Nachwuchs: Was finanziell zu beachten ist

Nachwuchs: Was finanziell zu beachten ist

Möchte man heute als Frau Beruf und Kind vereinbaren, sind viele Dinge am besten bereits im Voraus zu beachten, zu planen und zu regeln. Das betrifft nicht nur organisatorische Aspekte wie die zukünftige Betreuung des Kindes oder die Einrichtung des Zimmers.

Insbesondere Behördengänge, Papierkram und die finanzielle Planung sind ganz spezielle Herausforderungen. Julia Bohne, Abteilungsleiterin bei einer Bank, schreibt über ihre persönlichen Erfahrungen durch den Papierdschungel.

Für mich war immer klar, dass ich meinen Beruf nicht für ein Kind aufgeben möchte. Auf ein Jahr Auszeit habe ich mich sehr gefreut – aber ich liebe meinen Job als Projektmanagerin und wäre nicht bereit gewesen, diesen komplett aufzugeben. Aus diesem Grund habe ich schon oft vor meiner Schwangerschaft über mögliche Szenarien und Hürden nachgedacht, mich mit Kolleginnen ausgetauscht und Pläne geschmiedet. Und trotzdem trafen mich auch noch nach der Geburt meines Sohnes Erkenntnisse, die ich gerne vorab betrachtet hätte. Nichts desto trotz bin ich nach wie vor glücklich mit meiner Entscheidung, ein Baby zu bekommen und fühle mich gut gerüstet für meinen erneuten Einstieg ins Berufsleben nach der Elternzeit.

Nachdem ich nun den größten Teil der Behörden- und Papierschlacht hinter mir habe und auch die Pläne hinsichtlich Rückkehr in den Beruf geschmiedet sind, kann ich sagen, dass man auf folgende Aspekte achten sollte:

1. Unendlicher Papierkram:

Die Geburt eines Kindes bringt einen Haufen an Papierkram mit sich. Schwangerschaft melden, Mutterschutz anmelden, Antrag auf Kindergeld, Antrag auf Elternzeit, Antrag auf Elterngeld… es hörte nicht auf. Meine Empfehlung ist es, zeitnah vor der Geburt und auch vor dem Start des Mutterschutzes die nötigen Formulare zusammenzutragen und sich ggf. eine Checkliste zu machen, zu welchem Zeitpunkt welches Formular bei welcher Behörde oder beim Arbeitgeber abzugeben ist und welche Zusatzinfos benötigt werden. Denn wenn der Nachwuchs erst da ist, hat man für Papierarbeit keine Zeit und auch keine Lust mehr.

Beispielsweise erhält man bereits vor der Geburt für die Beantragung des Mutterschaftsgeldes beim Frauenarzt eine Bescheinigung über den mutmaßlichen Geburtstermin. Nach der Geburt ist das wichtigste Dokument die Geburtsurkunde. Wir konnte diese direkt im Krankenhaus beantragen und musste nicht zur Behörde und lange Wartezeiten blieben uns erspart.

2. Planung der Finanzen:

Die Planung der Finanzen hat mich vor der Schwangerschaft besonders beschäftigt. Es gibt viele Komponenten, die man beachten muss und kalkulieren sollte. Wir haben bereits sehr früh eine Einnahmen- und Ausgabenrechnung mit den neuen Einkommensverhältnissen erstellt, um zu schauen wie wir mit einem Gehalt und Elterngeld etc. finanziell aufgestellt sind. Dabei haben wir die unterschiedlichen Konstellationen hinsichtlich Steuerklasse, Teilzeitgehalt und Varianten des Elterngelds simuliert, um alle Optionen zu betrachten. Die Betrachtung der Varianten war für uns u.a. wichtig für die Planung meines Wiedereinstiegs in den Beruf. Und wir hätten rechtzeitig Maßnahmen einleiten können, um z.B. monatliche Kosten zu reduzieren. Wichtig bei der Rechnung ist die Betrachtung der Kosten für das Kind. Denn Aufwände für Windeln, Kleidung und Ernährung sind nicht zu unterschätzen und nehmen gerne 100-200 EUR monatlich in Anspruch.

Genauer hinsehen mussten wir bei der Beantragung von Mutterschaftsgeld und staatlichen Leistungen, da hier einige mögliche Stolpersteine warten:

Elterngeld

Das Thema war für mich besonders wichtig und komplex. Steht man gehaltlich gut im Berufsleben, fällt mit der Entscheidung für ein Kind vorerst einiges an Einkommen monatlich weg. Das Mutterschaftsgeld deckt noch den Nettoverdienst der Zeit vor der Schwangerschaft. Beim Thema Elterngeld muss man jedoch genau hinschauen:

  • Ins Thema Elterngeld sollte man sich intensiv einlesen denn es gibt etliche verschiedene Varianten. Basiselterngeld, Elterngeld+ und Partnermonate sowie Kombinationen aus allen Optionen.
  • Die wichtigste Erkenntnis: man bekommt nur auf dem Papier 12 Monate Elterngeld – in der Realität sind es 10 Monate, denn das Mutterschaftsgeld wird darauf angerechnet. Möchte man also 12 Monate zu Hause bleiben, muss man zwei Monate ohne Elterngeld auskommen. Oder man nutzt die Variante des Elterngeldes+ und hat einige Monate mit entsprechend reduziertem Elterngeld auszukommen.
  • Man bekommt einen bestimmten Prozentsatz (65%-67%) vom vorherigen Nettogehalts als Elterngeld. Das hört sich auf den ersten Blick gut an. Elterngeld ist jedoch auf maximal 1.800 EUR pro Monat begrenzt und das bedeutet in der Realität im Zweifel spürbare Einbußen bei den monatlichen Einnahmen.
  • Der Antrag war weitaus der Komplizierteste und brauchte die längste Bearbeitung der Behörde. Selbst 5 Monate nach der Geburt ist bei uns noch kein Geld geflossen. Also am besten direkt nach Erhalt der Geburtsurkunde rechtzeitig abgegeben.
  • Arbeitet man Teilzeit in der Elternzeit, benötigt die Elterngeldstelle einen Nachweis des Arbeitgebers über diese Tätigkeit, der jedoch meist er nach dem Mutterschutz und mit Beginn der Elternzeit ausgestellt wird. Der Verdienst aus der Teilzeit wird auf das Elterngeld angerechnet und dieses entsprechend reduziert. Hier lohnt sich die Rechnung, ob sich der Teilzeit-Verdienst überhaupt rentiert.
  • Am Ende der Zahlzeit für das Elterngeld wird ähnlich einer Einkommensteuererklärung noch einmal eine genaue Rechnung des Elterngeldanspruchs vorgenommen. Verdient man etwas in Teilzeit hinzu, kann es dadurch zu einer Rückforderung kommen. Für diesen Fall am besten bereits vorab etwas Geld zur Seite legen.

Kindergeld

Der Antrag auf Kindergeld war nach Erhalt der Geburtsurkunde schnell ausgefüllt und verschickt. Und das Geld wurde ebenfalls schnell gezahlt. Für das erste Kind erhält man seit 2018 194 Euro im Monat

Krankenversicherungen

  • Versicherung der Mutter
    Auch hier gibt es wieder etliche Konstellationen hinsichtlich der Krankenversicherung und den entstehenden Kosten. In unserem Fall war ich vor der Schwangerschaft freiwillig gesetzlich versichert und mein Mann in der privaten Krankenversicherung. Durch diese Kombination hätte ich in der Elternzeit jeden Monat rund 200 EUR Krankenversicherung zahlen müssen. Ist man gesetzlich pflichtversichert, entfällt dieser Beitrag. Bei einer Teilzeitbeschäftigung zahlt man ganz normal den prozentualen Beitrag zu den Sozialversicherungen. Ist man als Frau in der privaten Krankenversicherung, muss man während der Elternzeit den kompletten Beitrag selbst finanzieren. In unserem Fall bin ich für die Zeit der Teilzeitbeschäftigung gesetzlich pflichtversichert und zahle die normalen Sätze an die Versicherungen.
  • Versicherung des Kindes
    Die Versicherung des Kindes ist abhängig von der Versicherungskonstellation der Eltern und tatsächlich auch von deren Einkommen. Mögliche Optionen sind die Aufnahme in die gesetzliche Familienversicherung oder in eine private Krankenversicherung. Abhängig von der Einkommens- und Versicherungskonstellation der Eltern ist jedoch nicht jede Option frei wählbar. Am besten klärt man die mögliche Versicherungsart des Kindes ebenfalls rechtzeitig vor der Geburt, den die Gesellschaften fordern gerne die ein oder andere Prüfung per Formular ein. Denn spätestens im Krankenhaus nach der Geburt wird man nach der Versicherung des Kindes gefragt. Für unseren Sohn kam aufgrund unserer Kombination nur die Familienversicherung in Frage. Wir haben ergänzend dazu noch eine Krankenhauszusatzversicherung für ihn abgeschlossen, denn ansonsten sind Kinder ziemlich gut über die gesetzliche Versicherung abgesichert und die hohen Beiträge der privaten Kassen lohnen sich im Zweifel nicht.

3. Wiedereinstieg planen:

Auch wenn der Wiedereinstieg in den Job noch sehr weit weg erscheint, ist eine rechtzeitige Planung des Zeitpunkts und der Arbeitszeit wichtig. Spätestens beim Gespräch mit der Führungskraft über die Schwangerschaft kann die Frage aufkommen und ich empfand es als sehr wertvoll, eine Antwort zu haben. Zum einen hat man wieder einen grünen Haken auf der ToDo-Liste aber die Führungskraft weiß auch, wie der Einsatz in Zukunft geplant werden kann und mit welcher Stelle und Kapazität zu rechnen ist.

Wichtige Aspekte bei meiner Planung waren das berufliche Ziel bzw. der Wunschjob bei Wiedereinstieg, die Möglichkeit der Kinderbetreuung (bei uns im Ort können z.B. Kinder erst ab einem Jahr in die KiTa), die familiäre Unterstützung aber auch die Flexibilität des Arbeitgebers (z.B. Homeoffice). Meine Entscheidung fiel auf ein Jahr Elternzeit und anschließend ein Wiedereinstieg mit 80%. Mein Kind wird jeden Tag in die KiTa gehen, um eine Regelmäßigkeit zu haben. Montags passt die Oma auf den Kleinen auf und ich kann lange arbeiten. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag holen ich oder mein Mann den Kleinen spätestens um 15 Uhr ab, um noch genug gemeinsame Zeit am Tag zu haben und freitags arbeite ich zu Hause. Korrespondenz erledige ich ergänzend am Abend, wenn das Kind schläft. Durch dieses Modell habe ich genug Zeit, um vor Ort mit meinen Kollegen zu arbeiten aber auch die Möglichkeit für mein Kind da zu sein. Ich bin sehr gespannt, wie der Plan in der Realität funktionieren wird.

Mein Arbeitgeber bietet für die Elternzeit eine Art Mini-Teilzeit an. Durch dieses Angebot habe ich die Möglichkeit, während der Elternzeit nah am Berufsgeschehen zu bleiben: dazu gehört meine Mails lesen, Zugang zum Unternehmensnetzwerk zu haben oder an Terminen und Telefonkonferenzen teilzunehmen. In der aktuellen Zeit ändert sich so viel im Berufsleben und dem Unternehmen. Bleibt man ein Jahr komplett außen vor, kennt man im Zweifel nur noch wenige Themen, Leute und Zuständigkeiten. Nach zwei Monaten kann ich sagen, dass ich das Angebot toll finde: ich tausche mich regelmäßig mit meinen Kollegen aus und bleibe am Ball. Und etwas andere Themen als Baby tun zwischendurch auch gut.☺

4. Beschaffungen:

Das letzte Thema sind die Beschaffungen für das Kind, die man nicht unterschätzen sollte. Der Kauf von Kinderwagen, Möbeln, Kleidung etc. kann schnell Unsummen an Geld fressen. Wir haben viele Sachen auf Basaren oder Second Hand Online gekauft. Da die Sachen oft nur kurz in Benutzung sind, kann man neuwertige Artikel erstehen und zum Teil die Hälfte sparen. Und Schnäppchen jagen macht eben auch Spaß.

Mein kleiner Sohn ist heute 5 Monate alt und ich genieße meine Zeit mit ihm sehr. Auch bereue ich den Schritt nicht, mich für ein Jahr aus dem Beruf zu ziehen und Mama zu sein. Durch die rechtzeitige Planung habe ich die für mich nötige Sicherheit hinsichtlich Finanzen und Job erhalten und freue mich schon wieder auf meinen Job Anfang 2019.

Julia Bohne

Julia Bohne

Julia Bohne ist Abteilungsleiterin im Bereich Privat- und Unternehmerkunden der Commerzbank. Im Dezember 2017 kam ihr Sohn auf die Welt und sie befindet sich aktuell bis Ende 2018 in Elternzeit. Ab 2019 wird sie wieder in ihren Beruf einsteigen. Julia möchte Frauen ermutigen, den beruflichen Werdegang nicht für ein Kind aufzugeben, sondern beides zu vereinbaren. Finanzielle Unabhängigkeit, berufliche Verwirklichung und eine Familiengründung unter einen Hut zu bekommen ist ihrer Meinung nach mit etwas Weitsicht und einer guten Planung möglich und sehr schön.

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