Was macht eigentlich eine Notenbank?

In der Finanzwelt gehören die Notenbanken – auch Zentralbanken genannt – zu den mächtigsten Institutionen. Mit ihrer Geldpolitik können sie unterschiedliche Ziele verfolgen und beeinflussen damit jede*n einzelne*n von uns.

Wie der Name schon vermuten lässt, sind Notenbanken dafür da, die Geldmenge, die sich in einem Wirtschaftskreislauf befindet, zu steuern. Das ist wichtig, denn angenommen, jede Bank könnte nach Belieben Euro-Scheine drucken und Münzen prägen, dann könnte sich niemand mehr darauf verlassen, dass ein Euro morgen noch denselben Wert, bzw. dieselbe Kaufkraft hat wie heute. Eine Erhöhung der Geldmenge führt unweigerlich zur Inflation: Der Wert jeder einzelnen Banknote verringert sich und die Preise steigen. Eine Verringerung der Geldmenge führt hingegen zu einer Deflation: Der Wert steigt und die Preise sinken.

Oberstes Ziel: Preisstabilität

Für eine Volkswirtschaft ist ein bisschen Inflation hilfreich. Warum ist das so? Angenommen die Preise würden dauernd sinken, wäre die Hoffnung für Konsument*innen groß, ein Produkt oder eine Dienstleistung morgen noch günstiger zu bekommen. Die Menschen würden bei sinkenden Preisen also weniger kaufen. Doch ohne Investitionen und Konsum kann eine Volkswirtschaft nicht wachsen. Denselben Effekt hätte auch eine zu hohe Inflation: Steigende Preise bei gleichbleibendem Einkommen können sich auf Dauer immer weniger Menschen leisten. Das oberste Ziel der Notenbanken ist es also, die Preise möglichst stabil zu halten. Für den Euro-Raum gilt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent als optimal.

Die zuständige Notenbank für Deutschland und die anderen 18 Mitgliedsstaaten der Euro-Zone ist die Europäische Zentralbank (EZB). Um die Preisstabilität zu gewährleisten, stehen ihr verschiedene geldpolitische Instrumente zur Verfügung.

1. Der Leitzins

Der Leitzins ist der Preis, den Geschäftsbanken für Kredite bei der EZB bezahlen müssen bzw. den sie auf Einlagen bei der EZB erhalten. Seit März 2016 liegt der wichtigste Leitzins, der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz bei null Prozent, d.h. die Geschäftsbanken erhalten von der EZB kostenlose Kredite. So können sie ihrerseits entsprechend günstige Kredite an ihre Kund*innen vergeben. Mit dieser lockeren Geldpolitik möchte die EZB die Wirtschaft ankurbeln, denn günstige Kreditzinsen verleiten dazu, mehr zu investieren. Sollte die Inflation zu stark ansteigen und die angestrebte Zwei-Prozent-Marke deutlich überschreiten, kann die EZB den Leitzins anheben und dadurch die Geldmenge verringern.

Ein anderer Leitzins ist der Einlagesatz (auch Einlagefazilität). Dahinter verbirgt sich der Preis, den Geschäftsbanken erhalten, wenn sie kurzfristig nicht benötigtes Geld bei der EZB anlegen. Der Einlagesatz liegt derzeit bei -0,5 Prozent (Stand: August 2020). Dadurch ist für Banken der Anreiz zu investieren – in Form von Kreditvergaben an Privatpersonen und Unternehmen – logischerweise höher, als das Geld teuer zu parken. Weil Banken ihre Kund*innen halten möchten, geben sie den Negativzins in der Regel nicht eins zu eins weiter. Sparen kostet also kein Geld, aber es erwirtschaftet auch keines.

Über den Leitzins nimmt die Zentralbank also indirekt Einfluss auf die Spar- und Kreditzinsen der Verbraucher*innen.

2. Mindestreserve

Ein weiteres geldpolitisches Instrument ist der sogenannte Mindestreservesatz. Banken sind dazu verpflichtet, einen bestimmten Anteil ihrer gesamten Einlagen bei der nationalen Notenbank (in Deutschland ist das die Deutsche Bundesbank) zinslos zu hinterlegen. In erster Linie gewährleistet dies die jederzeitige Zahlungsfähigkeit einer Bank. Du kannst den Mindestreservesatz also mit Deinem privaten Notgroschen vergleichen. Dadurch, dass die EZB die Höhe des Mindestreservesatzes verändern kann, kann sie auch die Preisentwicklung beeinflussen: Je höher der Mindestreservesatz ist, desto knapper wird die Geldmenge und desto höher die Kaufkraft, d.h. für jeden Euro kannst Du Dir mehr leisten.

3. Offenmarktgeschäfte

Unter die Offenmarktgeschäfte fallen die Anleihekäufe, die die EZB seit der Finanzmarktkrise in großem Umfang tätigt, um angeschlagen Euro-Staaten zu stützen. Sie tut dies ebenfalls im Sinne der Preisstabilität, denn kriselnde Staaten haben trotz attraktiver Renditeversprechen enorme Schwierigkeiten, ihre Staatsanleihen am Markt zu platzieren, da Anleger*innen das durchaus realistische Ausfallrisiko meiden. Damit diesen Staaten weiterhin liquide Mittel zur Verfügung stehen, springt die EZB ein. Sie pumpt durch die Anleihekäufe frisches Geld auf den Markt, erhöht dadurch die Geldmenge und kurbelt im besten Fall die Wirtschaft des entsprechenden Staates an.

Wie Du siehst, sind Notenbanken für die gesamte Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Sie sind für die Preisstabilität verantwortlich und können das Wirtschaftswachstum beeinflussen.

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