Nachhaltige Anlagestrategien und grüne Gewinne

Nachhaltigkeit spielt mittlerweile eine große Rolle in unserem Alltag – auch beim Thema Geld. Das Motto: Rendite mit gutem Gewissen.

In unserem Magazin-Beitrag „Anlegen mit gutem Gewissen“ haben wir Dir schon erklärt, wie Du grüne Aktien erkennst und welche Siegel Dir dabei helfen können, verantwortungsbewusst zu investieren. Beim nachhaltigen Investment musst Du auch nicht auf gute Renditen verzichten. In diesem Artikel lernst Du, warum es wichtig ist, sich mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ zu beschäftigen. Außerdem erfährst Du, was die Vor- und Nachteile verschiedener Anlagestrategien sind.

Nachhaltigkeit – was bedeutet das eigentlich?

Bevor Du Dich in die grüne Finanzplanung stürzt, ist es sinnvoll, sich mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ vertraut zu machen: Der Begriff „nachhaltig“ bedeutet in erster Linie einfach substanzschonend. Dieser Begriff ist allerdings nicht geschützt. Deshalb kann jede:r das eigene Produkt nachhaltig bezeichnen– auch, wenn es das gar nicht ist. Daher ist es schwer zu erkennen, ob es sich dabei um Greenwashing handelt, oder ob eine mit den eigenen Werten übereinstimmende Strategie dahinter steckt. Der Fondsname kann ein erstes Indiz dafür sein, inwiefern das Produkt überhaupt eine nachhaltige Anlagestrategie verfolgt. Die Vorsilbe “ex” zeigt zum Beispiel, ob bestimmte Branchen ausgeschlossen werden. „Ex Weapon“ steht so beispielsweise dafür, dass nicht in Rüstungs- und Waffenlieferanten investiert wird. Um für mehr Übersichtlichkeit und Regelungen zu sorgen, wurden deshalb in der Finanzbranche spezielle Standards entwickelt: die ESG-Kriterien. Sie können Dir helfen, Deine Geldanlage auf Nachhaltigkeit zu überprüfen.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Dich?

Zudem empfiehlt es sich, die eigene individuelle Ansicht zu Nachhaltigkeit herauszufinden. Dazu rät auch unsere finanz-heldin Katharina: „Wichtig ist es, sich erstmal persönlich zu fragen, was der Begriff für mich bedeutet und dies in meine Recherche miteinzubeziehen“. Gleichermaßen ist Kompromissbereitschaft gefragt: „Häufig gibt es noch nicht DIE nachhaltige Geldanlage, die 100 Prozent zu meinen Vorstellungen passt. Dennoch kann ich mich mit einer Variante annähern und im Laufe der Zeit nachbessern.“ 

Wie findest Du nun Geldanlagen, mit denen Du guten Gewissens Vermögen aufbauen kannst?

Du kannst die Angebote auf dem Markt selbstständig auf ihre Versprechen zu Nachhaltigkeit überprüfen. Konkret also Unternehmensberichte lesen, das Produktportfolio kritisch betrachten, Ratings nachrechnen und die Medienberichterstattung über bestimmte Unternehmen verfolgen. Das ist der sicherste Weg, aber auch sehr aufwändig. Einen ganzen ETF oder Fonds gründlich zu durchleuchten ist fast unmöglich – selbst, wenn Du bereit bist, sehr viel Zeit zu investieren.

Alternativ kannst Du gezielt Finanzprodukte kaufen – also vor allem ETFs und Fonds – deren Anlageansätze Nachhaltigkeitsstrategien enthalten. Hier gibt es verschiedene Ansätze, von denen Du die wichtigsten vier kennen solltest:

1. Gezielte Auswahl von Titeln

Das Management eines Fonds sucht aktiv nach Aktien von nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen.

  • Vorteil: Die Unternehmen werden geprüft und die Fondsgesellschaft kann ihr Stimmrecht als Aktionärin nutzen, um weitere Nachhaltigkeitsstandards in den Unternehmen zu integrieren.
  • Nachteil: Die laufenden Gebühren (TER) des Fonds sind aufgrund des aktiven Managements ggf. etwas höher.

2. Ausschluss von bestimmten Branchen

Unternehmen, die bestimmte Produkte herstellen bzw. in bestimmten Branchen aktiv sind (Waffen, Pornografie, etc.) oder gegen bestimmte soziale, ökologische und governancebezogene Kriterien verstoßen (Kinderarbeit, Korruption etc.), werden bei der Titelauswahl nicht berücksichtigt.

  • Vorteil: Die „schmutzigsten“ Unternehmen befinden sich garantiert nicht im Portfolio.
  • Nachteil: Je nach Umfang der Blacklist der ausgeschlossenen Unternehmen kauft man am Ende möglicherweise trotzdem einige nicht-nachhaltige Unternehmen mit.

3. Best-in-Class Ansatz

Es wird in Unternehmen investiert, die innerhalb ihrer eigenen Branche die besten Nachhaltigkeitsleistungen erbringen.

  • Vorteil: Unternehmen, die sich eigenständig der Nachhaltigkeit verpflichtet haben und diese Ziele auch verfolgen, sind langfristig auch aus Rendite-Sicht attraktiv.
  • Nachteil: Es gibt ggf. keine Ausschlusskriterien bestimmter Branchen wie Waffen oder Kernenergie.

4. Impact Investing

Das Fondsmanagement investiert in Unternehmen, die einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben, zum Beispiel Wasserfilteranlagen in Entwicklungsländern betreiben.

  • Vorteil: Mit dem Geld unterstützt man aktiv innovative und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Geschäftsmodelle.
  • Nachteil: Das Research für solche Unternehmen ist teuer, was sich auf die laufenden Kosten (TER) des Fonds auswirkt.

Für Dich als Privatanleger:in ist es primär wichtig zu definieren, was für Dich Nachhaltigkeit ist. Damit kreierst Du einen eigenen Maßstab zur Auswahl von Fonds und Aktien. Folgende Checkliste kann Dir dabei weiterhelfen: 

  • Passt das Produkt grundsätzlich zur Deiner Anlagementalität, zu den Zielen und zur Risikobereitschaft?
  • Welche Anlagestrategie mit welchem Nachhaltigkeitsansatz verfolgt der Fonds – und passt sie zu Dir?
  • Hat der Fonds ein Siegel und wenn ja, passen die Kriterien des Siegels zu Deinen Nachhaltigkeitswerten?

Wenn Du die Fragen für Dich mit „Ja“ beantworten kannst: Leg los!

Wenn Du unsicher bist, hinterfrage, was genau noch nicht passt. Wenn Dein Bauchgefühl Dir von einem Fonds abrät – Finger weg! Sind es Kleinigkeiten, die Dich vielleicht stören, mache Dir nochmal bewusst, dass es das perfekte Investment nur selten gibt. 

Auf unserer Fokusseite und im Podcast Schwungmasse findest Du eine Reihe weiterer Informationen und Anregungen zum Thema Nachhaltigkeit sowie viele weitere Tipps zu Finanzen in allen Lebenslagen. Schau doch mal rein!

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