Depot eröffnen: Darauf musst Du achten!

Depot eröffnen

Neu an der Börse? Um starten zu können, musst Du ein Depot eröffnen. Aber wo? Birgit Wetjen sagt Dir, worauf Du achten solltest.

Der Weg zur ersten Order hat so seine Tücken. Schon bei den Vorbereitungen tauchen oft erste Fragezeichen auf. Ein Girokonto hast Du, und vielleicht parkst Du noch Geld auf einem Tagesgeldkonto. Aber ein Depot? Ein Depot ist die Verwahrstelle für Wertpapiere – ohne kannst Du keine Wertpapiere handeln. Du kannst es bei jeder Bank eröffnen, bei Deiner Hausbank wahrscheinlich auch. Allerdings ist Depot nicht gleich Depot: Die Angebote der Banken unterscheiden sich deutlich – in Bezug auf Gebühren, angebotene Produkte, Handelsplätze oder Handelszeiten. „Es gibt keinen Königsweg“, sagt Thomas Hönscheid, Betreiber eines Portals für den Depotvergleich. „Wer die Vorteile nutzen will, sollte darauf achten, dass das Depot zu der Anlagestrategie passt.“ Birgit hat mit dem Depot-Experten eine Checkliste erstellt:

1. Welche Strategie möchtest Du umsetzen?

Einmalanlage oder Sparplan? Kaufen und liegenlassen – oder möchtest Du kurzfristig auf Kursveränderungen spekulieren und ergo häufig Positionen kaufen oder verkaufen? Exotische Einzelwerte oder Standardpapiere? „Nicht jedes Depot eignet sich für jede Strategie, weil sich Leistungsumfang und Gebührenmodelle stark voneinander unterscheiden“, sagt Hönscheid. Also vor der Depoteröffnung überlegen, was und wie Du handeln möchtest. Wenn Du unterschiedliche Strategien verfolgen möchtest, macht es unter Umständen sogar Sinn, mehrere Depots zu eröffnen. Depot-Checker Hönscheid etwa hat gleich sechs Depots bei unterschiedlichen Banken. Zum einen für den Praxistest. Zum anderen aber auch, „um die jeweiligen Vorteile der Angebote gezielt zu nutzen.“

2. Hausbank oder Broker?

Einsteiger tendieren dazu, ein Depot bei der Hausbank zu eröffnen, weiß Hönscheid. Das sei naheliegend, aber nicht immer erste Wahl. „Zum einen berechnen viele Hausbanken eine jährliche Depotgebühr, deren Höhe sich nach dem Depotvolumen richtet“, so Hönscheid. Heißt: Je mehr Geld Du investierst und je stärker die Kurse steigen, desto mehr kassiert die Bank. Zum anderen haben spezialisierte Broker oft ein umfassenderes Leistungsangebot.

3. Depotgebühren vergleichen

Kosten fressen Rendite – und bei den Depots haben sich die Banken sehr unterschiedliche Preismodelle ausgedacht. Die schlechteste Variante: Sie müssen jährlich einen bestimmten Prozentsatz des Depotvolumens zahlen. Ob Sparplan oder Einmalanlage: Steigen die Kurse an der Börse, steigen automatisch auch Deine Gebühren. „Es gibt zahlreiche Broker, die keine Depotgebühren verlangen“, weiß Hönscheid. Andere Anbieter wiederum halten erst die Hand auf, wenn Du inaktiv bist, das heißt, nicht einmal im Monat oder Quartal Wertpapiere handelst. Wenn Du planst, per Sparplan Vermögen aufzubauen, betrifft Dich das nicht – durch die regelmäßige Order bist Du „aktiv“ und damit automatisch von der Gebühr befreit. Planst Du dagegen, einmalig eine bestimmte Summe zu investieren – etwa aus einem Erbe oder Immobilienverkauf – wirst Du bei diesen Modellen monatlich zur Kasse gebeten.

4. Versteckte Kosten vermeiden

„Vergleicht man nur die Ordergebühr, sehen einige Anbieter auf den ersten Blick günstig aus“, warnt Hönscheid. „Bei bestimmten Transaktionen aber werden Anleger:innen dann zur Kasse gebeten.“ Flatex beispielsweise kassiert 5,90 Euro bei Dividendenausschüttungen ausländischer Unternehmen. Hast Du also viele Einzelaktien von Apple und Co. im Depot, kann es teuer werden. Andere Banken verlangen „handelsplatzabhängige Gebühren“ oder eine Gebühr für die Eintragung von Namensaktien. Deshalb: auf das Kleingedruckte achten.

5. Am besten ohne Ordergebühr

Neben der Depotgebühr zahlst Du eine Ordergebühr (auch Transaktionsgebühr), wenn Du Wertpapiere kaufst oder verkaufst. Auch hier gibt es sehr unterschiedliche Preismodelle – und nicht jedes rechnet sich für jede Strategie. Planst Du beispielsweise, hohe Volumina zu handeln, ist ein volumenunabhängiger Festpreis erste Wahl. Anders sieht es aus, wenn Du etwa per ETF-Sparplan regelmäßig kleine Summen investieren möchtest. Bei dieser Strategie schmälern Festpreise die Rendite erheblich. „Dann ist ein Broker erste Wahl, der ein breites Angebot an ETFs bietet, die ganz ohne Ordergebühren angespart werden können“, so Hönscheid. „Anleger:innen sollten aber auch auf die Stabilität der Angebote achten“, rät Hönscheid. Zwar kannst Du problemlos umswitchen – also einen Sparplan stoppen und einen neuen beginnen, wenn das Angebot an kostenfrei handelbaren ETFs wechselt. „Aber dann hast Du zwei Positionen im Depot und zahlst bei Verkauf eine doppelte Gebühr.“

6. Produktpalette und Handelszeiten

Bist Du Börsenneuling, spielt das Angebot und auch die Handelszeit wahrscheinlich eine untergeordnete Rolle: Standardprodukte wie Fondsklassiker oder ETFs auf die wichtigsten Indizes sind bei allen Anbietern zu haben. Wichtig wird die Auswahl aber dann, wenn Du spezielle Strategien verfolgst. Einzelaktien etwa kannst Du nicht bei jeder Bank per Sparplan ansparen. Und auch das Angebot an ausländischen Aktien, Handelsplätzen und Handelszeiten variiert.

Hinweis: Bei manchen Brokern ist der Handel nur über eine Börse oder eine begrenzte Auswahl an Börsenplätzen möglich. In Podcastfolge 123 erfährst Du mehr dazu.

7. Übersicht und Service

Findest Du Dich auf der Website eines Brokers zurecht? Werden alle benötigten Informationen geboten und sind die Tools für Dich verständlich? Schau Dir unterschiedliche Websites an und prüfe die Benutzerführung. Auch Qualität und Erreichbarkeit des Services kann ein wichtiges Kriterium sein. Antworten auf Deine Fragen erhältst Du bei vielen Banken nur während der Handelszeiten, bei manchen Anbietern dagegen sieben Tage die Woche rund um die Uhr.

Birgits Tipp

Keep it simple. Wenn Du per Sparplan Vermögen aufbauen möchtest, gilt: Wähle Anbieter, die ETF-Sparpläne ohne Handelsgebühren ausführen. Bei Einmalanlage solltest Du vor allem die Depotgebühren beachten!

Birgit Wetjen

Über Birgit Wetjen
Birgit ist freie Finanzjournalistin, Speakerin, Moderatorin und Coach. Die Diplom-Volkswirtin und Absolventin der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft hat für Wirtschaftsmedien wie Capital, WiWo, Börse Online und ntv gearbeitet. 2017 hat sich die gebürtige Bremerin auf Frauenfinanzen spezialisiert und drei Jahre lang die Redaktion des Frauenfinanzportals herMoney.de geleitet. Seit April 2021 ist sie Co-Chefredakteurin des Frauenfinanzmagazins Courage.