Schritt für Schritt an die Börse

Wie gehe ich vor? Schritt für Schritt an die Börse

Bis zur ersten Wertpapierorder gilt es, einige Vorbereitungen zu treffen. Wir begleiten Dich auf Deinem Weg an die Börse.

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Bevor Du mit dem Anlegen starten kannst, solltest Du in Erfahrung bringen, wie viel Geld Du überhaupt zur Verfügung hast. Wenn Du bisher eher intuitiv bis chaotisch mit deinen Finanzen umgegangen bist, ist jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Kassensturz. Erst danach kannst Du Deine Sparrate festlegen. Um einen vollständigen Überblick über Deine Finanzen zu bekommen, arbeite diese drei Kategorien ab:
 

  • Vorhandene Vermögensanlagen
    Wie viel Geld ist bereits in Spar- oder Vorsorgeverträgen gebunden? Wann wird ein etwaiger Bausparvertrag oder eine Festgeldanlage fällig und in welcher Höhe? Manchmal tauchen auch längst vergessene Sparbücher auf, die Deine Eltern oder Großeltern für Dich angelegt haben. Informiere Dich bei Deiner Bank.
  • Regelmäßige Einnahmen
    Lege eine Liste an, auf der Du sämtliche Einnahmen wie Gehalt, etwaige Zinserträge, Mieteinnahmen, Kindergeld und Einmalzahlungen wie Boni oder Weihnachtsgeld den Ausgaben gegenüberstellst.
  • Regelmäßige Ausgaben
    Die Ausgabenseite lässt sich in fixe und variable Kosten gliedern. Zu den Fixkosten gehören unter anderem Miete plus Nebenkosten, Versicherungen, Kreditraten, Mobilfunkverträge, Zeitschriftenabos oder Kita-Gebühren. Am besten gehst Du dafür Deine Kontoauszüge der letzten Monate durch, so sind die regelmäßigen Posten schnell identifiziert. Daneben gibt es noch die kleinen Beträge, die man nebenbei für den Kaffee unterwegs, eine Zeitschrift oder den Kinoabend mit der besten Freundin ausgibt. Viele haben diese variablen Ausgaben nicht im Blick und bemerken erst, wie hoch diese ungesehenen monatlichen Beträge tatsächlich ausfallen, wenn sie diese penibel notieren. Am besten alle Belege sammeln und sich jeden Abend fünf Minuten Zeit nehmen, die Summe des Tages in die Liste einzutragen.

Schritt 2: Anlageziele definieren

Je nachdem wofür Du sparen möchtest, kommen unterschiedliche Anlagelösungen infrage. Definiere daher Deine wichtigsten Anlageziele. Diese vier Fragen helfen Dir dabei:
 

  • Wofür möchtest Du Dein Geld anlegen?
    Schreibe alle Ziele auf, die Dir in den Sinn kommen. Angefangen beim geplanten Hauskauf bis zur Weltreise. Du möchtest vielleicht (noch einmal) studieren oder der Schritt in die Selbstständigkeit steht an? Das alles kostet Geld. Wie viel finanzielle Freiheiten möchtest Du Dir im Alter ermöglichen, und welchen Betrag kannst Du für Deine Kinder zurücklegen? Möglicherweise liebäugelst Du mit einem schicken Sportwagen, oder die Märchenhochzeit mit allem Pipapo soll finanziert werden. Hier ist Platz zum Träumen und Rumspinnen. Priorisieren und aussortieren kannst Du später.
  • Wie lange möchtest Du investieren?
    Die Antwort lässt sich direkt aus Deinen bereits notierten Zielen und Wünschen ableiten. Während die Finanzen für die Hochzeitsfeier wahrscheinlich schon in wenigen Monaten stehen sollten, bleiben für die Baufinanzierung und Deine Träumereien mehr Zeit. Die Rente scheint zwar noch weit entfernt, auf die lange Bank schieben solltest Du dieses Sparziel aber nicht. Denn je eher Du beginnst, desto kleiner sind die notwendigen Sparbeträge. Notiere für jedes Deiner Vorhaben, wann das Sparziel spätestens erreicht sein soll.
  • Wie viel Risiko bist Du bereit einzugehen?
    Risiko ist eine abstrakte Größe. Willst Du die Frage beantworten, hilft es, Dich auf die Suche nach Deinem ganz individuellen Risikoprofil zu machen. Frage Dich: Wie viel Risiko kannst Du stemmen? Wie viel willst Du auf Dich nehmen? Wie viel Unsicherheit musst Du in Kauf nehmen, um Dein Ziel zu erreichen? Und: Wie schätzt Du ganz individuell das objektiv messbare Risiko einer Geldanlage ein?
  • Welche Rendite möchtest Du erwirtschaften?
    Deine Renditeerwartung sollte zu Deiner Risikobereitschaft passen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Risiko Du eingehst, desto mehr Rendite ist möglich. Wer auf keinen Fall ein hohes Risiko eingehen möchte, muss auch seine Renditeerwartungen herunterschrauben.

Schritt 3: Passende Wertpapiere auswählen

Mit der Definition Deines Anlageziels hast Du die Auswahl bereits begrenzt. Du kennst deinen Anlagehorizont, Deine Risikopräferenz und Renditeerwartung. Dazu gibt es passende Wertpapierarten. Möchtest Du beispielsweise nur kleine Beträge investieren, aber dennoch möglichst breit streuen, eignen sich vor allem ETFs und Fonds.

Mache Dich im nächsten Schritt mit den unterschiedlichen Regionen, Branchen und Markttrends vertraut und investiere in das Papier, das Dich überzeugt. Das können ausgewählte Unternehmen sein oder ganze Branchen beziehungsweise Regionen. Vielleicht gibt es auch einen gesellschaftlichen Trend, den Du mitgehen möchtest. Ausgewählte Fonds nehmen beispielsweise ausschließlich nachhaltig wirtschaftende Unternehmen ins Portfolio auf.

Schritt 4: Depot eröffnen

Springe nicht direkt ins kalte Wasser, sondern übe zunächst mit einem Musterdepot. So kannst Du Dich erst einmal mit der Handelsoberfläche vertraut machen und ganz ohne Risiko alles testen. Fühlst Du Dich sicher, kannst Du mit Deinem echten Depot loslegen.
 

  • Voraussetzungen
    Grundsätzlich musst Du über 18 Jahre alt sein und bei irgendeiner Bank ein Girokonto besitzen, dann steht der Depoteröffnung nichts mehr im Weg. Je nach Anbieter kann eine Mindesteinzahlung gefordert sein.
  • Anbieter finden
    Das Angebot an Brokern ist riesig. Ein Entscheidungskriterium ist die Gebührenstruktur. Gebühren fallen einerseits für die reine Depotführung an und andererseits für jede einzelne Transaktion. Bei teuren Anbietern kann Dich die Depotgebühr gut zwei Prozent Deines Depotvolumens kosten. Andere Anbieter erheben keine Jahresgebühren, langen dafür bei den Ordergebühren kräftig zu. Je öfter Du handelst, desto stärker können diese ins Gewicht fallen. Eine Faustregel ist, dass die Gesamtgebühren maximal ein Prozent Deines geplanten Anlagevolumens ausmachen sollten.
  • Gerade am Anfang hast Du vermutlich noch viele Fragen. Achte bei der Auswahl daher auch auf ein gutes Serviceangebot. Manche Broker sind rund um die Uhr telefonisch erreichbar.
  • Eröffnungsantrag
    Hast Du Dich für einen Anbieter entschieden, füllst Du den Antrag aus und sendest ihn unterschrieben zurück. Es folgt ein Identitätscheck per Postidentverfahren und nach wenigen Tagen ist Dein Depot freigeschaltet.

Schritt 5: Wertpapiere kaufen

In Deinem Online-Depot kannst Du Kauf- und Verkaufsaufträge, sogenannte Orders, erteilen. Dafür wählst Du das entsprechende Wertpapier anhand seiner Wertpapierkennnummer (WKN beziehungsweise ISIN) aus und gibst die Stückzahl ein, die Du kaufen oder verkaufen möchtest. WKN und ISIN musst Du nicht auswendig wissen, sie lassen sich über die Suchfunktion in der Ordermaske ermitteln. Wähle außerdem aus, an welcher Börse Du kaufen oder verkaufen möchtest. Manche Wertpapiere werden an mehreren Börsen gehandelt, daher können sich die Kurse unterscheiden. Die erste Auswahl ist nicht unbedingt die beste.

Börse - Ordermaske

Zu jedem Auftrag kannst Du sogenannte Orderzusätze ergänzen. Die wichtigsten sollten Dir geläufig sein:
 

  • Billigst-/Bestens-Order
    Du bist bereit, jeden Preis für den Kauf beziehungsweise Verkauf der Wertpapiere zu akzeptieren.
  • Limitierte Kauf-/Verkaufsorder
    Du gibst einen Höchstpreis vor, bis zu dem Du maximal bereit bist, die Aktien zu kaufen, beziehungsweise einen Mindestpreis, den Du beim Verkauf erzielen möchtest.
  • Stop-Loss-/Stop-Buy-Order
    Diese Zusätze helfen, Kursverluste zu begrenzen beziehungsweise den richtigen Einstiegszeitpunkt zu erwischen. Dafür gibst Du einen Verkaufs- beziehungsweise Kaufpreis ein. Wird dieser erreicht oder unterschritten/überschritten, wird das Papier zum nächsten Preis bestens verkauft/billigst gekauft.
  • Trailing-Stop-Order
    Trailing-Stops passen Deine Stop-Loss- und Stop-Buy-Aufträge dem Kursverlauf an. Die Preisgrenze ist nicht fest, sondern passt sich dynamisch der Kursentwicklung an. Es kann beispielsweise festgelegt werden, dass der Stopp-Preis immer zehn Prozent unter dem aktuellen Kurs bleiben soll.
  • OCO
    OCO steht für „One Cancels Other“: Wenn Du für ein Wertpapier gleichzeitig eine Stop-Buy-/-Loss-Order und eine Limit-Buy-/-Loss-Order setzt, wird die eine Limit-Art automatisch gelöscht, sobald die andere ausgeführt wird. Damit entscheidest Du, wie viel Du in einer Position maximal gewinnen oder verlieren möchtest.

Schritt 6: Depotcheck

Die Märkte ändern sich, daher solltest Du Dein Depot regelmäßig – mindestens einmal pro Jahr – auf den Prüfstand stellen. Durch Wertschwankungen kann es passieren, dass die Zusammensetzung nicht mehr Deiner Anlagestrategie entspricht. Durch entsprechende Käufe und Verkäufe lässt sich die ursprüngliche Gewichtung wiederherstellen.

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