auf jeden Fall optimistisch, dass die Börsen sich bis Ende des Jahres weiter erholen.

Die EZB als (umstrittener) Retter in der Krise

Die Europäische Zentralbank spielt in der Corona-Krise genau wie andere große Zentralbanken eine entscheidende Rolle. Die Zinsen bleiben bei null, um mit billigen Geld die Wirtschaft zu stützen. Außerdem gibt es ein neues Anleihekauf-Programm, das „Pandemic Emergency Purchase Programme“ (PEPP) in Höhe von 750 Milliarden Euro. Ähnlich agieren die amerikanische Fed und andere Notenbanken. Die Notprogramme haben die Märkte auch in den vergangenen Wochen beruhigt. So weit, so gut. Doch diese Woche gab es ein Urteil aus Karlsruhe, das es in sich hatte. Verhandelt wurde vor dem Bundesverfassungsgericht zwar nicht über das PEPP, sondern über das „Public Sector Purchase Programme“ (PSPP), das bereits seit 2015 läuft. Trotzdem hat es das Urteil in sich. Zwar seien die Anleihekäufe kein Verstoß gegen das Verbot der monetären Staatsfinanzierung, so die Richter. Im Grundsatz hat das Gericht der EZB damit den Erwerb von Staatsanleihen gestattet. Bemängelt wurde aber, dass die EZB die „Verhältnismäßigkeit“ nicht geprüft hat. Das muss sie nun binnen drei Monaten nachholen. Klingt arg technisch, aber: Verhältnismäßigkeit ein zentraler Begriff des deutschen Rechts. Alles staatliche Handeln muss diesem Gebot folgen. Darf sich Deutschland vielleicht bald nicht mehr an den Anleihekäufen beteiligen? Kippt das neue Anleihekauf-Programm vielleicht gleich mit? Endet sogar die gemeinsame Geldpolitik? Auftrag der EZB ist schließlich die Steuerung der Geldmenge im Euro-Raum. Sie soll die Preisstabilität sichern, aber auch die Wirtschaftspolitik der Euro-Länder unterstützen. Ihr wichtigstes Instrument sind dabei die Leitzinsen, und seit der Finanzkrise die Anleihekäufe. Und nun? Die Märkte werden das Geschehen misstrauisch beäugen

Krisengewinner Amazon schockiert mit Gewinnwarnung

Das hat wirklich überrascht: Amazon hat eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Dabei gilt der Online-Händler doch als absoluter Gewinner der Krise. Die Umsätze steigen schließlich wie verrückt. Kein Wunder. Die Corona-Krise beschert Amazon einen regen Kundenzustrom. Das führt aber auch zu höheren Ausgaben. Mindestens vier Milliarden Dollar muss der Konzern nach eigenen Angaben in die Logistik und in die Sicherheit der Mitarbeiter investieren. Und deshalb könnte der Online-Händler im laufenden Quartal in die roten Zahlen rutschen. An der Börse sorgte das für einen kleinen Absturz, mittlerweile hat sich die Aktie aber erholt und nimmt wieder Kurs auf ihr Allzeithoch.

KW 18 Gute Zahlen, schlechte Zahlen

Die Quartalszahlen-Saison läuft auf Hochtouren und zeigt, dass die Corona-Krise deutliche Spuren in den Bilanzen der Unternehmen hinterlassen hat. Aber es gibt auch Konzerne, die profitiert haben. Und dann ist das noch die alte Börsenweisheit „Sell in May…“.

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Zeit, dem Parkett den Rücken zu kehren?

Eine alte Börsenweisheit besagt „Sell in May and go away, but remember to come back in September“. Mit dem Blick auf den Kalender wäre es also der Zeitpunkt, das Depot leerzuräumen und erst im September wieder einzusteigen. Statistisch sind nämlich die Sommermonate die schwächeren und die Wintermonate die besseren. Langfristig stimmt die Regel und wer sich ganz streng daran hält, erzielt sogar einen kleine Überrendite. Aber: Sie stimmt nicht jedes Jahr. Und deshalb ist sie emotional sehr schwer umzusetzen. Du willst doch nicht am Rand stehen, wenn auf dem Parkett die Börsenparty wieder losgeht, oder? Gerade jetzt wäre es wahrscheinlich fatal, alle Aktien zu verkaufen. Der Corona-Crash war heftig, trotz der Erholung in den vergangenen Wochen sind wir weit von den Vorkrisenniveaus entfernt. Die Wirtschaft fährt erst ganz langsam wieder hoch, wir hören grauenvolle Zahlen und Prognosen. Die US-Wirtschaft beispielsweise ist im ersten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 4,8 Prozent geschrumpft, im zweiten Quartal dürfte der Einbruch noch deutlich größer sein. In Deutschland wird das Bruttoinlandsprodukt laut einer Prognose des Wirtschaftsministeriums in diesem Jahr um 6,3 Prozent einbrechen. Klingt düster. Aber: An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Und die sieht gar nicht so düster aus. Experten erwarten, dass sich die Wirtschaft im dritten und vierten Quartal deutlich erholt und 2021 dann noch weiter. Die grauenvollen (und bekannten Zahlen) sind an der Börse längst abgearbeitet – Experten würden „eingepreist“ sagen. Deshalb stürzten Dax und Co. nach den schwachen Konjunkturdaten auch nicht wieder ab. Jetzt schauen Investoren in die Zukunft, und das solltest auch Du tun und das Depot jetzt bloß nicht leerräumen, weil gerade wieder überall die alte Börsenweisheit zitiert wird. Die hat sowieso einen Haken: Bei jedem Verkauf und Kauf fallen Gebühren an, die die Rendite natürlich schmälern. Auch dazu gibt es übrigens eine Börsenweisheit: Hin und Her macht Taschen leer.

Schlechte Zahlen

Es war zu erwarten, aber jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Die Corona-Krise hat deutliche Spuren in den Bilanzen der Unternehmen hinterlassen. Besonders all jeden, die ihre Geschäfte gerade nicht öffnen können, die nicht produzieren können, deren Dienstleistungen nicht nachgefragt werden, trifft es sehr hart. Beim Sportartikelhersteller Adidas beispielsweise sind Umsatz und Gewinne eingebrochen. Klar, wenn 70 Prozent der Stores geschlossen sind. Bei den Autobauern standen wochenlang die Bänder still, die Autohäuser waren geschlossen. Zahlen von Daimler, Porsche und Co. fallen entsprechend aus. Und auch die Ölkonzerne ächzen. Die Nachfrage nach Öl ist stark eingebrochen, der Ölpreis gleich mit. Diese Quartalszahlen-Saison ist wirklich düster.

Gute Zahlen

Doch wo Schatten ist, ist bekanntlich auch Licht (oder anders herum). Es gibt auch Unternehmen, die in der Krise gut verdienen, richtig gut sogar. Wenig überraschend sind es all jene, die uns die Arbeit im Homeoffice leichter machen und das „Social Distancing“ in den eigenen vier Wänden versüßen: die Technologiekonzerne. Microsoft beispielsweise hat mit seinen Quartalszahlen alle Erwartungen übertroffen, sogar die eigenen. Auch die Google-Mutter Alphabet hat Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Beim Streaming-Dienst Netflix läuft es auch richtig gut, ebenso bei Amazon. Und auch die Zahlen der Deutschen Börse können sich sehen lassen. In Crash-Zeiten wird eben richtig viel gehandelt und an jeder Order verdient der Konzern.

KW 17 Der historische Ölpreis-Crash

Das gab es noch nie: Der Ölpreis stürzte Anfang der Woche unter die Nulllinie. Wie das geht, wie die Börsen reagiert haben und welche Länder das besonders trifft.

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Ein negativer Ölpreis

Die Folgen der Corona-Krise machen sich am Rohölmarkt immer drastischer bemerkbar. Die Ölpreise sind massiv abgestürzt. Anfang der Woche kam es sogar zu einem historischen Preisverfall: In New York betrug der Preis pro Barrel (159 Liter) zwischenzeitlich minus 40 Dollar. Das bedeutet, dass die Ölproduzent*innen sogar dafür bezahlen mussten, damit die Kund*innen ihnen das Öl abnahmen. Völlig verrückt. An der Rohstoffbörse werden übrigens keine Ölfässer gekauft und verkauft. Die Ölhändler*innen handeln dort mit Finanzpapieren, sogenannten Futures oder Terminkontrakten. Im Grunde sind das Verträge, mit denen sich die Verkäufer*innen verpflichten, eine festgelegte Menge einer Ware zu einem festen Preis und Termin zu liefern. Doch Verwendung für den Rohstoff haben viele Investor*innen gar nicht, sie spekulieren nur auf Preisschwankungen – und mussten zum Kontraktende dieses Mal teuer dafür bezahlen. Der Spuk dauerte auch nicht lange, mittlerweile notiert der WTI-Preis wieder im Plus. Öl kostet also wieder etwas, ist aber noch immer extrem günstig. Das gilt übrigens auch für europäische Sorte Brent. Solange die Corona-Krise die globale Wirtschaft lähmt, wird der Bedarf an Öl gering und der Preis niedrig bleiben – zumal die Produktion seit Wochen größer ist als die Nachfrage.

Wie der Öl-Crash die Aktienbörsen belastet

Für die weltweiten Aktienbörsen war der Absturz des Ölpreises ein Schock. Die Lage an den Märkten ist sowieso schon angespannt, neue Hiobsbotschaften werden prompt mit massiven Verkäufen quittiert. Die Aktien der großen Ölkonzerne wie BP oder Shell stehen schon länger auf der Verkaufsliste – schließlich sinken die Ölpreise seit Wochen. Aber auch andere Aktien schmissen Anleger*innen aus den Depots.  Niedrige Ölpreise bedeuten mehr Pleiten, geringeres Wachstum und mehr politische Instabilität in ölproduzierenden Ländern, weil weniger Petro-Dollar zirkulieren. Allein in den USA gibt es schon jetzt mehr als 50.000 Entlassungen in der Ölbranche. Steigende Arbeitslosigkeit heißt natürlich auch weniger Konsum – eine gigantische Spirale. All das ist nicht gut für die Börse.

Wer unter dem Preiskollaps leidet

Der Preisverfall trifft natürlich vor allem die Ölbranche und die ölproduzierenden, also ölexportierenden Länder. Besonders hart trifft es viele aufstrebende Schwellenländer, die sogenannten Emerging Markets. Nigeria erwirtschaftet mehr als 80 Prozent seiner Exporteinnahmen mit Öl. Auch der Iran hängt stark am Öl, ist zudem von den US-Sanktionen und der Corona-Pandemie stark betroffen. Venezuela, Libyen und Russland treffen die Verwerfungen ebenfalls hart. Auch die USA zählen zu den Ölproduzenten. Ölimportierende Länder profitieren hingegen vom günstigen Ölpreis.

KW 16 Schwache Kurse, schlechte Zahlen und erfreuliche Rekorde

Die Krise an der Börse ist noch nicht vorbei, Konjunkturdaten und US-Quartalszahlen zeigen, wie stark die Wirtschaft getroffen ist. Doch wie immer gibt es auch in dieser Krise Gewinner*innen – Rekorde an den Börsen inklusive.

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Das Ende der Erholungsrally?

Den Börsen ist nach Ostern ein wenig die Luft ausgegangen, die Erholungsrally der Vorwochen scheint erst einmal vorbei. Immerhin hält sich der Dax wacker über der Marke von 10.000 Punkten. Der wenn auch moderate Kursrückgang in dieser Woche zeigt aber: Die Corona-Krise an der Börse ist noch nicht vorbei. Wir müssen noch ein paar Wochen oder Monate mit der Unsicherheit leben, stärkere Kursschwankungen inklusive. Ob es noch mal zu einem kräftigen Absturz wie im Februar kommt, scheint aber zum Glück eher unwahrscheinlich. Nach einer Umfrage der Börse Frankfurt dürfte es bei einem Dax unter 10.000 Punkten wieder zu Käufen kommen und das würde die Kurse stützen. Die selbe Umfrage zeigt übrigens, dass die Stimmung der Anleger so schlecht ist wie nie seit 2002. So lang gibt es die Umfrage. Wenn die Stimmung aber extrem mies ist, dann ist ein gutes Zeichen. Klingt unlogisch? Aber so funktioniert Börsenpsychologie. Extrem negative Stimmung gilt als Kontraindikator. Meistens steigen die Kurse dann bald wieder. Lass Dich also nicht vom Pessimismus am Markt anstecken. Weiterhin gilt: Jetzt bloß nicht die Sparpläne kündigen und das Depot leerräumen. Denke langfristig. Auch diese Krise wird enden und dann steigen auch die Kurse wieder. Es kann dauern, aber alles wird gut.

Wie stark die Wirtschaft (schon) getroffen wurde

Immer mehr Konjunkturdaten zeigen, wie schwerwiegend die Folgen der Corona-Pandemie für die Weltwirtschaft sind. Chinas Wirtschaftswachstum ist im ersten Quartal um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geschrumpft. Es ist das erste Mal seit Beginn der offiziellen Verkündung der Quartalszahlen im Jahr 1992, dass die Wirtschaft der Volksrepublik ein Minuswachstum verzeichnet. In den USA schockieren die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. In den vergangenen vier Wochen haben etwa 22 Millionen Menschen finanzielle Unterstützung beantragt. Und der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet in seinem neuen Konjunkturausblick mit einer Weltrezession und einem Einbruch der Weltwirtschaft um drei Prozent. In seiner Prognose vor dem Ausbruch der Corona-Krise war der IWF noch von einem Plus von 3,4 Prozent ausgegangen. Noch nie hat der IWF seine Prognose so drastisch nach unten korrigiert. Und dann sind da noch die Quartalszahlen der US-Unternehmen, die gerade vorgelegt werden. Auch die sind überwiegend schwach, sehr schwach sogar. Keine guten Nachrichten, auch nicht für die Börse.

Die Gewinner*innen in der Krise

Zum Glück gibt es aber auch in dieser Krise Gewinner*innen: Und die heißen in Zeiten von „Social Distancing“ und „Stay at Home“ wenig überraschend Amazon und Netflix. Die Aktien des Onlinehändlers und des Streaming-Dienstes haben diese Woche Allzeithochs markiert, sehr zur Freude ihrer Aktionär*innen. Es gibt noch andere Branchen und Unternehmen, die sich in der Krise ziemlich gut halten, dazu zählen Software-Konzerne wie Microsoft oder Videochat-Anbieter wie Zoom. Überhaupt bekommt die Digitalisierung einen ziemlichen Schub. Und natürlich werden auch viele Gesundheits-, Pharma- und Biotech-Konzerne zu den Gewinner*innen dieser Krise gehören. Ich finde allerdings die Einzeltitel-Auswahl immer schwierig und wer nur auf wenige Aktien setzt, streut das Risiko nicht genügend. Gut, dass es jede Menge Branchen-ETFs gibt oder Du setzt gleich auf die US-Technologiebörse Nasdaq oder den TecDax – damit streust Du Dein Risiko über viele Firmen.

KW 15 Unsicherheit, Hiobsbotschaften und Streitereien

Erholung hin oder her, das Corona-Virus sorgt noch immer für viel Unsicherheit unter Anleger*innen. Die Prognosen von Wirtschaftsexperten trüben sich immer weiter ein. Derweil streitet die EU über Corona-Bonds.

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Die Nervosität an der Börse bleibt hoch

Verrückt, oder? Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste, aber die Kurse an den Börsen steigen seit einigen Tagen wieder. Das ändert aber nichts daran, dass das Corona-Virus die Finanzmärkte weiter im Griff hat. Die Lage bleibt unsicher, neue Rückschläge sind jederzeit möglich. Noch immer sind die langfristigen Auswirkungen der Krise nicht klar, aber sicher ist schon jetzt, die konjunkturellen Schleifspuren der Corona-Pandemie werden heftig sein. Im zweiten Quartal erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose einen Einbruch des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 9,8 Prozent. Das ist doppelt so heftig wie der Einbruch während der Finanzkrise Anfang 2009. Für das Gesamtjahr wird der Rückgang wohl bei 4,2 Prozent liegen. Klar, dass die Konzerne deutlich weniger verdienen werden. Die DZ-Bank prognostiziert, dass die Gewinne der Dax-Unternehmen um 50 Prozent und mehr einbrechen werden, stärker als in früheren Rezessionen, als die Gewinne im Durchschnitt um 35 Prozent fielen. Trotzdem steigen die Kurse und wer bereits mutig nachgekauft hat, kann sich freuen. Ob dieser Kursanstieg – befeuert von den Rettungsprogrammen von Notenbanken und Regierungen – aber nachhaltig ist oder doch nur eine Zwischenerholung, wird sich zeigen.

Zankapfel Corona-Bonds

Die Idee ist nicht neu, die heftigen Diskussionen über das Für und Wider auch nicht. Die Euro-Bonds sind zurück, heißen jetzt aber Corona-Bonds. In der Euro-Schuldenkrise gab es großen Widerstand gegen eine solche gemeinsame Schuldenaufnahme in der Europäischen Union (EU). Nichts anderes wären diese Anleihen nämlich. In der Corona-Krise wird nun wieder diskutiert und ziemlich heftig gestritten. Vor allem Italien fordert zusammen mit Spanien, Frankreich und weiteren Ländern solche gemeinsamen Anleihen. Deutschland, die Niederlande, Österreich sowie einige skandinavischen und baltischen Staaten sind gegen die europäischen Gemeinschafts-Bonds, weil sie die Haftung für Schulden finanziell angeschlagener Länder fürchten. Für Deutschland und andere Länder mit guter Bonität könnten diese Anleihen eine teure Angelegenheit werden. Aktuell zahlen Anleger drauf, wenn sie der Bundesrepublik Geld leihen. Die Rendite der Bundesanleihen ist negativ. Corona-Bonds hätten ganz sicher eine deutlich höhere und vor allem positive Rendite, weil Länder wie Italien oder Spanien eben nicht so super sichere Schuldner sind wie die Bundesrepublik. Es bleibt spannend, wie dieser Streit ausgeht. Die Verhandlungen laufen weiter.

Wie Du als Investorin gut durch Krisen kommst

So ein Crash ist grausam, keine Frage. Der Blick ins Depot tut fast schon körperlich weh. Aber es gibt ein paar Regeln und Rezepte, um gut durch so eine Krise zu kommen. Nummer eins: Langfristig denken und die Optimismus nicht verlieren. Ich mag mich wiederholen, aber auf jeden Crash folgt irgendwann die Erholung. Alles wird wieder gut, auch wenn es dauert. Bei unserem ersten Börsen-Absturz können wir uns das noch nicht wirklich vorstellen, aber ich erlebe gerade meinen dritten Crash – Erfahrung macht ruhiger und gelassener. Nummer zwei: Nutze Korrekturen und Crashs für schrittweise Zukäufe.  Über Deine Sparpläne passiert das automatisch, lass sie unbedingt laufen. Wenn Du ganz mutig bist, kannst Du auch größere Summe investieren. Womit wir bei Nummer drei sind: Als Aktionärin solltest Du immer ein bisschen Geld auf dem Anlagekonto haben – Börsianer nennen das Liquidität – um nachzukaufen. So machen es auch Investment-Superstars wie Warren Buffett. Ich weiß, so ein Crash ist ganz schön nervenaufreibend, manchmal hilft es auch, einfach nicht so oft ins Depot zu schauen. Das macht uns nur verrückt.

KW 14 Quartalsbilanz des Grauens

„Nichts wie raus“ lautete das Motto an den Finanzmärkten in den vergangenen Wochen. Die bisherige Schadensbilanz des Corona-Virus fällt heftig aus.

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Horrorquartal für Aktionär*innen

Das Corona-Virus hat die Finanzmärkte fest im Griff und Aktionär*innen erlebten ein Horrorquartal. Stolze zwölf Billionen Dollar wurden nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg seit Januar an den Aktienmärkten vernichtet. Da vergisst man fast: Mitte Februar markierten viele Aktienindizes in Europa und den USA noch Rekordstände. Doch dann kam der Corona-Crash. Die Quartalsbilanz fällt entsprechend düster aus: Der Dax verlor heftige 25 Prozent. An der New Yorker Wall Street rauschte der S&P 500 um 20 Prozent in den Keller. Dass es den Dax stärker getroffen hat, ist übrigens nicht überraschend. Das passierte bisher in jedem Crash und jeder Korrektur. Denn die Dax-Unternehmen sind stark exportlastig, ein globale Krise trifft sie besonders hart. Übrigens haben chinesische Aktien eine vergleichsweise passable Quartalsbilanz abgeliefert: Der CSI 300 verlor „nur“ knapp zehn Prozent an Wert. Das liegt daran, dass China uns in der Corona-Krise zeitlich voraus ist. Der Höhepunkt der Viruswelle ist überstanden, die Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf und es gibt sogar wieder positivere Konjunkturprognosen. Das hilft den Börsenkursen. Hoffen wir, dass auch in Europa bald die positiven Nachrichten überwiegen, die Corona-Krise überstanden wird und die Börse sich erholt. Bis dahin müssen wir weiter die Nerven bewahren und durchhalten.

Flucht in sichere Häfen

Klar, dass in der Corona-Krise die klassischen sicheren Häfen gefragt sind. Dazu zählen neben Gold auch Staatsanleihen aus den USA und natürlich Bundesanleihen. Sie verbuchten deshalb auch leichte Kursgewinne im ersten Quartal, immerhin. Die Renditen sind entsprechend geschrumpft – denn steigen die Kurse von Anleihen fällt rein rechnerisch die Rendite. Für zehnjährige US-Staatsanleihen gibt es nur noch knapp 0,6 Prozent. Das ist mickrig, aber verglichen mit Bundesanleihen fast schon üppig. Deren Rendite liegt nämlich mittlerweile bei minus 0,5 Prozent. Wenn Du also heute eine zehnjährige Bundesanleihe kaufst und bis zum Laufzeitende hältst, verlierst Du Geld. Daran ändern auch zwischenzeitliche Kursgewinne nichts. Höhere Renditen, bei deutlichen höherem Risiko bieten Anleihen von Staaten und natürlich Unternehmen mit weniger guter Bonität. Die haben zuletzt teils kräftig an Wert verloren. Kein Wunder: In der Krise ist absolute Sicherheit gefragt, alles andere schmeißen die Profis aus dem Depot. Krisenwährung Nummer eins in der Anlegergunst ist und bleibt natürlich Gold. Zwar geriet auch der Preis für das gelbe Edelmetall zwischenzeitlich unter Druck, trotzdem blieb ein Plus von fast sechs Prozent für Euro-Anleger*innen. Das macht unsere Aktienverluste zwar nicht wett, aber immerhin.

Die große Überraschung in der Corona-Krise

Eigentlich heißt es, dass Technologie- und Wachstumswerte riskant sind. Nach den starken Gewinnen in den vergangenen Jahren galten sie auch als ziemlich teuer. Kritiker waren überzeugt, geht es an der Börse mal wieder kräftig abwärts, dann verlieren die Aktien der Tech-Konzerne besonders stark. Von wegen! Der Weltaktienindex MSCI World Index hat seit Jahresbeginn rund 20 Prozent verloren, doch ausgerecht die US-Technologiebörse ist ziemlich glimpflich davongekommen. Die Nasdaq 100 verlor nur etwa halb so viel an Wert. Unternehmen wie Microsoft, Amazon oder Adobe sind eben längst keine Start-Ups mehr, sondern etablierte Konzerne mit soliden Bilanzen und funktionierenden Geschäftsmodellen.

KW 13 Aktien oder Anleihen – das Corona-Virus dominiert alles

Die Börsen täuschen eine Trendwende vor, bei Unternehmensanleihen wächst die Angst vor Pleiten und EZB-Präsidentin Christine Lagarde profiliert sich – das Corona-Virus ist noch immer unser Topthema.

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Nachhaltige Erholung oder Bärenmarkt-Rally?

Der Dax hat zwischenzeitlich die Marke von 10.000 Punkten zurückerobert und eine ziemlich starke Woche auf’s Parkett gelegt. Auch an der New Yorker Wall Street haben sich die Aktienkurse kräftig erholt. Ist der Crash vorbei? Geht es jetzt wieder aufwärts? Wenn ich das so einfach beantworten könnte… Leider spricht vieles dafür, dass wir in den vergangenen Tagen eine Bärenmarkt-Rally erlebt haben. Der Bär ist das Symbol für fallende Kurse. Von einer Rally spricht man, wenn die Aktienkurse stark steigen. Eine Bärenmarkt-Rally ist also so eine Art Mogelpackung, in einem Crash aber ein ganz normales Phänomen. Nach einem starken Ausverkauf kommt es zu einer schnellen und heftigen Gegenreaktion. Doch die ist oft nicht nachhaltig. Lass Dich von der vermeintlich guten Stimmung nicht zu früh anstecken. Es könnte schnell wieder runtergehen. Denn das Corona-Virus lähmt noch immer die Weltwirtschaft. Notenbanken und Regierungen stemmen sich zwar mit gigantischen Notfallprogrammen dagegen. Aber ob das reicht? Wir wissen nicht, wie lange diese Krise noch dauert und wie heftig die Schäden für die Wirtschaft ausfallen werden. Und Börsianer*innen mögen keine Unsicherheit. Wenn Du Dich trotzdem von der guten Stimmung der vergangenen Tage hast anstecken lassen, dann steig Schritt für Schritt ein. So mache ich es auch. Einiges habe ich bereits investiert, aber noch nicht alles. Die Schwankungen – im börsendeutsch Volatilität – werden hoch bleiben, neue Rücksetzer sind nicht ausgeschlossen. Du brauchst sicher einen langen Atem und gute Nerven.

Die Angst vor einer Pleitewelle

Auch an den Rentenmärkten können wir die Folgen der Corona-Krise ablesen. Die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen haben sich stark ausgeweitet, heißt: Die Kurse sind gefallen, die Renditen entsprechend gestiegen. Das macht Anleihen zwar auf dem Papier wieder interessanter, zeigt aber auch, dass die Angst vor einer Pleitewelle groß ist. Sogar solide Unternehmen stehen unter kritischer Beobachtung. Für US-Dollar-Anleihen mit einer guten bis sehr guten Bonität ist mittlerweile eine Ausfallrate von fast 18 Prozent eingepreist, wie Börsianer das so schön nennen. Wenn es also hart auf hart kommt, könnte fast jedes fünfte dieser Unternehmen pleite gehen und würde dann seine Schulden nicht mehr zurückzahlen. Bei Anleihen mit schlechtem Rating – mit dem Rating wird die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens bewertet – sind es sogar 42 Prozent. So hohe Ausfälle hat es übrigens noch nie gegeben, und angesichts der massiven Hilfsprogramme von Notenbanken und Staaten werden voraussichtlich auch nicht so viele Unternehmen pleite gehen. Aber die Daten zeigen, wie groß die Angst und Unsicherheit auch am Rentenmarkt ist.

Europäische Krisenmanagerin

Apropos Notenbanken: Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde wird für ihr Krisenmanagement gelobt. Die EZB hat ein gigantisches Anleihekauf-Programm verabschiedet, das ein Volumen von mindestens 750 Milliarden Euro haben soll. Solche Programme gab es auch in der Finanzkrise bereits und sie sind nicht unumstritten. Sie wurden im EZB-Rat oft hitzig diskutiert. Nicht immer waren sich die Eurostaaten einig. Das dürfte auch jetzt wieder so gewesen sein, glauben EZB-Kenner. Aber: Diese Meinungsverschiedenheiten wurden nicht in die Öffentlichkeit durchgestochen. Damit hat Lagarde eines ihrer Ziele erreicht: Sie hat den EZB-Rat geeint, er spricht mit einer Stimme. In Zeiten wie diesen ist das sehr beruhigend.

KW 12 Turbulente Zeiten

Das Corona-Virus wirbelt unser Leben durcheinander und lässt die Börsenkurse abstürzen. Crashs sind aber gar nicht so selten, auch wenn dieser besonders ist. Selbst sichere Häfen sind nicht mehr sicher.

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Allen Börsenkrisen zum Trotz…

Wir erleben gerade einen Crash der Superlative: So schnell stürzten die Kurse noch nie ab. So heftig waren die Ausschläge noch nie. Das tut weh! Das hinterlässt tiefe Krater in unseren Depots. Sicher hörst und liest Du derzeit oft, dass Crashs zur Börse dazu gehören. Dass es „normal“ ist, dass die Kurse alle paar Jahre stark abstürzen. Wenn es aber soweit ist, dann fühlt sich das furchtbar an. Da helfen auch alle Beruhigungsversuche à la „irgendwann erholen sich die Kurse auch wieder“ erstmal wenig. Aber so ist! So war es immer und so wird es wieder sein. Jetzt heißt es: Durchhalten. Starke Nerven und ein langer Atem werden an der Börse belohnt.

Zwei Beispiele: Als die Dotcom-Blase Anfang des Jahrtausends platzte, stürzte der Dax um sage und schreibe 75 Prozent ab. Diese schlimmen Verluste hatte er aber nach gut sieben Jahren wettgemacht. In der Finanzkrise ab 2008 schmierten die deutschen Standardwerte um gut 50 Prozent ab, die Erholung dauerte knapp sechs Jahre. Wenn Du in solchen Phasen Deinen Sparplan weiterlaufen lässt, wirst Du am Ende belohnt. Auch der Corona-Crash geht vorbei. Wann, weiß niemand. Und auch nicht, wie lange die Erholung dauern wird. Aber sie wird kommen, langfristig trotzt der Dax allen Börsenkrisen! Langfristig liefern Aktien sehr gute Renditen von sechs bis acht Prozent – allen Crash und Turbulenzen zum Trotz.

Sichere Häfen sind nicht mehr sicher

Eigentlich gelten Gold und Staatsanleihen als sichere Häfen. In diesen Anlageklassen parken Investoren in besonders turbulenten Zeiten ihr Geld, eben dann, wenn absolute Sicherheit gefragt ist. So war es anfangs auch, als das Corona-Virus die Finanzmärkte infizierte. Mittlerweile fällt aber auch der Goldpreis. Verkehrte Welt? Nein, denn Großanleger brauchen Liquidität, also Geld. Deshalb verkaufen sie auch diese Anlagen und „vergolden“ so ihre Gewinne aus den ersten Wochen des Jahres. Ähnliches ist bei sicheren Bundesanleihen zu beobachten.

Bargeldlos durch die Krise

An vielen Supermarkt-Kassen werden wir jetzt gebeten, lieber bargeldlos zu bezahlen. Expert*innen gehen zwar nicht davon aus, dass wir uns über Scheine und Münzen mit Corona infizieren können, und auch die Bargeldversorgung soll wohl sicher sein. Warum also dann diese Bitte? Wir verhindern direkten Körperkontakt, wenn wir nur unsere Plastikkarten an das Lesegerät halten. Und auch „mobile Payment“ via Apple Pay & Co kann die Ansteckungsgefahr mindern. Das schützt die Mitarbeiter*innen in den Supermärkten und uns selbst. Ich zahle übrigens seit Jahren überwiegend mit Karte. Denn Bargeld ist nie besonders sauber, geht es doch täglich durch viele, oft auch ungewaschene Hände. Seit einigen Monaten zücke ich übrigens am allerliebsten meine finanz-heldinnen Kreditkarte!

KW 11 Was für eine Börsenwoche!

So etwas haben selbst die erfahrensten Börsianer*innen selten erlebt: Die Kurse stürzen ins Bodenlose. Rabenschwarze Börsentage sind aber gar nicht so selten. Und etwas Positives hat der Absturz auch: Die Dividendenrenditen steigen.

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Panik an der Börse

Investor*innen wollen einfach nur raus aus Aktien. Der Crash ist da! Die Angst vor dem Corona-Virus und seinen Folgen für die Wirtschaft ist gigantisch. Notenbanken und Regierungen versuchen zwar gegenzusteuern, können aber die Märkte nicht beruhigen. Die amerikanische Fed hat die Zinsen schon längst gesenkt. Die Hoffnungen auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket der US-Regierung wurden aber enttäuscht. US-Präsident Donald Trump hat zwar einiges angekündigt und gefordert, ob er damit aber im Kongress durchkommt? Die Börse zweifelt. Auch dass die EZB die Zinskonditionen für Geschäftsbanken gelockert hat, ein zusätzliches Programm zur Förderung der Kreditvergabe an die Realwirtschaft aufgelegt hat und noch mehr Anleihen kauft, enttäuscht Börsianer*innen. Und Enttäuschung heißt in diesem Fall: Die Märkte bleiben im Panikmodus.

Und nun? Wann endet dieses Drama? Das weiß niemand. Genauso wenig wie niemand weiß, wie heftig der Schaden für die Weltwirtschaft und vor allem für unsere Gesellschaft ist, den das Virus anrichtet. Ich kann aber nur wiederholen: Bitte lass Dich von der Panik nicht anstecken. Lass Deine ETF- und Sparpläne einfach weiterlaufen, stocke sie vielleicht sogar auf oder schließe neue ab. Irgendwann ist der Crash vorbei, dann steigen die Kurse wieder. Die ganz Mutigen unter uns denken sogar schon über Käufe nach. Warum auch nicht? So günstig wie aktuell waren Aktien schon lange nicht mehr.

Ein Crash der Superlative

Wir erleben gerade einen Crash der Superlative. Der Dax hat in knapp drei Wochen mehr als 30 Prozent verloren. Es ist das düsterste Kapitel in seiner 33-jährigen Geschichte. Stell Dir mal vor: Innerhalb weniger Tage sind die 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland ein Drittel weniger wert. An den Börsen in Europa, den USA und Asien sieht es nicht anders aus. An der New Yorker Wall Street wurde aufgrund massiver Verluste gleich zweimal in einer Woche der Handel kurz ausgesetzt, um den Kursverfall zu bremsen. Vergeblich. Allein am Donnerstag hat der amerikanischen Standardwerte-Index Dow Jones zehn Prozent verloren, der Dax stürzte sogar um zwölf Prozent ab. Einen so schnellen und so steilen Absturz gab es noch nie. Damit ist das Corona-Virus wohl der viel zitierte schwarze Schwan, ein höchst unwahrscheinliches Ereignis, das die Märkte massiv durcheinander wirbelt.

Auch wenn dieser Crash besonders heftig ist, sind rabenschwarze Tage an der Börse gar nicht so selten. Drei Beispiele: Im Sog der Asienkrise sackte der Dax am 10. Oktober 1997 um bis zu 13 Prozent ab. Nach den Anschlägen in den USA am 11. September 2001 stürzte er 8,5 Prozent ab. Und auch in der Finanzkrise ging es an einigen Tag empfindlich abwärts, am 24. Oktober 2008 beispielsweise um elf Prozent. Wenn Du Dir aber den langfristigen Dax-Chart anschaust, ist das im Nachhinein alles halb so wild. Hoffentlich sagen wir das in ein paar Monaten oder Jahren auch über den März 2020.

Ölpreis-Schock mit Folgen

Noch eine Superlative haben wir diese Woche erlebt: Der Ölpreis schmierte am Montag um bis zu 30 Prozent ab. Nur einmal brach er so stark ein, das war 1991 als der Golfkrieg ausbrach. Auslöser für die aktuelle Panik waren Saudi-Arabien und Russland, die sich nicht auf einen Deal zur Ölproduktion einigen konnten und nun den Markt mit billigem Öl fluten. Das sorgt natürlich für Kollateralschäden bei Opec-Ländern und den USA. Klar, dass auch die Aktien von Ölkonzernen mächtig unter die Räder kamen. Niedrige Energiepreise sind eben nicht für alle gut.

Hohe Dividendenrenditen

In diesem ganzen Drama gibt es auch gute Nachrichten. Die Dividendenrenditen steigen, und zwar kräftig. Diese Kennzahl errechnet sich aus dem Kurs einer Aktie und der Ausschüttung des Unternehmens. Fallen die Aktienkurse, erhöht sich rein rechnerisch die Dividendenrendite. Die Ausschüttungen haben historisch einen großen Anteil an unseren Investmenterfolgen. Es kann also durchaus Sinn machen, jetzt auf die Jagd nach Dividendenstars zu gehen. Aber sei bitte vorsichtig: Wenn Unternehmen in Schieflage geraten oder zumindest ihre Gewinne massiv einbrechen, ist es nicht garantiert, dass die Ausschüttungen stabil bleiben. Fluggesellschaften oder Ölkonzerne haben nach dem Kurssturz sensationelle Dividendenrenditen von sechs, sieben oder acht Prozent. Ob sie aber die Dividenden auch zahlen können und werden, wird sich zeigen. Trotzdem ist der Blick auf die Dividendenrenditen derzeit ziemlich interessant. Denn auch Unternehmen, die verhältnismäßig stabil durch die Krise kommen sollten, sind mit abgestürzt. Du kannst die Auswahl natürlich auch Profis überlassen und setzt auf einen entsprechenden Fonds oder ETF.

KW 10 Q&A zum Börsencrash inkl. Video

An den Märkten herrschte zum Wochenbeginn die pure Panik. Durch den aggressiven Preisrückgang in den Rohölsorten hat es die internationalen Finanzmärkte heftig erwischt. Andreas Lipkow, Marktexperte comdirect bank AG, gibt in Text und Video einen kurzen Überblick zum Thema und klärt aktuelle Fragen auf.

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Du erlebst gerade historische Zeiten, wenn Du als Privatanleger*in an den internationalen Aktienmärkten agierst. Erinnerungen an die Jahre 2001 und 2007 / 2008 kommen auf, wenn man sich die Kursbewegungen im DAX ansieht. Die Coronaviruspanik, gepaart mit den Verwerfungen an den Rohölmärkten, führen zu heftigen Verwerfungen an den Aktienmärkten. Nun heißt es einen kühlen Kopf zu bewahren und die Anlagestrategie zu überprüfen.

Wie ist Deine Strategie?

Liegt der Anlagehorizont länger als drei Jahre, kannst Du die derzeitige Volatilität als gegeben hinnehmen. Verfolge weiter Deinen Anlageplan und verliere nicht die Nerven. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass in drei bis fünf Jahren die aktuelle Korrektur an den Finanzmärkten wieder ausgeglichen ist.

Trader sollten auf jeden Fall mit Stoplosslimiten an den Märkten agieren. Es kann selbst nach einer solch enormen Verkaufswelle noch einmal zu Turbulenzen kommen, die sich bisher nicht angekündigt haben. Oft werden ganze Depots aufgelöst und dabei wird keine große Selektion vorgenommen, sondern alles verkauft, was verkaufbar ist.

Was für Anlagen hast Du in Deinem Depot?

Je breiter Du aufgestellt bist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Verluste in Grenzen halten. Konjunktursensitive Branchen, wie der Automotive Sektor, Rohstoffe, Konsum, Tourismus, Maschinenbau oder Chemie werden besonders hart von der aktuellen Situation getroffen. Technologiebranchen haben die größte Wahrscheinlichkeit sich von den aktuellen Ereignissen abgrenzen zu können. Der Online-Handel, Softwarehersteller und Cyber-Security-Unternehmen haben gute Chancen sich schnell wieder erholen zu können. Grundsätzlich geht Marktbreite vor Einzelaktienrisiko.

Wie geht es weiter?

Wenn Deine finanzielle Schmerzgrenze erreicht ist, ziehe Konsequenzen. Hoffen hat bei der Geldanlage nichts verloren. Wenn Du für Deine Altersvorsorge anlegst und sie noch mindestens 5-10 Jahre Anlagehorizont haben, dann nimm die aktuelle Situation an den Finanzmärkten als gegeben hin. Panik zahlt sich derzeit genau so wenig aus, wie Kühnheit!

 

Mehr Informationen und Fragen von Anleger*innen hat Andreas Lipkow im Live-Video beantwortet. Schaue es Dir hier an:

 

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KW 9 Nichts für schwache Nerven

Die Ausschläge an der Börse sind noch immer heftig – allerdings kennen die Kurse nicht mehr nur eine Richtung. Was sie mal nach oben, mal nach unten ausschlagen lässt? Das Corona-Virus, eine Zinssenkung und der „Super Tuesday“.

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Die Börsen im Corona-Bann

Die Dax-Tafel an der Frankfurter Börse ist derzeit kein schöner Anblick. Die Kurse fahren Achterbahn. Zum Glück stürzen sie aber längst nicht mehr nur steil in die Tiefe wie noch Ende Februar. Es gibt auch gute Tage oder zumindest gute Stunden. Das Corona-Virus und seine zu erwartenden Auswirkungen auf das weltweite Wirtschaftswachstum haben Anleger*innen zutiefst verunsichert. Börsianer*innen verhalten sich geradezu wie manisch-depressiv. Ein Beispiel gefällig? An der Wall Street folgt auf den größten Verlust, den der Dow Jones jemals an einem Tag erlebte, doch glatt der größte Punktegewinn der Geschichte. Muss man das verstehen? Nein. Aber leider aushalten. Psychologie pur!

Wir wissen noch nicht, wie stark das Virus die Weltwirtschaft belasten wird. Aber es könnte übel werden. Reihenweise senken die Expert*innen den Daumen. IWF, OECD und der Bundesverband der deutschen Industrie korrigierten ihre Prognosen nach unten. Und auch die Chefvolkswirt*innen der Banken sind pessimistisch. Daran konnte auch die völlig überraschende Zinssenkung in den USA nichts ändern. Die US-Notenbank Fed hat in einer ungewöhnlichen Notfallsitzung die Leitzinsen gleich um 50 Basispunkte gesenkt. Das billige Geld soll die Wirtschaft stützen. Eine solche außerordentliche Lockerung gab es zuletzt 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Die Fed begründet die aktuelle Notfallmaßnahme mit den ökonomischen Gefahren durch das Corona-Virus. Erst kam die Zinssenkung an den Märkten gut an, Stunden später dann weniger gut. Zweifel wurden laut: Warum eine solch drastische Maßnahme? Steht es um die US-Wirtschaft doch schlechter als gedacht? Und um die Weltwirtschaft? Die Verunsicherung an den Märkten bleibt groß. Wir werden weiter starke Nerven haben müssen.

Der „Super Tuesday“ beflügelt die Wall Street

Der US-Wahlkampf nimmt langsam Fahrt auf. Zwar sind die Präsidentschaftswahlen erst im November, aber die Vorwahlen laufen. Schließlich ist noch nicht entschieden, wer auf Seiten der Demokraten gegen Donald Trump antreten wird. Muss uns das als Anleger*innen überhaupt interessieren? Unbedingt sogar. Immerhin reden wir von der größten Wirtschaftsmacht und dem größten Kapitalmarkt der Welt. Und es geht um eine wichtige politische Weichenstellung. Der „Super Tuesday“ also: Abgestimmt wurde immerhin in 14 Bundesstaaten (daher der Name). Natürlich hat auch die Wall Street mit Spannung auf die Ergebnisse gewartet. Und die kamen verdammt gut an, inklusive satter Kursgewinne zur Feier des Tages. Der zuvor abgeschlagene Ex-Vizepräsident Joe Biden hat nämlich in neun der 14 Bundesstaaten gewonnen. Damit wächst die Chance, dass der Wunschkandidat der Wall Street das Rennen macht. Denn Investor*innen haben von seinen moderaten Positionen weniger zu befürchten als von der Agenda des selbst ernannten Sozialisten Bernie Sanders. Er steht für Steuererhöhungen und schärfe Regulierung, beides mögen Börsianer*innen gar nicht. Nun liefern sich beide also ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Nominierung. Es bleibt spannend, auch an der Börse.

Stühlerücken in MDax und SDax

Bist Du ein Fan der Kochboxen von Hellofresh? Und wusstest Du, dass das Unternehmen an der Börse gelistet ist? Nun wird ihm eine besondere Ehre zuteil: Die Aktie steigt vom SDax in den MDax der 50 mittelgroßen an der Deutschen Börsen notierten Unternehmen auf. Ab 23. März ersetzt Hellofresh nämlich Dialog Semiconductor. Der Halbleiterhersteller mit Sitz im britischen Reading verliert außerdem seinen Platz im TecDax. Das ist übrigens eine Folge des Brexits: Voraussetzung für die Aufnahme in einen Auswahlindex der Deutschen Börse ist, dass ein Unternehmen seinen Hauptsitz in einem EU-Land hat. In den TecDax steigt dafür das Darmstädter Hightech-Unternehmen Isra Vision auf. Vier Aufsteiger gibt es auch im SDax der 70 kleineren Unternehmen. Im Dax bleibt alles wie es ist. Warum das spannend ist, auch wenn Du Hellofresh oder andere Auf- und Absteiger nicht im Depot hast? Ganz einfach: Wenn Du in ETFs auf den SDax, MDax oder TecDax investiert hat, ändert sich auch hier die Zusammensetzung – ganz automatisch natürlich. Außerdem orientieren sich viele Manager*innen aktiver Investmentfonds an der Zusammensetzung der Indizes. Steigt ein Unternehmen in eine höhere Börsenliga auf, heißt das gleichzeitig: mehr Aufmerksamkeit und gegebenenfalls mehr Investor*innen. Und deshalb ist das Stühlerücken in den Indizes immer einen Blick wert.

KW 8 Das Corona-Virus löst Panik an der Börse aus

Investor*innen flüchten aus Aktien in den sicheren Hafen Gold – aus Angst vor den wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus. In diesem Chaos ging fast unter, dass es Noten für Fondsmanager*innen gab.

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Corona lässt Börsen weltweit abstürzen

Das Corona-Virus breitet sich scheinbar ungebremst aus und lähmt schon jetzt die Weltwirtschaft. Erste Unternehmen kündigen Sparprogramme an, andere geben Umsatzwarnungen heraus, Produktionsausfälle drohen und die Politik bereitet Hilfsprogramme vor. Bei so vielen schlechten Nachrichten wundert es kaum, dass Angst und Panik mittlerweile auch die Finanzmärkte erfasst haben. Der Dax hat binnen weniger Handelstage fast 13 Prozent verloren, der amerikanische S&P 500 notiert zwölf Prozent unter seinem Rekordhoch. Das hat er übrigens erst am 19. Februar markiert, also vergangene Woche. So schnell kann die Stimmung drehen.

Und nun? Lass Dich von dieser Panik nicht anstecken. Jetzt Deine Fonds- und ETF-Sparpläne zu kündigen und das Depot leer zu räumen, ist definitiv die falsche Reaktion. Wenn Du einen langfristigen Anlagehorizont hast, dann wäre sogar das Gegenteil ein guter Rat: Denk doch über Zukäufe nach. Erste Expert*innen ziehen nämlich schon den Vergleich zu früheren Krisen nebst heftiger Kursrückgänge. Nach ein paar Monaten (zugegeben manchmal waren es auch Jahre) hatten sich die Börsen erholt. Im Nachhinein boten turbulente Phasen also gute Kaufgelegenheiten. Aktien guter Unternehmen gab es im Sonderangebot. Das war zu Zeiten der SARS-Krise so. Und auch wer in der Finanzkrise, also mitten im Crash beherzt zugriff, freut sich heute über dicke Gewinne. Apropos Crash: Was wir derzeit erleben, ist bisher „nur“ eine Korrektur. Manch Börsianer*innen sagt, nach dem Kursanstieg der vergangenen Monate sei diese überfällig gewesen. Von einem Crash spricht man erst ab Verlusten von etwa 25 Prozent. Davon sind wir weit entfernt. Noch. Hoffen wir, dass es so bleibt!

Flucht in den sicheren Hafen

Wenig überraschend steigt der Goldpreis weiter. Anleger*innen flüchten in Krisenzeiten in die sogenannten sicheren Häfen. Und zu denen zählt neben sehr sicheren Staatsanleihen wie Bundesbonds eben das gelbe Edelmetall. So lange an den Märkten Angst und Panik herrscht, wird der Goldpreis wohl weiter steigen. Mehr als eine Beimischung gehört aber nicht ins Depot. Expert*innen empfehlen je nach Risikoneigung drei bis fünf, maximal zehn Prozent. Ich mag Gold als Investment nicht, aber das ist Geschmackssache. Ich stocke in Krisenzeiten lieber meine langfristigen Aktienpositionen auf.

Durchwachsene Noten für Fondsmanager

Eine Nachricht wäre im Corona-Chaos fast untergegangen: Die Ratingagentur Scope hat sich mal wieder angeschaut, wie Fondsmanager*innen abgeschnitten haben. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur jede*r Dritte (34 Prozent) hat 2019 ihren*seinen Vergleichsindex geschlagen. Im Jahr zuvor war es sogar nur jede*r Vierte. Untersucht wurden rund 2000 Aktienfonds.

Was zeigt Dir das? Viele Investmentfonds sind ihre Gebühren nicht wert. In vielen, sogar den meisten Fällen wärst Du mit einem passiven Indexfonds (Exchange Traded Fund, ETF) besser gefahren. Wenn Du trotzdem lieber in einen aktiv gemanagten Investmentfonds setzen willst, dann solltest Du nur auf die Besten setzen. Wie Du die findest, erklären wir Dir gerne hier.

KW 7 Gute Zahlen, steigende Dividenden und neue Rekorde

An der Börse ist ganz schön was los. In Europa und den USA läuft die Berichtsaison auf Hochtouren und natürlich bewegt auch das Corona-Virus mit seinen möglichen Auswirkungen weiterhin die Gemüter der Anleger*innen.

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Stimmungsschwankungen und neue Rekorde

Na was denn nun? Entspannung oder doch wieder Verunsicherung? Wenn Du diese Woche regelmäßig Börsenberichte gelesen hast, könntest Du ein wenig verwirrt sein. Mal hieß es, Börsianer*innen wären wieder optimistischer, dass das Corona-Virus die Weltwirtschaft nun doch nicht so heftig trifft. Steigende Börsenkurse und sogar neue Rekordstände inklusive. Keine 24 Stunden später verderben Zweifel am schnellen Ende der Epidemie den Investor*innen wieder die Laune und die Kurse geraten ins Rutschen. Es ist ein ständiges Hin und Her, aber auf hohem Niveau. Der Dax beispielsweise notiert nur ganz knapp unter seinem Allzeithoch.
Lass Dich also nicht verrückt machen von den täglichen Wasserstands-Meldungen. Journalist*innen brauchen knackige Zeilen und Zitate, sie spitzen zu und übertreiben. Letzteres tun Börsianer*innen übrigens auch gerne. Wenn Du langfristig anlegst, brauchst Du Dich vom täglichen Auf und Ab an den Märkten und den Stimmungsschwankungen der Investoren nicht verunsichern zu lassen. Welche Spuren das Corona-Virus in den Bilanzen der Unternehmen hinterlassen hat und wie stark es das globale Wirtschaftswachstum belastet, wissen wir sowieso erst in ein paar Monaten. Einen Vorgeschmack lieferte diese Woche allerdings Apple. Der iPhone-Konzern gab eine Umsatzwarnung heraus, die Produktion in China lahmt. Das kam nicht besonders gut an. Falls Du in Apple investiert hast: Den Kursrücksetzer hat die Aktie schon fast wieder aufgeholt.

Zahlenflut in Europa und angepasste Dividenden

Apropos Bilanzen: Aktuell öffnen die börsennotierten Unternehmen ihre Bücher und berichten über das abgelaufene vierte Quartal, und damit im Grunde über das Gesamtjahr 2019. Für Börsianer*innen ist das immer sehr spannend, noch spannender sind aber die Ausblicke. Denn an der Börse wird die Zukunft gehandelt. Trotzdem kommen Rekorde natürlich gut an. Die gab es unter anderem von Europas größtem Versicherer. Die Allianz hat im vergangenen Jahr so viel verdient wie noch nie. Die gute Nachricht für ihre Aktionär*innen: Der Konzern erhöht die Dividende von neun auf 9,60 Euro. Auch bei der Deutschen Börse lief es 2019 prima, dem regen Handel an den Finanzmärkten sei Dank. Das Unternehmen verdiente fast 22 Prozent mehr als vor einem Jahr.  Davon haben auch Aktionär*innen etwas, denn die Gewinnausschüttung soll um 20 Cent auf 2,90 Euro je Aktie steigen. Weniger Freude für Dividenden-Fans gab es bei der Deutschen Telekom. Der Konzern spricht zwar ebenfalls von einer „Rekordbilanz“, will die Dividende aber kürzen. Grundsätzlich bin ich bekanntlich eher ein Fan von Fonds und ETFs, mit denen wir unser Risiko viel breiter streuen als mit Einzelaktien. Die Geschäftsentwicklung der einzelnen Unternehmen wirkt aber natürlich auf die Stimmung an den Märkten und deshalb ist die Quartalssaison auch immer so spannend. Und über steigende Dividenden freust Du Dich natürlich auch als Fonds- und ETF-Anleger*in.

Viele Überraschungen an der Wall Street

Auch in den USA läuft die Berichtssaison auf Hochtouren. Mehr als 70 Prozent der S&P-500-Unternehmen haben ihre Bilanzen für das vierte Quartal schon vorgelegt. Sehr viele haben die Analyst*innen positiv überrascht. Das wiederum ist aber gar keine Überraschung, sondern ein wiederkehrendes Spiel an der Wall Street. Im Vorfeld der Berichtssaison senken die Expert*innen traditionell ihre Prognosen. Das macht es für die Unternehmen dann einfacher, die mauen Gewinnschätzungen und Wachstumsprognosen zu schlagen. Überraschung! Ein komisches Schauspiel, aber auch das gehört zur Börse. Auf jeden Fall lief es in den USA im vierten Quartal besser als gedacht, die Unternehmen verdienen wieder mehr. Und das hilft natürlich auch den Börsenkursen.  Aber natürlich überraschen nicht alle Unternehmen positiv. Im Gegenteil. Kostprobe gefällig? Negative Schlagzeilen machte beispielsweise am Donnerstag Groupon. Die Zahlen des Schnäppchenportals verfehlten selbst die pessimistischsten Erwartungen, was die Aktien um 44 Prozent abstürzen ließ und auf ein Rekordtief drückte. Hoffentlich hast Du keine Groupon-Aktien!

KW 6 Rekorde, Rekorde, Rekorde

Der Dax stand noch nie so hoch wie diese Woche, Gold war nie so teuer und eine Gesetzesänderung nie so ungerecht wie beim Soli – eine Woche mit allerlei Rekorden. Was das für Dich und Deine Finanzen bedeutet.

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Dax und Co. mit neuen Allzeithochs

Die Börsenkurse steigen und steigen – des Corona-Virus’ und seinen (möglichen) Folgen zum Trotz. Der Dax hat wie auch die Indizes an der New Yorker Wall Street in dieser Woche wieder ein neues Allzeithoch markiert. Zwar sorgt das Virus immer wieder für zwischenzeitliche Kurs-Durchhänger, doch die sind wenig nachhaltig. Weder die drohende Pandemie, noch stagnierende Unternehmensgewinne oder das verlangsamte  Wirtschaftswachstum konnten den Aufschwung an der Börse bisher stoppen. Ist die Stimmung vielleicht zu gut? Erste Expert*innen warnen bereits vor einer Hochstimmung. Eine sehr gute Stimmung an der Börse gilt nämlich gemeinhin als Warnsignal.

Klingt verrückt? Nach verkehrter Welt? Das mag sein. Doch die Börsenpsychologie – englisch „Behavioral Finance“ – belegt es: Ist die Stimmung sehr gut, werden Anleger*innen zu euphorisch oder gar gierig, dann ist das ein ziemlich treffender Indikator für einen baldigen Rücksetzer an den Börse. Anders herum ist eine besonders miese Stimmung in der Regel ein Signal für eine baldige Erholung. Dahinter steckt auch die Annahme, dass im ersten Fall alle investiert sind, es also an potenziellen Investor*innen mangelt, die durch ihre Käufe die Kurse weiter treiben können. Oder es im zweiten Fall an Verkäufer*innen fehlt, die die Notierungen weiter in die Tiefe drücken könnten. Es haben eben schon alle ihre Papiere auf den Markt geschmissen. Aber sehen wir aktuell wirklich Euphorie? In Frankfurt sicher nicht, aber an der Wall Street legen die Technologietitel seit Monaten eine rasante Kursrally hin – und die könnte übertrieben sein. Und da die New Yorker Börse nun mal die Leitbörse der Welt ist, könnte ein möglicher Rücksetzer auch Auswirkungen auf dem Frankfurter Parkett haben. Soweit die Warnungen. Ob die Korrektur wirklich bald kommt, wird sich zeigen. Leider haben wir alle keine Kristallkugel. Wenn Du langfristig investierst, kannst Du solche Rücksetzer übrigens locker aussetzen oder sogar für Nachkäufe nutzen.

Gold so teuer wie nie

Nicht nur an den Aktienmärkten gibt es Rekorde, auch der Goldpreis hat einen neuen Höchststand markiert – zumindest in Euro. Dieser Zusatz ist wichtig, denn Goldhändler*innen orientieren sich global normalerweise an der Dollar-Notierung. Und dieser Preis notiert noch relativ deutlich unter seinem Rekord. Doch auch hier ging es zuletzt kräftig nach oben. Kein Wunder, gilt Gold doch als sicherer Hafen und als Krisenwährung. Verängstige Anleger*innnen, die einen Konjunktureinbruch – auch durch das Corona-Virus – befürchten, bauen Positionen auf oder aus. Haupttreiber für die Preissteigerungen bleibt aber die Nullzinspolitik der Notenbanken. Immer mehr Anleger*innen zahlen Negativzinsen auf ihr Erspartes. Gold scheint für viele eine Alternative, hat es doch seit jeher den Ruf einer vergleichsweise sicheren Geldanlage. Ich persönlich bin kein großer Fan von Gold-Investments. Gold bringt weder Zinsen noch Dividenden. Der Preis wird allein durch Angebot und Nachfrage getrieben. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung. Viele Expert*innen empfehlen das gelbe Edelmetall als Beimischung und erwarten weiter steigende Notierungen.

Ein Gesetz so ungerecht wie selten

Wer mir auf meinen Social-Media-Kanälen folgt, der weiß, dass ich mich seit geraumer Zeit über die diversen Gesetzesinitiativen aus dem Bundesfinanzministerium ärgere. Auch darüber, dass der Wegfall des Solidaritätszuschlags zwar 96,5 Prozent der Steuerzahler*innen entlasten soll, aber eben nicht die Anleger*innen. Dabei hieß es doch eigentlich, nur die wirklich üppig Verdienenden werden weiter zur Kasse gebeten. Weit gefehlt: Der Solidaritätszuschlag wird künftig unvermindert auf die Kapitalertragsteuer, also etwa auf Zinseinkünfte, erhoben. Dadurch können Arbeitnehmer*innen, Rentner*innen oder Selbstständige auch trotz geringer Lohneinkünfte weiter vom Solidaritätszuschlag betroffen sein. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat in einer aktuellen Studie errechnet, dass das schätzungsweise 2,2 Millionen Personen betrifft. So viel zum Thema Abschaffung des Solis. Wieder mal werden Privatanleger*innen zur Kasse gebeten, die clever mit Aktien und Co. für das Alter vorsorgen. Das ist einfach ungerecht. Ist es auch das ungerechteste Gesetz, das es je gab? Mit Blick auf die Geldanlage ist es auf jeden Fall rekordverdächtig.

KW 5 Warum sich nicht jede*r über steigende Kurse freut

Die Stimmung an den Märkten ist prima – dem Corona-Virus zum Trotz. Allerdings gibt es Investoren, die sich über steigende Kurse so gar nicht freuen – im Gegenteil. Und dann ist da noch Olaf Scholz mit seinem Feldzug gegen Privatanleger.

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Wie die Olaf Scholz die Privatanleger*innen schröpfen will

Was hat der Mann nur gegen Aktionär*innen? Gut, Olaf Scholz (SPD) legt sein Geld nach eigenen Aussagen auf dem Sparbuch an und kann Aktien nicht viel abgewinnen. Aber muss er Privatanleger*innen deshalb immer weiter belasten. Gleich mehrere geplante Gesetze würden uns hart treffen.
Da wäre beispielsweise die Finanztransaktionssteuer, umgangssprachlich auch „Aktien-Strafsteuer“ genannt. Kommt das Gesetz durch, zahlst Du künftig bei jedem Aktienkauf 0,2 Prozent, wenn das betreffenden Unternehmen mindestens eine Milliarde Euro an der Börse wert ist. Ursprünglich sollte damit wildes Spekulieren eingedämmt werden, aber Derivate sind ausgeschlossen. Es trifft nur Aktionär*innen und damit viele langfristig investierende Privatanleger*innen.

Und dann wäre da der Solidaritätszuschlag. Er soll bekanntlich für die meisten Arbeitnehmer*innen 2021 wegfallen. Bei der Abgeltungsteuer aber soll er erhalten bleiben. Anleger*innen, die ihren Sparerfreibetrag ausgeschöpft haben, müssen also auf die 25-prozentige Abgeltungsteuer weiterhin den Soli von 5,5 Prozent zahlen. Ist das fair? Meiner Meinung nach nicht!
Apropos Abgeltungsteuer. Die steht sogar grundsätzlich zur Disposition und das könnte für viele von uns teuer werden. Denn fällt sie weg, müssten wir unsere Kapitalerträge wieder mit unserem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern und der liegt oft höher als 25 Prozent. Auch das würde unsere Rendite schmälern.

Still und klammheimlich hat die Regierung ein anderes Ärgernis längst beschlossen. Ab 2021 soll die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten bestimmter Finanzprodukte auf 10.000 Euro beschränkt werden. Schon ab diesem Jahr gilt eine solche 10.000-Euro-Grenze auch für Anleger*innen, die mit Aktien und Anleihen Totalverluste erleiden – etwa der Pleite eines Unternehmens. Zugegeben, 10.000 Euro sind viel Geld, aber es kommt eben durchaus vor, dass auch Privatanleger*innen so große Einzelpositionen haben.

All das trifft Anleger*innen, die langfristig in Aktien investieren. Deshalb auf Aktien zu verzichten, ist der falsche Weg. Denn auch nach diesen Belastungen ist die Rendite noch positiv. Und über welche Anlageklasse kann man das derzeit schon sagen? Noch ist ja auch nicht alles verabschiedet. Zum Glück gibt es viele Initiativen, Aktionärsschützer*innen und Verbände, die gegen die Pläne von Scholz und der großen Koalition kämpfen – hoffentlich mit Erfolg!

Warum manche Anleger*innen mit Tesla richtig viel Geld verlieren

Die Tesla-Aktien steigt und steigt. An der Börse ist das Unternehmen mittlerweile mehr wert als VW und BMW zusammen. Wenn Du Tesla-Aktien im Depot hast, wirst Du Dich in den vergangenen Tagen und Wochen über satte Gewinne gefreut haben. Es gibt aber auch Anleger*innen, die mit der Aktie richtig viel Geld verloren haben. Wie das geht? Sie haben auf sinkende Kurse gewettet. Diese Investor*innen nennt man „Shortseller“. Alleine am vergangenen Montag sollen sie fast 2,5 Milliarden (!) Dollar verloren haben, wie die amerikanische Analysefirma S3 Partners errechnet hat.

Wenn Marktteilnehmer*innen „short“ gehen, können sie das unter anderem, indem sie eine Aktie leerverkaufen. In diesem Fall leiht sich der*die Investor*in gegen eine Gebühr (vor allem bei Fonds) Aktien, die er*sie dann am Markt verkauft. Sinkt der Aktienkurs wie erwartet, können die Shortseller die Titel zu einem verbilligten Kurs zurückkaufen und dem*der Verleiher*in zurückgeben. Die Differenz zwischen dem Verkaufs- und dem gesunkenen Rückkaufskurs streichen die Leerverkäufer*innen als Profit ein. Liegen sie aber falsch wie im Fall von Tesla, müssen sie die Aktien irgendwann zu einem höheren Kurs zurückkaufen und machen einen Verlust. Passiert das vielen Shortsellern gleichzeitig, befeuern sie sogar die Kursrally eines Unternehmens.

Warum der Dax trotz Corona-Virus und düsterer Prognosen steigt

Verkehrte Welt an den Finanzmärkten? Noch immer bestimmt das Corona-Virus die Schlagzeilen. Die Zahl der Infizierten und auch der Toten steigt weiter. Noch in der vergangenen Woche hatte das Virus für schlechte Stimmung und einige Kursrücksetzer an der Börse gesorgt und nun steigen die Kurse auf einmal? So brutal es klingen mag, die Märkte haben das Virus schon abgehakt, auch wenn EZB-Chefin Christine Lagarde vor wirtschaftlichen Folgen warnt. Börsianer*innen schauen derzeit lieber auf positive Nachrichten: Die Berichtssaison in den USA und Europa läuft nämlich ganz gut. Viele Unternehmen überzeugen mit ihren Zahlen für das abgelaufene Quartal und schauen – noch wichtiger – wieder positiver in die Zukunft. Das liegt sich auch daran, dass sich der Handelskonflikt zwischen den USA und China weiter entschärft. Die Halbierung chinesischer Strafzölle auf bestimmte US-Waren hält Anleger geradezu in Kauflaune. Mal sehen, wie lange die gute Stimmung anhält. Wir bleiben dran!

KW 4 Ein Virus bestimmt das Börsengeschehen

Der Coronavirus beschäftigt Anleger, sie sorgen sich um die Weltwirtschaft. Auch der Brexit verstimmt. Für gute Laune sorgen Apple und Co..

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Der Virus, die Weltwirtschaft und die Märkte

Die Zahlen sind dramatisch: Fast 10.000 Menschen sind mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 200 sind gestorben – Tendenz steigend. Einige Krankheitsfälle gibt es auch außerhalb Asiens. Die Angst ist groß, dass der Virus sich weiter ausbreitet. In Teilen Chinas steht das Leben still: kein Mensch auf der Straße, leere Regale in den Supermärkten, verwaiste Büros. Was erst einmal nach einem lokalen Problem klingt, kann sehr schnell Auswirkungen auf das weltweite Wirtschaftswachstum haben. Chinesische Ökonomen befürchten bereits, dass das Wachstum in der Volksrepublik durch den Virus gebremst werden könnte. In einer global stark vernetzten Welt hätte das natürlich Auswirkungen auf andere Staaten. Und deshalb machen sich Börsianer auch Sorgen. Abzulesen ist das an den Börsenkursen, die in den vergangenen Tagen weltweit unter Druck geraten sind.

Kein Wunder, gibt es doch schon erste, sehr konkrete Folgen: Fluggesellschaften wie die Lufthansa, British Airways und Air France haben ihre Flüge in das Reich der Mitte eingestellt. Autobauer wie BMW, Volkswagen und Volvo stoppen die Produktion in China. Auch andere Firmen haben Fabriken und Filialen geschlossen oder verzichten auf Dienstreisen in die betroffene Region. Nach ersten Einschätzungen könnte auch der Tourismus in Europa leiden, wenn die Gäste aus Fernost für längere Zeit wegbleiben sollten. Dass Alles belastet die Aktien vieler Unternehmen. Noch hält sich das Minus an der Börse zwar in Grenzen, aber die Nervosität ist groß. Und das wird sie erstmal bleiben. Langfristig sind solche Phasen übrigens oft gute Einstiegsmöglichkeiten. Du solltest die Gefahr weiterer, auch stärkerer Kursrückgänge aber nicht außer Acht lassen. Den Höhepunkt der Infektionswelle erwarten Experten erst in einigen Tagen.

Der (Börsen-) Hype um Apple & Co.

Unglaublich, aber Apple ist jetzt wertvoller als alle Dax-Unternehmen zusammen. Also wertvoller als die 30 größten, börsennotierten deutschen Unternehmen, wertvoller als Allianz plus Bayer plus BASF plus BWM… Und warum? Die Produkte mit dem „i“ sind gefragt und die Aktie ist es auch. Aktuelle Zahlen haben diese Woche wieder gezeigt: Apples Marktmacht ist immer noch groß, das Geld sprudelt, die Renditen sind hoch. Von 100 Dollar Umsatz verbleiben in der Regel 20 bis 30 Dollar Reingewinn. Das schaffen Daimler oder Henkel nicht. Damit hebelt Apple alle Kritiker aus, die behaupten, dass eine zu hohe Abhängigkeit vom iPhone besteht. Es erinnert ein bisschen an Tesla (unsere Geschichte aus der vergangenen Woche): Kein Gewinn, aber eine Vision, ein innovatives Produkt für die Zukunft; und steigende Aktienkurse. Mut zahlt sich an der Börse eben oft aus.

Der Brexit ist da, endlich

Nun ist es also soweit: Großbritannien sagt Goodbye. Nach fast 50 Jahren treten die Briten aus der Europäischen Union (EU) aus. In der Nacht vom 31. Januar auf den 01. Februar knallen bei einer großen Party in London die Korken, in Brüssel und Straßburg wird still die britische Flagge eingeholt. Damit ist das Brexit-Drama in dutzenden Akten aber noch nicht vorbei. Eigentlich ist nämlich noch nichts geklärt. Nun beginnt eine Übergangszeit mit schwierigen Gesprächen zwischen London und der EU. Verhandelt wird über ein neues Handelsabkommen. Es geht um Warenströme, um Zölle, Grenzkontrollen und Co.. Parallel laufen auch Gespräche mit den USA, Japan, Australien und Neuseeland. Was in den Handelsabkommen stehen wird, ist wichtig für sehr, sehr viele Unternehmen, die Geschäfte auf der Insel machen. Und deshalb werden Börsianer*innen weiter sehr genau hinschauen, wie die Verhandlungen laufen. Kursausschläge in die eine oder andere Richtung inklusive.

KW 3 Top oder Flop?

Zinsen flop, Aktien top und Tesla hot – so oder so ähnlich könnte man die Börsenwoche zusammenfassen.

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Die Enteignung der Sparer geht weiter

Leitzins, Bankeneinlagenzins, Inflationsraten – EZB-Sitzungen sind eher eine dröge Angelegenheit, für Anleger*innen und vor allem Sparer*innen aber trotzdem sehr wichtig. Schließlich beschließen die Notenbanker um die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde, wie es mit den Zinsen weitergeht. Die schlechte Nachricht nach dem jüngsten Treffen: Die Zinsen im Euroraum bleiben bei Null. Es gibt nicht mal ein Fünkchen Hoffnung für uns, dass die Zinsen in absehbarer Zeit steigen. Für unseren langfristigen Vermögensaufbau und unsere Altersvorsorge ist das ein Drama. Weil die Zinsen, die wir auf unsere Spareinlagen bekommen, unterhalb der Inflationsrate liegen, ist der Realzins negativ. Unser Erspartes verliert an Kaufkraft. Allein im dritten Quartal 2019 lag der Wertverlust bei 7,8 Milliarden Euro – das sind 94 Euro pro Bundesbürger. Das zeigt der comdirect Realzins-Radar. Besserung ist nicht in Sicht. Es bleibt dabei: Zinsen flop!

Keine Angst vor Rekorden und hohen Aktienkurse

Ganz anders sieht es an den Aktienmärkten aus. Da läuft es weiter ziemlich gut und Anleger*innen können sich über Kursgewinne freuen. Sogar der Dax hat nach zwei Jahren endlich ein neues Allzeithoch markiert. Aber was kommt nach dem Rekord? Leider weiß das niemand so genau. Exakte Prognosen an der Börse sind schwierig, vor allem, wenn sie das kurzfristige Marktgeschehen betreffen. Aber natürlich gibt es Indikatoren und die sehen aktuell ziemlich gut aus. Erstens: In Zeiten von Null- und Niedrigzinsen (siehe oben) sind Aktien alternativlos. Zweitens: Die Weltwirtschaft wächst, auch weil die Unternehmen weiter gutes Geld verdienen. O.k., es lief schon mal besser, aber es läuft noch. Und dann ist da noch – Drittens – ein gewisser Donald Trump. Er sorgt mit seinen polterigen Tweets und gewöhnungsbedürftigen Auftritten zwar regelmäßig für kleinere und mittlere Turbulenzen an den Märkten. Aber: Der US-Präsident will sich und seinen Erfolg auch an der Wall Street messen lassen. Das hat er immer wieder betont. Im Wahlkampf kann er deshalb keinen Crash gebrauchen. Er wird also alles dafür tun, dass die Stimmung in den kommenden Monaten gut bleibt. Natürlich gibt es Risiken, wie etwa den Handelsstreit zwischen den USA und China. Doch die Chancen überwiegen aktuell: Aktien top!

Tesla ist wertvoller als Volkswagen

Manche Aktien sind sogar richtig hot. Nach einem kräftigen Kursanstieg ist Tesla jetzt der zweitwertvollste Autobauer der Welt und damit mehr wert als Volkswagen. Wie man den Wert eines Unternehmens misst? Wenn es an der Börse ist, ist das relativ einfach: an der Marktkapitalisierung, also dem Wert aller Aktien. Der eAuto-Pioneer ist sage und schreibe mehr als 100 Milliarden Euro wert. Wertvoller ist nur (noch) Toyota. Doch wie kann das sein? Tesla schreibt seit Jahren rote Zahlen, während andere Autobauer Geld verdienen. Auch verkauft Tesla nur einige hunderttausend Autos pro Jahr, bei Volkswagen liefen zuletzt mehr als sechs Millionen vom Band. Doch an der Börse wird die Zukunft gehandelt und die wird wohl alternativen Antrieben gehören. Zwar hat auch VW im vergangenen Jahr 80.000 Elektroautos verkauft. Tesla hat aber allein im letzten Quartal mehr als 100.000 eAutos abgesetzt – ein neuer Rekord. Tendenz steigend. An der Börse ist die Tesla-Aktie deshalb aktuell ziemlich hot, auch wenn das Unternehmen immer noch Geld verbrennt.

KW 2 Ein paar Gründe zum Anstoßen und eine Warnung

Die Stimmung an den Finanzmärkten hat sich deutlich aufgehellt, sogar neue Rekorde erscheinen möglich. Nicht nur deshalb gehören Aktien ins Depot.

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Dax auf Rekordjagd

Wenn Du früher ein Fan des „Guinessbuch der Rekorde“ warst und Höchstleistungen Dich immer noch begeistern, dann solltest Du den Champagner kaltstellen. Noch ziert er sich, aber lange kann es eigentlich nicht mehr dauern, bis der Deutsche Aktienindex (Dax) ein neues Allzeithoch markiert. Seit Tagen verharrt das Barometer für die 30 größten deutschen, börsennotierten Aktien wenige Punkte vor dieser magischen Marke. Mehr als magisch ist ein solcher Rekord übrigens auch nicht. Er sagt nämlich eigentlich nicht viel über jeden einzelnen Wert aus. Manche Dax-Titel stehen besser da, andere schlechter. Nicht alle sind auf Rekordkurs. Schau also lieber auf die Bewertung, also darauf, wie teuer oder billig eine Aktie ist, als auf Punktstände oder Eurokurse. Ein guter Indikator ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, das besagt, mit dem Wievielfachen des erwarteten Gewinns eine Aktie bewertet ist und vergleiche mit der Konkurrenz. Auf den Dax-Rekord darfst Du natürlich trotzdem anstoßen. Ein Grund zum Feiern ist doch immer schön, oder?

Noch ein Jahrzehnt der Aktie

Apropos Feiern: Das können auch all jene von uns, die in den vergangenen zehn Jahren in Aktien investiert hatten. In den 2010er-Jahren brachten globale Aktien im Schnitt rund 9,5 Prozent Rendite. Auch die 2020er-Jahre dürften gut werden, damit rechnet zumindest Bert Flossbach vom renommierten Vermögensverwalter Flossbach von Storch. Der Grund ist die Zinspolitik der Notenbanken. Die ruiniert nämlich unsere Renditen. Als Sparerin verlierst sogar Geld, weil der Realzins – also Deine Rendite bzw. Dein Zinssatz abzüglich der Inflationsrate – negativ ist. Wie schlimm das jeden von uns trifft, zeigt Dir der Realzinsradar der comdirect. Demnach betrug der Wertverlust in den vergangenen zwölf Monaten 30,3 Milliarden Euro – das sind 365 Euro pro Bundesbürger*in. Und deshalb macht die Zinspolitik Aktien einfach alternativlos. Flossbach schätzt übrigens die globalen Aktienerträge in den 2020ern auf 6,6 Prozent im Jahr. Noch ein Jahrzehnt der Aktien, noch ein Grund zum Anstoßen!

Vorsicht bei reißerischen Schlagzeilen!

Und genau, weil Aktien alternativlos sind, solltest Du auch wenig auf die Crash-Propheten setzen, die gerade Hochkonjunktur haben. „Der Crash kommt, und zwar bald.“ Das lesen wir immer wieder – auf Buchcovern, Zeitungs- und Magazintiteln und vor allem im Internet. Aber kaum ein prognostizierter Untergang tritt wirklich ein; Krisen kommen meist, wenn niemand damit rechnet. Irgendwann haben die Propheten also unweigerlich recht. Der Crash gehört zur Börse wie die Rally. Aber aktuell spricht viel mehr für Aktien als gegen sie. Aber bitte hör auch nicht auf die selbst ernannten Gurus, die Dir versprechen, dass Du mit Aktie X, Y oder Z binnen weniger Monate oder Jahre reich wirst. Sie liegen oft genauso falsch wie die Crashpropheten. Investiere lieber breit gestreut via Fonds oder ETFs, bleib Deiner Strategie treu, denke langfristig und behalte die Nerven, wenn es an der Börse mal wieder turbulent zugeht. So ein Glas Champagner soll gelegentlich ja auch die Nerven beruhigen.

Friedrich Merz, ein Bierdeckel und Aktien als Altersvorsorge

Auch mit meinem persönlichen Mann der Woche würde ich gerne anstoßen! Friedrich Merz, CDU-Finanzexperte und Aufsichtsratschef Deutschland des US-Vermögensverwalters Blackrock, will unsere Steuererklärung vereinfachen und hat die Jahre alte, aber nie vergessene Steuererklärung auf dem Bierdeckel wieder ins Spiel gebracht. Die Steuererklärung soll radikal vereinfacht werden. Ja, bitte! Noch wichtiger aber: Merz fordert, dass Deutschland den Aktienbesitz zur privaten Altersvorsorge fördern müsse. Nun kann man ihm natürlich Lobbyismus vorwerfen. Ich bin aber überzeugt, dass hier der gesunde Menschenverstand spricht. Aktien sind und bleiben die renditestärkste Anlageklasse überhaupt und sind in Zeiten von Nullzinsen – ich kann es nur noch mal wiederholen – eben einfach alternativlos.

Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin, Moderatorin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.