Katharina Brunsendorf

Studium als Schlüssel zum Erfolg?

Wir Deutschen lieben Zertifikate, Auszeichnungen und Abschlüsse. Etwas Solides in der Hand zu haben – das hat was. Aber worauf kommt es wirklich an? Welche Fragen sind für das eigene Arbeitsumfeld und damit den eigenen Weg wichtig? finanz-heldin Katharina Brunsendorf berichtet hier von ihrer ganz persönlichen Reise:

„Nur wer einen Abschluss hat, ist etwas wert, so scheint es. Diese Denkweise ist die größte Hürde für mehr Vielfalt.“ Unter dieses Zitat und LinkedIn-Posting von Tijen Onaran habe ich meine Erfahrung von meinem Weg gepostet und bin erstaunt, wie viele Likes diese Antwort bekommen hat. Denn auch mein Lebenslauf ist nicht der Klassische, wie man ihn vielleicht in meiner Position erwarten würde.

Die mutigste Entscheidung meines Lebens

Als ich in der 11. Klasse den ersten Tag nach den Sommerferien die Schule besuchte wusste ich: Hier bin ich falsch. Schon in den Ferien wollte ich zum Unmut meiner Eltern die Schule aufgeben. Mangels Alternativen bin ich dann doch wieder hingegangen. Die Schule: ein klassisches Gymnasium mit einer Reihe an Fächern, die mich meiner Meinung nach einfach nicht aufs Leben vorbereiteten. Da die Diskussion um Schule oder nicht Zuhause intensiv geführt wurde, es aber keinen Ausweg gab, fuhr ich auch an Schultag zwei Richtung Schule. Dieses Mal aber ins benachbarte Wirtschaftsgymnasium. Hier versprach ich mir mehr Wissen für die Zukunft. Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaft und Informatik. Damit konnte ich mehr anfangen, als mit Kunst, Musik und Physik.

Zwar wusste ich, dass es in den Ferien einen Aufnahmetest gegeben hatte und die Plätze begrenzt waren, aber ich dachte mir, dass ich es immerhin versuchen kann. Eine Stunde und ein intensives Gespräch mit dem Koordinator der Schule später, begrüßte er mich als neue Schülerin. „Auf eine mehr, kommt es auch nicht mehr an“, sagte er. Mittags überraschte ich meine Eltern mit den Schulpapieren, die sie unterschreiben mussten und machte klar: diese Schule oder keine.

Wenn ich diese Entscheidung im Nachhinein betrachte, sehe ich zwei Punkte: Zum einen die Chance, dass der Koordinator mir diese alternative Möglichkeit gegeben hatte und zum anderen meinen Mut, einen anderen Weg zu gehen. Allen Widerständen zum Trotz. Es war eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe und auf die ich heute sehr stolz bin.

Die nächste Entscheidung im Leben: Studium oder Ausbildung?

Da ich erst einmal gar nicht so recht wusste, welchen Weg ich gehen möchte, ging es für neun Monate nach England als Au Pair. Was danach kommen sollte, wusste ich nicht so recht. Was aber klar war: Ich wollte unabhängig von meiner Familie sein. Daher recherchierte ich viel zu Studienkrediten oder bewarb mich zurück in Deutschland auf Duale Studiengänge, um auch das Finanzielle sicherzustellen. Anscheinend schlummerte schon da eine finanz-heldin in mir.

Ein Praktikum aus der Vergangenheit machte mich auf die Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation aufmerksam. Das Bewerbungsgespräch zeigte mir erneut, was ich bei meiner Entscheidung zum Schulwechsel schon beherzigt und von meiner Mutter immer wieder gesagt bekommen hatte: Höre auf deinen Bauch. Denn obwohl ich eine Zusage für ein Duales Studium hatte, wählte ich die Ausbildung. Es fühlte sich einfach passender an. Die Themen, die Menschen und das Umfeld. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Nicht zuletzt auf meiner positiven Erfahrung im Mittelstand und der Arbeit mit vermeintlich unsexy Produkten basiert mein Plädoyer für kleine Unternehmen, denn sie bieten die Chance, mit den Themen zu wachsen. Und das tat ich auch.

Wechsel für Wachstum

Mit meinem Wechsel zu comdirect und heute der Commerzbank AG habe ich weitere Schritte gemacht. Von Interner Kommunikation, Eventplanung, Externer Kommunikation bis hin zur aktuellen Position, der Leitung der Initiative finanz-heldinnen. Hier habe ich viel Raum für Gestaltung bekommen, ihn mir aber auch genommen. Meine aktuelle Position beinhaltet Themen und Formate, für die ich brenne und mit denen ich meine Leidenschaft für Content-Kreation und -Produktion voll ausleben kann. Und das gebe ich gerne auch immer wieder als Tipp: Mache deutlich, was Du möchtest und zeige, was Du kannst. Habe keine Sorge, Fehler zu machen, denn wie heißt es so schön: Andere kochen auch nur mit Wasser.

Das Schönste: Ich habe an keinem Punkt in meinem Bewerbungsprozess für meine Stelle bei comdirect das Gefühl gehabt, dass es ein Manko ist, kein Studium vorweisen zu können. Ebenso nicht, wenn ich Stellen innerhalb des Konzerns gewechselt habe. Zwar besitze ich eine Weiterbildung zur PR-Referentin, aber der Stempel „Bachelor“ fehlt. Dies war nie ein Thema, denn ich hatte das Gefühl, mit meinen Leistungen, Herzblut und Engagement überzeugen zu können.

Persönlich finde ich, gibt es kein Richtig oder Falsch für oder gegen ein Studium. Ich finde vielmehr die Frage wichtig, wie ich mir mein Umfeld vorstelle, in dem ich arbeiten möchte. Gibt man mir Freiräume? Welche Chancen habe ich? Wie kann ich anhand meines Umfeldes und neuer Themen wachsen? Diese Denkweise ist entscheidend für mich und ich finde, das sind auch die Fragen, die Unternehmen mir beantworten sollen können. Und wenn diese Punkte nicht stimmen, sollte ich mich nicht fragen, ob ein Studium fehlt, sondern ob dies das Umfeld ist, in dem ich arbeiten möchte.

Porträt Katharina Brunsendorf

Über Katharina Brunsendorf

Katharina leitet die Initiative finanz-heldinnen und ist Mit-Herausgeberin des Buches „finanz-heldinnen – Der Finanzplaner für Frauen“. In vorigen Positionen betreute sie unterschiedliche Kommunikationsformate für comdirect und war im Marketing der BEGO Unternehmensgruppe aktiv. Erst durch ihre Tätigkeit bei der Direktbank hat sie sich stärker mit ihren Finanzen und ihren finanziellen Möglichkeiten auseinandergesetzt. Diesen Impuls und ihre Begeisterung für das Thema möchte sie im Rahmen der Initiative finanz-heldinnen auch an andere Frauen weitergeben. Dies tut sie sowohl im Podcast Schwungmasse, als auch in den vielfältigen Social Media und weiteren Formaten der Initiative, wo sie ihre Passion für Content-Erstellung und -Planung vollends entfalten kann.

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