Mutter und Managerin - Kirsten Dehmer

Mutter und Managerin. Oder: Das Prinzip der relativen Gleichheit

Kirsten Dehmer ist Mutter zweier Teenager, hat zwei Firmen und lebt in zwei Städten. Ein Patentrezept für solch ein turbulentes Leben hat sie nicht, aber Tipps, um seine eigene Position zu finden.

Egal ob im Job oder als Mutter, es geht uns um ein relatives Gleichgewicht. Wir fühlen uns wohl, wenn beides im Einklang funktioniert, ohne dass etwas oder jemand leiden oder hinten anstehen muss. Eins direkt vorweg: Es gibt kein Patentrezept, es gibt nur Ideen, die jede für sich ausprobieren muss.

Ich selbst habe beschlossen, dass ich meine Karriere erst dann voll starten kann, wenn ich das Gefühl habe, dass meine Kinder ihren Weg finden. Für mein Business heißt das, dass meine Firma auch von meiner Familie zusätzlich getragen wird und ich nicht wie sonst geplant sieben Jahre vom Start-Up bis zum gut funktionieren Unternehmen benötige, sondern 10 bis 15 Jahre. Dieses Risiko bin ich bewusst und voll eingegangen.

Dennoch gibt es drei eindeutige Dinge die in sowohl in Familie, als auch Beruf zu bedenken sind: Organisation, Vision und Zeitmanagement. Beide Bereiche fordern alles ein, jedoch sind es zwei verschiedene Dinge, die man genauer betrachten muss. Denn am Ende des Tages, sind es die Emotionen die uns steuern und die uns ab und an einen Strich durch die noch so kalkulierte Rechnung machen.


Organisation ist alles.

Um 9:00 Uhr steht das erste Meeting an. Das heißt für mich um 6:30 aufstehen, Teenager zum ersten Mal geweckt – der Versuch zählt. Nach einem schnellen Kaffee, noch fix ins Bad und dann auf zur zweiten Weckrunde des Nachwuchses. Anschließend steht das gemeinsame Frühstück an und Schulmahlzeiten werden vorbereitet. Diese Abläufe sind immer gleich. Sofern ich zu Hause bin. Wenn nicht, gelten diese Abläufe für die Kinder nahezu identisch, nur müssen beide dann via Handy geweckt werden und das Frühstück machen sie sich selbst. Bei Ausnahmen, wenn jemand krank ist, stelle ich meinen Job sofort zurück und fahre nach Hause. Da ich viel unterwegs bin, hat sich bei uns die Erziehung per WhatsApp etabliert. Es funktioniert alles, man muss Regeln nur klar kommunizieren.

Nach der Frühaktion, kann ich mich voll auf meinen Job und meine Kunden konzentrieren. Auch das Fokussieren auf das, was ich gerade tue habe ich erste im Laufe der Zeit gelernt. Als meine Kinder noch klein waren, sind meine Gedanken permanent zwischen den Kindern und dem Job hin und her gesprungen. Gefühlt war ich nie ganz bei der Sache. Erst nach der Geburt meines zweiten Kindes habe ich es geschafft mich stärker zu fokussieren und vor allem Prioritäten zu setzen. Dennoch, sobald etwas im Job oder bei den Kindern nicht ganz nach Wunsch läuft, muss ich mich sehr anstrengen, um bei der Sache zu bleiben. Übung macht den Meister und man lernt nie aus – das trifft auch in diesem Fall zu.


Was würde ich den Frauen raten, die Arbeiten und Kinder haben?

Eins vorweg: Jede Familie agiert anders. Jede Familie hat eigene Ziele und Wünsche. Was von außen an die Familie heran getragen wird, sollte reflektiert und hinterfragt werden, denn wir Frauen tendieren dazu uns sehr vom Außen und vom eigenen Umfeld sehr beeinflussen zu lassen. Hat man zum Beispiel eine Freundin, die nach eigener Aussage der Kinder zu liebe nicht arbeitet, braucht man sich dadurch kein schlechtes Gewissen einreden zu lassen, dass man die eigenen Kinder vernachlässigt, weil man arbeiten geht. Hier hat jeder sein eigenes Erfolgsrezept und dass ich arbeiten gehe heißt gewiss nicht, dass meine Kinder darunter leiden.

Mein Ziel ist es stets glückliche und lebensfrohe Kinder zu haben, die weder zu sehr verwöhnt, noch zu sehr vernachlässigt werden und die, wenn sie aus dem Haus gehen, zu mir sagen: Mama, das war echt toll hier. Wer bestimmt also was gut oder schlecht für meine Kinder, für meine Karriere und für die ganze Familie ist? Wer prägt die Meinung und das agieren der Familie und wann macht man es „anderen“ zu liebe oder um den Schein zu wahren? Diese Fragen kannst nur Du für Dich beantworten.


Positioniere Dich selbst und finde Antworten auf folgende Fragen:


Organisation

  • Familie: Wie lebt ihr als Familie zusammen und vor allem, in wie weit könnt und wollt ihr die Kinder, in Entscheidungen mit einbeziehen? Wie bestimmen wir den Alltag der Familie? Ab welchem Alter möchtet ihr den Kindern was zumuten, bzw. ab welchem Alter können sie selbstbestimmt agieren und entscheiden? Wann gebt ihr welche Verantwortung an die Kinder ab? Gibt es Menschen, die im Familienverbund mit agieren können? Wie wird der Alltag im Großen und Ganzen organisiert? Welche Rituale möchtet ihr als Familie leben? Was ist, wenn es zu Ausnahmen kommt? Was ist, wenn es zu Unstimmigkeiten kommt? Wer macht wann was?
  • Beruf: Musst Du oder möchtest Du arbeiten? Was ist Dir wichtig bei deinem Job? Was ist das Ziel Deines Jobs für Dich persönlich? Wie weit möchtest Du im Job kommen? Wie viel Energie möchtest Du in deinen Beruf stecken? Gibt es jemanden der Dich unterstützt? Was ist es wenn es zu Ausnahmen kommt? Wie stark bist Du von Deinem Job abhängig?


Visionen

  • Familie: Was habt ihr als Familie für Visionen? Was ist euch im Hinblick auf die Zukunft wichtig? Was ist der Wunsch der einzelnen Familienmitglieder in der Zukunft? Sind die Visionen realisierbar, ohne, dass sich ein Familienmitglied aufopfern muss? Kann man alle Visionen miteinander vereinbaren oder müssen Kompromisse eingegangen werden? Wie agieren die Partner miteinander? Wie oft wollt ihr die Visionen überarbeiten? Was geschieht wenn die Visionen nicht mehr tragbar sind?
  • Beruf: Was sind Deine Visionen für deinem Job? Kannst Du deine Visionen gut realisieren ohne in Stress zu kommen? Kannst du dafür aus deiner Komfortzone raus? Wie viel kannst Du Investieren? Wie viel Unterstützung brauchst du von deiner Familie? Macht Deine Familie das mit? Hast du ein Team? Hast Du ein passendes Netzwerk? Hast Du die richtigen Arbeitsbedingungen um die Visionen um zu setzen?


Zeitmanagement

  • Familie: Wie viel Zeit benötigt die Familie für welche Aktionen im Alltag? Wer kann was zu welchem Zeitpunkt welche Dinge übernehmen? Wie viele Wege sind in welcher Zeit zu bewältigen? Wie konsequent setzt man sich bei Verzögerungen ein? Was passiert bei Ausnahmen? Könnte man Gemeinschaften bilden um Zeiten zu überbrücken? Möchtest Du während der Familienzeit auch arbeiten? Was hat welche Priorität? Gibt es ein Familienmitglied, auf das alles aufgebaut ist? Wie reagiert die Familie auf Änderungen?
  • Beruf: Wie viel Zeit benötigst Du um Deinen Job nach Deinen Wünschen ausüben zu können? Kannst Du Dich während deiner Arbeit voll fokussieren? Kannst Du Dich im Job auf andere verlassen? Hast Du einen Anspruch auf besondere Zeiten im Job? Kannst Du Dir deine Arbeit gut einteilen? Kannst Du vom Job abschalten? Was geschieht wenn sich etwas ändert? Kannst Du Dich auf jemanden Verlassen wenn es eng wird?


Diese und noch viele Fragen mehr haben wir uns als Familie immer wieder gefragt und beantwortet. Regelmäßig kommen neue Fragen und Themen dazu, denn es ändert sich immer mal etwas. Wichtig: wir haben einen gemeinsamen Konsens gefunden. Jede Person ist anders. So muss auch jede/r seinen eigenen Weg finden. Aus meiner Sicht ist der Schlüssel zum Gleichgewicht eine offene Diskussion und ein offener und vor allem reflektierter Umgang mit Themen.

Über Kirsten Dehmer:

Ihre Eltern waren selbst fast noch Teenager als sie zur Welt kam. Trotz der Freiheiten als „Punk“ wuchs sie in einem stabilen Umfeld auf. Als sie nach ihrer Lehre zur Zahnarzthelferin zum Sportstudium nach Köln ging musste sie ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren. Sie jobbte als Trainerin in Hotels und Fitnessanlagen. In diesen 5-Sterne Hotels bekam sie die Chance als Personal Trainerin zu arbeiten. Damals, 1994 war diese Art von Job nur in den USA bekannt. Daher kamen viele Prominente zu ihr, um in Köln trainieren zu können. Unter anderem Kylie Minoque, Whitney Houston und viele mehr. Nach ihrem Studium und der Geburt ihrer zwei Kinder gründete sie die Firma fitforfacts. Diese Firma misst mit gezielten Testbesuchen Servicequalität und Kundenkontakte. Durch die unzähligen Testauswertungen, der eigenen Erfahrungen und ihre Neugierde entstand das Seminar Körper. Wirkung. Image.

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