Risikostreuung

Risikostreuung über alles

Lege bloß nicht alle Eier in einen Korb. Fällt er runter, sind alle kaputt. Lieber verteilen wir die Eier auf viele Körbe. Auch bei der Geldanlage führen mehrere „Körbe“ zum Erfolg.

Manche Börsenweisheit klingt ein bisschen platt, nach einem dummen Spruch. Aber in den meisten steckt viel Wahrheit. Deshalb haben mich die klugen und oft bildhaften Aussprüche über das Treiben an den Märkten auch derart in ihren Bann gezogen. „Nicht alle Eier in einen Korb legen“ ist eine der treffendsten Börsenweisheiten überhaupt. Die Idee dahinter ist einfach: Wer sein Vermögen nur in eine Anlageklasse wie etwa Aktien investiert, geht ein enormes Risiko ein. Schließlich ist die Entwicklung des Portfolios dann auch nur von dieser Anlageklasse abhängig. Stürzen die Aktienbörsen empfindlich ab, rauscht auch der Depotwert in die Tiefe.

So ist es auch mit dem Korb, in den wir alle Eier legen. Fällt er runter, sind alle Eier kaputt, verteilen wir die Eier auf mehrere Körbe und einer stürzt ab, dann bleiben uns noch die Eier in den anderen Körben. Klingt logisch, oder? Bei der Geldanlage stehen die Körbe für Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder auch Immobilien. Wenn Du breiter investiert, kannst Du den Absturz einzelner Anlageklassen, die dann nicht mehr so viel Gewicht haben, besser abfedern. Risikostreuung oder auch Diversifikation nennt man das. Es ist eine der goldenen Regeln der Kapitalanlage.

Und preisgekrönt noch dazu. Harry Markowitz bekam für seine moderne Portfoliotheorie den Nobelpreis. Bereits in den 50er-Jahren wies der Wirtschaftswissenschaftler nach, dass eine breite Streuung auf mehrere Anlageklassen das Risiko im Depot senkt. Du solltest also niemals nur auf eine Anlageklasse setzen und auch innerhalb dieser breit streuen, also viele verschiedene Aktien kaufen und nicht nur einige wenige Titel. Das klingt erstmal kompliziert, ist es aber im Grunde nicht.

Ich bin überzeugte Aktionärin, mein Depot beseht zu 80 Prozent aus Aktien, nur zu 20 Prozent aus Anleihen. Dabei setzte ich auf Fonds statt auf Einzelwerte, setzte bei Aktien auf die ganze Welt und bei den Anleihen auf Europa statt auf einzelne Länder. Meine Diversifikation geht sogar noch weiter: Ich habe beispielsweise Dividendenaktien im Depot, Nebenwerte, Value-Aktien und Qualitätstitel, und natürlich auch Aktien aus den aufstrebenden Schwellenländern. Hinzu kommen Unternehmens- und Staatsanleihen, auch wenn die in Zeiten von Niedrigzinsen nicht mehr so viel Rendite bringen. Aber sie sorgen für Ruhe im Depot und senken das Risiko.

Natürlich habe ich auch ein Tagesgeldkonto, denn an der Börse investiere ich sehr langfristig. Ich habe immer genug Liquidität, um die kleinen Katastrophen des Alltags zu meistern. Schließlich soll mich eine teure Autoreparatur oder die Anschaffung einer neuen Waschmaschine nicht in schwachen Börsenphasen dazu zwingen, Aktien zu verkaufen. Auch das ist Risikostreuung.

Jede Anlageklasse reagiert unterschiedlich

Kommen wir zurück zur Börse und dem Grundgedanken der Diversifikation: Jede Anlageklasse reagiert unterschiedlich auf Entwicklungen am Finanzmarkt. Wenn eine Anlageform in Turbulenzen gerät, entwickeln sich andere möglicherweise sogar positiv oder sind nicht gar nicht betroffen. Dieser Zusammenhang wird beim Vergleich Aktien- und Rentenmärkte besonders deutlich. Über Jahrzehnte entwickelten sie sich gegenläufig: Stiegen die Aktien fielen die Anleihen und umgekehrt. Allerdings waren in der Finanzkrise fast alle Anlageklassen von starken Verlusten betroffen, einzige Gold und Bundesanleihen hielten sich wacker. Aktien und Anleihen stürzten vor allem in Zuge der europäischen Schuldenkrise mehr oder weniger gleichzeitig ab. Aber vom Grundsatz her hat die Regel ihre Gültigkeit nicht verloren.

Vor allem langfristig funktioniert die Diversifikation prima. Es bringt oft richtig gute Gewinne, die Eier auf verschiedene Körbe zu verteilen. Wenn Du auf mehrere Körbe setzt, kannst Du – ohne gleich das ganze Portfolio in Gefahr zu bringen – auch auf einen risikoreicheren setzen. Und das kann sich richtig lohnen, denn die profitabelsten Geldanlagen sind oft die riskantesten. Es geht aber natürlich nicht darum, das Geld wild und wahllos zu streuen.

Eine relativ einfache Variante wäre ein Depot mit vier börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETFs). Das sind Fonds, die einen Börsenindex abbilden. Damit setzt Du je nach Index auf Dutzende, Hunderte oder gar Tausende Einzeltitel. Das sind verdammt viele Eier, die wir nun in vier Körbe packen: Aktien aus den entwickelten Industrieländern, der passende Index ist hier der MSCI World, Aktien aus den aufstrebenden und damit etwas riskanteren Schwellenländern via MSCI Emerging Markets sowie Unternehmens- und Staatsanleihen. Bei Letzteren kommt es auf Region, Laufzeit der Anleihen und Bonität, also die Schuldnerqualität an, welchen Index wir auswählen. Ich empfehle Anleihen aus dem Euro-Raum mit relativ guter Qualität – so ist das Risiko von Pleiten nicht so groß und ein Wechselkurs-Risiko entfällt gleich ganz. Eine gute Übersicht bietet hier die Deutsche Börse.

Ein solches Depot mit vier Körben – vielleicht jeweils mit 25 Prozent Anteil – ist schon ziemlich gut diversifiziert und ein sehr guter Anfang. Beimischen könntest Du natürlich Dividendenaktien oder Nebenwerte, ganz nach Deinem Geschmack. Aber bitte übertreibe es nicht mit der Diversifikation. Du musst nicht überall dabei sein und vor allem nicht jeden Modetrend mitmachen. Streuung ist kein Selbstzweck und ein Korb mit faulen Eiern hilft uns nicht weiter.

Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer

Journalistin, Moderatorin

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht. Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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