Mut zu Ideen

Mut zu Ideen

Ein Unternehmen zu gründen braucht heute oft nicht viel mehr als eine gute Idee und den Mut, sie umzusetzen. Warum wagen den Schritt trotzdem immer weniger Menschen und wieso lohnt es sich dennoch?

Jeff Bezos hatte einen Traum: Weltgrößter Online-Buchhändler wollte er werden. Er kündigte seinen Job an der New Yorker Wall Street und tüftelte in der heimischen Garage am Algorithmus für seine digitale Verkaufsplattform Amazon. Das war Mitte der 1990er-Jahre. Während das Massenmedium Internet noch in den Kinderschuhen steckte, malte sich Bezos bereits das Unvorstellbare aus. Ein Jahr nach der Gründung verbuchte das Unternehmen bereits einen Jahresumsatz von mehr als 15 Millionen US-Dollar – heute zählt Amazon, gemessen an seinem Börsenwert, zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Bezos selbst führt die Forbes-Liste der reichsten Menschen an.

Berufliche Freiheit und Flexibilität, Selbstverwirklichung und Erfolg, danach sehnen sich immer mehr junge Menschen. Doch den Mut, wie Jeff Bezos, diese Sehnsucht in die Tat umzusetzen, beweisen immer weniger Menschen. Laut dem aktuellen KfW-Gründungsmonitor sinkt hierzulande die Zahl der Existenzgründer seit Jahren und hat 2016 mit einer Gründerquote von 1,3 Prozent einen Tiefpunkt erreicht. Und das, obwohl ein Unternehmen zu gründen dank der fortschreitenden Digitalisierung in vielen Fällen sehr einfach ist.

Mut muss man sich leisten können

Was hält so viele Menschen davon ab, mutig zu sein? Ich denke, es liegt daran, dass es heute mehr zu verlieren gibt. Die Wirtschaft ist in Topform und Arbeitskräfte sind gefragter denn je. Seit einem Jahr schwankt die Erwerbslosenquote in Deutschland um die 3,5-Prozent-Marke. Tiefstand. In einigen Regionen des Landes herrscht Vollbeschäftigung. Unternehmen versuchen, Fachkräfte mit steigenden Löhnen an sich zu binden.

Viele Arbeitnehmer befinden sich also derzeit in einer ganz passablen Position und überlegen zweimal, ob sie den Schritt wagen sollen, hinaus aus dem sicheren, gut bezahlten Job und hinein in die Verantwortung für das eigene Unternehmen zu gehen – eventuell sogar mit höchst ungewisser Aussicht auf Erfolg.

Mut, Talent und eine gute Geschäftsidee sind zwar die Basiszutaten für eine erfolgreiche Existenzgründung, aber auf der anderen Seite stehen auch Kosten. Da sind zunächst die typischen Gründungskosten wie die Gewerbeanmeldung und die Mitgliedschaft in einer Industrie- und Handelskammer. Gegebenenfalls kommen Anwaltskosten und Anmeldegebühren für Patente hinzu, Coaching-Honorare und Investitionen in die Produktentwicklung. Büroräume müssen angemietet und ausgestattet werden und eine gute Firmenhomepage gestaltet sich auch nicht von selbst.

Obwohl die Gründerszene in Deutschland insgesamt immer kleiner wird, ist sie doch sehr aktiv. Businessnetzwerke gibt es für alle möglichen Zielgruppen und Branchen. Workshops und Meetups fördern den Austausch unter Gleichgesinnten. Hier kann man von den Erfahrungen, vielleicht sogar von den Fehlern anderer profitieren, die sich mit ähnlichen Ideen oder in einem vergleichbaren Umfeld selbstständig gemacht haben. Mindestens genauso wichtig ist der Austausch mit Experten aus der Branche, in der man sich selbst etablieren möchte. Denn manchmal ist man so sehr verliebt in seine Idee, dass man ganz banale Rahmenbedingungen außer Acht lässt, die gleichzeitig essenziell sind für den Unternehmenserfolg und die einem Branchenprofi sofort aufgefallen wären.

Finanzielle Unterstützung organisieren

Ein Unternehmen lässt sich auch nicht mal eben am Wochenende gründen. Ideen zu spinnen, sie bis zur Marktfähigkeit zu entwickeln und erfolgreich zu etablieren braucht Zeit und Raum. Ohne finanzielles Polster ist das für viele Gründungswillige gar nicht möglich. Einen Notgroschen anzusparen, um sich später eine längere Auszeit vom Job leisten zu können, ist immer eine gute Idee. Ganz unabhängig davon, wofür das Sabbatical genutzt wird. Bewerkstelligen lässt sich das beispielsweise durch regelmäßige Einzahlungen in einen Wertpapiersparplan. Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeiten aber auch die Möglichkeit, einen Teil ihres Gehalts auf Zeitwertkonten einzuzahlen. Der Vorteil im Vergleich zu unbezahltem Urlaub: Einkommensteuer und Beiträge zur Sozialversicherung werden erst bei Auszahlung des Guthabens fällig. Da dann das Gesamteinkommen in der Regel niedriger ausfällt, sinken Steuersatz und Versicherungsbeitrag entsprechend.

Bei kürzerer Vorlaufzeit hast Du auch die Möglichkeit, staatlich geförderte Gründerkredite in Anspruch zu nehmen. Die Zinsen sind günstig und in der Regel beginnt die Tilgung erst später, wenn dein Business angelaufen ist und Einnahmen fließen. Wer aus der Arbeitslosigkeit heraus gründet, kann unter bestimmten Voraussetzungen einen Gründungszuschuss bei der Agentur für Arbeit beantragen.

Gerade in der Digitalbranche wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Inkubatoren gegründet mit dem Ziel, Start-ups Anschubhilfe zu leisten. Sie bieten neben finanzieller Förderung unter anderem auch fachliche Beratung, Coachings und Büroräume.

Um Ideen aus der Finanzbranche zu fördern, hat comdirect die Start-up Garage gegründet. Ein Ort, an dem Ideen gemeinsam mit erfahrenen Branchenkennern getestet und optimiert werden können. Schaut doch einmal rein. Vielleicht steckt in Dir schon die nächste Gründerin.

Jana Koch

Jana Koch

Senior Business Development & Innovation Manager | comdirect

Jana Koch ist Senior Business Development & Innovation Manager bei der comdirect bank AG, eine der führenden Online Banken für moderne Anleger in Deutschland. Als Head der comdirect Start-Up Garage verantwortet sie zudem das Screening und die Zusammenarbeit mit FinTech-Unternehmen. Zuvor leitete sie die Entwicklung von Produkten für einen einfachen und leichten Einstieg in die Wertpapieranlage. Jana Koch absolvierte ihr International Business Studium mit den Schwerpunkten Strategie und Innovation an der Maastricht University mit Stationen in Spanien und Neuseeland. Mit ihrem Engagement bei finanz-heldinnen möchte sie Frauen ermutigen, ihre Finanzen selber in die Hand zu nehmen.

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