Viele Fonds in einem: der Dachfonds

Dachfonds sind Investmentfonds, die in andere Fonds oder auch ETFs investieren. Sie versprechen höchste Risikostreuung, sind aber auch nicht billig. Im Gegenteil. Lohnen sich Dachfonds? Und worauf musst Du achten?

Risikostreuung gilt als oberstes Gebot der erfolgreichen Geldanlage. Also müssten doch Dachfonds so etwas ähnliches wie die Quadratur des Kreises sein, oder nicht? Denn das Fondsmanagement investiert in viele andere Fonds (genannt Zielfonds). Der Dachfonds ist quasi die multiplizierte Risikostreuung. Doch ganz so einfach ist es leider nicht.

Dachfonds sind klassische Investmentfonds, die nicht in einzelne Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen, sondern ausschließlich in andere aktiv gemanagte Fonds oder börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz: ETFs) investieren. Zu diesen Zielfonds zählen unter anderem Aktienfonds, Rentenfonds, Immobilienfonds, aber auch Mischfonds oder die entsprechenden ETFs. Die Anlagestrategien von Dachfonds sind sehr unterschiedlich. Mal investieren sie nur in eine Anlageklasse wie Aktien oder Immobilien, mal mischen sie.

Hohe Risikostreuung, aber auch erhöhtes Risiko

Aber macht es überhaupt Sinn, dass ein Fonds in einen anderen investiert? Ja, denn Anleger:innen können das Risiko wirklich breiter streuen. Das birgt aber auch ein gewisses Risiko, denn der:die Fondsmanager:in des Dachfonds könnte rein theoretisch auch schlechte Fonds oder ETFs aussuchen. Denn auch wenn die Risikostreuung bei Dachfonds extrem gut ist, kommt es also immer darauf an, in welche Zielfonds der Dachfonds investiert.

Die Zielfonds können ganz verschiedene Strategien verfolgen und entsprechende Risikoprofile haben. Du musst also etwas genauer hinschauen. Wie ist die Strategie des Dachfonds und in welche Zielfonds investiert er? Und wie gut ist die Arbeit, die das Fondsmanagement des Dachfonds macht? Wie gut ist die Auswahl? Es gibt gute Fondsmanager:innen und weniger gute, das gilt für den Dachfonds genauso wie für die Zielfonds. Das macht die Auswahl für uns so schwierig. Auszeichnungen, die beispielsweise von den Fonds-Ratingagenturen Scope oder Morningstar vergeben werden, helfen Dir bei der Einschätzung, ob ein Dachfonds gut oder weniger gut ist.

Achte auf die Kosten

Dachfonds sind nicht unumstritten. Die Kosten sind die größte Kritik an ihnen. Und diese Kritik ist leider oft gerechtfertigt. Du zahlst nämlich leider „doppelt“: für den Dachfonds und für die Zielfonds. Deshalb solltest Du eher nach Dachfonds Ausschau halten, die in ETFs investieren. Denn die sind einfach günstiger, als aktiv gemanagte Investmentfonds. Die Kosten sind grundsätzlich ein wichtiger Faktor bei der Geldanlage, denn sie lasten auf Deiner Rendite. Ein sehr guter Dachfonds mag sein Geld, also die jährlichen Gebühren, wert sein, ein mittelmäßiger ist es eher nicht.

Klare Regeln für Dachfonds

Es gibt übrigens sehr klare Regeln, wie ein Dachfonds investieren darf. Er darf beispielsweise nicht mehr als 20 Prozent seines Volumens in einen einzelnen Zielfonds investieren. Es sind also mindestens fünf Zielfonds im Dachfonds. Die Investitionen des Dachfonds dürfen nicht mehr als zehn Prozent des Volumens des Zielfonds ausmachen. Außerdem darf ein Dachfonds nicht in einen anderen Dachfonds investieren. Auch dürfen Dachfonds nicht in geschlossene Fonds oder zu risikoreiche Spezialfonds investieren. All das soll das Risiko minimieren.

Natürlich ist es für Dich als Anleger:in maximal bequem. Du kaufst nur einen Fonds, bekommst aber mehrere. Und um die Auswahl musst Du Dich nicht kümmern, das übernimmt der:die Manager:in des Dachfonds für Dich. Aber so richtig kommen die Dachfonds trotzdem nicht an. Noch nicht mal zehn Prozent des kompletten Fondsvermögens steckt in Dachfonds. Liegt es an den Kosten, an der doch recht lauten Kritik? Auch die Performance vieler Dachfonds ist nicht der Knaller. Schau also genau hin, bevor Du Dich für ein Investment entscheidest. Die bessere Wahl könnte auch ein Robo Advisor sein.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mit einem Dachfonds investierst Du in mehrere Fonds, und das schon mit geringen Summen.
  • Das Risiko ist extrem breit gestreut, denn ein diversifizierter Investmentfonds investiert in mehrere andere.
  • Die Gebühren von Dachfonds sind oft hoch, auch weil Du „doppelt“ bezahlst: für den Dachfonds und für die Zielfonds.
  • Bevor Du in einen Dachfonds investierst solltest Du überlegen, ob ein Robo Advisor nicht vielleicht doch die bessere Wahl ist.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anleger:innen und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.