Thema: ETF auswählen in acht Schritten: Wie finde ich den richtigen ETF?

Überschrift "ETF auswählen in acht Schritten" auf gelbem Hintergrund.
ETF auswählen in acht Schritten

Du kennst Dein verfügbares Budget, hast Deine Anlageziele definiert und Dein Risikoprofil erstellt? Dann folgt im nächsten Schritt die Produktauswahl für Deine langfristige Geldanlage an der Börse. In diesem Leitfaden von JustETF erfährst Du Schritt für Schritt, wie Du Deinen ETF auswählen kannst – von der Strategie bis zur Sparplan-Einrichtung. Am Ende gibt’s noch einen wichtigen Steuerkniff!

Mit ETFs können private Anlegerinnen und Anleger alle Freiheiten der Kapitalanlage nutzen und zu geringsten Gebühren am Kapitalmarkt investieren. Damit verbunden ist auch eine große Produktauswahl. Mittlerweile gibt es über 2.000 ETFs an der Börse. Abgedeckt werden Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Immobilienaktien. Dazu kommen noch ETF-ähnliche Instrumente wie physische Gold-ETCs oder Krypto-ETNs. Aber wenn Du genau hinschaust, wirst Du bemerken, dass viele Strategien gar nicht für den privaten Vermögensaufbau geeignet sind. Viele ETFs sind zu speziell, zu riskant und deswegen nur für Profis geeignet. Aber selbst wenn Du einfach nur breit gestreut passiv investieren möchtest, ist die Produktvielfalt beträchtlich: Alleine auf den Index MSCI World gibt es über 20 ETFs! Da besteht fast schon die Qual der Wahl. Ein Gutes hat die große Auswahl jedoch: ETFs auf den gleichen Index unterscheiden sich nur in Nuancen. Das sorgt für einen harten Wettbewerb bei den Anbietern, zu Gunsten von uns Anleger:innen.

Deswegen helfen wir Dir, in acht Schritten den richtigen ETF für Deinen Vermögensaufbau zu finden. Die Datenbank von justETF.com ist dabei eine tolle Hilfe. Legen wir los:

Schritt 1: Die Strategie

Mach Dir Gedanken zur richtigen Anlagestrategie. Bei ETFs heißt das: Mach Dir Gedanken über den Index, in den Du investieren willst. Für die langfristige Kapitalanlage ist eine breite, globale Streuung auf viele Werte von Vorteil, um Chancen und Risiken auf viele Schultern zu verteilen. Jedem Index liegt eine regelbasierte Strategie zugrunde. Am einfachsten ist dabei die Orientierung an der Marktkapitalisierung, also dem Börsenwert der frei handelbaren Aktien jedes in Frage kommenden Unternehmens für den Index. Solche Strategien sind mit sehr geringen Kosten verbunden, denn es wird keine teuren Fondsmanager:innen benötigt – man nennt das “passiv” investieren. Über längere Zeiträume schneiden solche Strategien deutlich besser ab als aktive Fonds – bei viel weniger Kosten. Und je geringer die Kosten, desto mehr bleibt am Ende bei Dir hängen.

Schritt 2: Der richtige Index

Also suche nach einem Index, der das leisten kann. Wenn Du noch am Anfang bist, dann konzentriere Dich auf Indizes, die einfach nur passiv den globalen Kapitalmarkt abbilden – mit tausenden von Werten. Ein Beispiel wäre der MSCI World, der Dein Investment auf 1.500 bis 1.600 Aktien in 23 Kapitalmärkten von Industrieländern streut. Aus dem gleichen Hause stammt der MSCI ACWI (All Country World Index), in dem zusätzlich noch 1.400 Werte aus 25 Schwellenländern enthalten sind. Die Indexfirma FTSE hat ein ganz ähnliches Angebot mit dem FTSE Developed und dem FTSE All-World. Fast identische Indizes bietet noch der Frankfurter Indexberechner Solactive an.

Schritt 3: ETFs auswählen

Hast Du die passenden Indizes gefunden, dann suche Dir die passenden ETFs dazu. Ganz einfach geht das zum Beispiel mit den Anlageleitfäden, die Dir justETF zur Verfügung stellt: Zum Beispiel für Industrieländer oder fast 50 globale Aktienmärkte. Du wirst bei einer Liste von zehn bis 30 ETFs landen, die wir nun Schritt für Schritt verkürzen.

Checkliste zur Auswahl eines ETFs. Erklärung der Schritte eins bis drei.
ETF auswählen: Schritte eins bis drei

Schritt 4: Verlässliche ETFs finden

Wenn Du langfristig investierst, sollte so ein ETF ja auch noch nach 20 Jahren am Markt sein. Wird ein ETF geschlossen, ist Dein Geld zwar nicht weg – es wird Dir ausgezahlt – aber wenn ein Ertrag dabei entstanden ist, musst Du ihn versteuern. Außerdem musst Du dann erneut investieren – ärgerlich.

Die Wahrscheinlichkeit für so einen Fall kannst Du mit einem Kniff deutlich senken: Suche Dir ETFs, in die mindestens 100 Millionen Euro investiert sind und die es bereits seit drei Jahren gibt. Dann kommt kein ETF-Anbieter in die Versuchung, den ETF wegen zu hoher Fixkosten zu schließen.

Kann ein Emittent pleite gehen? Lies hier, wie sicher Dein Geld in ETFs ist.

Außerdem solltest Du vermeiden, ETFs aus den USA oder der Schweiz zu nutzen. Die sind nicht kompatibel mit der hiesigen Steuer- und Fondsgesetzgebung und können Dir noch andere Nachteile bescheren. Du erkennst solche ETFs an den ersten beiden Buchstaben der ISIN-Nummer, die dann auf “US” oder “CH” lauten.

ETFs, die auf Xetra angeboten werden, haben diese Nachteile nicht und sind geeignet.

Schritt 5: Die richtige Abbildungsmethode

Ein Börsenindex lässt sich einfach abbilden, indem der ETF genau die Werte aus dem Index in der richtigen Gewichtung des Index enthält. In der Fachsprache wird das oft „physisch replizierend” genannt. So liefert der ETF recht genau die Indexrendite, und das wollen wir ja. Ob das vollständig geschieht mit beispielsweise allen Werten oder der ETF-Anbieter zur Kosteneinsparung nicht alle Werte einbezieht, ist hierbei nur ein Detail. Diese Methode ist ganz einfach zu verstehen.

Aber es geht auch komplizierter, mithilfe einer Derivatekonstruktion, in der Fachsprache „synthetisch” oder „Swap-basiert” genannt. Das ist auch relativ sicher, weil der ETF ja weiterhin ein regulierter Investmentfonds ist. Und einige Swap-ETFs bieten auch geringe Steuervorteile.

Sortiere synthetische ETFs aus, wenn Du Dich nicht näher damit befassen willst.

Schritt 6: Ausschüttend oder thesaurierend

Deine Liste geeigneter ETFs müsste inzwischen deutlich kürzer geworden sein. Du hast vielleicht ETFs aussortiert, die es noch nicht solange gibt, die zu klein sind, oder nicht die gewünschte Abbildungsmethode nutzen. Nun ist eine wichtige Entscheidung zu treffen zur Ausschüttungspolitik. Oft gibt es zwei ETFs vom gleichen Anbieter auf den gleichen Index, die sich nur in der Art der Ausschüttung unterscheiden.

Ausschüttend

Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden an Dich aus, die sie von den Unternehmen eingesammelt haben. Die landen dann auf Deinem Verrechnungskonto, das zu jedem Wertpapierdepot gehört. Damit die Vermögensbildung funktioniert, musst Du die Ausschüttung wieder selber in den ETF investieren.

Thesaurierend

Thesaurierende ETFs investieren die gesammelten Dividenden gleich wieder in das Indexportfolio. Dann landet nichts auf dem Verrechnungskonto, aber Dein ETF ist ein bisschen mehr wert. Das klingt für eine langfristige Strategie komfortabler.

Hier gibt es einen Steuerkniff zu beachten

Der Fiskus gewährt Dir einen Pauschalbetrag in Höhe von 801 Euro, der jährlich erneuert wird (ab 2023: 1.000 Euro). Damit der angewendet wird, musst Du dem Broker einen Freistellungsauftrag geben. Mithilfe dieses Freibetrags kannst Du die Ausschüttungen Deiner ETFs steuerfrei vereinnahmen bis zur Höhe des Freistellungsauftrags. Wenn Du Dir also etwas mehr Arbeit machen willst und die Ausschüttung zum Beispiel durch eine einmalige Anpassung eines ETF-Sparplans wieder investierst, dann hast Du einen Steuervorteil. Versteuert werden bei Aktien-ETFs 70 Prozent der Erträge. Damit diese Erträge über den Betrag von 801 Euro im Jahr steigen, musst Du schon ein ordentliches Sümmchen angespart haben.

Checkliste zur Auswahl eines ETFs. Erklärung der Schritte vier bis sechs.
ETF auswählen: Schritte vier bis sechs

Schritt 7: Die Kosten

Deine Liste müsste inzwischen recht übersichtlich geworden sein. Nun sortiere sie nach den Kosten der ETFs. Diese Kosten benötigt der ETF zur Verwaltung. Sie werden aus dem Fondsvermögen entnommen und nicht separat berechnet. Aber der ETF-Anbieter sagt Dir im Voraus genau, wie hoch diese Kosten sind. Diese Angabe findest Du in den Datenbanken oft unter dem Fachbegriff „TER”, also „Total Expense Ratio”.

Wenn Du mehrere ETFs auf Deiner Liste hast, dann ist der günstigere ETF der bessere für Dich. Nun sind ETFs verglichen mit anderen Finanzprodukten wie aktiven Fonds oder Zertifikaten schon recht günstig. Es sind auch keine Vertriebsprovisionen darin enthalten. Aber überleg mal: Ob Du 20 Jahre lang 0,5 Prozent Deines Vermögens abgibst oder nur 0,2 Prozent für die gleiche Leistung, kann am Ende einen großen Unterschied machen, der leicht in die tausende Euros geht.

Schritt 8: Sparplan oder kaufen?

Wenn Du Dein Vermögen aus den laufenden Einnahmen aufbaust, benötigst Du einen ETF-Sparplan. Viele Broker bieten inzwischen ETF-Sparpläne an. Auch wenn ETFs an der Börse gehandelt werden – bei einem ETF-Sparplan erledigt Dein Online Broker die Order automatisch für Dich. Aber nicht jeder Broker bietet immer alle erhältlichen ETFs im Sparplan an. Du solltest also überprüfen, welche ETFs aus Deiner Liste bei Deinem Broker sparplanfähig sind.

Erfahre mehr über die Möglichkeiten und Funktionen eines Sparplans im Gespräch mit finanz-heldin Swetlana.

Übrigens kannst Du einen Sparplan ganz einfach mit einem Einmalinvestment kombinieren. Und Du kannst, wenn Du das möchtest, Deine angesparten ETF-Anteile auch über die Börse verkaufen. Mit ETFs klappt beides sehr einfach. Richte aber keinen Sparplan ein, wenn Du vorhandenes Vermögen investieren willst. Das wird manchmal empfohlen, weil es sich in manchen Phasen in der Vergangenheit gelohnt hätte. Da die künftige Kapitalmarktentwicklung aber nicht prognostiziert werden kann, kannst Du das ignorieren. Solange Du nicht investiert bist, kannst Du auch keine Rendite mit Deinem Investment erwirtschaften.

Somit steht Deinem ETF-Investment in Eigenregie nichts mehr im Wege.

Checkliste zur Auswahl eines ETFs. Erklärung der Schritte sieben bis acht.
ETF auswählen: Schritte sieben bis acht

War das schon alles?

Was nicht so wichtig ist

Du wirst vielleicht bemerkt haben, dass einige wichtige Unterscheidungsmerkmale noch gar nicht genannt wurden. Warum?

  • Nun, zum Beispiel spielt der ETF-Anbieter für Deine Auswahl nur eine geringe Rolle. Alle ETF-Anbieter mit ETFs auf bekannte, breite Indizes sind internationale, sehr große Fondsgesellschaften. Bei justETF wird daher kein Unterschied gemacht.
  • Die Wertentwicklung kam auch nicht zur Sprache. Das liegt an der Tatsache, dass die Wertentwicklung immer nur für die Vergangenheit messbar ist. Für die künftige Entwicklung spielt das aber so gut wie keine Rolle: Die Reaktion der Finanzmärkte auf künftige Entwicklungen ist zu wenig berechenbar. Genau deswegen nutzen wir ja zur Geldanlage einen Index und keine aktiven Wetten. Selbst Unterschiede in der Wertentwicklung bei ETFs aus dem gleichen Index liefern nicht immer alle Informationen: Wenn nämlich bei einem ETF die Kosten kürzlich erst gesenkt wurden, dann ist die Wertentwicklung in der Vergangenheit zwar schlechter. In Zukunft ist aber kein Nachteil zu erwarten. Der Vergleich der heutigen ETF-Kosten ist daher meistens sehr viel aufschlussreicher als die vergleichende Betrachtung der ETF-Wertentwicklung aus den letzten Jahren.
  • Was aber ist mit der Fondswährung? Angaben dazu finden sich immer in der Produktdokumentation. Dabei handelt es sich aber um die Währung, in der der Fonds abrechnet – sozusagen die Währung der Fondsbuchhaltung. Für Dich macht es keinen Unterschied, ob das nun US-Dollar oder Euro sind. Ein Währungsrisiko gibt es durchaus bei ETFs auf globale Indizes. Aber das kommt durch die Unternehmen zustande, die sich im Index befinden. Beispiel: Der MSCI World enthält einen hohen Anteil an US-Aktien, die für ein Dollar-Risiko sorgen. Dabei ist es aber egal, ob der ETF nun in Euro oder Dollar abrechnet. Gleiches gilt für die Währung, in der der ETF gehandelt wird.
  • Fast genauso unwichtig ist das Land, in dem der ETF aufgelegt wurde. Beliebt bei der Fondsbranche sind zum Beispiel Irland oder Luxemburg. Rechtlich macht das keinen Unterschied, denn in der europäischen Union gelten überall praktisch die gleichen Regeln für die Auflage von Investmentfonds.
  • Steuersparmodelle, die bei der ETF-Auswahl anzuwenden wären, gibt es nicht wirklich. Über die Haltedauer betrachtet fallen für alle ETFs ähnliche Steuern an. Die Sache mit den ausschüttenden ETFs und dem Freistellungsauftrag hatten wir ja erklärt. Wenn Du mehr Erträge als vom Freibetrag abgedeckt hast, dann bieten thesaurierende ETFs einen kleinen Vorteil, weil die Steuern auf Ausschüttungen in voller Höhe erst später anfallen. Aber das geht schon sehr ins Detail und hängt auch von der Börsenphase ab. Einfacher zu berücksichtigen ist da eine kleine Ausnahme bei der Steuergleichheit: Wenn Dein ETF den Index physisch abbildet und viele Werte aus den USA enthält (wie ein MSCI World-ETF), dann nimm lieber einen ETF, der in Irland aufgelegt wurde. Solche ETFs aus Irland müssen nur die halbe Quellensteuer in den USA zahlen.
Jan Altmann im Portrait fotografiert lächelt in die Kamera
Jan Altmann

Jan Altmann befasst sich seit vielen Jahren mit ETFs. Im Rahmen einer längeren Tätigkeit bei der Deutschen Börse hat er im Jahr 2000 das ETF-Handelssegment der Deutschen Börse ins Leben gerufen, war als Berater für Asset Management-Boutiquen, ETF-Anbieter, Index-Anbieter, FinTechs und Intermediäre des Investmentgeschäfts tätig und arbeitete zuletzt als Senior ETF-Analyst bei justETF.