Risk Profiling

Risk Profiling – kenne Dein Risiko

Risiko ist die abstrakte Schwester der Rendite. Kann man Risiko überhaupt messen und wie findet man sein persönliches Risikoprofil?

Rendite und Risiko sind bei der Geldanlage zwei Seiten einer Medaille. Je höher die Rendite ausfallen soll, desto mehr Risiko müssen Anleger dafür in Kauf nehmen. Während sich die Rendite genau beziffern lässt, ist das Risiko eine abstrakte Größe. Die Finanzmathematik kennt unterschiedliche Risikomaße wie die Volatilität oder den Value at Risk, mit denen sich das Wagnis einer Geldanlage objektiv bestimmen lässt und die in jedem Produktinformationsblatt ausgewiesen werden. Doch Vermögensanlage ist nicht objektiv. Im Gegenteil: Wie viel und wofür Du sparst und welche Anlageformen Du dafür wählst, ist eine höchst individuelle Angelegenheit. Sie muss zu Dir passen wie Deine Schuhgröße.

Umso wichtiger ist es für Dich als Anlegerin, Dein persönliches Risikoprofil zu kennen. Monika Müller ist Diplom-Psychologin und Finanz-Coach. Das individuelle Risikoprofil beschreibt sie gerne als Komfortzone: „Psychologisch betrachtet ist das die Zone, aus der heraus wir neutral und angstfrei agieren können.“

In vier Schritten zu Deinem Risikoprofil

Das Risikoprofil eines Anlegers ist mehreren Einflussfaktoren ausgesetzt. Frage Dich, wie viel Risiko kannst Du stemmen (Risikokapazität)? Wie viel willst Du auf Dich nehmen (Risikobereitschaft)? Wie viel Unsicherheit musst Du in Kauf nehmen, um Dein Ziel zu erreichen (Risikobedarf)? Und: Wie schätzt Du ganz individuell das objektiv messbare Risiko einer Geldanlage ein (Risikowahrnehmung)?

Schritt 1: Risikokapazität

Um herauszufinden, wie viel Verlust Du im schlimmsten Fall aushalten kannst, solltest Du Dir einen Überblick darüber verschaffen, wie viel Geld Du bereits zur Verfügung hast. Je höher Dein Vermögen, desto besser lassen sich eventuelle Wertverluste abfedern. Vergiss dabei nicht, bereits bestehende Verbindlichkeiten gegenzurechnen. Laufende Kreditverträge müssen weiterhin jederzeit bedient werden können. Weiterhin kannst Du umso mutiger anlegen, wenn Dein Arbeitsplatz sicher ist. Selbstständige mit schwankendem Einkommen sollten generell etwas zurückhaltender beim Risiko sein.

Auch die geplante Anlagedauer spielt eine wichtige Rolle. Langfristige Anlagen, etwa für die Altersvorsorge, vertragen eine höhere Aktienquote, da noch genügend Zeit bleibt, um etwaige Kursverluste auszugleichen.

Schritt 2: Risikobedarf

Wie viel Risiko Du eingehen musst, hängt vom Anlageziel ab, also davon, welches Vermögen Du über welchen Zeitraum aufbauen möchtest. Planst Du beispielsweise, ein Vermögen von 5.000 Euro innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln, schaffst Du das nur mit einem relativ riskanten Investment, das Dir im Schnitt rund 15 Prozent Rendite pro Jahr beschert. Lässt Du Dir dagegen 20 Jahre Zeit, reichen etwa 3,5 Prozent Zuwachs pro Jahr. Zum Vergleich: Die durchschnittliche jährliche Rendite des Dax lag in den vergangenen 30 Jahren bei rund 10 Prozent, auf Tagesgeld gibt es so gut wie keinen Zins.*

Schritt 3: Risikobereitschaft

Der Grad der Risikobereitschaft beantwortet die Frage, in welchem Maß Du bereit bist, einen Verlust in Kauf zu nehmen für die Möglichkeit, einen bestimmten Gewinn zu erzielen. Hier ist Selbstreflexion gefragt. Welche finanziellen Risiken bist Du in der Vergangenheit bereits eingegangen und wie ging es Dir damit? Hast Du schon einmal in hoch riskante Bitcoins investiert – nur für den Nervenkitzel? Schläfst Du schlecht, nachdem Du online eine Fernreise für mehrere Tausend Euro gebucht hast? Sicherer Arbeitsplatz oder mehr Gehalt – wofür entscheidest Du Dich?

Die finanzielle Risikobereitschaft ist ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal. Sie wird sich in den seltensten Fällen nennenswert ändern. „In der Praxis lässt sich allerdings beobachten, dass insbesondere Frauen mit der Zeit mutiger werden, je mehr sie sich mit dem Thema Finanzanlage beschäftigen“, beschreibt Müller. Frauen schätzen sich im Vergleich zu Männern realistischer ein. Steigt ihre Kompetenz, dann sehen sie Risiko auch als Chance und gehen bewusst sinnvolle Risiken ein.

Interessant zu wissen: Dein Umgang mit finanziellen Wagnissen hat nichts mit Deiner Risikobereitschaft in anderen Lebenssituationen zu tun. So kann jemand, der regelmäßig den sportlichen Kick beim Motorradfahren oder Bungeejumping sucht, ein konservativer Anleger sein, der gänzlich auf Aktien verzichtet.

Schritt 4: Risikowahrnehmung

Risiken werden nicht sehr realitätsnah wahrgenommen. Häufig fürchten wir uns vor dem Falschen. So wird Bekanntes im Vergleich zu Unbekanntem typischerweise als weniger riskant wahrgenommen, oder Verluste schmerzen uns mehr, als wir uns über Gewinne in gleicher Höhe freuen. Lass Dich nicht täuschen! Kenne Dein Profil und handle danach. „Niemand würde Schuhe kaufen, ohne seine Größe zu kennen“, vergleicht Finanz-Coach Müller. Genauso wie es wenig bringt – außer schmerzende Füße –, zu kleine Schuhe zu kaufen, nur weil das Modell gerade modern ist, sollten sich Anlegerinnen nicht von kurzfristigen Marktentwicklungen leiten lassen.

*Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

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