Trau Dich an die Börse!

Die Zahl der Aktionär:innen in Deutschland ist in letzter Zeit stark gestiegen, endlich. Es investieren aber noch immer viel mehr Männer als Frauen. Warum eigentlich?

Die gute Nachricht zuerst: Die Deutschen entdecken die Aktie. Mehr als jede:r Dritte investiert aktuell Geld in Aktien. Das ist das Ergebnis der aktuellen Befragung der „Initiative pro Aktie“, zu der sich comdirect, Consors Bank, ING und Flatex Degiro zusammen geschlossen haben. Fonds werden dabei am häufigsten genutzt (18 Prozent), gefolgt von Sparplänen (16 Prozent), Einzelaktien (14 Prozent) und ETFs (11 Prozent). Die anhaltende Niedrigzinsphase hat uns scheinbar zum Aktienkauf motiviert. Oder war der Leidensdruck so groß?

Frauen investieren seltener in Aktien

Die schlechte Nachricht: Noch immer sind Frauen deutlich zurückhaltender als Männer oder um es überspitzt zu sagen: Frauen sparen sich arm, Männer investieren sich reich. Denn während das Geld auf Sparkonten unverzinst rumliegt oder sogar mit Strafzinsen belegt wird, wächst das Vermögen bei breiter Risikostreuung an der Börse langfristig um sechs bis acht Prozent im Jahr. Trotzdem trauen sich viele Frauen nicht an die Börse. Ein Beispiel: Insgesamt haben 18 Prozent der Deutschen einen Aktienfonds im Depot – jeder vierte Mann, aber nur jede achte Frau. Ein ähnliches Bild bei den Wertpapiersparplänen, also Sparplänen auf Aktien, Aktienfonds oder ETFs. Währende jeder fünfte Mann regelmäßig investiert, tut das auch nur jede achte Frau. Aktien als Geldanlage, egal ob Einzeltitel, Fonds, ETF oder Sparplan, sind vor allem bei Männern beliebt. Das geben immerhin 45 Prozent an. Bei den Frauen sind es leider nur 27 Prozent. Gehörst Du auch dazu oder hast Du Deine ersten Schritte an der Börse schon gemacht? Falls nicht. Trau Dich! Es ist alles viel einfacher als Du denkst. Die finanz-heldinnen begleiten Dich auf Deinem Weg von der Sparerin zu Anlegerin.

Doch warum sind Frauen noch immer so zurückhaltend? Schließlich bieten Aktien doch über einen Zeitraum von zehn und mehr Jahren die besten Renditen überhaupt. Antworten darauf hat auch J.P. Morgan Asset Management (JPAM) jüngst gesucht und 4.000 Frauen in zehn europäischen Ländern befragt. Ein Ergebnis dieser Befragung: Sparerinnen lehnen Kapitalmarktanlagen nicht grundsätzlich ab. Mit 64 Prozent der Befragten kann sich die Mehrheit sogar vorstellen, in Zukunft anzulegen. Das klingt erstmal gut.

Schon mit ganz kleinen Summen geht es los
Mit 19 Prozent gibt aber auch rund jede fünfte Sparerin an, ihr Geld nie an der Börse anlegen zu wollen. Diese Gruppe ist in Deutschland und Österreich mit 35 Prozent besonders groß. Gründe für diese ablehnende Haltung gibt es einige. Etwa glaubt mit 58 Prozent mehr als jede Zweite, dass sie nicht genug Geld hat, um es zu investieren. Und mit 73 Prozent sind fast drei Viertel dieser Sparerinnen überzeugt, dass sie es sich nicht leisten können, mit ihrem Geld Risiken einzugehen. Ähnliche Ergebnisse bringt auch die Studie der „Initiative pro Aktie“. Aber Du kannst schon mit ganz kleinen Beträgen an der Börse starten, etwa über einen Fonds- und ETF-Sparplan.

Die JPAM-Befragung hat auch versucht zu ermitteln, was Frauen den Einstieg am Kapitalmarkt ganz konkret erleichtern würde. Insgesamt hätten 30 Prozent der Befragten gern ein besseres Verständnis der Grundlagen des langfristig erfolgreichen Anlegens. Dazu wünscht sich jede zweite Befragte einen leicht verständlichen Leitfaden, jede Dritte wüsste gern genauer, was die Fachbegriffe bedeuten und 39 Prozent finden eine Beratung, wann man kaufen und verkaufen sollte sinnvoll. Auch in der Studie der „Initiative pro Aktie“ gibt ein Drittel der Deutschen an, das Gefühl zu haben, nicht ausreichend informiert zu sein. Für sie bieten sich weitere kostenlose Informationsangebote an. Besonders für Jüngere wären Erklärvideos hilfreich, ihr Wissen zum Thema Geldanlage zu erweitern. Ältere würden hingegen eher Broschüren in leichter Sprache oder aber eine individuelle Beratung bevorzugen. Angebote und Initiativen wie die finanz-heldinnen bieten solche Informationen.

Gebührenfrei Investieren am „Tag der Aktie“

Es ist auf jeden Fall noch viel Luft nach oben. Die hoffnungsvolle Nachricht: 60 Prozent der Bundesbürger:innen, die aktuell noch keine Aktien besitzen, könnten sich eine solche Investition aber grundsätzlich vorstellen. Es könnte sich also noch sehr viel mehr tun! Und gerade wir Frauen müssen aktiv werden: Wir verdienen weniger, bauen weniger Vermögen auf, sorgen weniger für das Alter vor. Vielen von uns droht Altersarmut. Dagegen sollten wir so früh wie möglich etwas tun. Aktien sollten unbedingt ein Baustein unserer Altersvorsorge sein. Warum nicht einfach jetzt starten, am „Tag der Aktie“, dem 29. Oktober 2021. Bei den teilnehmenden Banken entfallen dann beim Kauf aller Dax-Aktien und ausgewählter ETFs über den Handelsplatz Börse Frankfurt weitgehend die Gebühren.

Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer ist Autorin für das finanz-heldinnen Magazin und eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Ihre Leidenschaft für die Börse hat die gebürtige Düsseldorferin zum Beruf gemacht. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Sie hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anleger:innen und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren stark macht.
Darüber hinaus schreibt sie eine wöchentliche Kolumne bei onvista.de, einem der meistbesuchten Finanzportale in Deutschland.

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