R.I.P., liebe Börsen-Oma

Beate Sander ist tot. Die 82-jährige ist an Krebs gestorben. Ein Nachruf von Jessica Schwarzer.

Sie war die Grande Dame der deutschen Finanzbranche. Privatanleger*innen hingen an ihren Lippen, haben ihre Bücher, die auf vielen Bestseller-Listen standen, verschlungen. Nun ist Beate Sander, auch liebevoll „Börsen-Oma“ genannt, gestorben. Krebs lautete die Diagnose, mit der sie seit einiger Zeit leben musste, unheilbar. Mit ihrer Erkrankung ist Beate Sander sehr offen umgegangen.

In ihren letzten Wochen hat sie eine Art Abschiedstournee gegeben. Von ihrem letzten Webinar, dass ihr so am Herzen gelegen hat, über allerletzte Radiointerviews, die zu YouTube-Videos aus ihrem Arbeitszimmer wurden bis zu diversen Video-, Online- und Printinterviews. Sie war noch einmal auf allen Kanälen.

Wer sie kannte, hat gesehen, dass es ihr nicht gut ging. Ein Geheimnis hat sie daraus auch nicht gemacht. Doch im Kopf war sie noch immer ganz klar. Ihre Botschaft hat sie bis zuletzt verkündet: Aktien statt Sparbuch, gute Renditen anstatt mickriger Zinsen. Diese Botschaft hat ihr sehr am Herzen gelegen.

Mit einer eigenen Strategie zum Erfolg

Beate Sander hatte ihre ganz eigenen Strategie, die von ihr entwickelte „Hoch-Tief-Mut-Strategie“. In einem Interview für die finanz-heldinnen hat sie mit mir darüber gesprochen. Es war ein spannendes Interview, sie war sehr emotional, sehr überzeugend. Wir investierten ganz unterschiedlich: Sie setze überwiegend in Einzelaktien. In die Auswahl der einzelnen Titel investierte sie viel Zeit. Ich bin überzeugte ETF-Investorin, die Auswahl von Einzelaktien ist mir zu mühsam. Beate Sander sah das anders, auch wenn sie einige ETFs im Depot hatte, waren es doch vor allem Einzelwerte.

Aber es gibt ja auch nicht den einen Weg zum Börsenerfolg, es gibt mehrere Strategien. Auch wenn wir nicht ganz einer Meinung waren, der Austausch mit Beate Sander war auf jeden Fall eine absolute Bereicherung. Zu jeder einzelnen ihrer Aktie konnte Beate Sander leidenschaftlich referieren, wann, zu welchem Kurs und vor allem warum sie sie gekauft hatte. Eine extrem leidenschaftliche Aktionärin.

Und einen Börsenmillionärin. Dabei hatte die ehemalige Lehrerin erst spät mit ihren Investments angefangen. Im Alter von 59 Jahren startete sie mit 30.000 Euro, im Herbst 2020 waren daraus 2,5 Millionen Euro geworden – trotz zwischenzeitlicher Rücksetzer. Auch darüber hat sie immer sehr offen gesprochen, auch im Podcast mit den finanz-heldinnen.

Nun hat Beate Sander für immer die Augen geschlossen, ihre Stimme ist verstummt. Es bleiben Dutzende Bücher, zwei davon sind gerade erst erschienen. Es bleiben viele Interviews, Vorträge, Webinare. In ihren Büchern und im Internet lebt die „Börsen-Oma“ weiter. RIP, Beate Sander.

Bildnachweis: © Nina Wellstein

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