Die Gewinner und Verlierer der Corona-Krise

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Manche Branchen sind besser, andere schlechter durch die Zeiten der Pandemie gekommen. Auch an der Börse gab es klare Profiteure, aber auch einige Favoritenwechsel.

Die Corona-Krise hat viele Branchen hart getroffen, aber es gab auch Gewinner. Neue Technologien, Lieferservices, eSports und Co. haben uns das Leben und Arbeiten im Lockdown 2020 einfacher gemacht. Ihre Umsätze und Gewinne sprudelten. Das kam auch bei Anleger:innen gut an. Doch laufen die sogenannten „Stay at Home“-Aktien immer noch so gut? Einmal Gewinner, immer Gewinner? Pauschal lässt sich das nicht mehr beantworten. Viele der vermeintlichen Corona-Gewinneraktien sind nach einigen Monaten nämlich nicht mehr sehr gut gelaufen.

Ablesen können wir das an speziellen Indizes und Aktienkörben – im Börsendeutsch „Baskets“, die die Entwicklung der „Stay at Home“-Aktien abbilden. Und die zeigen ein ziemlich deutliches Bild: Während diese Aktien im vergangenen Jahr sehr viel besser liefen als der breite Markt, ist es mittlerweile genau anders herum. Ein Beispiel: In den USA legten die vermeintlichen Krisengewinner im Corona-Jahr 2020 um fast 80 Prozent zu, der S&P 500 kletterte „nur“ um gut 17 Prozent. Dieses Jahr legt der breite Aktienindex S&P 500 allerdings sehr viel stärker zu als die „Stay at Home“-Aktien, die eher vor sich hindümpeln.

Hype und Favoritenwechsel

Woran das liegen könnte? Manche:r Expert:in glaubt, dass die Aktien von Lieferdiensten, Sportgeräte-Herstellern, Gaming- und Videospiele-Anbietern, Kommunikationsunternehmen und eCommerce-Anbietern vielleicht ein bisschen zu sehr gehypt worden sind. Eine klassische Übertreibung, wie es sie an der Börse ja immer mal wieder gibt. Natürlich hat die Digitalisierung einen Schub bekommen, dieser Trend wurde ganz klar befeuert. Allerdings sind die Technologie-Aktien auch vor der Krise schon sehr gut gelaufen und in der Krise dann erst recht. Die große Begeisterung der Anleger:innen scheint aber erstmal verflogen.

Sie suchen andere Anlagechancen. Deshalb haben wir wohl in den vergangenen Monaten immer wieder Favoritenwechsel an der Börse gesehen. Als die Lockdowns endeten, waren eher die Verliererbranchen der Corona-Krise gefragt, also Industrie, Dienstleister, Tourismus und die Reisebranche insgesamt. In der Hoffnung auf eine Normalisierung unseres Lebens, auf Nachholeffekte griffen Investor:innen beherzt zu. Als dann aber die Corona-Zahlen wieder stärker stiegen, nahmen Anleger:innen auch hier Gewinne mit.

Münzen, Barren oder Wertpapier

Wenn Du Dich für Gold entscheidest, hast Du verschiedene Möglichkeiten. Du kannst Münzen und Barren kaufen oder aber über ein Wertpapier investieren. Besonders beliebt ist Xetra-Gold. Es ist ein ETC (Exchange Traded Commodity, also ein börsengehandelter Rohstoff), das durch physisches Gold gedeckt ist. Du kannst Dir das Gold sogar ausliefern lassen. Der Vorteil von physischem Gold und auch einigen Gold-Wertpapieren: Gold ist beim Kauf von der Mehrwertsteuer befreit. Außerdem sind Veräußerungsgewinne nach einer Haltefrist von zwölf Monaten steuerfrei. Auch Kapitalertragssteuer wird nicht fällig.

Ich persönlich bin übrigens kein großer Gold-Fan. Im Gegenteil. Ich kann dieser Anlageklasse wenig abgewinnen. Keine Zinsen, keine Dividenden, eine hoch emotionale Anlage – nicht mein Ding. Den Preis bestimmen einzig Angebot und Nachfrage. Allerdings muss ich gestehen, dass mein Depot im Corona-Crash deutlich weniger hätte Federn lassen, wenn ich fünf oder sogar zehn Prozent Gold beigemischt hätte. Andererseits hätte es sich auch nicht so schnell wieder erholt. Ich verzichte bewusst auf die Versicherung in unruhigen Zeiten, muss aber höhere Schwankungen ertragen.

Langfristig zählen tragfähige Geschäftsmodelle

Es ist ein ziemliches Hin und Her. Anleger:innen wechseln ihre Favoriten gefühlt alle paar Monate. Ob aber Corona-Gewinner oder -Verlierer: Entscheidend ist am Ende für langfristige Anleger:innen, ob das Geschäftsmodell tragfähig ist, ob die Gewinne nach der Krise wieder sprudeln, wie die mittel- bis langfristigen Aussichten für das Unternehmen sind.

Grundsätzlich bin ich aber auch gar kein großer Fan von Einzelaktien. Die landen bei mir nur im „Spielgeld“-Depot. Und ich investiere dann nur sehr kleine Summen. Mein langfristiges Depot bestücke ich ausschließlich mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) und in Ausnahmefällen aktiv gemanagten Aktienfonds. Ich setze auf den breiten Markt und überlasse die Auswahl der Einzeltitel den Indexanbietern und Fondsmanagern. Um das tägliche Auf und Ab an der Börse, um Favoritenwechsel und Übertreibungen in die eine oder andere Richtung muss ich mich nicht kümmern. So habe ich die Gewinner und Verlierer der Krise im Depot, und bin bei jedem Favoritenwechsel dabei.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Gewinner und Verlierer der Corona-Krise sind so einfach nicht mehr auszumachen – zumindest an der Börse.
  • Die Favoritenwechsel zwischen vermeintlichen Corona-Gewinnern und vermeintlichen Verlierern mit Erholungspotenzial kamen immer schneller.
  • Langfristige Anleger:innen sollten darauf achten, dass die Geschäftsmodelle der Unternehmen auch nach der Krise tragfähig sind.
  • Wer sein Risiko breit streut und auf Fonds oder ETFs setzt, muss sich über Gewinner und Verlierer sowie mögliche Favoritenwechsel keine Gedanken machen.
Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anleger:innen und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.